Immer mehr Reiseveranstalter bieten Urlaube mit möglichst kleinem ökologischem Fußabdruck an
Steigende Ölpreise und als Folge teurere Flüge könnten bei vielen Menschen ein Umdenken in der Urlaubsplanung auslösen. Das hoffen zumindest Kritiker der Urlaubsindustrie. Insbesondere der Flugtourismus ist vielen ein Dorn im Auge. Mit dem Vormarsch der Billigflieger ist Jetten von einem Land ins nächste massentauglich geworden - mit fatalen Folgen für die Umwelt: Trotz Einsatzes modernster Technologie sind die CO2-Emissionen des Luftverkehrs weiter im Steigen begriffen.
"Es gibt auch andere Formen des Reisens, die für die Umwelt und die Menschen verträglicher sind. Und das heißt keineswegs, dass man nur zu Fuß gehen soll", sagte Ute Linsbauer vom Forum Anders Reisen am Rande der noch bis Sonntag gehenden weltgrößten Tourismusmesse ITB dem Standard in Berlin. "Wir sind noch ein Minderheitenprogramm, aber stark wachsend".
Das Forum Anders Reisen ist ein Zusammenschluss von Reiseveranstaltern mit dem Ziel, nachhaltigen Tourismus im ökologischen, ökonomischen und sozialen Sinn zu fördern. Gegründet 1998, zählt der Verband inzwischen rund 140 ordentliche Mitglieder. Aus Österreich sind Veranstalter wie "Weltweit Wandern", "Odyssee Reisen" oder "Arge Archäologie" mit im Boot.
Wer in das Forum aufgenommen werden will, muss sich unter anderem verpflichten, Flugreisen erst ab einer Distanz von 700 km ins Programm zu nehmen. Die Dauer des Aufenthaltes im Zielland wird von der Entfernung abhängig gemacht. "Wir haben einen groben Schlüssel: Zwischen 700 und 2000 km sollte der Aufenthalt mindestens eine Woche betragen, ab 2000 km mindestens zwei Wochen", sagte Linsbauer.
Über das Unternehmen Atmosfair, das den CO2-Anfall bei Flügen berechnet und Kompensationen anbietet, werden Projekte zur Reduktion klimaschädlicher Gase finanziert. Dazu gehören etwa hydraulische Wasserpumpen als Ersatz für Dieselgeneratoren in China oder Solarkocher, um damit in Afrika oder Teilen Asiens den Verbrauch von Brennholz zurückzudrängen.
Mitglieder im Forum Anders Reisen verpflichten sich aber auch, nach Möglichkeit einheimische Hotels statt internationale Ketten in ihr Programm zu nehmen. Das soll garantieren, dass möglichst viel Geld im Land selbst bleibt. Im Vorjahr haben die durchwegs klein- bis mittelständischen Unternehmen, die nach den Kriterien des Forums für nachhaltiges Reisen arbeiten, rund 100.000 Buchungen gezählt.
"Die Bereitschaft der Kunden, ökologisch bewusst zu reisen, ist gegeben", sagte Klaus-Peter Grätz von Hauser Exkursionen. Ein kritischer Punkt sei der Preis. Grätz: "Recht viel mehr als eine 08/15-Reise darf so ein Urlaub nicht kosten, sonst bleiben die Leute weg".
Grätz hat 1995, 1996 und 1997 Clean-up-Trekking-Tours nach Nepal geleitet. Dabei wurde Müll gesammelt, den Bergsteiger liegen gelassen haben. Zugleich wurde die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert - durchaus aus Eigeninteresse, wie Grätz gesteht: "Eine intakte Natur ist unser Kapital. Wenn das nicht gegeben ist, können wir einpacken".(Günther Strobl aus Berlin; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.03.2011)