Gemeinnütziger Wohnbau will mehr Eigenkapital und warnt vor Spannungen am Wohnungsmarkt – Obmann Wurm gespannt auf grüne Position zur Planwertabgabe
Durch den bei der Wohnbauförderung angesetzten Sparstift wird sich 2012 ein Mangel von 10.000 Wohnungen ergeben. Grund dafür sind auch die in Folge der Wirtschaftskrise reduzierten Mittel für die Landeswohnbauförderungsbudgets. "Vor allem in den Ballungsgebieten könnte es am Wohnungsmarkt zu Spannungen kommen, da der freifinanzierte Wohnungsmarkt diesen Bedarf nicht decken kann", erklärte Karl Wurm, der Obmann der Gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) am Donnerstag anlässlich einer Pressekonferenz in Wien.
Planwertabgabe als Zukunftsentscheidung
Angesichts dieser Herausforderung kann man gespannt auf Planungsstadträtin Maria Vassilakou (G) blicken. Denn vor allem in Wien steigt der Bedarf an günstigen Mietwohnungen nach wie vor. Die von den Grünen im Zuge von Umwidmungen und daraus folgenden Gründstück-Wertsteigerungen geforderte Planwertabgabe würde die Spielregeln des sozialen Wohnbaus ändern.
Als Vorbild gilt München, wo zwei Drittel der erfolgten Wertsteigerung vom Investor zwingend für Grünflächen und die technische und soziale Infrastruktur wie Kindergärten und Grundschulen verwendet werden müssen. Ein Drittel verbleibt dem Investor als Anreiz für die Finalisierung des Projektes. Wurm ist nun gespannt "wie sich das mit dem System Vassilakou
vereinbaren lässt".
Wohnbau soll mit 1,5 Milliarden mehr rechnen können
Der Anteil der Wohnbauförderung an den Finanzierungskosten einer Mietwohnung hat sich laut GBV in den letzten zwanzig Jahren von zwei Drittel auf ein Drittel reduziert. Daher schlägt der Verband eine Wiedereinführung der Zweckbindung für Rückflüsse aus verliehenen Wohnbaudarlehen und dem Wohnbauförderungsbeitrag vor. Mit diesem Mehr an garantierten 1,5 Milliarden Euro wären laut GBV zumindest 50 Prozent der Förderungsausgaben gedeckt.
Dieser Betrag würde auch dem von Wurm skizzierten Entlastungseffekt durch die Wohnbauförderung von 1,5 Milliarden Euro entsprechen. "Ich gehe davon aus, dass ein Großteil dieses Geldes im Land bleibt und der österreichischen Wirtschaft hilft", so Wurm. Lobend erwähnt er auch das klare Bekenntnis zur thermischen Sanierung von Bund und Länder.
2011 wird mit einer weiteren Steigerung der GBV-Sanierungsinvestitionen um rund fünf Prozent auf real 530 Millionen Euro gerechnet. 90 Prozent der vor 1980 errichteten Gemeinnützigen-Wohnungen wären bereits saniert. Jährlich würde man dadurch rund 45.000 Tonnen an CO² einsparen und "die durch die Neubauten entstehenden Emissionen überkompensieren", freut sich Wurm.
Mehr Eigenkapital soll Zinsen niedrig halten
Ein weiteres Herzensthema des gemeinnützigen Wohnbaus ist eine höhere Eigenkapitalausstattung. "Bei den Gemeinnützigen klingt das immer anrüchig, die Bonität und damit die Zinskosten werden aber in Zukunft vermehrt vom Eigenkapitalanteil bestimmt", so Wurm. Gegenwärtig liegen die Zinsen für die Gemeinnützigen mit rund drei Prozent bis zu einem Prozentpunkt niedriger als der Markt. Vor allem in Hinblick auf höhere Zinsniveaus will der GBV da vorsorgen. "Mir würden schon fünf Prozent Zinsen Kopfweh bereiten", so Wurm.
Der GBV verwaltet aktuell 535.000 eigene Mietwohnungen und 244.000 Eigentumswohnungen. 2011 stellen die Gemeinnützigen 17.100 Wohnungen fertig. 4.400 davon entfallen auf Wien, in der Bundeshauptstadt werden heuer vor allem Projekte am Nordbahnhof, im 11., 15., 21. und 22. Bezirk realisiert. Für 2012 werden 13.900 Fertigstellungen erwartet.
Für den gesamten Wohnungsmarkt werden in Österreich 2012 39.000 neue Wohnungen prognostiziert, die Marktnachfrage beträgt aber 49.000. (Hermann Sussitz, derstandard.at, 10.3.2011)