Kopf will das Parlament reparieren

Lukas Kapeller, 10. März 2011, 14:55
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    foto: apa/gindl

    Kopf startet den Versuch, seinem Arbeitsplatz zu mehr Prestige zu verhelfen.

Wöchentliche Sitzungen und längere TV-Übertragungen für mehr Politikinteresse - "Kann man bei 8000 Euro brutto verlangen"

Wien - Für einen Klubobmann geht Karlheinz Kopf mit seinem Arbeitsplatz hart ins Gericht. "In Ritualen erstarrt" findet Kopf den Betrieb im Parlament. Einerseits Marathon-Sitzungen mit lauter "2-Minuten-Reden für die Statistik", dann kämen die Abgeordneten wieder mehr als einen Monat nicht zusammen. Das Instrument der Dringlichen Anfrage habe sich "abgenützt und interessiert keinen Menschen mehr", und Sondersitzungen würden "nur des Effektes wegen" einberufen werden. Kopf will den Parlamentarismus reparieren. "Ich habe mir dazu ein paar Gedanken gemacht", sagte der ÖVP-Klubobmann bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

  • Eine Sitzung pro Woche Zentrale Änderung wäre, dass die Nationalratsabgeordneten jede Woche tagen. Kopf sieht dafür den Mittwoch vor - nicht wie ursprünglich im STANDARD den Donnerstag. Ausgenommen sollen die Ferienzeiten bleiben. Es gäbe dann 40 Plenartage, rechnet Kopf vor. Bisher seien es 20 bis 25 Tage, die Zahl der Stunden bliebe aber gleich. Der ÖVP-Politiker verspricht sich davon, dass die Abgeordneten aktueller Stellung beziehen können, die Debatten qualitätsvoller wären und auch mehr Medieninteresse wecken würden. Dass seine Reformideen zu ausschließlich hauptberuflichen Abgeordneten führten, glaubt Kopf nicht. "Im Gegenteil", argumentiert er mit der besseren Planbarkeit. Abgeordnete aus den Bundesländern würden dann wissen: Diese zwei Tage bin ich in Wien. Als er das bei der vergangenen ÖVP-Klubtagung vorschlug, habe es zwar Diskussionen über die Häufigkeit der Sitzungen gegeben, der Widerhall sei dennoch "sehr überwiegend positiv" gewesen, behauptet Kopf.
  • Weniger Ausschüsse Gekoppelt an die wöchentlichen Plenarsitzungen wären wöchentliche Ausschüsse. Die würde Kopf mittwochs stattfinden lassen, gleichzeitig in ihrer Zahl beschänken. Von seinem ersten Vorschlag, nur soviele Ausschüsse, wie es Ministerien gibt, tagen zu lassen - das ergäbe 13 plus einen 14. für parlamentsinterne Angelegenheiten -, rückt Kopf ab. Er gäbe sich bereits in etwa mit einer Halbierung der derzeit 39 Ausschüsse zufrieden, in denen dann nur mehr 16 statt bisher 26 Mandatare säßen. Jeder Abgeordnete wäre so in zwei Ausschüssen. Derzeit sind es fünf, "die gewünschte Spezialisierung der Abgeordneten findet nicht statt", meint Kopf. Im Fall der ÖVP würde Kopf dann jeden Dienstagnachmittag eine Klubsitzung abhalten, am Mittwoch wäre Plenarsitzung, am Donnerstag ein Ausschuss. "Wir kriegen 8000 Euro brutto im Monat, da sollte man schon die halbe Woche dafür in Wien investieren", sagt Kopf zu derStandard.at.
  • Medienpräsenz Die Debatten im Plenum sind für Kopf "das Schaufenster zu Vermittlung der politischen Auseinandersetzung". Regelmäßigere, aber kürzere Sitzungen sollen helfen, ein besseres Bild abzugeben. Kopf will das Parlament aber auch länger ins Bild rücken. "Die drei besten Kamerapositionen gehören dem ORF", sagt Kopf und fordert, diese neu ausschreiben zu lassen. Auch wenn der ORF wohl wieder den Zuschlag bekäme, solle das Signal künftig auch Privatsendern zur Verfügung stehen. Kopf wünscht sich vor allem, dass der ORF künftig in einem Spartenkanal die Nationalratssitzungen in voller Länge überträgt. Vorbild wäre der deutsche Sender "Phoenix".

Trotz kürzerer Sitzungen wären dann mehr Politiker mit ihren Reden im Fernsehen, argumentiert Kopf. Ein Kritikpunkt an seinen schon länger bekannten Ideen lautet: Die Regierung arbeite zu langsam, es gebe nicht annähernd genug Regierungsvorlagen, um wöchentlich eine neue zu debattieren. Kopf ortet in dieser Kritik einen "Denkfehler": "Es geht bei parlamentarischen Debatten nicht darum, dass daraus immer ein Gesetz entsteht." Er hoffe aber, sollte seine Reform kommen, dass das Parlament der Regierung ein bisschen mehr Aufträge erteilen wird.

ÖVP-Klubchef schlägt Probejahr vor

Kopf sagt, man könnte seine Vorschläge in einem Probejahr einmal ausprobieren, "in so einem Jahr kann man ja auch etwas lernen" und nötigenfalls ändern. Neue Regeln will er nur, wenn alle Fraktionen mitstimmen. Vorerst wäre er dafür mit einem Präsidialbeschluss zufrieden.  Sollten sich die Neuerungen bewähren, müsse man langfristig aber sicher die Geschäftsordnung ändern.

Zweifel bestehen, ob Kopfs Vorstellungen diese Mehrheit finden werden. Poltiker anderer Fraktionen hätten in Gesprächen "nicht ganz so positiv" reagiert, wie manche Presseaussendungen vermuten ließen. Immerhin habe ihm Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) am Rande eines Mittagessens mit dem bulgarischen Präsidenten den Eindruck vermittelt, sie stünde seinen Plänen wohlgesinnt gegenüber.

Grüne: Interessant, aber zu wenig

Prammers Parteifreund Josef Cap will in Kopfs Vorstoß aber lediglich "interessante Anregungen für die laufende Diskussion" erkennen. Der SPÖ-Klubchef zeigte sich in einer Aussendung bereit, diese in Beratungen über eine bessere Parlamentsarbeit einfließen zu lassen. Die geforderten Plenarsitzungen im Wochentakt ließ Cap allerdings unerwähnt.

"Interessante Vorschläge, aber wo bleibt die Ausweitung der Kontrollrechte?", fragt der Grünen-Abgeordnete am Donnerstag Dieter Brosz.
Es gebe eine von Kopf unterschriebene Vereinbarung, dass der U-Ausschuss als Minderheitenrecht bereits bis 31. März 2010 umgesetzt hätte werden sollen. Und noch etwas kritisiert Brosz: Den Vorschlag, die Ausschüsse auf Probe durch die Präsidiale zu verkleinern, "kann Kopf selbst nicht ernst nehmen. Er weiß nur zu gut, dass das geschäftsordnungswidrig wäre und die Gesetze damit nicht ordnungsgemäß zu Stande kommen würden." FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache signalisierte Kopf in einer Aussendung seinen Arbeitswillen: "Meinetwegen können wir schon ab April die Anzahl der Nationalratssitzungen erhöhen." (Lukas Kapeller, derStandard.at, 10.3.2011)

Kommentar posten
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Strache Bürgermeister a.D. aber Kreisky haha!
00
31.3.2011, 09:13
Der Kopf der ÖVp will Maurer werden?

Wäre oihnehin besser, da könnten sie den Graf nicht so die Stange halten, der uns verseucht mit seinen Burschenschafterwahn!

nick morgenland
 
00
14.3.2011, 09:52
off topic -@ karlheinz kopf

dreistelliges firmengeflecht versucht fünfstelliges zu zerstören. goliath gegen david - sozusagen. gibt es hilfe - schaden kann es nicht.

mfg - vaz - nxp

akiwi (walter franeks kulturbeisel im westen von sankt pölten - das älteste wirtshaus der lh)

ist da jemand?

1116er
00
14.3.2011, 08:37
alles nur kosmetik!

kopf könnte als großer reformer des parlamentarismus in die geschichte eingehen, wenn er sich selbst köpfen würde:
weg mit dem klubobmann,
weg mit dem klubzwang.

DAS wäre etwas, das ö einen schritt vorwärts bringen würde!

nick morgenland
 
00
14.3.2011, 09:53

marshall rosenberg - gewaltfreie kommunikation - jedenfalls gewaltarme. fucking peace - fighting virginity...

Ein Troll
00
12.3.2011, 21:28
Interessante Vorschläge,

dass die liberalrote Front auf sowas nicht kommt?

Naja, nach dem Kreisky hat doch die Eisenbahnerpartie wieder das Sagen, und die Maturaschülerpartie und B-Beamten natürlich auch ein bißchen.

Die Intelligenzia sozusagen, hehehe. Man kan sich davon ja hier ein herrliches Bild machen.

nick morgenland
 
00
14.3.2011, 09:58

von roter oder grüner seite gibt es keine vorschläge.

ich schlage seit mehreren jahren vor:
fünfzehn jahre maximaldauer in der spitzenpolitik.
keine geheimnisse vor dem souverän. das heißt ausschüsse und ministerratssitzungen mit mehreren webcams gleichzeitig im internet. souverän ist theoretisch die bevölkerung.
quote für die im parlament nicht vertreten fünfundsechzig plus generation.
blecha und khol - was halten sie davon?
die alten und das alter - in österreich - naja. höchste suizidrate alter männer in welchem industriestaat? in i am from austria.

MemoryDragon
00
17.3.2011, 11:12
Solange

die Abgeordneten reine Abstimmungsroboter ihrer jeweiligen Fraktion sind ist eine Quote vollkommen egal, da könnte man auch echte Roboter hinsetzen!

nick morgenland
 
00
17.3.2011, 23:21

da kann man nichts machen...
man kann etwas machen.
eine einzige maßnahme ist zu wenig.
es ist auch nicht so, dass alle abgeordneten, gleich schwach, stark, unfähig, fähig, pareisoldatenhaft oder selbständig denkend und handelnd sind.
es wäre gut, wenn menschen mit lebenserfahrung, mit schicksalsschlägen, die zeitgeschichte über einen großen zeitraum erlebt haben, in die politik einsteigen könnten, mit fünfzig, sechzig, siebzig, achtzig, neunzig, hundert jahren. es gibt leute, die mit achtzig mehr leisten können als andere mit vierzig. ein zwanzig jahre alter honda prelude ist schneller als ein fünf jahre alter golf.

österreich ist verhinderungsweltmeister (behauptet dr. hannes androsch, jüngster finanzminister der regierung kreisky).

nick morgenland
 
00
14.3.2011, 09:56

vorurteile bedrohen uns alle. vorurteil, geißel der menschheit.

faymann und pröll sind enttäuschend.

es sollte über das system nachgedacht werden, das schwache politiker(innen) in spitzenfunktionen bringt.

Takeshi Kovacs
00
12.3.2011, 20:25
DIESES parlament

kann nur mehr mit ein paar grossen schubraupen repariert werden

cato48
00
12.3.2011, 19:42
Da will ein Schwarzer das Parlament reparieren...

...welches Schüssel kaputt gemacht hat.

Siehe:
http://www.profil.at/articles/... au-regiert

Wenn man das liest kann man nur kotzen!

MemoryDragon
00
17.3.2011, 11:11
Schüssel hat gar nix gemacht

das Parlament ist seit Ewigkeiten kaputt, nämlich seitdem der Clubzwang eingefordert wird!

peter schmidt
 
00
12.3.2011, 16:35
8000 brutto

ist ehrlich gesagt ein wenig enttäuschend. das tut sich ja dann (wie man sieht) jemand der erfolgreich ist, nicht mehr wirklich an.

das sind mal 5000 netto. da hat ein selbstständiger z.b. arzt , anwalt gleich viel oder mehr und muss nicht ständig angst haben, dass er beim nasenbohren gefilmt, oder seine diplomarbeit untersucht wird.

nick morgenland
 
00
14.3.2011, 09:59

das stimmt. gute politik kostet. kronenzeitung hat unrecht. falsch sparen ist kostspielig.

1116er
00
14.3.2011, 08:35
es sind noch viel weniger als 5000 netto!

sie vergessen nämlich die parteisteuern.

(diese sind gerechtfertigt: ein beitrag des abgeordneten zu den kosten, die seine partei während des wahlkampfes für die erringung seines mandats aufgewendet hat.
so der VfGH).

man kann es gar nicht oft genug sagen:
das ö-volk zahlt seinen politikern ein mieses gehalt.
das ö-volk mutet seinen politikern arbeitsbedingungen zu, wie es sie selbst nie und nimmer akzeptieren würde (--> arbeitszeiten von 80+ h; sich von hinz und kunz beschimpfen lassen).

und dann wundert sich das ö-volk darüber, dass sich kaum noch vernünftige und anständige leute finden für diesen job....

peter schmidt
 
00
14.3.2011, 13:20
angeblich ist die parteisteuer

25 % vom netto. auch happig:)

peter schmidt
 
00
12.3.2011, 16:37
obs da nicht besser wäre

die zahl zu halbieren und dafür jedem ein Drittel mehr zu bezahlen.

schnittling
00
12.3.2011, 09:19
Kopf repariert Rumpf? na dann viel Vergnügen! Wo fangen Sie an?

Buntspecht+
00
12.3.2011, 01:41
pfuideibel...

...der fisch fängt beim kopf an zu stinken

Asy
30
11.3.2011, 22:03
Da Sozis und deren Wähler eher arbeitsscheu sind, wird sioh das nicht spielen.

fenster zum hof
00
11.3.2011, 20:14
vorschlag

reparieren sie sich selbst mit ihrer unerträglichen partei

und lassens uns in ruh mit ihren vorschlägen

fenster zum hof
00
11.3.2011, 20:08
reparieren

im sinne kopf

was ist mit der mineralölsteuerer los

sats net in der lage eigene haie zu reduzieren?zu kontrollieren?--einmal

hanslblasta
00
11.3.2011, 17:18
Klubzwang abschaffen

Abgeordnete so bezahlen und sozial absichern, dass sie tatsächlich frei können und nicht an der Parteikandare hängen;
das sind Vorschläge, die kein Kopf zustande bringt;

btw: die Arbeit des Parlaments erfolgt in den Ausschüssen
mehr Informationsflut ist nicht unbedingt besser - Fernsehübertragungen von Parlamentsdiskussionen sind zwar interessant, zeigen aber nur einen winzigen Teil der politischen Wirklichkeit - der dann erst recht politisch wirksam wird

wer politisch mitreden möchte, kommt um die Lektüre der stenographischen Protokolle des Nationalrats nicht herum - es gibt allerdings wenig Kurzweiligeres zu lesen

und dann wären da noch die Kontrollrechte der Opposition ...

Patientencafe
00
11.3.2011, 16:42
Das Parlament beginnt am Kopf zu stinken..

Wie war das?
Sonderssitzungen nur des Effekts wegen?
Dringliche Anfragen interessieren keinen?
Der Kopf will offenbar das bisschen an Oppositionsrechten, das es noch gibt, abschaffen.
Vielleicht ist das Dollfußbild im VP Parlamentsklub kein historisches Relikt, sondern eine programmatische Ansage.

.S.P.Q.R.
04
11.3.2011, 15:49

Kopf, ein Handelsschüler, will das Parlament reparieren?

Überschätzt sich der Odrr nicht ein bisschen?

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