Quantenphysiker finden Lösung

Rätsel der klassischen Physik: Wie lange schwingt eine Stimmgabel?

13. März 2011, 20:48
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    foto: universität wien, garrett cole

    Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Resonators. Wie lange ein solcher schwingt, kann nun berechnet werden.

Wiener und Münchner Wissenschafter können erstmals konstruktionsbedingte Dämpfung einer Schwingung berechnen

Wien - Auf der Suche nach idealem Equipment für ihre Experimente haben Wiener und Münchner Quantenphysiker ein klassisches Ingenieursproblem gelöst, mit dem in der Vergangenheit bereits zahlreiche Wissenschafter gerungen haben. Die Forscher haben eine Berechnungsmethode entwickelt, mit der sich die konstruktionsbedingte Dämpfung einer Schwingung vorausberechnen lässt. Das in der neuen Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift Nature Communications veröffentlichte Verfahren ist maßstabsunabhängig und kann bei Nano-Bauteilen ebenso angewendet werden wie bei großen Systemen des Alltags.

Musikinstrumente sind die bekanntesten Beispiele für Resonatoren. Die mechanischen Schwingungen der Klangstäbe eines Xylophons oder einer Gitarrensaite verursachen akustische Schwingungen, die wir als Ton hören. Die Reinheit des Klangs ist eng verknüpft mit dem Rückgang der Schwingungsamplitude durch die mechanische Dämpfung. Zur Beschreibung der mechanischen Verluste nutzen die Wissenschafter den Qualitätsfaktor "Q", der die Anzahl der Schwingungen beschreibt, bis die Amplitude der Schwingung auf einen Bruchteil des Ausgangswertes abgeklungen ist. Je größer der "Q-Faktor", desto reiner klingt der Ton und umso länger schwingt das System, bis der Ton durch die mechanischen Verluste verstummt.

Verfahren mit breiten Anwendungsmöglichkeiten

Auch in der Mikroelektronik gewinnen mechanische Resonatoren zunehmend an Bedeutung. Sie werden eingesetzt als Filterelemente in drahtlosen Kommunikationssystemen oder als Timing-Oszillatoren für kommerzielle Elektronik. Die aktuelle Grundlagenforschung nutzt mikromechanische Resonatoren zur Entwicklung hochempfindlicher biologischer Sensoren, quantenelektronischer und optomechanischer Bauteile. Hierbei sind extrem reine Schwingungen erwünscht, um bestimmte Signale herauszufiltern oder kleinste Frequenzverschiebungen zu messen.

Für viele dieser Anwendungen ist es notwendig, die mechanischen Verluste zu minimieren. Allerdings war es selbst bei einfachen Geometrien bisher nahezu unmöglich, den erreichbaren Gütefaktor Q vorauszuberechnen. Diese Hürde haben die Forschungsteams aus Wien und München (Garching) überwunden. Mit ihrem neuen Berechnungsverfahren auf Basis der Finite-Elemente-Methode können sie nun die designbedingte Dämpfung nahezu beliebiger Resonatorgeometrien vorausberechnen.

"So wie man eine Lichtwelle auch als Teilchen, also Photon, beschreiben kann, können sich auch mechanische Schwingungen wie Teilchen verhalten, man spricht hier von sogenannten Phononen. Wir berechnen nun, wie die von der Schwingung des Resonators ausgehenden Phononen in den Träger des Resonators abstrahlen", erklärt Garrett Cole, Senior Researcher in der Arbeitsgruppe von Markus Aspelmeyer am Vienna Center for Quantum Science and Technology (VCQ) der Universität Wien. "Damit schaffen wir die Möglichkeit, diese Probleme berechnen zu können. Das ist ein Durchbruch für die gezielte Konstruktion solcher Bauteile."

Maßstabsunabhängiges Berechnen am Standard-PC

Die Idee geht zurück auf eine frühere Arbeit von Ignacio Wilson-Rae, Physiker an der Technischen Universität München und Mitglied des Exzellenzclusters Nanosystems Initiative Munich (NIM). In enger Zusammenarbeit haben die Teams in Garching und Wien nun eine einfache numerische Lösung entwickelt, die die Berechnung der mechanischen Verluste auf einem Standard-PC ermöglicht. Die Vorhersagekraft des numerischen "Q-Solver" setzt dem gegenwärtigen Rätselraten und Herumprobieren bei der Gestaltung von mechanischen Resonatoren ein Ende. Besonders stolz sind die Physiker darauf, dass ihr Verfahren maßstabsunabhängig ist und so auf eine breite Palette von Szenarien angewandt werden kann, von nanoskaligen Bauteilen bis hin zu makroskopischen Systemen. (red)

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Posting 1 bis 25 von 39
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hellman
 
00
wohl nicht so spannendes Rätsel

Die FEM Methode zur Berechnung Phononenabsorption zu verwenden ist ja wirklich eine gute Idee.
Ein Rätsel sehe ich aber in einer gedämpften Schwingung nicht. Und das Besorgen von Materiakonstanten auf empirischem Weg wird wohl auf mikroskopische Ebene verschoben, damit aber nicht vom Tisch sein.
Ziemlich reißerischer Aufmachung aber auch die Forscher wollen dann und wann hypen.

Mari Huana
00
26.3.2011, 08:37
Wir lernten das mit dem Dämpfungsfaktor zu berechnen!

Keiner hinterfragte das - aber moderne Wissenschaft muß das anders berechnen - warum?

Allahand
00
19.3.2011, 07:35
Wia a Glockn de überall läutet?

Schulterzuckender Atlas
11
15.3.2011, 22:22
"Rätsel der klassischen Physik: Wie lange schwingt eine Stimmgabel?"

Bis sie damit aufhört.

So, her mit dem Preis ;)

Major Lee
 
00
14.3.2011, 16:11
Skalenunabhängig?

Also ob man quantenmechanisch rechnet (Nanometer-Skala) oder nach nicht-relativistisch klassischer Mechanik (mit/ohne Objektverformbarkeit, mit/ohne Umgebungsfluid), das Verfahren ist immer das gleiche?

Wie machen die das?

Michael Bakunin
00
15.3.2011, 22:13

quantenmechanische berechnungen gelten ja für alle maßstäbe. es gibt kein grenze für quantenmechanik.

steppi1
00
14.3.2011, 19:28

Ich glaub's auch nicht. Aber es ist ein guter Aufhänger. Möglicherweise gibt es Korrekturverfahren für die Skalierung. Aber Phönomene der Quantenmechanik genauso berechnen zu können, wie makroskopische Schwingungen, kommt mir obskur vor.

Lageos
00
14.3.2011, 18:49

Skalenunabhängig in Bezug auf Mikro- und Nano- Skalen.

Arbi Trary
00
14.3.2011, 17:03
...

Paper lesen?

Max Frisch Morgenessen
01
14.3.2011, 15:40

Ist das Problem wirklich gelöst? Das heisst der Nachweis wurde erbracht dass die numerische Berechnung zwingen auf die physikalisch korrekte Lösung konvergiert?
Wenn nein, dann bitte ich (red) fünfzigmal zu schreiben (ohne cut und paste natürlich):
Ich werde mich bemühen auf der Wissenschaftseite mit Begriffen sorgsam umzugehen.

Trotzdem: Tolle Leistung, Gratulation allen Beteiligten

The Alien
 
00
15.3.2011, 07:37

Anscheinend wurde das Problem mit hinreichender Genauigkeit für technische Anwendungen gelöst - was in einer stochastischen Realität ja auch völlig ausreicht.

Wir freuen uns auf berechnungstechnisch optimierte E-Gitarren für Heavy Metal Bands und damit drastisch minimierten Spielaufwand und geringere Notwendige Verstärkerleistung - ein Beitrag zum Energiesparen und zur Rettung der menschlichen Zivilisation, jetzt, wo die oberg'scheiten Politiker anfangen, wieder über Atomstrom nachzudenken (zumindest bis die GAUs in Japan von den Nutzmenschen wieder vergessen oder die nächsten Wahlen vorbei sind).

Lageos
00
14.3.2011, 22:58

Ich glaub es gibt in diesem Fall gar keine physikalische analytische Lösung sondern nur die Methode über die FEM.
Diese wurde dann anhand von Experimenten überprüft auf ihre Genaugkeit geprüft.

Stephan Schaefer
 
00
28.3.2011, 18:37

Daran habe ich auch gedacht.
Je mehr Stützpunkte verwendet werden, desto genauer wird es.
Vielleicht haben sie die Methode etwas verfeinert und fügen bzw. entfernen dynamisch Stützpunkte, so dass letztendlich nur die wirklich notwendigen benutzt und berechnet werden..Auch ist der Begriff "Standard-PC" meines Erachtens zu ungenau für die Bestimmung der "Sensation". Denn das, was heute ein Standard-PC ist war vor nicht allzu langer Zeit ein Superrechner!

Mfg

Hercules
01
14.3.2011, 11:58
Hier....

...der Gratis-Link zur Arbeit:
http://arxiv.org/PS_cache/... 4948v1.pdf

Btw:Danke an das Forscherteam!

Nitram1988
00
18.3.2011, 01:29
Danke für den Link!

Muss ich eigentlich nur Gleichung A6 in COMSOL eintippen?

Zarathustra
00
14.3.2011, 10:02

Sehe ich das richtig, dass die Stimmgabel nach der klassischen Physik unendlich lange schwingt?

Der Gewissensbiß
00
26.3.2011, 14:12
Nur mit den Hüften;-)

Major Lee
 
00
14.3.2011, 16:07
Ist die Frage, was Sie unter "klassischer" Physik verstehen.

Das sieht der Hydrodynamiker anders als der Quantenphysiker anders als der Relativitätstheoretiker anders als der Chaosrechner anders als der Festkörperphysiker und v.a. anders als der Computational Physicist.

her wig
01
14.3.2011, 13:07

Unendlich lange, das wäre typsich klassisch.

rompitasche
01
14.3.2011, 12:31

eine Stimmgabel im Vakuum verfehlt aber wohl ihren Zweck

metall81
01
14.3.2011, 15:59
Das hat nix mit Vakuum oder Verlusten...

...zu tun. Die klassiche e-Funktion, nach der eine Schwingung abklingt erreicht den Wert null erst bei t gleich unendlich.

Nitram1988
00
18.3.2011, 01:33
Ich dachte es geht darum wie schnell es abklingt.

Nitram1988
00
18.3.2011, 01:33
Ich dachte es geht darum wie schnell es abklingt.

Zarathustra
00
14.3.2011, 16:22

Danke. Genau das dachte ich mir.

Der Wappler
152
14.3.2011, 08:50
Des Wapplers Herz schwingt und schwingt, wenn er die Nina sieht

Sie schwingt und schwingt und schwingt.....

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