Ausgebrannt

Innere Ordnung schützt vor Burnout

10. März 2011, 08:48
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    foto: standard/matthias cremer

    Wer weiß, wofür er brennt, verbrennt nicht.

Falsche Ansprüche an den Beruf oft schuld am Ausbrennen - Experte empfiehlt Aufgaben nach Wichtigkeit zu erledigen

Wien - Wer der Arbeit den richtigen Platz im Leben zuweist, läuft nicht in Gefahr des "Ausbrennens". Das vertritt der Wiener Psychiater und Pyschotherapeut Raphael Bonelli. "Burnout ist keine objektive Arbeitsüberlastung, sondern deren subjektives Empfinden. Betroffene verschmelzen oft völlig mit ihrer Arbeit, werden von ihr jedoch enttäuscht. Der beste Schutz davor ist innere Stärke", so der Experte im Vorfeld eines Seminars zum Thema.

Einseitige Liebe

Falsche Ansprüche an den Beruf sieht Bonelli als häufige Burnout-Verursacher. "Viele wünschen sich insgeheim, dass sie aufgrund ihres beruflichen Übereifers geliebt, anerkannt und beachtet werden. Sie wenden immer mehr Zeit und Einsatz für die Aufgaben auf. Ihr Umfeld sieht das jedoch nach einiger Zeit als normal an und setzt die Erwartungen höher." Spätestens wenn der Glaube enttäuscht wird, man sei unersetzlich und unkündbar für die Firma, fliegt auch die Lebenslüge auf - die Sinnkrise ist vorprogrammiert.

Aufgaben zur richtigen Zeit erledigen

Rechtzeitiges Gegensteuern heißt nicht, weniger zu arbeiten oder sich mit dem Mittelmaß zufrieden zu geben, betont der Psychotherapeut. "Man kann ruhig hohe Forderungen an die eigene Arbeit stellen, solange sie auf die definierte Arbeitszeit beschränkt ist. Wichtig ist vielmehr, Prioritäten zu erkennen und die Zeit danach einzuteilen. Denn viele tun zwar das richtige, jedoch zur falschen Zeit."

Das betrifft etwa Perfektionisten, die Aufgaben häufig in drei Stunden erledigen statt in der einen Stunde, die sie bloß zur Verfügung haben. "Zwei Stunden haben sie somit falsch investiert, um die am Ende des Tages Familie, Freunde und Freizeit zu kurz kommen", so Bonelli. Hilfreich sei oft schon, Aufgaben nach Wichtigkeit zu ordnen, Unwichtiges zu streichen und beim Rest zu planen, was man heute erledigen kann. "Beginnt man beim Notwendigen statt beim Angenehmen, fallen dadurch die Angst und Unlust weg, die sonst das ständige Aufschieben bereiten."

Spiritualität relativiert die Arbeit

Kaum jemand halte es auf Dauer durch, sich nur über die Arbeit zu definieren. Zur Ordnung gehört für Bonelli deshalb auch, die Arbeit richtig einzuschätzen und zu relativieren. "Innerlichkeit ist ein Schutz vor Burnout. Innere Stärke und Freiheit erreicht man, indem man transzendente Werte an die erste Stelle reiht - durch Besinnen auf eigene Werte oder durch Nachdenken über tiefgründige Fragen des eigenen Lebens." Die dafür nötige natürliche Religiosität besitze jeder, oft sei sie jedoch verschüttet und müsse wiederentdeckt werden, so der Psychotherapeut. (pte)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2
No_lD
12
27.5.2011, 08:57
herr bonelli hat wohl selbst angestellte

und fast jeder unternehmer sieht den arbeitgeber als primäres problem bein burnout.
wie soll ich nach prioritäten auswählen, wenn ich so viele aufgaben bekomme, dass ich nur mehr die hälfte bewältigen kann. und wenn ich was sage, zuckt der chef aus. familie und baukredit im hinterkopf....
liegt ja alles nur am arbeitnehmer, jaaaaa ;)

userc23
00
26.6.2011, 21:17
Wenn Sie so einen Chef haben,

sollten Sie den Job wechseln...

Zumindest ein offenes Gespraech unter vernuenftigen "Erwachsenen" sollte moeglich sein. Aus eigener Erfahrung weiss ich aber, dass das oft eben nicht moeglich ist... Ziehen Sie die entsprechenden Konsequenzen.

RS69
 
13
27.5.2011, 09:02

Zumindest der Baukredit im Hintergrund ist ein selbstgemachter Druck.

Harry Y.
 
00
16.4.2011, 10:47
Herr Bonelli ist übrigens Mitglied des Opus Dei (recherchiert!). Was nicht heißen soll, dass er in ALLEM irrt. Ach

das Problem mit den eigenen Werten ist halt, dass sie objektiv sind, und von anderen bestimmenden, sich herrschaftlich gebärenden Kräften mit Füßen getreten werden......

Transzendenz resultiert nicht so häufig in meditativer Innerlichkeit, wie von manchen Religiösen dargestellt.

Sollen wir die Meinungen des Herren Bonelli so verstehen, dass es gar keine objektiv feststellbare Überlastung am Arbeitsplatz gibt? Wohl hoffentlich nicht; aber wie nennen wir dann die durch Stress produzierten Symptome? Sollen wir auf die eine Seite der Skala, die die mit dem Arbeitsplatz zusammenhängenden psychischen Krankheiten darstellt, den Burnout (kommt von Perfektionismus und Übereifer) plazieren, auf die gegenüberliegende Seite den (objektiven) Stress?

Chocoholic
11
15.4.2011, 12:03
Wer investiert denn viel Geld und Mühe, genau diese

Falsche Auffassung und Anforderung an den Beruf zu unterstützen, zu verstärken und zu fördern? Institutionen und Firmen selbst versuchen, die Arbeitnehmer unnatürlich "wir sind wie eine Familie, aber nur dann, wenn du was leistest" zu über"motivieren". und nachher wills wieder keiner gewesen sein....und der Mitarbeiter hat sichs nur eingebildet.....

Flink Poyd
02

Schuften ist noch immer die gängigste (weil gesellschaftlich anerkannte) Methode, die tatsächliche Leere des eigenen Lebens nicht wahrnehmen zu müssen. Nimmt man so einem schuftenden Menschen das Schuften, geht er/sie sich augenblicklich verloren. Deshalb sind auch so viele Karrieregeile abseits des Umfelds, in dem sie was gelten, oftmals nur öde und farblose Langeweiler.

carbonara
01
17.3.2011, 17:55
Die Arbeit artet heutzutage immer mehr...

...zur Beschäftigungstherapie für Masochisten aus.

legal eagle
 
00
13.3.2011, 19:52
war der bonelli nicht der religiöse aktivist,

der beim psychotherapie-kongress in graz vor zwei oder drei jahren ein seminar über die therapie bei schwul/lesbischsein anbieten wollte?

soweit ich mich erinnere, gab es da heftige proteste.

meint der am end den weg zum seelenheil im schoß der mutter kirch, wenn er über die "innerlichkeit" als schutz vor überlastung spricht?

fragen über fragen...

Rufus94317
00
17.3.2011, 08:09
Links

Ich liefere die Links nach, die in meinem vorigen Posting nicht funktioniert haben:
Story der Diffamierung durch Moritz Mühlbacher, die legal eagle unkritisch wiederkaut: http://www.kathpedia.com/index.php... el_Bonelli
Unterlassungs- und Widerrufserklärung von Moritz Mühlbacher: http://www.bonelli.info/documents... bacher.pdf
Weitere Aktivitäten von diesem Herrn, Psychiater in Salzburg: http://www.kreuz.net/article.9610.html
http://www.kreuz.net/article.9499.html

Rufus94317
00
17.3.2011, 07:44
Falsch,

das war irgendein Typ, der das mit dem "religiösen Aktivisten" über Bonelli verbreitet hat, der hat das aber später öffentlich zurückgenommen. Findet man hier (http://www.kathpedia.com/index.php... l_Bonelli) und hier (http://www.bonelli.info/documents... cher.pdf). Also Schnee von gestern!

Dein schönster Traum
00
12.3.2011, 22:46
Bonelli...

...kein Wunder, daß der von Religion redet...

feueramdbach
02
11.3.2011, 16:02
danke für den guten gratis-tipp

wir alle sind natürlich religiös, unser arbeitgeber auch, er vergisst es nur manchmal

gastrosoph
23
11.3.2011, 08:44
Doppelmoral

Viele wissen nicht einmal was Burn-out übersetzt ins Deutsche heisst. Auch Psychologen nicht, die ihre Anschauungen ungefragt mit der/einer Religion versuchen zu rechtfertigen. Sigmund Freud war ein Gegner des Religiösen! Was wir brauchen ist das Feuer des Prometheus, nicht die bengalische Verblendung, um letztendlich dort zu enden, was schon Elias Canetti in seinem Roman 'Die Blendung' beschrieb. Eine Asche lässt sich nicht wieder entzünden! Also kein Burn-in durch Religion.

Fritz Meyer
49
11.3.2011, 08:09
Die Schuld nur bei sich selber suchen.

Mit den Symptomen von den Ursachen ablenken. Ein schwacher Artikel!

HIER sitzen die Probleme:

- Bezahlung
- Behandlung
- Arbeitsumstände

Von Micromanagement, Mobbing und Druck/Angst vor Verlust der Stelle und sozialen Abstieg ganz zu schweigen.

Fritz Meyer
12
11.3.2011, 11:31
Na, stummer Rothakler...

ein Kontra ist Dir auch nicht eingefallen.

stuffy
08
11.3.2011, 06:53

Der Arbeit nur den Stellenwert einräumen den sie in Wirklichkeit hat - Mittel zum Zweck, um seine eigene Existenz zu sichern - aber nach Dienstschluss alles über Bord werfen was damit zu tun hat und sich ganz seinem Privatleben widmen (Vor allem das Diensthandy abschalten). Das ist die beste Prävention.

Viele Arbeitgeber glauben wirklich man ist Sklave und muss 24 Stunden für die Firma da sein, sein Leben ganz der Firma widmen und unterordnen - der beste Weg jemanden ins Burn-out zu treiben! Der einzige Weg sich davor zu schützen ist für den Job nach Dienstschluss nicht mehr erreichbar zu sein!

Entfesselter Prometheus
07
11.3.2011, 02:53
Eso-Geschwurbel

Wenn alle könnten wie sie wollten wären sie zuhause bei ihren Lieben und würden lachen über jene die sich für andere das Rückgrat verbiegen. Nur sie können nicht. Die Arbeitskraft der Lohnsklaven wird heute eben bis über die Leistungsgrenze hinaus ausgebeutet. Und das völlig planmäßig und vorsätzlich. Wer da nicht mitmacht, wird schon vor dem Systemerror gnadenlos aussortiert. Und danach erst recht.

Das hat weder mit zu hohen Ansprüchen oder Perfektionismus zu tun, das ist die marktradikale Logik des Turbokapitalismus der sein "Humankapital" gewinnbringend einsetzt.

jodaflo
 
00
11.3.2011, 02:03
http://de.wikipedia.org/wiki/Mens... rpore_sano

wer dann noch viel alkohol trinkt, zigaretten raucht, zu viel koffein konsumiert, sich eventuell noch ungesund ernährt und meint dies sei normal und eh gut, da legal oder gar illegales im übermass konsumiert begeht einen gefährlichen denkfehler. qed.

the downward spiral continues

http://de.wikipedia.org/wiki/Taba... hen#Gehirn

http://www.kreawi.de/heilprakt... ntzug.html

viele sind krank und wissen es garnicht und unter anderem daran wird die derzeitige zivilisation zugrunde gehen oder eben auch nicht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Entzugssyndrom

http://de.wikipedia.org/wiki/Mult... nzgebrauch

ceterum censeo: lokal! biologisch, wenig fleisch und viel radeln

Dr. Muffel
00
10.3.2011, 21:47
Modisches Thema ?

...und gibt's das gar nicht? oder doch ? siehe->
http://www.profil.at/articles/... t-burn-out

sotho talker
 
03
10.3.2011, 18:56
eine einschaltung des heiligen stuhls?

ora et labora?

"et lege" hat er vergessen ;)

aber das passt den kirchenvätern vielleicht schon wieder gar nicht mehr so gut ins konzept...

Keyser
06
10.3.2011, 18:52

Wenn man auf einen schlecht bezahlten Job angewiesen ist, der keine Wahl lässt, dann wird man dem Burnout auch durch das herunter beten eines Mantra nicht zu entkommen vermögen.

Es hilft dann auch keinen transzendentalen Zustand zu erreichen, wenn der Chef herumbrüllt, man möge seinen Kopf der Arbeit zuwenden, und nicht Gedankenverloren in die Ferne zu blicken - um einem Burnout vorzubeugen.

Wer dann die nötige innere Stärke aufgebaut hat dem Chef zu sagen - ich grüble über tiefgründige Fragen des eigenen Lebens, stören sie mich dabei nicht, wird sich alsbald auf dem Jobmarkt wiederfinden.

Dann ist es tatsächlich dem einzelnen unbenommen, über Fundamentales wie den Sinn des Lebens und das größere ganze, die Spiritualität nachzudenken.

pox vobiscum
16
10.3.2011, 17:35

Religion + Psychotherapie(oder gar Psychiatrie) = nix gut

politisch verfolgt
03
10.3.2011, 16:44
na geh

der rat am schluß ist aber billig.
da praktisch jede religion im wesentlichen aus versprechen für das jenseits besteht, ist die aussage am schluß: "du kannst es eh nicht ändern, aber wenn du ans paradies glaubst, bekommst du wenigstens kein burnout."
wenig originell. zur strafe 10 gegrüßet-seist-du-maria.

erich1963
216
10.3.2011, 16:13
"Burnout ist keine objektive Arbeitsüberlastung, sondern deren subjektives Empfinden."

Dagegen wehre ich mich entschieden. Selbstverständlich wird in immer mehr Unternehmen die objektive Belastungsgrenze überschritten und nicht nur das subjektive Empfinden. Viele Arbeitnehmer stehen vor der Tatsache, dass die Arbeitsmenge schlicht nicht mehr durchführbar ist. Sie ist die Konsequenz erbarmungslosen Rationalisierens.

wakeup
05
10.3.2011, 17:19
Objektivität...

ist die Illusion, dass Beobachtung ohne einen Beobachter möglich ist.

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