Hinters Ohr und in die Haare

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  • Frank J. Schnitzler (69) betrieb mit großer Begeisterung jahrzehntelang exquisite Parfümerien in Deutschland, derzeit arbeitet er als Berater für die Parfümindustrie. Gemeinsam mit Bodo Kubartz veröffentlichte er kürzlich "Das große Buch vom Parfum".
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    Frank J. Schnitzler (69) betrieb mit großer Begeisterung jahrzehntelang exquisite Parfümerien in Deutschland, derzeit arbeitet er als Berater für die Parfümindustrie. Gemeinsam mit Bodo Kubartz veröffentlichte er kürzlich "Das große Buch vom Parfum".

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Parfumexperte Frank J. Schnitzler gibt Einblicke in die Welt der Düfte

"Ein gutes Parfum ist ein Kunstwerk", sagt Frank J. Schnitzler, der mehr als 35 Jahre exquisite Parfümerien in Deutschland führte und derzeit diverse Parfummarken berät. Der Autor des kürzlich erschienenen Nachschlagewerkes "Das große Buch vom Parfum" gibt im Gespräch mit derStandard.at Tipps zu Parfumkauf und -lagerung, an welchen Körperstellen ein Duft am besten aufgetragen wird und erklärt, warum sich Parfums mit großen Namen schmücken.

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Ein Duft ist soviel mehr als ein Duft: Er weckt Erinnerungen an bestimmte Personen, Lebenssituationen und Gefühle, er verwandelt in eine andere Person, drückt das derzeitige Lebensgefühl aus, beeinflusst die Stimmung und betont die Persönlichkeit. Und noch viel mehr: "Parfum ist das Tüpfchen auf dem i, um die Persönlichkeit zu unterstreichen oder sich gute Laune zu machen. Menschen, die sich beispielsweise kein Dior-Kleid oder keine -Tasche leisten können, aber ein kleines Fläschchen Dior-Parfum haben das Gefühl: 'Ich gehöre dazu'. Die psychologische Wirkung ist ein Hauptgrund, warum die Parfums sich häufig mit großen Namen schmücken", so Schnitzler.

Parfum kaufen

Lust und Neugier auf ein bestimmtes Parfum werden vorwiegend über die Werbung geweckt, der olfaktorische Test bringt dann oft die Enttäuschung: Markenname und Flakon vermittelten ein Bild, das nicht so recht in die Nase passen will. Der Parfumkauf sollte deshalb gut überlegt werden - eine gute Beratung kann dabei Gold wert sein. Denn nur weil eine Kundin in einem sportlichen Outfit eine Parfümerie betritt, heißt das nicht automatisch, dass sie einen frischen, sportlichen Duft bevorzugt."Der Charakter eines Menschen und das wahre Motiv des Duftkaufs lässt sich durch bestimmte Fragen erkunden. Leider wird das heute nur mehr selten gemacht", bedauert Schnitzler.

Ist das Motiv geklärt, werden Parfums auf Papierstreifen getestet. Erst wenn ein Duft in die nähere Auswahl kommt, wird er auf der Haut erprobt. Dort entfalten sich dann die Duftnuancen vollkommen, bei den meisten Parfums bereits binnen einer halben Minute.

Mit dem Vorurteil, dass potenzielle KäuferInnen nach drei Proben ohnehin nichts mehr riechen würden, räumt Schnitzler auf: "Sie können ohne Bedenken bis zu zwanzig Düfte riechen. Die Nase ist unglaublich darauf sensibilisiert, man muss sie natürlich zwischendurch neutralisieren." Das Riechen an Kakao- und Kaffeebohnen oder ein kurzer Ausflug vor die Tür, um frische Luft zu schnappen, sorgen für frische Energie beim Testen.

Hinters Ohr und in die Haare

Nach dem erfolgreichen Duftkauf, geht es ans Ausprobieren. Nur: Wohin damit? "Geeignete Stellen, um Parfum aufzutragen sind die Pulsstellen an Händen und Hals, die Kniekehlen, hinter dem Ohr und ganz besonders die Haare. "Da Haare aus Keratin bestehen, halten sich dort Düfte besonders lange", empfiehlt der Experte. An Körperstellen, wo die Blutgefäße dicht an der Hautoberfläche verlaufen - wie Pulsstellen und Kniekehlen - ist die Haut wärmer, was die Intensität des Dufts steigert. "Ich bin auch ein großer Fan davon, Parfum in die Kleidung zu sprühen, vorausgesetzt, man kann sie wie im Falle einer Jacke oder eines Blazers aufschlagen. Der Duft passt gut ins Futter und entwickelt sich mit der Körperwärme wunderbar." Parfum sollte nach dem Auftragen an den Innenseiten der Handgelenke übrigens nicht stark verrieben werden - das verändert die Duftqualität.

Wie intensiv der aufgetragene Duft sein soll, hängt von der jeweiligen Tageszeit ab. "Tags über sollten immer leichte Düfte wie Eau de Toilettes verwendet werden, abends etwas intensivere wie Eau de Parfums", empfiehlt Schnitzler. Während ein Eau de Cologne einen niedrigen Duftölanteil von rund 3 bis 5 Prozent aufweist, enthält ein Eau de Toilette rund 6 bis 9 Prozent und ein Eau de Parfum 8 bis 15 Prozent. Die höchste Konzentration an aromatischen Ölen beinhaltet reines Parfum mit einem Anteil von 15 bis 30 Prozent.

Raffiniert und markant

Auch Hautfarbe und Säureschutzmantel der Haut spielen in punkto Duftwahl eine Rolle. "Ein dunkelhäutiger Mensch kann viel stärkere Düfte tragen, weil diese sich besser entwickeln. Die hellere Haut braucht weniger starke Düfte", so Schnitzler. Dass sich ein Parfum auf der Haut jeder Person anders entwickle, stimmt dagegen nur bedingt. Dies sei lediglich bei Düften der Fall, die einen hohen Anteil an Natursubstanzen aufweisen. Ein synthetisch hergestellter Duftstoff entfaltet sich bei den meisten Menschen gleich - es sei denn der Säureschutzmantel der Haut ist gestört, was bei sehr fettiger oder sehr trockener Haut der Fall ist.

Ob jemand Jahrzehnte bei einem Parfum bleibt oder es regelmäßig wechselt, ist Geschmackssache. "Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch eine bestimmte Richtung hat - so wie ich die Richtung frisch und hell habe, so gibt es für jeden Menschen bestimmte Düfte, die besser zu ihm passen. Man soll so lange bei seinem Parfum bleiben, so lange man glücklich ist." Zukunftsforscher prognostizieren übrigens das Ende von Unisex-Düften und stellen einen Trend in Richtung Individualismus fest. Alleine in Deutschland sind mehr als 1.200 Düfte auf dem Markt - viele davon ähneln einander. Deshalb sind Parfums mit markantem Charakter, eigenständig und raffiniert, stark im Kommen und werden bei KundInnen immer beliebter - etwa Oud-Düfte, deren Duftstoff aus Baum-Harz gewonnen wird.

Kühl und trocken lagern

Um sich an Düften so lange wie möglich erfreuen zu können, muss die Lagerung stimmen. "Wenn der Duft verschlossen ist, in einem Schrank gelagert wird und auch noch eine Kartonage rundherum hat, dann hält er ein paar Jahre", erklärt Schnitzler. Ein warmes Badezimmer und direkte Sonneneinstrahlung sind hingegen Gift für den Duft. Trocken, kühl und dunkel sind demnach ideale Lagerungsbedingungen. "Verändert sich ein Duft, sodass man ihn nicht mehr so gerne mag, gibt es nur mehr eines: Ab ins Badewasser damit! Düfte bestehen aus ätherischen Ölen und mit der Verdünnung von Badewasser merkt man keinen Unterschied mehr - zudem können Parfums auf diese Art noch besser aufgebraucht werden. (Ursula Schersch, derStandard.at, 29.03.2011)

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7 Postings

wobei, immer in die haare ist auch nicht gut. es stimmt zwar, dass es dort am besten hält, aber die meisten pafums beinhalten alkohol und das kann die haare austrocknen, wenn man es zu oft und intensiv in die haare sprüht. hin und wieder ist okay. ansonsten gibt es auch spezielle haarparfums ohne alkohol.
auf den schläfen kann man parfum auch gut platzieren.

hinters ohr das ist nicht ganz richtig.

dort befinden sich talgdrüsen und vertragen sich nicht so richtig mit parfume, es mieft mit der zeit. man soll dort wo puls spürbar ist auftragen, am besten aber ins haar srühen. alkoholfreie düfte kann man nach dem duschen auf den nassen körper sprühen, sozusagen als erfirschung.

Nach der Überschrift hab' ich mir was anderes erhofft...

"Ein dunkelhäutiger Mensch kann viel stärkere Düfte tragen, weil diese sich besser entwickeln. Die hellere Haut braucht weniger starke Düfte"

Und warum?!

Vielleicht hängt das mit dem Lumen der apokrinen Drüsen zusammen, das bei Dunkelhäutigen im Vergleich zu Weißen und Asiaten größer ist.

wissenschaftlich

Danke für diese sehr qualifizierte Aussage!

es gibt ja immer noch das Vorurteil, dass "schwarze" bzw dunkelhäutigere Menschen "stinken" und wenige wissen, dass viele asiaten nach schweißattacken nicht riechen. ist alles biologisch erklärbar und abbaubar!

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