Österreich

Viele Jugendliche leben in Risikoverhältnissen

10. März 2011, 14:28

Viele leben in Risikofamilien - Österreicher als europäisches Schlusslicht

Viele österreichische Jugendliche geben im europäischen Vergleich ein äußerst schlechtes Bild ab. Fünf bis zehn Prozent der Kinder leben hierzulande in sogenannten Risikokonstellationen, das heißt belastete Familiensituationen, die durch Gewalt, Alkohol, Armut, Vernachlässigung und Missbrauch geprägt sind, beschrieb Mediziner Klaus Vavrik, Präsident der Österreichischen Liga für Kinder-und Jugendgesundheit, am Donnerstag bei einer Tagung des Vereins "die möwe" und Innenministerium in Wien.

"Unbegrenzte Konsumorientierung, das Überangebot an Möglichkeiten und der Druck der Leistungsgesellschaft gepaart mit der Auflösung haltgebender familiärer Strukturen und Bindungen kann Kinder und Jugendliche nachhaltig destabilisieren", so Vavrik. Die Folgen würden sich in hohen Suchtraten, zunehmenden Störungen des Sozialverhaltens und vermehrter Depressivität zeigen.

Laut der sogenannten HBSC-Studie (Health Behaviour of School Children) rauchen 27 Prozent der 15-Jährigen bereits regelmäßig, berichtete Vavrik. "Die Raucher werden immer jünger", sagte auch Herwig Lenz, Leiter der Kriminalprävention und Opferhilfe des Bundeskriminalamts. "Und die Eltern akzeptieren, dass ein 13-Jähriger bereits raucht. Und warum? Weil sie selbst rauchen." Österreich ist laut Vavrik beim Rauchen unter Jugendlichen europäisches Schlusslicht. Ähnlich sehe die Situation beim Alkohol aus. 30 Prozent der 13- bis 15-Jährigen waren zumindest schon zweimal betrunken, zeigte Vavrik auf.

"Erwachsene dahinter anschauen"

Österreichs 15-Jährige berichten über die höchste Gewalterfahrungsrate europaweit. "Je identifikationsnäher der Täter, desto schwerer das Trauma", so Vavrik. Auch die Bereitschaft, selbst Gewalt auszuüben, sei deutlich erhöht, berichtet der Mediziner. Diese Spirale müsse in der Familie durchbrochen werden. Kinder und Jugendliche, die selbst Opfer sind, machen auch andere zu Opfern ("Viktimisierung"), so Vavrik. "Man sollte sich nicht die Jugendlichen anschauen, sondern den Erwachsenen dahinter", meinte auch Lenz. "Wenn früher ein Kind bei einer Keilerei am Boden gelegen ist, hat der Täter abgelassen. Heute tritt er noch nach."

Belastete Kinder haben ein zehnmal so hohes Risiko, später Suchtprobleme, Störungen von sozialem Verhalten sowie Depressionen zu entwickeln, sagte Vavrik. "Man darf aber nicht sagen, die rauchenden und saufenden Jugendlichen sind das Problem, sondern die haben ein Problem." Der Mediziner: Problemfamilien zu erreichen sei schwer. "Wenn ein Kevin oder ein Cain tot ist, dann gibt es einen Aufschrei."

Psychosoziale Frühwarn- und Hilfesysteme seien gefragt, forderte Vavrik. In Korneuburg etwa gebe es ein Programm, bei dem Jungfamilien - egal ob Arbeiter oder Diplomingenieur - kurz nach der Geburt des Kindes besucht werden. "Mit gezielten Hilfsangeboten hole ich problematische Familien ins Boot." Durch solche Maßnahmen gebe es Langzeiteffekte wie bei Kindesmissbrauch einen Rückgang von 55 Prozent. Der Anteil der Fremdunterbringung würde sich ebenso halbieren. Und die Kriminalitätsrate würde sich auch verringern - um 45 Prozent, so Vavrik. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
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salman
 
00
14.3.2011, 20:27
Dass die Sitten unter den Jugendlichen verrohen, wage ich zu bezweifeln.

Harmlose Beispiele:

Mein Vater wurde laut Oma mal in eine Wiese getaucht, als Gymnasiast aus dem bürgerlichen Oberdorf von der Jugend aus dem bäuerlichen "Unterdorf" auf dem Schulweg "aufgegriffen wurde". Opa in O-Schlesien wurde von Arbeiterkindern penetriert, er musste sich Schleichwege suchen, Süßigkeiten verteilen bzw. schließlich selbst einer Bande beitreten ...
Ich selbst wurde mal in der Schule gefesselt, von Nachbarsfreunden mit Heißkleber gequält - im Haus eines Jungen, in dem die Mutter anwesend war.
Nachbarsfreunde haben während unseres Urlaubs unser Haus aufgesucht und das Spielzeug "gechändet"

Ein Schulkollege kam aufs Gymnasium, nachdem er im katholischen Internat auf übelste Weise von den Mitschülern gremobbt wurde ...

Kontrabass
 
00
11.3.2011, 13:13
Kein Verständnis für das Alkoholproblem

Die Kommentare zum Artikel zeigen, dass für das in vielen Fällen dahinterstehende Alkoholproblem kein Verständnis besteht. Die alkoholisierte Gesellschaft sieht sich eben als Normalfall. Und sie ist auch Vorbild der Jugend. Da kann auch keine Besserung erwartet werden.

der schalldämpfer
01
11.3.2011, 10:34
Und solange das Jugendamt Überraschungsbesuche 14 Tage vorher ankündigt…

…wird sich daran auch nichts ändern.
Denn beim angemeldeten „Überraschungsbesuch” stimmt dann natürlich alles. Die Wohnung sauber, das Kind gepflegt und die Mutter frisch wie aus dem Wellness-Spa entsprungen.
Und damit macht das Jugendamt die couragierten Bemühungen eines besorgten Nachbarn zunichte. Inzwischen ist sie weggezogen… armer Bub :(

Jane Lane
 
00
11.3.2011, 10:12
Die Frage hierzu lautet ja, ob es speziell in Österreich schon jemals anders war ? (außer in den 70zigern*)

Schrieben sich ja schon Victor Adler und Adelheid Popp die Finger wund, ob der Verelendung jener, die wir heute "working poor" oder bös "Unterschicht" nennen und dem Kinderelend in Österreich.
IMO kehren wir ja eh bloß zu jener Klassengesellschaft zurück, die Anfang des 20.Jahrhunderts (und davor) hier geherrscht hat.
Nur ein bisserl anders verpackt eben.

*Aber wir können ja nicht alle 50 Jahre einen Weltkrieg anzetteln, um dann als Wirtschafts- und Wohlstandswunderphoenix aus der Asche zu steigen.

re-aktionär
11
11.3.2011, 08:30
Mir wärs lieber...

Die Jugendlichen würden ihre Agression gegen das Establishment und nicht gegen sich selbst richten.

re-aktionär
50
11.3.2011, 08:27
Interessant

"Wenn früher ein Kind bei einer Keilerei am Boden gelegen ist, hat der Täter abgelassen. Heute tritt er noch nach" - Managerkind?

Richard Ebner
24
11.3.2011, 10:23
Nein, meistens Migrationshintergrund.

Oisa i find des (ned) supa
00
11.3.2011, 11:01
Hmmm...

zu meiner Schulzeit (80er Jahre) gab es auch öfters Schlägereien und wenn jemand mal am Boden lag, wurde nicht mehr hingetreten - das waren aber auch oft Migrantenkinder damals.

Vielleicht liegt es doch an etwas anderem als den "bösen" Ausländern???

Richard Ebner
02
11.3.2011, 12:34
Es liegt an den bösen Ausländern, ...

... an den guten wird es ja wohl nicht liegen, oder?

fischkopp
22
11.3.2011, 09:59

Nein, zu 99% MiHiGru-Kind.

politisch verfolgt
06
10.3.2011, 21:09
da fehlen aber

einige fakten, die nicht pc sind.

Lisi 33
88
10.3.2011, 20:12

meiner Meinung nach gleiten die meisten Jugendlichen ab, weil sie die ganze Zeit alleine zu Hause sind und keiner da ist der sich um sie kümmert, weil alle arbeiten sind!!!!
Ist schon klar das es bei viele nicht anders geht, aber wenn ich als Mutter nur arbeiten gehe, damit mir zuhause nicht die Decke auf den Kopf fällt und ich abends keine Nerven mehr für meine Kinder habe, muss soetwas rauskommen. Die heutigen Jugendlichen schauen sich das meiste von PC Spielen und Filmen ab. Es sagt ihnen auch niemand mehr, was erlaubt ist und was nicht.

AlBundyFan
 
10
11.3.2011, 11:14
und ich sage nein.

es gibt keine familie wo beide elternteile arbeiten müssen....
der zwang besteht nur darin, daß man einen möglichst hohen soziallevel halten bzw. besitzen möchte und sich nicht damit abfinden kann, so viel zu besitzen wie der durchschnit 1970 oder 1980.

d.h.man erlegt sich nur selbst den druck auf, daß beide arbeiten müssen.
verzicht ist in unserer gesellschaft nicht mehr angesagt.

Winni Wahn
24
11.3.2011, 10:27
viel gefährlicher sind eltern die nur zu hause rumlungern

und vorm kind aus lauter depression und langeweile den ganzen tag rauchen und saufen.

glauben Sie mir, von denen gibt es genug (fragen sie im beim jugendamt nach) und die behaupten dann noch, sie bleiben ja wegen dem kind seit 10 jahren zu hause.

AlBundyFan
 
01
11.3.2011, 11:11
können wir uns darauf einigen

daß es beides gibt und beides schlecht ist für das kind?

Lilly Rush
 
01
11.3.2011, 12:40

nein
es ist nicht schlecht für das kind, wenn die eltern ganztags arbeiten gehen, sofern die externen kinderbetreuung passt.
ich werd heute nachmittag meinen sohn (16) bitten, dass er dazu stellung nimmt.

hlg
11
12.3.2011, 08:49
vor allem ist es gut für den staat...

wenn er die zukünftigen wähler (oder untertanen?) unbeeinflusst von den möglicherweise selbst denkenden eltern prägen kann...

so kann man kritische gedanken im keim ersticken und die zahnrädchen, die nicht ins getriebe passen wollen brechen eben oder werden in der psychiatrie entsorgt...

sowieso
15
11.3.2011, 08:17
wo leben denn sie?

wer geht arbeiten damit ihm die decke nicht auf den kopf fällt? selten so einen realitätsfernen schwachsinn gelesen.

Lilly Rush
 
35
10.3.2011, 20:51

So ein blödsin!

ich bin sofort wieder (zumindest teilzeit) arbeiten gegangen. meine beiden kinder sind im vergleich mit anderen echte vorzeigekinder.
mein 16 jähriger raucht nicht, trinkt nicht und liest den standard. (und computerspielen tut er in maßen)
das hat überhaupt nichts damit zu tun ob die mutter zu hause ist bei den kindern oder nicht.
es reicht die vorbildwirkung der familiensituation.

KTHXBYE
01
11.3.2011, 11:42
"raucht nicht, trinkt nicht und liest den standard"

Grundsicherungs-Kandidat

Lilly Rush
 
00
11.3.2011, 12:42

ich glaub nicht, der macht HTL und das interessiert ihn sehr.

Neuer Nick neues Glück
44
11.3.2011, 08:36

Der säuft und raucht und du bekommst es nicht mit weil du nie da bist.

Lilly Rush
 
13
11.3.2011, 08:52

Sie glauben, sowas bekommt man nicht mit?

Der isst nicht mal Tiramisu weil da Rum drinnen ist.

Ich muss gestehen, ich war in dem Alter viel schlimmer. Aber vielleicht ist das ja seine Art von Protest und er straft mich mit extremem Konservativismus.
Wegen des Standarlesens mache ich mir natürlich große Vorwürfe: Vielleicht bin ich ja ein schlechtes Vorbild?

Neuer Nick neues Glück
06
11.3.2011, 08:56

Standard ist in der Tat brutal.

politisch verfolgt
06
10.3.2011, 21:00
na bitte

da hammas ja, das abgleiten: liest den stadtrand. ;o)

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