Kindergartenpädagoginnen aus EU-Ländern könnten nach Arbeitsmarktöffnung Personalmangel mindern
Wien - Als Jana T. vor zehn Jahren nach Wien kam, hatte sie daheim in Tschechien eine vierjährige Berufsbildende Schule für Sozialpädagogik mit Matura abgeschlossen und bereits einige Jahre in einem Hort in Prag gearbeitet. "Mit meiner Ausbildung konnte ich in Tschechien mit Kindern von Null bis 18 Jahren als Erzieherin arbeiten", erzählt T., die mittlerweile einen Kindergarten leitet.
In Österreich wurde ihr Sozialpädagogik-Abschluss allerdings weder für den Kindergarten noch für den Hort anerkannt. Jana T. begann damals zwar in einem Kindergarten zu arbeiten, musste aber die Ausbildung drei Jahre lang berufsbegleitend nachholen.
Laut dem Dachverband der Kindergartenpädagoginnen fehlen in Wien derzeit 600 Kindergartenpädagoginnen. Nach der Öffnung des Arbeitsmarktes ab 1. Mai 2011 können auch Pädagoginnen aus Tschechien, Ungarn, Polen, der Slowakei oder aus den baltischen Staaten ohne Arbeitsbewilligung in Österreich arbeiten.
Bei Einrichtungen des Vereins "Kinder in Wien" sind seit zwei Jahren Mitarbeiterinnen aus neuen EU-Ländern beschäftigt, wie Geschäftsführerin Monika Riha erzählt. Da Pädagoginnen gesucht werden, seien die Arbeitsbewilligungen kein Problem gewesen.
Die Stadt Wien setzt auf fünfsemestrige Ausbildungsmodule für Quereinsteiger, um den Personalmangel auszugleichen. Den Absolventinnen dieser Kurse soll auch weiterhin der Vorrang gegeben werden, heißt es im Büro von Stadtrat Christian Oxonitsch (SP). Wenn Pädagoginnen aus EU-Staaten die Voraussetzungen erfüllen, spreche aber nichts dagegen - dies müsse aber in jeden Fall individuell entschieden werden. Laut der zuständigen MA 11 gab es im Vorjahr 108 Anträge von EU-Bürgerinnen auf Anerkennung ihrer Ausbildung, in 80 Fällen wurde das Ansuchen positiv erledigt.
Um den Mangel in den Griff zu bekommen, spreche nichts dagegen, Kindergartenpädagoginnen aus den neuen EU-Mitgliedstaaten anzuwerben, da diese vielfach auf akademischem Niveau ausgebildet werden, sagt die VP-Chefin Christine Marek. "Grundvoraussetzung sind allerdings einwandfreie Deutschkenntnisse." (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD; Printausgabe, 11.3.2011)