Weltnierentag

Lebendspende schenkt Leben

10. März 2011, 11:19
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    foto: apa/al hartmann

    Derzeit sterben viele Menschen, die auf den Wartelisten stehen, bevor sie ein Spenderorgan bekommen.

Desensibilisierungs-Verfahren macht Lebendnierenspenden mit bislang unverträglichen Blutgruppen möglich

2.200 Nierentransplantationen finden pro Jahr in Deutschland statt, davon 65 im vergangenen Jahr am Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden. Zehn der hier verpflanzten Nieren waren Lebendspenden naher Angehöriger. Bei drei Spenderpaaren passten die Blutgruppen nicht zusammen. Trotzdem konnten die Transplantationen erfolgreich stattfinden. Ein spezielles Desensibilisierungs-Verfahren macht Lebendnierenspenden mit bislang unverträglichen Blutgruppen möglich. Zukünftig soll dieses Verfahren mehr Menschen mit Nierenversagen helfen, rechtzeitig ein Spenderorgan zu erhalten.

Ihren 48. Geburtstag im November 2009 wird Karin Bandt aus der Nähe von Bautzen in Erinnerung behalten. An diesem Tag machte ihr Mann das Angebot, ihr eine seiner Nieren zu schenken. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits einen Monat Hämodialyse-Patientin. Zysten hatten ihre Nieren so stark geschädigt, dass diese ihre Filterfunktion nicht mehr erfüllen konnten.

Inkompatible Blutgruppen

Am Transplantationszentrum des Dresdner Uniklinikums ließen Peter und Karin Bandt untersuchen, ob der Ehemann als Organspender überhaupt in Frage kam. Körperlich gesund und fit erfüllte der heute 50-Jährige zwar alle Voraussetzungen dafür, doch seine Blutgruppe (A) war mit der seiner Frau (0) nicht verträglich. Eine Hürde, die noch vor wenigen Jahren diese Lebendspende unmöglich gemacht hätte. Es wäre zu einer sofortigen Abstoßung des fremden Organs gekommen. Dass die Transplantation für Peter und Karin Bandt im Januar 2011 dennoch erfolgreich stattfinden konnte, liegt an einer speziellen Therapie.

„Bei Blutgruppenunverträglichkeit - in der Fachsprache AB0-Inkompatibilität - bieten wir am Dresdner Transplantationszentrum dem Organ-Empfänger eine spezielle Desensibilisierungstherapie an. Diese entzieht vorhandene Antikörper und verhindert die Nachbildung von Antikörpern und damit eine Abstoßungsreaktion", so Christian Hugo von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III. Der Internist und Nephrologe hat sich als auf die internistischen Aspekte der Nierenerkrankungen spezialisiert.

Immunadsorption vor Transplantation

Der Erfolg des Dresdner Transplantationszentrums gründet auf Teamwork. Bereits bei der Vorbereitung zur Transplantation und in der Nachbetreuung unmittelbar nach der Operation, die das Ärzteteam vonManfred Wirth, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie des Dresdner Uniklinikums vornimmt, arbeiten Urologen und Nephrologen Hand in Hand. Bei einer AB0-inkompatiblen Transplantation erhält der Organ-Empfänger in der Woche vor der Operation eine sogenannte Immunadsorption. In einem Verfahren vergleichbar der Dialyse werden dem Blut die Stoffe entzogen, die eine Abwehrreaktion gegen Zellen des Spenders bewirken. Um die gewünschten Werte zu erhalten, wird die Behandlung an mehreren Tagen fortgeführt. Karin Bandt erhielt ihre letzte Immunadsorption, während ihr Mann schon im OP-Saal lag. Das OP-Team startete erst, als bei ihr die richtigen Werte erreicht waren. Eine halbe Stunde nach der Entnahme bekam Karin Bandt die Niere ihres Mannes eingepflanzt. Noch auf dem OP-Tisch begann das Organ in ihrem Körper zu arbeiten.

Im letzten Jahr wurden in Dresden insgesamt 65 Nieren transplantiert. Zehn von ihnen waren Lebendspenden, drei der Spenderpaare wiesen eine Blutgruppenunverträglichkeit auf. Bundesweit finden jährlich etwa 2.200 Nierentransplantationen statt. Die meisten sind postmortale Transplantationen. Das bedeutet, ein Organ wird nach dem Hirntod seines Spenders verpflanzt. 20 Prozent der Nierentransplantationen sind jedoch - wie im Fall von Karin und Peter Bandt - Lebendspenden.

Hoffnung auf mehr Lebendspenden

Hugo und Wirth möchten vor allem die Zahl der Lebendspenden steigern. Denn: Den jährlich Transplantierten stehen bundesweit viermal so viele Menschen gegenüber, die auf eine neue Niere warten. Gleichzeitig geht das Angebot an Spenderorganen zurück. Die Folge sind immer längere Wartezeiten für Betroffene, mindestens fünf Jahre, meistens deutlich mehr. Viele Menschen, die auf den Wartelisten stehen, sterben, bevor sie ein Spenderorgan bekommen. Dabei ist vor allem das Krankheitsstadium für den Erfolg einer Transplantation entscheidend. Hugo: „Je früher die Transplantation stattfindet, desto besser. Mit jedem Jahr an der Dialyse verschlechtert sich der Erfolg für eine Transplantation. Im Idealfall sollte präemptiv transplantiert werden, das bedeutet, noch vor Beginn einer Dialysetherapie. Dies ist jedoch nur durch die Lebendspende eines nahen Angehörigen möglich".

Karin Bandt geht es gut nach der Transplantation. Die Medikamente zur Unterdrückung ihres Immunsystems, die jeder Organ-Empfänger nehmen muss, verträgt sie ebenfalls. Und Peter Bandt? „Auch er hat die Operation gut überstanden, er ist zurzeit in der Reha", so seine Frau. Schon im Frühjahr will er wieder als Lehrer im Aus- und Fortbildungsinstitut der Polizei arbeiten. Karin Bandts Sorge, der gute Gesundheitszustand ihres Mannes könne sich durch die Nierenspende verschlechtern, konnten ihr die Ärzte des Dresdner Transplantationszentrums nehmen. „Nierenspender haben im Normalfall kein erhöhtes Gesundheitsrisiko und können nach der Operation wieder ihr gewohntes Leben führen", so Wirth. (red)

Evelyne R.
10
11.3.2011, 09:27
Das ist doch unfassbar!

Es ist verständlich wenn ein Ehepartner oder Eltern für ihr Kind eine Niere spenden, aber es wird doch nicht allen Ernstes danach gefragt werden, dass Menschen eine Niere aufgeben - für irgendwen! Und wenn dann die eine eigene vielleicht nicht mehr funktioniert, bekommt man sie wieder zurück? Was für ein total unverschämter, unethischer, unmoralischer Artikel!!!

Bonair
00
11.3.2011, 22:39

a) Es verlangt keiner von Ihnen; Lebendspenden sind immer freiwillig (und stellen Sie sich vor, die Zahl dieser Spenden steigt seit mehreren Jahren immer weiter)
b) Auch Ihr Ehepartner kann eine andere Blutgruppe haben, als Sie selbst, in so fern auch für Spenden innerhalb der Familie relevant
c) Wenn Sie als körperlich gesunde Person eine Niere spenden und die verbliebene von einer Krankheit erfasst wird, hätte Sie die zweite Niere in aller Regel auch nicht mehr gerettet, da Nierenkrankheiten meist Systemkrankheiten sind und beide Organe angreifen.
d) Wenn es "unverschämt, unethisch, unmoralisch" wäre, wäre es von Seiten der österreichischen Ethikkommissionen auch nicht erlaubt.

Worüber regen Sie sich eigentlich auf?

Ain't got no how watchamacallit
00
10.3.2011, 20:15

was mir nicht ganz einleuchtet ist weshalb der standard deutschen zentren ein sprachrohr ist anstatt an unserer wiener uniklinik an der klinischen abteilung für nephrologie und dialyse der universitäsklinik für innere medizin III das transplantsekretariat daten und fakten über die nierentransplantation in österreich zu erfahren…

die Unschuldsvermutung
00
14.3.2011, 16:49

Weil die Uniklinik nichts für diese Schaltung zahlt vielleicht?

mizzi schinagl
00
10.3.2011, 11:25

hab beim rüberscrollen "welthirntag" gelesen....
wär auch eine idee, oder?

M L3
00
Zuwenig Betroffene? :-)

Thank God I'm A Country Boy
00
10.3.2011, 17:46

in dieser Liste

http://de.wikipedia.org/wiki/List... ktionstage

hab ich nur nen Hirntumortag und nen Kopfschmerztag gefunden. Aber kann ja noch werden.

die Unschuldsvermutung
00
14.3.2011, 16:52

da is aber kein nierentag drinnen

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