Runde Sache

Wojciech Czaja, 11. März 2011, 18:24
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    foto: apa/robert parigger

    Das neue Tirol Panorama am Bergisel vereint moderne Architektur mit einer Heimatausstellung, die überraschenderweise ohne Peinlichkeiten auskommt.

Zur Architektur des "Tirol Panorama": Das Rundgemälde hat ein neues Zuhause und Innsbruck ein neues Museum

Es ist Samstag, Abend. Das bayerisch-französische Heer hat vor der Stadt die Zelte aufgeschlagen und macht sich bereit, Innsbruck anzugreifen. Der Kampf gilt den aufmüpfigen Tirolern, die sich partout weigern, Steuererhöhungen, Wehrpflicht und religiöse Diktion zu erdulden und weiterhin Teil des Bayerischen Königreichs zu sein. Dicke Luft.

Am nächsten Morgen ist es so weit. Unter der Führung von Marschall Lefebvre bricht die Infanterie zum Bergisel auf und metzelt nieder, was ihr in den Weg kommt. In den Abendstunden schließlich, nachdem die Schlacht ihren Höhepunkt erreicht hat, bleibt den Aggressoren keine andere Wahl als zu kapitulieren. Es mangelt an Munition und Energie.

Dank der Führerschaft von Andreas Hofer ziehen sich die Bayern bis auf weiteres wieder zurück. Die dritte Bergiselschlacht am 13. August 1809 geht in die Geschichte ein und wird rund hundert Jahre später vom Münchner Alpen- und Panoramamaler Michael Zeno Diemer auf die Leinwand übertragen. Es ist eine romantisierte und touristisch auffrisierte Momentaufnahme.

Seit heute, Samstag, hat das Innsbrucker Rundgemälde ein neues Zuhause. "Das neue Museum am Bergisel ist mit Sicherheit einer der wichtigsten Kulturbauten der letzten Jahre" , sagt Benno Erhard, Projektleiter in der Kulturabteilung des Landes Tirol. "Es ist nicht nur ein schönes und modernes Gebäude, sondern auch die einzige Möglichkeit, das Rundgemälde, das bis vor kurzem in der alten, baufälligen Rotunde untergebracht war, nachhaltig zu sichern."

Während die mittlerweile verwaiste Holzrotunde am Inn unter Denkmalschutz steht, bläst sich der Neubau am Bergisel zu einer inhaltlich mächtigen, aber optisch sachlich zurücknehmenden Kiste mit einem herrlichen Ausblick auf das Innsbrucker Stadtpanorama auf. Glas, Stahl, Beton - so hochwertig komponiert wie man das von der Tiroler Architektenschaft seit Jahren gewohnt ist.

"Das Wichtigste an diesem Haus ist der Aufbau" , erklärt Architekt Philipp Stoll vom planenden Büro stoll wagner. Es konnte sich 2006 in einem EU-weiten offenen Wettbewerb unter insgesamt 74 Teilnehmern als Sieger durchsetzen. "Wir wollten den Zylinder für das Rundgemälde nicht wie einen fetten Gasometer mitten in den Park stellen, sondern haben das Volumen in eine bestehende Geländemulde integriert."

Über der massiven, rund 30 Meter breiten Betonbüchse, die bullig in der Erde steckt, balanciert nun, mit präzisem Strich in die Landschaft skizziert, eine gläserne Vitrine mit 66 Meter Länge und 40 Meter Breite. Kein Gramm Fett zu viel.

Während man sich außen an den farbenfrohen Spiegelungen des Andreas-Hofer-Denkmals, der Bergisel-Sprungschanze von Zaha Hadid und der weiß gezuckerten Nordkette erfreut, eröffnet sich innen ein riesengroßes, luftiges Nichts. Wie angenehm: Man wird nicht schon an der Schwelle mit verrosteten Bajonetten, ausgestopften Luchsen und diversen anderen Memorabilien niedergemetzelt, sondern kann erst einmal in Ruhe tief Luft holen.

Ruhe auf der Rolltreppe

Nach dem Lösen der Eintrittskarte wandert man langsam an der Glasfassade entlang. Dramatische Kulisse. Geschnitzte Holzfiguren des Südtiroler Bildhauers Willy Verginer bieten einen ersten Vorgeschmack auf 1809. Über eine winzig schmale Rolltreppe fährt man schließlich runter in den Berg. Drängeln und Überholen unmöglich, hier gemahnt die Architektur an Ruhe und Gemächlichkeit.

Eine Dauerausstellung zu den Themen Natur, Volkskunde und Religion, vor der man sich unter normalen Umständen furchtbar gruseln müsste, lädt zum Auskundschaften ein. Der Stuttgarter Ausstellungsplaner HG Merz hat es geschafft, das wahrlich undankbare Themenpotpourri interessant und witzig zu gestalten. Da hängt eine Seilbahngondel aus den Fünfzigerjahren neben einem High-Tech-Skischuh aus der Gegenwart, da liegt ein kantiger Quarz neben einer Flasche Enzianschnaps, da sitzt ein Braunbär neben einem schnuckeligen Bauernhausmodell.

"Um solche Themen kümmert man sich viel zu wenig" , sagt HG Merz im Gespräch mit dem Standard. Und wenn, dann sei in der Regel so wenig Herzblut dabei, dass die Zusammenstellung der Exponate provisorisch und peinlich kitschig erscheine. "Hier zeigen wir alles nebeneinander. Der Besucher zappt sich durch."

Noch eine Rolltreppe. An der untersten Stelle des Gebäudes schließlich befindet sich der Zugang in die Gemälde-Rotunde. Plötzlich weicht die sonst schlichte Farbgestaltung des Museums einem blutigen Rot, man wittert Gewalt, die Schlacht ist nicht weit.

Diemers tausend Quadratmeter großes Panoramabild hat den Umzug aus der alten Rotunde schadlos überstanden. Die Zuluft, die aus einem alten Luftschutzstollen aus dem Zweiten Weltkrieg angesaugt und über Wärmetauscher auf die gewünschte Temperatur gebracht wird, soll das Öl auf Leinen langfristig schonen.

Fahler Beigeschmack

Wenn am Samstag Politiker und Projektbeteiligte große Reden schwingen werden, wird ein leichter Beigeschmack nicht wegzureden sein. "Das Rundgemälde und die hölzerne Rotunde am Rennweg waren bisher eine Einheit" , sagt Werner Jud, Landeskonservator von Tirol. "In meiner Rolle als Denkmalpfleger bin ich mit der Trennung sehr unglücklich. Wenn man über diesen Umstand jedoch hinwegsieht, ist das neue Museum gewiss eine architektonisch spannende Hülle."

Lange währte der Kampf zwischen Bundesdenkmalamt, Kulturschaffenden und Land Tirol. Translozierung ja oder nein? Beendet wurde die Diskussion in einer wie gewohnt wenig transparenten Entscheidung von Bundesministerin Claudia Schmied, indem sie sich gegen den Antrag von Bundesdenkmalamt und Landeskonservatorat stellte. Das war der Startschuss für das neue Tirol Panorama, wie das Museum heute heißt.

Sechs bis sieben Millionen Euro Baukosten wurden bei Projektbeginn 2006 genannt. Die Schätzung war mehr als optimistisch. Die größere Dimensionierung des Baus, die Sanierung des Kaiserjägermuseums, eine zusätzliche unterirdische Verbindung, ein neues Verkehrskonzept samt Parkraumbewirtschaftung, ein ungeplanter Grundankauf und nicht zuletzt verschärfte Energieanforderungen ließen die Baukosten auf 12,8 und die Gesamtinvestitionskosten auf über 25 Millionen Euro klettern. Eine glatte Verdoppelung.

Doch dafür hat das mit architektonischen Präziosen ohnehin schon reich bestückte Innsbruck eine Sehenswürdigkeit mehr. Den bisher tatkräftigen internationalen Kapazundern wie Dominique Perrault, David Chipperfield und Zaha Hadid stehen die Innsbrucker Architekten, die nun zum Zug kommen, die Landeshauptstadt zu gestalten, um nichts nach. Aufmüpfig und kämpferisch waren sie immer schon, die Tiroler. (Wojciech Czaja, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 12./13. März 2011)

Kommentar posten
18 Postings
insigma
00
14.3.2011, 12:05
"einer der wichtigsten Kulturbauten der letzten Jahre"

schon peinlich genug, sprechen sie es auch noch aus! wahnsinn. und für förderprogramme von kindern und jugendlichen ist kein geld da.

auf die zukunft wird geschissen aber die vergangeneit lebe hoch, und wenn man sie verklären muss.

prost.

rud L
00
14.3.2011, 00:02

Man sieht nicht viel vom Museum aus, kein Stadtpanorama- nur den Teil des Frachtenbahnhofs, wenig Nordkette, keine Schanze, keinen Bergisel, von Autobahnen flankierte Hügel- ein bisschen mehr von allem sieht man im von der Ausstellung nicht einsehbaren Cafe. Dürftiges Architekturgeschreibsel, Das Thema Kostensteigerung ist grob falsch dargestellt, die genannte Zahlen von 12,8 Millionen € ist schon doppelt so viel wie anfangs veranschlagt, nicht, die Kosten des ausstehenden Verkehrskonzept im Gegenzug abgetrennt. Da will einer mit Krämpfen einen schönen- weil Kultur, ja Architektur- Artikel schreiben, wie einen netter Schüleraufsatz. Und kommt dabei ganz ohne Begriffe aus, erlaubt sich folglich keine Wertung, das übliche Architekten- Blabl

soziales netz
01
13.3.2011, 12:33

die rein objektorientierte sichtweise von architekten spiegelt sich in diesem artikel klar wider.

alle klischees werden hier bedient. herrlich.

aber was hat dieser artikel im "der standard" zu suchen?

Tim Eodanaos
01
13.3.2011, 12:11
€ 150.000,-

hat angeblich die Eröffnungsfete gekostet, bei der sich der Polit-Klüngel um Van Staa und ein paar Figuren, die der Verkleidung nach zu schließen vom Faschingsdienstag übrig geblieben sind, gestern selbst gefeiert haben.
Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte!

Hansjoerg Holzer
 
00
13.3.2011, 10:58
Eine grosse chweinerei

27 Millionen für etwas völlig überflüssiges. Nur dass herr van Staa sein privates Hobby finanziert bekommen hat, müssen hunderttausende Tiroler auf mehr Spitalsbetten, mehr Hospizplätze, mehr Seniorenbetreuung, mehr Ärzte in den Kliniken und vieles mehr, verzichten. Hoffentlich setzt die Serie "Wallnöfner,vanSta, Zach nicht fort.
Wo sind echte Tiroler (nicht nur solche, die sich als solche bezeichnen) , diem den Mut haben gegen solche Zeitgenossen aufzutreten? Schade um unser Land

Tim Eodanaos
00
13.3.2011, 12:12
Vorsicht!!!

Nicht SchXXXn sagen!!!!!

Radio
00
12.3.2011, 17:59
tiroler kultur

erinnert sich noch jemand an die Kunsthalle Tirol in Hall?
heisst heute: "Salzraum.Hall -
wo Event, Kultur und Architektur verschmelzen" (Originalslogan von der HP)
eine echte Schande!!

Tim Eodanaos
03
12.3.2011, 11:56
Bin ich da im OnlineStandard, oder in der Propagandaabteilung der Tiroler Landesregierung????

Tim Eodanaos
01
12.3.2011, 11:55
Super, wir haben ein VanStaasileum!!!!

Darin erschöpft sich aber dann die Kulturförderung in diesem Land. Eh klar, wenn man 25 Mille so locker für die Verklärung unseres Landesterroristen verbratet bleibt sonst nicht mehr viel übrig.

der kandidat palantine
12
12.3.2011, 08:59

völlig unnötiges gebäude. reine geldverschwendung. aber das passiert halt in einem land, das seit 60 jahren von der gleichen partei regiert wird.

tirol1809 | gefürstete grafschaft tirol
10
13.3.2011, 10:34
un dim roten Wien ist alles ok. Keine sinnlosen Pojekte, keine Skandale. Alles gut.

widerlich.

trolltag
00
13.3.2011, 12:05

nicht ablenken!

fraxs2
29
11.3.2011, 21:04

was für ein verklärender artikel! und so etwas im standard!
die kosten von 25 mio euro werden nicht durch ein - wie sie meinen - weiteres architekturhighlight gerechtfertigt. zu sehr wird die (un)freie kulturszene im gegenzug ausgehungert. das museum ist eine bloße weiterführung patriotischer verklärungsromantik, die im hofer-jahr ihren höhepunkt fand, und leider immer noch kein ende gefunden hat. gipfel der peinlichkeiten ist natürlich der der schlußsatz: "Aufmüpfig und kämpferisch waren sie immer schon, die Tiroler." so ein schwachsinn! opportunistisch, engstirnig und brutal waren sie höchstens, wenn man schon eine so vereinheitlichende aussage tr

belle epoque
01
12.3.2011, 11:40
korrekt,

das treibhaus läuft nach wie vor förderungsmittel hinter her. zitat aus der letzten rundmail:

//
die tiroler landesregierung läßt sich allein die eröffnung 150.000 euro kosten.
das passt wie eine karikatur auf den copy-paste stehsatz aus der kulturabteilung:
"Bezug nehmend auf Ihren Förderantrag teile ich Ihnen mit, dass aufgrund der angespannten budgetären Lage des Landes Tirol die Gewährung der von Ihnen beantragten Projektförderung leider nicht möglich ist."
//

weiters musste mit dem beginn dieses jahres das kulturgasthaus bierstindl geschlossen werden, weil dem land ja scheinbar "aufgrund der angespannten budgetären Lage" keine mittel zur verfügung stehen. nicht nur dass sich die inverstitionskosten letztlich weitaus verdoppelt haben, n

tirol1809 | gefürstete grafschaft tirol
00
13.3.2011, 10:35
wie oft hat man die Chaoten vom Bierstindl schon aus der Patsche geholfen?

die jetzige Schließung war das einzig richtige!

belle epoque
00
12.3.2011, 12:50

....es gibt bereits im ansatz pläne vom bierstindl aus einen panoramalift (!) zum bergisel zu bauen!

schlimmer gehts wohl doch immer...

fraxs2
00
11.3.2011, 21:09

effen will.

fraxs2
02
11.3.2011, 20:59
fürchterlich!

was für ein verklärender artikel! und so etwas im standard!
die kosten von 25 mio euro werden nicht durch ein - wie sie meinen - weiteres architekturhighlight gerechtfertigt. zu sehr wird die (un)freie kulturszene im gegenzug ausgehungert. das museum ist eine bloße weiterführung patriotischer verklärungsromantik, die im hofer-jahr ihren höhepunkt fand, und leider immer noch kein ende gefunden hat. gipfel der peinlichkeiten ist natürlich der der schlußsatz: "Aufmüpfig und kämpferisch waren sie immer schon, die Tiroler." so ein schwachsinn! opportunistisch, engstirnig und brutal waren sie höchstens, wenn man schon eine so vereinheitlichende aussage treffen will. lieber standard: ich bin entsetzt!

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