Nicht ein Besucherrekord, sondern die Sicherheit steht im Mittelpunkt des 28. Donauinselfests: Es wird weniger Bühnen geben
Wien - Wer schon einmal beim Donauinselfest war, kennt solche Szenen: verstopfte Fluchtwege, auf denen die Rettungskräfte kaum durchkommen; Donaubrücken, über die sich die Menschenmassen im Schneckentempo bewegen; volle U-Bahn-Züge, in denen man kaum Luft holen kann. Besonders angespannt war die Situation am Samstag der Drei- Tages-Inselparty im vergangenen Jahr. Mit einer Million Besuchern stieß das Fest damals an seine Kapazitätsgrenzen. "Es geht uns heuer nicht um einen neuen Besucherrekord", sagte daher SP-Landesgeschäftsführer Christian Deutsch am Mittwoch.
Für das 28. Donauinselfest, das heuer von 24. bis 26. Juni statt finden wird, wurde ein neues Sicherheitskonzept erarbeitet. Das lasse freilich keinesfalls den Rückschluss zu, dass das große Open-Air-Event im vergangenen Jahr unsicher gewesen wäre, betonte Organisator Sascha Kostelecky: "Wir hatten die Situation immer unter Kontrolle, aber mehr geht einfach nicht."
Duisburg hat "sensibilisiert"
Die Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg im Juli 2010, bei der 21 junge Menschen starben, habe die Veranstalter erneut "sensibilisiert". Grundsätzlich sei das Donauinselfest aber "nicht mit Duisburg vergleichbar", da es viel mehr freie Flächen gebe - wenn auch, wie Kostelecky unmittelbar nach dem Unglück im Standard-Interview eingeräumt hatte, "immer ein gewisses Restrisiko bleibt". Berechnungen zufolge könne die Insel innerhalb von 30 Minuten geräumt werden.
Heuer soll jedenfalls unter dem Motto "Mit Sicherheit Spaß" gefeiert werden. Um Nadelöhre zu vermeiden, wurden die Ö3-Bühne und die Arabella-Bühne gestrichen. Ö3 übersiedelt auf die Hauptbühne (bisher Radio-Wien-Bühne) und bespielt den Freitag und den Sonntag, am Samstag obliegt das Line-up weiterhin dem Lokalsender. Die Fläche nahe der U6 bleibt frei und wird zur "Sicherheitszone".
Gerüchte, wonach die Bühnenzusammenlegung einem geringeren Budget geschuldet sei, bestreitet Kostelecky, der Geschäftsführer der "Pro Event Team für Wien GmbH" ist: Das Budget sei mit 4,5 Millionen Euro gleich geblieben, 1,45 Millionen schießt die Stadt per Subvention zu. Rechnet man den Aufwand der Veranstaltungspartner dazu, dann kostet das Donauinselfest insgesamt 5,5 Millionen Euro. Grundsätzlich sei es eine "Non-Profit-Veranstaltung", als Ziel nannte Kostelecky eine schwarze Null. Bei allfälligen zusätzlichen Kosten kann er sich auf Zuschüsse der Wiener Sozialdemokraten verlassen.
Volksmusik am Vormittag
Verlassen wollen sich die Veranstalter auch auf das Partyverhalten gewisser Zielgruppen: Am Samstag und Sonntag gibt's schon um die Mittagszeit Frühschoppen, dafür endet das Programm auf den Volksmusik-Bühnen früher. Das soll den Besucherstrom "entzerren" und die Wiener Linien entlasten. Ab heuer werden außerdem alle Zu- und Abgänge mittels Video überwacht, um mögliche Engpässe rasch festzustellen.
Welche Bands die Besuchermassen diesmal anziehen sollen, ist noch geheim. Im Sinne der besseren Publikumsverteilung sollen aber auf allen Bühnen bekannte Bands früher als bisher spielen. Dazwischen soll es Slots für die Gewinner des "Rock the Island - Talent Contest" geben, die im Vorfeld im Internet und bei einem Event in der Ottakringer Brauerei ermittelt werden. (Andrea Heigl, DER STANDARD Printausgabe, 10.3.2011)