Das Problem beim E10 ist, dass er weniger Energie enthält. Noch problematischer aber ist, dass ihn viele Automodelle nicht vertragen
In Deutschland geht es rund. Dort hat die schlecht vorbereitete Einführung einer neuen Kraftstoffsorte zur Totalverweigerung beim Publikum geführt. Kein Wunder, versucht die Mineralölindustrie doch immer wieder, uns dazu zu animieren, unser Auto mit irgendwelchen Spezialsorten zu verwöhnen, die im Wesentlichen nur eines bringen: höhere Kosten. Siehe eine Sorte, die man Winterdiesel nennt, obwohl ohnehin jeder im Winter verkaufte Diesel ein Winterdiesel ist.
Diesmal geht es aber um mehr. Der boykottierte Kraftstoff heißt E10 und ist ein Benzin, dem zehn Prozent Biosprit (Alkohol) beigemischt sind (rund fünf Prozent beim normalen Benzin). Dieser neue Sprit wird zwar billiger angeboten, er hat aber zwei Nachteile: Er enthält weniger Energie, was zu einem höheren Verbrauch führt - und, noch kritischer: Sehr viele Automodelle vertragen ihn nicht, weil der hohe Alkoholanteil Leitungen angreift, die dafür nicht konzipiert sind. Lauter technische Probleme, die sich bei entsprechender Aufklärung der Konsumenten aber lösen ließen.
Das politische Motiv hinter dem höheren Alkoholanteil ist, die Abhängigkeit vom Erdöl zu verringern und die Landwirtschaft in die Energieproduktion einzubinden, um sie wirtschaftlich breiter aufzustellen. Tatsache ist auch, dass Österreichs einzige Biospritfabrik der Agrana in Pischelsdorf durch den deutschen Vorstoß nun volle Auftragsbücher hat. Ethisch gesehen bleibt Biosprit ein äußerst fragwürdiges Produkt, da es überwiegend aus hochwertigem Getreide hergestellt wird. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/11.03.2011)