Österreichs P.E.N.-Club insolvent

9. März 2011, 14:19
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Schriftstellervereinigung laboriert an unerfüllten Finanzierungszusagen für Weltkongress in Linz 2009

Wien - Der österreichische P.E.N.-Club ist insolvent, bestätigte bedauernd dessen Präsident Wolfgang Greisenegger: "Das ist die Folge des P.E.N.-Weltkongresses, den wir 2009 in Linz abgehalten haben." So hätten die Partner die erhofften Zahlungen nicht in der erwarteten Höhe getätigt, weshalb man die Insolvenz habe anmelden müssen. Er hoffe aber, dass der Schritt nicht das Aus für die Schriftstellervereinigung bedeute: "Es schaut so aus, dass es die Wiener Zentrale weiter geben wird."

Die Entscheidung darüber dürfte am 18. Mai fallen. Dann werde bei einer Verhandlung die genaue Höhe der Passiva erhoben, bestätigt man beim Kreditschutzverband von 1870 (KSV). Nach vorliegenden Informationen liegt die diskutierte Fehlsumme bei über 100.000 Euro. Der P.E.N. hat dabei ein "Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung" beantragt und dabei den Gläubigern eine 20-Prozent-Quote angeboten. Auch über deren Annahme dürfte am 18. Mai entschieden werden, wobei eine Verlängerung der Frist beim Verfahren ohne Eigenverwaltung in Maßen denkbar ist.

In jedem Fall ist das Verfahren auch eine emotionale Belastung, unterstrich P.E.N.-Präsident Greisenegger: "Man fragt sich bisweilen: Wozu das Ganze?" Man stecke schließlich viel Arbeit und Emotion in die Sache. Beim Linzer Kongress habe man Übernachtungsmöglichkeiten für 300 Gäste aus aller Welt stellen und Übersetzer organisieren müssen: "Und dann sind die Zusagen, die man uns gegeben hat, nicht erfüllt worden." Überdies sei das Ganze in einer Phase passiert, in der die öffentliche Hand zu sparen begonnen habe.

Man habe nun zur Schuldentilgung die eigene Sammlung an Schriftstücken in die Waagschale geworfen und vereinbart, dass diese im kommenden Jahr ans österreichische Literaturarchiv gehe. Diese enthalte unter anderem den Nachlass des Schriftstellers und einstigen P.E.N.-Präsidenten Ernst Schönwiese. Nicht betroffen von der Insolvenz seien die Bundesländer-P.E.N.s, die Vereine mit eigener Rechtsstellung seien, zeigte sich Greisenegger zuversichtlich. Weitere Details stünden noch nicht fest, da er sich am Donnerstag erstmals mit dem Insolvenzverwalter treffe.

Der österreichische P.E.N.-Club ist eine Schriftstellervereinigung, die einerseits als Anlaufstelle für Autoren und Institutionen im Ausland dient und sich zugleich als Vermittler und Förderer der österreichischen Literatur begreift. Derzeit hat der Club im Zuge von Umbauplänen seinen Sitz in einem Ausweichquartier in der Wiener Hahngasse, hofft aber bis zum Sommer in seinen Stammsitz in der Bankgasse zurückkehren zu können.

Gegründet wurde der erste österreichische P.E.N. (Poets, Essayists, Novelists) 1924, wobei Arthur Schnitzler als Ehrenpräsidenten fungierte. Nach dem Anschluss Österreichs wurde der Österreichische P.E.N.-Club 1938 aufgelöst, Vermögen und Archiv des Zentrums beschlagnahmt. Zur Neugründung kam es 1947, wobei Franz Theodor Csokor zum ersten Nachkriegspräsidenten gewählt wurde. (APA)

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