Gefördertes Wohnen

Wohnungskrise stellt Grüne auf Prüfstand

Hermann Sussitz, 10. März 2011, 15:30
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    foto: schreinerkastler/wien 3420 ag / apa

    In der "Seestadt Aspern" sollen 8.500 Wohneinheiten entstehen.

Gemeinnütziger Wohnbau will mehr Eigenkapital und warnt vor Spannungen am Wohnungsmarkt – Obmann Wurm gespannt auf grüne Position zur Planwertabgabe

Durch den bei der Wohnbauförderung angesetzten Sparstift wird sich 2012 ein Mangel von 10.000 Wohnungen ergeben. Grund dafür sind auch die in Folge der Wirtschaftskrise reduzierten Mittel für die Landeswohnbauförderungsbudgets. "Vor allem in den Ballungsgebieten könnte es am Wohnungsmarkt zu Spannungen kommen, da der freifinanzierte Wohnungsmarkt diesen Bedarf nicht decken kann", erklärte Karl Wurm, der Obmann der Gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) am Donnerstag anlässlich einer Pressekonferenz in Wien.

Planwertabgabe als Zukunftsentscheidung

Angesichts dieser Herausforderung kann man gespannt auf Planungsstadträtin Maria Vassilakou (G) blicken. Denn vor allem in Wien steigt der Bedarf an günstigen Mietwohnungen nach wie vor. Die von den Grünen im Zuge von Umwidmungen und daraus folgenden Gründstück-Wertsteigerungen geforderte Planwertabgabe würde die Spielregeln des sozialen Wohnbaus ändern.

Als Vorbild gilt München, wo zwei Drittel der erfolgten Wertsteigerung vom Investor zwingend für Grünflächen und die technische und soziale Infrastruktur wie Kindergärten und Grundschulen verwendet werden müssen. Ein Drittel verbleibt dem Investor als Anreiz für die Finalisierung des Projektes. Wurm ist nun gespannt "wie sich das mit dem System Vassilakou vereinbaren lässt".

Wohnbau soll mit 1,5 Milliarden mehr rechnen können

Der Anteil der Wohnbauförderung an den Finanzierungskosten einer Mietwohnung hat sich laut GBV in den letzten zwanzig Jahren von zwei Drittel auf ein Drittel reduziert. Daher schlägt der Verband eine Wiedereinführung der Zweckbindung für Rückflüsse aus verliehenen Wohnbaudarlehen und dem Wohnbauförderungsbeitrag vor. Mit diesem Mehr an garantierten 1,5 Milliarden Euro wären laut GBV zumindest 50 Prozent der Förderungsausgaben gedeckt.

Dieser Betrag würde auch dem von Wurm skizzierten Entlastungseffekt durch die Wohnbauförderung von 1,5 Milliarden Euro entsprechen. "Ich gehe davon aus, dass ein Großteil dieses Geldes im Land bleibt und der österreichischen Wirtschaft hilft", so Wurm. Lobend erwähnt er auch das klare Bekenntnis zur thermischen Sanierung von Bund und Länder.

2011 wird mit einer weiteren Steigerung der GBV-Sanierungsinvestitionen um rund fünf Prozent auf real 530 Millionen Euro gerechnet. 90 Prozent der vor 1980 errichteten Gemeinnützigen-Wohnungen wären bereits saniert. Jährlich würde man dadurch rund 45.000 Tonnen an CO² einsparen und "die durch die Neubauten entstehenden Emissionen überkompensieren", freut sich Wurm.

Mehr Eigenkapital soll Zinsen niedrig halten

Ein weiteres Herzensthema des gemeinnützigen Wohnbaus ist eine höhere Eigenkapitalausstattung. "Bei den Gemeinnützigen klingt das immer anrüchig, die Bonität und damit die Zinskosten werden aber in Zukunft vermehrt vom Eigenkapitalanteil bestimmt", so Wurm. Gegenwärtig liegen die Zinsen für die Gemeinnützigen mit rund drei Prozent bis zu einem Prozentpunkt niedriger als der Markt. Vor allem in Hinblick auf höhere Zinsniveaus will der GBV da vorsorgen. "Mir würden schon fünf Prozent Zinsen Kopfweh bereiten", so Wurm.

Der GBV verwaltet aktuell 535.000 eigene Mietwohnungen und 244.000 Eigentumswohnungen. 2011 stellen die Gemeinnützigen 17.100 Wohnungen fertig. 4.400 davon entfallen auf Wien, in der Bundeshauptstadt werden heuer vor allem Projekte am Nordbahnhof, im 11., 15., 21. und 22. Bezirk realisiert. Für 2012 werden 13.900 Fertigstellungen erwartet.

Für den gesamten Wohnungsmarkt werden in Österreich 2012 39.000 neue Wohnungen prognostiziert, die Marktnachfrage beträgt aber 49.000. (Hermann Sussitz, derstandard.at, 10.3.2011)

Kommentar posten
18 Postings
petzibär1
01
18.3.2011, 11:00
Erschwingliche Mieten...

schafft nur eine Mietzinsobergrenze im MRG, eine Abschaffung der Befristungen und Maßnahmen gegen die hohen Grundstückspreise, wie eine Widmung für sozialen Wohnbau!

Briefmarkenkleber
00
29.3.2011, 11:34

Tlw. richtig aber nicht verfassungskonform.

Elisabeth68
00
15.3.2011, 22:20
Wachstumsstrategie zum Schaden

Die Stadtkoalition erkennt, dass ungebremster Zuzug die Wohnungsnachfrage hebt und die Preise treibt! Ja das Konzept Zuzug ist ein Kostentreiber bei Schule, Sozialleistungen, Medizin und Wohnen! So werden wir alle ärmer werden! Das geht so lange bis Wien keine lebenswerte Stadt mehr ist.

metacomet
10
12.3.2011, 20:19
seestadt wien donaustadt

ist eigentlich immer nur in planung....jetzt aber soll die ubahn dort hingebaut werden - wer wird dort ein und aussteigen frau vassillioquatschku? hasen? feldmäuse? igel? die seestadt wird das familiengrab der grünen werden.

Heavyweather
00
16.3.2011, 23:03

Was ist das denn für ein Quatsch?

metacomet
00
12.3.2011, 20:14
seestadt wienj donaustadt

fuchstritt
00
12.3.2011, 08:28

ausgerechnet münchen als vorbild in punkto wohnen zu nennen ist mehr als dreist

Erwin Wolfram
10
11.3.2011, 15:42

1. Foerderungen nur fuer Migranten, denn diese haben dei Mieten bezahlt, die sich kein Oesterreicher leisten koennte.
2. Nur Zuwanderer haben Wien aufgebaut, daher max. bis zur 3. Generation Wohnbaufoerderung fuer diese.
3. Das ist bereits heute gesetzeskonform, weil die Hygiene- und Menschenhandels- und Gleichberechtigungsvorschriften dies zwingend verlangen.
4. Den Redakteur kuendigen, weil er die Stadt nicht kennt in der er lebt und das diskutiert was jeder Einwohner seit 20 Jahren kennt um es zu verschlimmern.

otto king
00
12.3.2011, 09:37

5. ihr frühstück <*)))><

Chocoholic
23
11.3.2011, 11:30
Billig wohnen gibt es zur Zeit nur durch Enteignung von Privaten.

Die öffentliche Hand kassiert Subventionen noch und nöcher (WienerWohnen), aber selbst billige Wohnungen zum MRG anzubieten (zur Zeit max. 4,90 pro m2), das gibts nur in den seltensten Fällen.... und die AK brüstet sich mit Artikeln, wo eine Mieterin eine Wohnung ohne Heizung mietet um rund 4,5 Euro am m2 eine Wohnung im 8., beklagt sich darüber, dass die Wohnung wegen Eckbau so kalt ist (no na ned, bei hohen Fenstern, hohen Räumen und Aussenwänden) Sie zieht nicht in eine andere, niedrigere, besser isolierte Wohnung mit Zentralheizung, nein, sie bleibt 11 (!) Jahre und baut die Heizung selbst ein. Offensichtlich ist as günstiger für sie oder bequemer. Nun beschwert sie sich und bekommt auch noch Recht.

Briefmarkenkleber
01
29.3.2011, 11:30

Wohnung bewohnen oder verkaufen. Spekulanten melken! Gut so.

Erasmus von Mises
13
11.3.2011, 00:01
neoliberaler Wahnsinn

wäre es, wenn der Staat keine Wohnungen fördern oder selbst bauen würde. Wenn es kein Mietrechtsgesetz gäbe und kein Cent zu irgendeinem Beuträger fließen würde. Das momentane System ist eine eklige Mischung aus Staat und Lobbyismus, aber nicht neoliberal.

Adam Markus
222
10.3.2011, 17:53

Ich will nicht, dass die Stadt Wien "gemeinnützigen" Privaten Konzernen as Geld nachschiebt, damit die Wohnungen bauen können die nicht wesentlich günstiger sind als normale Wohnungen und wo ein Großteil der "Zuschüsse" in irgendwelchen Taschen verschwinden.

Ich will, dass die Stadt Wien wieder anfängt Gemeindebauten zu bauen, also selbst günstige Wohnungen baut.

Ich will nicht, dass aufgrund neoliberalen Wahnsinns und Freunderlwirtschaft die Mietpreise so rasant weitersteigen, sondern dass die Stadt weiter jenen, die es brauchen günstige Wohnungen bietet.

Hubert Ungeist
 
01
10.3.2011, 18:56
Wenn Wien selbst die Wohnungen nicht bauen

kann wenn es kein Geld gibt, werden Wohnungen sowieso teurer - aber nur bei denen die eine neue Suchen - ansonsten ist bei dzt. Mietrecht eh keine Mieterhöhung drinnen

Briefmarkenkleber
00
29.3.2011, 11:33

Was Sie nicht verstehen: Wer "billige" Wohnungen baut, entlastet wenig. Wer "schöne" Wohnungen beut, entlastet Mittelschicht und (durch freiwerdende Wohnungen) das untere Preissegment.Im oberen Segment findet sowieso eine losgeöste Preisbildung (Prestige) statt.

?und
15
10.3.2011, 18:17
gemeinnützig - mehr sich selbst nützig und doch sehr gemein

der kommunale wohnbau ist leider verreckt im korruptionssumpf der parteigangster - gerade die von ihnen angeprangerte freunderlwirtschaft hat neuen "gemeindebauten" den garaus gemacht.

byron sully
26
10.3.2011, 17:22

herr wurm sollte sich da anstatt an vassilakou doch besser an michael ludwig wenden, in dessen zuständigkeit die angesprochenen themen fallen.

jimmydean
02
11.3.2011, 13:52
der standard weiß eben,

dass die mary inzwischen in allen ressorts das sagen hat... die anderen stadträte sind nur mehr marionetten...

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