Asyl

Bilder der griechischen Tragödie

10. März 2011, 18:19
  • Artikelbild
    foto: moritz birk/ludwig-boltzmann-institut für menschenrechte

    Manfred Nowak in einem Gefängnis an der griechisch-türkischen Grenze: Bis zu sechs Monate sitzen die Migranten in den völlig überfüllten Zellen - ohne geregelten Ausgang.

Manfred Nowak, Ex-UN-Berichterstatter über Folter, zeigt erstmals Bilder von seiner Mission in Griechenland – Sie sollen helfen, Rückführungen in das Land zu stoppen und Dublin II zu stürzen.

Wien/Athen - Zu hundert teilen sie sich eine Zelle, zu zweit ein Bett, wenn sie nicht auf dem Boden schlafen müssen. Bis zu sechs Monate können sie die Enge nicht verlassen und wissen oft nicht, warum - so endet die Reise der Migranten aus Afghanistan, Pakistan oder Bangladesch am Grenzfluss Evros zwischen Griechenland und der Türkei.

Manfred Nowak, bis November 2010 UN-Sonderberichterstatter für Folter, hat die Lager besucht, nun zeigt er erstmals Bilder: Bei einer Diskussion am Donnerstagabend in Wien führte Nowak Filmaufnahmen aus den Lagern vor, die während seiner Mission vergangenen Oktober entstanden.

Bilder von solchen UN-Missionen werden normalerweise nicht veröffentlicht - weil die Besuche in den Lagern unangekündigt stattfinden und für alle Beteiligten heikel sind. Diesmal zeigt sie Nowak doch - auch wegen des österreichischen Innenministeriums.

"Detaillierte Einzelfallprüfung" in Österreich

"Wir wollen damit klarmachen, dass Rückführungen von Asylsuchenden nach Griechenland generell gestoppt werden müssen", sagt Moritz Birk vom Ludwig- Boltzmann-Institut für Menschenrechte, der Nowak begleitete und auch nebenstehendes Foto gemacht hat.

Laut Dublin-II-Abkommen werden Asylsuchende aus allen EU-Ländern in jenes EU-Land rückgeführt, in dem sie erstmals die EU-Grenze überschritten haben - in über 80 Prozent der Fälle also Griechenland. Im Jänner urteilte der europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass Dublin-II-Rückführungen nach Griechenland gegen die Menschenrechte verstoßen. Zahlreiche europäische Länder, etwa Deutschland, Frankreich und Großbritannien, stoppten sie bereits. In Österreich gibt es offiziell eine "detaillierte Einzelfallprüfung". De Facto gibt es zwar keine Rückführungen, generell ausgesetzt sind sie aber nicht.

Bedingungen kaum verbessert

Nowak fordert von der EU, das Dublin-II-Abkommen aufzuheben und alle Flüchtlinge gemäß der unterschiedlichen Kapazitäten auf die EU-Länder aufzuteilen. Als ersten Schritt in Richtung einer gemeinsamen europäischen Asylpolitik startet in Juni das European Asylum Support Office, das in akuten Fällen wie den Revolutionen in Nordafrika Betreuerteams zu den neuankommenden Flüchtlingen schicken soll, die ihnen vor Ort beim Asylverfahren helfen.

In Griechenland werden derzeit etwa 1000 Häftlinge in Gefängnissen festgehalten. Humanitäre Helfer in den Aufnahmelagern haben keine schlüssige Erklärung für die Weigerung der griechischen Behörden in den zurückliegenden Monaten, menschenwürdige Bedingungen in den vier Gefängnissen am Evros-Fluss zu schaffen. "Sie haben sich in einem Stricknetz von Ineffizienz und Bürokratie verloren", sagt einer der Helfer über die Regierungsbeamten. Immer wieder wird auch der Verdacht geäußert, die Behörden hielten unzumutbare Zustände aufrecht, um weitere Immigranten abzuschrecken.

In Athen und Thessaloniki erzwangen etwa 300 Immigranten mit einem Hungerstreik eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung. Die zumeist aus Nordafrika stammenden Männer hatten vor sechs Wochen mit ihrem Protest begonnen, fast 100 von ihnen mussten mittlerweile ins Spital eingeliefert werden. Die meisten von ihnen hatten bereits Aufenthaltspapiere, verloren ihren Status aber, weil sie 2010 wegen der Wirtschaftskrise keine legale Arbeit fanden und damit nicht mehr die Voraussetzungen für die Sozialversicherung erfüllen konnten. (Markus Bernath, Tobias Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2011)

 

Kommentar posten
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kamelchen muss mal raus
71
15.3.2011, 09:29

swimming pool und solarium mit thaimassage gibts halt nur bei uns in oesterrecih. darum rueffelt uns amnesty ja, wenn das badewasser um 1 grad zu kuehl ist.

Ger hard
00
17.3.2011, 14:46
Warst

du heute schon mal beim Arzt?

mehmetali erbil
50
12.3.2011, 09:20
in Griechenland wird gefoltert

Da wurde schon immer gefoltert. Stellt da mal was an und schaut mal dann was auf der Polizeiwache passiert!!!!! Und so was nehmt ihr auf. Einen verlogenen, armen Staat, der sich den Zutritt zur EU ergaunert hat. Das Land ist sogar mit deutlichem Abstand ärmer als die Türkei. Aber es sind ja Christen und dann drückt man ja halt mal ein Auge zu.

Hellcat
012
12.3.2011, 08:36
Warum keine seriösen Zahlen?

Die Asylwerberzahlen sind öffentlich.Trotzdem wird gebetsmühlenartig wiederholt, wie stark angeblich die Randstaaten mit Asylwerbern belastet sind.
Hier die richtigen Zahlen:
http://appsso.eurostat.ec.europa.eu/nui/show.... za&lang=de
Man sieht, dass die Asylwerberzahlen im Süden zurückgehen (z.B. in Malta -93% gegenüber 2009), während sie in attraktiven Sozialstaaten wie Schweden und Belgien massiv ansteigen.

Die im Jahr 2010 am stärksten belasteten Länder (pro Kopf der Bevölkerung) sind in dieser Reihenfolge:
1. Zypern
2. Schweden
3. Belgien
4. Luxemburg
5. Österreich
6. Dänemark
7. Griechenland
...

In Schweden werden mehr Asylanträge gestellt als in Spanien, Italien, Polen und Griechenland zusammen!

xxx...yyy...
10
15.3.2011, 12:40
fragt sich bloß, ob sie aus den zahlen die richtigen schlüsse ziehen...

in italien oder griechenland einen asylantrag zu stellen ist aussichtslos, da könnte der asylsuchende gleich in den knast spazieren. polen ist auch nicht gerade ein land, dass bekannt asylantenfreundlich ist. wie es in spanien aussieht - k.a.

Schmerzvolle Wahrheit
25
12.3.2011, 02:30
DISKUSSION ENDE

das gutmenschentum hat versagt. supa idee. gleich wie der kommunismus.

RESET

carpediem99
 
03
11.3.2011, 20:29

...solange bis es bei uns in den lagern dann ähnlich ausschaut. ??? wie blauäugig muß man sein um zu glauben, dass die ungebremste aufnahme irgendetwas an den problemen ändert? man verlagert die probleme höchstens. es wäre höchste zeit, sich um die probleme in den herkunftsländern zu kümmern. sonst werden die probleme nie gelöst...

jesus mohammed
10
11.3.2011, 17:09
Wären die griechischen Regierungen nicht Lakaien der EU, würden sie einfach alle legalisieren und auf die Fähre setzen.

Oder besser in den Zug und das Flugzeug, damit alle was zu maulen haben.
Wenn dann niemand mehr 12 Stunden für 30 Euro in den Treibhäusern arbeiten will, muß halt ein Aussteigerrevival inszeniert werden.

mitrovic dejan
62
11.3.2011, 16:33
Wegen solchen Bilder von eingesperten Männer.

Hat NATO Serben in Bosnien Bombardiert in der
90 jahren.
Grichenland darf das natürlich machen ohne bedenken.

S.Dhalli
 
20
15.3.2011, 10:26
wie unmenschlich die leute bei uns sind

sieht man an den vielen roten stricherln bei solchen meldungen und an vielen grünen bei menschenfeindlichen artikeln. schämenswert!
aber brav am sonntag in die kirche gehen! was für eine verlogene gesellschaft.

invodaseibua
315
11.3.2011, 16:12
gestelltes foto

der betroffenheitsindustrie.

quod licet Iovi2
00
11.3.2011, 23:48

Literaturtip: Linda Polman, die Mitleidsindustrie.

Nutze den Tag
310
11.3.2011, 15:27
Wieviele wollen wir aufnehmen?

10.000, oder 100.000, oder 1.000.000, oder mehr?

Was passiert mit denen die die € 1.000.-/ Schlepp nicht zahlen können? Die lassen wir in ihren Ländern verrecken, oder?

Nur die Verbesserung der Situation in den Herkunftsländern löst das Problem, anstelle Schlepper durch hierzulande ausgeübter Schwarzarbeit zu finanzieren.

Johannes Benn
03
11.3.2011, 17:11
.

soweit richtig. wichtig nur der zusatz: die lage in den herkunftsländern müssen prmiär diese länder selbst verbessern

S.Dhalli
 
00
15.3.2011, 10:27
solange die westliche welt die dritte welt ausbeutet

werden die sich ein wenig schwer tun ihre probleme selbst zu bewältigen!

xxx...yyy...
01
15.3.2011, 12:42
bitte. zu diesem spiel gehören schon 2 seiten

und ja. es ist primär die aufgabe der menschen in den betroffenen ländern etwas zu verändern. ist ja schließlich ihre heimat.

Johannes Benn
00
15.3.2011, 10:35
.

wenn überhaupt dann beutet nicht nur die westliche welt die dritte welt aus, sondern genau so russland und auch china.
außerdem trifft das ohnehin nicht zu. heute profitiert die dritte welt mehr von den reichen ländern als andersrum.
und schlussendlich, ist der terminus "dritte welt" veraltet. worum es geht sind einige zentralasiatische sehr arme staaten, die aber dnak energieressourcen und anderem bald nicht mehr arm sein werden, indien, dass die armut in den nächsten zwanzig jahren garantiert in den griff bekommt und was bleibt ist subsahara afrika.

mitrovic dejan
20
11.3.2011, 16:31
Und diese Verbeserung in der Herkunfstsländer

schaut so aus
ÖMV kauft bei dem Gaddafi Öl.
Schöne verbesserung für dortige Befölkerung.

mistvieh666
 
01
15.3.2011, 00:24

libyen ist das land mit dem hoechsten human development index in afrika. also, schon ein gewisser vorteil.
sie haben vorurteile und plappern das nach, was in der zeitung steht. ich weiss wenigstens, dass ich mir irren koennte.
btw, wieviel fluechtlinge gibts denn so aus libyen - ich mein vor dem heldenhaften aufstand?

Ernst Kratochwil
01
11.3.2011, 20:32
Und wenn die ÖMV kein Öl aus Libyien kauft, hat

das welchen Vorteil für die dortige Bevölkerung?

Strukteur
 
30
11.3.2011, 15:16
Hat sich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht was los sein wird wenn heraus kommt, dass dies alles gewollt istwar?

trollvottel
00
11.3.2011, 16:22

Was alles? Von wem "gewollt"?

Strukteur
 
04
11.3.2011, 18:36
Sie lassen die Schleuser, die mit dem Menschenschmuggel Hunderte Millionen verdienen, ungehindert gewähren....

"....Mit der Abschaffung der Visumspflicht für Marokkaner und Algerier, die jetzt täglich zu Hunderten mit Billigfliegern nach Istanbul kommen, ist der Druck auf die griechische Grenze und damit auf Europa weiter angewachsen.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier politische Motive im Spiel sind. Denn offenbar will die Regierung in Ankara die Flüchtlingsfrage instrumentalisieren, um dem Nachbarn Griechenland Zugeständnisse abzupressen. Zum Beispiel im Konflikt um die Hoheitsrechte und Wirtschaftszonen in der Ägäis."

http://www.zeit.de/politik/a... kum?page=2

Erpressungen, Drohungen, Gewalt, Tod, ... sind seit Jahrhunderten die Grundpfeiler türkischer Diplomatie.

Silvio Lackner
00
11.3.2011, 14:53
Bei den Legehennen

wurde die Batteriehaltung verboten.

real_schlimm_edi
 
18
11.3.2011, 16:09
Legehennen

sind auch nicht freiwillig in die Legebatterien geflogen weil sie glaubten dort nicht Eierlegen zu müssen .

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