Mieter haben Recht auf sichere Elektroanlagen

  • "Es gilt die Vermutung: Je älter, desto gefährlicher."
    foto: bundesinnung elektrotechniker

    "Es gilt die Vermutung: Je älter, desto gefährlicher."

Bis zu 50 Tote jährlich durch Stromschläge und Elektrobrände

Wien - Strom ist in Österreich die häufigste Brandursache und fordert rund 50 Menschenleben jährlich. Laut Elektrotechniker-Innung entsteht durch die etwa 2.800 Brände ein Schaden von rund 99 Millionen Euro. Die Novelle zur Elektrotechnik-Verordnung (ETVO) aus dem Jahr 2010, die am 13. Juli in Kraft getreten ist (ohne Übergangsfrist), soll Mindeststandards in Sachen Elektroanlagen garantieren - jedenfalls bei der Neuvermietung der meisten Wohnungen, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Überprüfung kostet etwa 250 Euro

"Wohnungen mit unsicheren Elektroanlagen dürfen in Österreich nicht mehr vermietet werden", erläuterte Josef Witke, Bundesinnungsmeister der Elektrotechniker. Und relativierte gleich: Betroffen sind neu abgeschlossene Hauptmietverträge, die dem Voll- und Teilanwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes (MRG) unterliegen. Es gibt also einige Ausnahmen. Die detaillierte Überprüfung der gesamten Elektroanlage einer 70 Quadratmeter großen Wohnung kostet samt Befund etwa 250 Euro, rechneten die Experten vor. Bei der Neuvermietung haben nun sowohl Mieter als auch Vermieter ein Übergabeprotokoll in Händen, das bei Unklarheiten beiden Seiten eine Sicherheit bietet, sollte es zu Problemen kommen.

Das bedeutet: Bei der Verlängerung eines Mietvertrages oder dem Eintritt eines Angehörigen in ein bestehendes Mietverhältnis muss die Anlagenüberprüfung nicht vorgenommen werden. Ebenfalls bisher ausgenommen: Untermietverträge und Ein- und Zweifamilienhäuser. Weder nachvollziehbar noch verständlich, kritisierte Witke, der die neue Regelung grundsätzlich als "Meilenstein" sieht. Zehn Jahre lang habe man dafür gekämpft, eine derartige Verordnung zu schaffen.

Je älter, desto gefährlicher

"Endlich legt eine Rechtsnorm das Recht jedes Mieters auf eine sichere Elektroanlage fest", erklärte er. Von den rund 3,9 Millionen heimischen Wohnungen sind etwa zwei Millionen betroffen. 1,7 Millionen davon wurden vor 1991 errichtet - die meisten dieser Elektroanlagen entsprechen nicht den Sicherheitsanforderungen des gültigen ETG 1992 (Elektrotechnikgesetz). "Es gilt die Vermutung: Je älter, desto gefährlicher", so Witke. "Zehntausende alte Elektroanlagen sind hierzulande noch in Betrieb - zum Teil aus der Kaiserzeit." Bis dato mussten heimische Elektroanlagen zwar theoretisch überprüft werden - wann und wie oft war aber in keinem Gesetz festgelegt.

Mietrechtsexperte Christoph Kothbauer sprach über die rechtlichen Folgen der Novelle und gab möglichen Betroffenen Tipps, wie sie ihr Recht durchsetzen können. So lohne sich der Gang zur Schlichtungsstelle, auch wenn diese keine bindenden Entscheidungen fällen kann. Erwähnenswert sei von allem die Tatsache, dass nun kein konkreter Schaden vorliegen muss, damit eine Mietzinsminderung rechtens und möglich ist.

Schon die Nichtvorlage eines Prüfprotokolls reiche aus - die "Angst vor einer desolaten Elektroanlage" kann den Vermieter also teuer zu stehen kommen. Wie viel genau sei derzeit schwer zu beziffern - grundsätzlich sei eine Herabsetzung auf bis zu 77 Cents pro Quadratmeter (Kathegorie D) möglich. Wird eine Behörde aktiv, kann die Strafe zwischen 300 und 1.000 Euro liegen. (APA)

 

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19 Postings
klingt logisch, ist aber realitätsfremd

in schlechten gegenden (z.B. XV. mit mieten von 250 fuer 40-55m²) ist bei haeufigem mieterwechsel jedes mal eine prüfung um € 250 (plus allfaellige reparaturkosten!) unfinanzierbar.

Interressant wäre noch ...

... wieviele der Brände mit elektrischer Ursache auf die Installation selbst und wie viele auf Elektrogeräte entfallen.

Einerseits sind die Mieten (insb. in Wiener Altbauten) stark reguliert, andererseits wundert man sich, dass so wenig in solche Immobillien investiert wird. WARUM WOHL?

An den Mietrechtsexperten Christoph Kothbauer

mit den Mieten in Altbauten kann man ein Haus nicht erhalten, wenn Sie die Mieten noch weiter reduzieren wollen, dann werden die Stromleitungen noch älter werden und die Sicherheit noch geringer. Gratuliere für Ihren Vorschlag!

und warum treff ich dann soviele sonnengebräunte altbau-mieter am golfplatz? sie kommen mit cabrio, hummer oder suv.

also irgendwie kann der stehsatz "von den mieten kann man den altbau nicht erhalten" nicht stimmen.

Sie treffen deshalb soviele Altbau-Mieter am Golfplatz

weil diese ja kaum Miete bezahlen und deshalb ihre Pension am golfplatz ausgeben - dafür wohnen sie in einer verfallenen Bude!

sie treffen wohl deswegen soviele sonnengebräunte altbau-mieter am golfplatz,weil sie entweder caddy sind,oder golfspieler,richtig?

sie sollten ihr post nochmal lesen.

Elektriker mögen mich korrigieren, aber soweit ich weiss muss man ja bei jedem neu angeschlossenen Verbraucher die Elektrik auf dem aktuellen Stand haben - und der Ändert sich ja laufend.

Super, die Elektriker werden sich freuen!!

Hausverwalter,Nachmieter

Deshalb besteht auch jeder Hausverwalter bzw. Vermieter darauf, dass der Strombezug NICHT abgemeldet wird, denn bei einer evtl. Neueinschaltung durch das E-Werk würden die meisten Anlagen aus Sicherheitsgründen nicht mehr aktiviert!

nein das betrifft nur wesentliche Änderungen an der Anlage - sprich neuen Herd anschließen nein, halbe Wohnung umbauen und Elektrik erneuern ja

Um was geht es hier...So um 1970 herum gab es bei den Elektroinstallationen eine technische Revolution,

genügten bisher zwei Drähte für eine Elektroleitung so waren nun auch noch ein Schutzleiter Standard.

Ja wenn es da nicht noch Jahrelang die Praxis der klassischen Nullung gegeben hätte.

Die klassische Nullung war eine Krücke zum Steckdosen- Schutzkontakt, eine Brücke zwischen Neutralleiter "Blauer Draht" und Steckdosen Schutzkontakt. So wurde aus einer Installation mit zwei Drähten eine Schutzleiteinstallation.

Genau diese behelfs- Drahtbrücke in den Steckdosen wird nun zum Problem, diese ist mit dem heute geforderten Fi-Schutzschalter inkompatibel.

Sind in der Wand nur zwei Drähte eingezogen, fehlt also der Gelb-Grüne dritte Lebensversicherungs- Draht, so ist nun guter Rat

TEUER

Und wenn man Pech hat, wird für eine Wechselschaltung ein 3poliges Kabel (braun, blau, grüngelb) verwendet.

Da fragt man sich wieso man einen konzessionierten Elektriker nimmt.

es hilft alles nichts,

der dritte Draht "Schutzleiter" muss vom Elektriker nachgezogen werden.

Wo dies nicht gelingt ist gar die Wand aufzustemmt und neue Leitungen müssen rein,

Bild: eine Steckdose in klassischer Nullung
http://www.unitaz.de/maja/CIMG0002_1.JPG

Der "gelb-grüne" Leiter ist zum Schutzkontakt durch geklemmt. Eine klassische Nullung ist durch diese Drahtbrücke erkennbar.

Stand der Technik

Eine sichere Elektroinstallation ist nur mittels Prüfgerät erkennbar.

Stand der Technik sind heute Sicherungskästen mit dem 30mA Fehlerstromschutzschalter,

UND! neu allpolige Leitungsschutzschalter. Dies hat vor allem im Störfall praktische Bedeutung, ist bei einem Erdschluss der N-Leiter dieses Stromkreises weiter in galvanischer Verbindung (nicht ebenso wie der L Leiter getrennt) so kann es im N-Leiter zu einem unkontrollierbaren Leckstrom kommen. Krücke waren hier 100mA Fi Schalter.

Also, wenigstens muss daher heute auch der alte Elektroverteiler raus, und neue allpolig- trennende Leitungsschutzschalter müssen rein, dummerweise benötigen diese doppelt so viel Platz wie die alten "Automat",

Neue Elektro Kästen benötigen PLATZZZZZ

wenn schon Automaten im Verteiler drinnen waren - waren mesitens eh schon 2 (L+N) je Stromkreis, dann sollts kein Problem sein mit dem Platz und im Notfall nimmt man halt die 1,5 TE L+N Automaten

auf einer 10cm x 5cm Tastatur um halb eins getippt

Entschuldigung die Rechtschreibung

Danke für die ausführlichen Infos! Tippfehler - vollkommen egal.

Konkret, Pickerl für den Fi-Schalter

Ist eine Elektroinstallation bereits älter als 10 Jahre sollte der Fehlerstromschutzschalter "Fi" auf jeden Fall erneuert / ausgetauscht werden.

Ein Fi Schalter ist wie eine Lebensversicherung,

ein Fi Schalter ist aber ein technisches Bauteil welches der Korrosion der mechanischen Alterung unterliegt, ein Fi Schalter muss so sensibel wie eine Daunenfeder reagieren, nach einigen Jahren tut dieser das nicht mehr, garantiert.

Daher meine dringende Empfehlung, Fi Schalter älter als 8 Jahre dringenst durch eine Fachkraft erneuern und die Elektroinstallation bei dieser Gelegenheit überprüfen lassen. Der damalige Elektriker hatte seltenst ein Prüfgerät, heute schon. Also ist diese Revision zu allermeist auch Erstprüfung.

sorry da muß ich widersprechen, ich würde zuerst den Elektriker prüfen lassen und erst wenn die Abschaltwerte (Zeit und Strom) des FI-Schutzsschalter nicht entsprechen diesen tauschen, und nicht automatisch nach 8 Jahren, was natürlich zu empfehlen ist den FI_Schutzschalter per Prüftaste regelmäßig zu testen

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