Schwerpunkt KMU

Wenn sich die Kredit-Schleuse schließt

Daniela Rom, 9. März 2011, 16:08
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    foto: apa

    Das Schreckgespenst Kreditklemme.

Die neuen Eigenkapital­anforderungen für Banken, Basel III, könnten zu einer Verschärfung der Kreditvergabe führen

Das Schreckgespenst Kreditklemme geht um. Wieder einmal. Schon während bzw. kurz nach Ausbruch der jüngsten Wirtschaftskrise tauchte es auf - die Unternehmen sagten: "Es ist da", die Banken sagten: "Stimmt ja gar nicht." Nun dräut mit den anstehenden Änderungen bei den Eigenkapitalanforderungen für Banken, Basel III, neues Ungemach für KMU. Die traditionell stark mit Fremdmitteln agierenden KMU sind schließlich auf offene Schleusen bei Banken und Förderstellen angewiesen.

Beim Eigenkapital konnten die heimischen KMU in den vergangenen Jahren jedenfalls etwas aufholen, sind sie doch im europäischen Vergleich eher dünn mit solchen ausgestattet. Im Bilanzjahr 2008/09 verfügten KMU in Österreich über eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von rund 25 Prozent, zeigt die jüngste Auswertung der Bilanzdatenbank der KMU Forschung Austria. Kleinstbetriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern liegen mit rund elf Prozent deutlich darunter, auch Kleinbetriebe erreichten die 20-Prozent-Marke knapp nicht. Die Statistik reißen lediglich die mittleren und großen Betriebe raus. Nichtsdestotrotz stieg die durchschnittliche Eigenkapitalausstattung im Jahresvergleich leicht an. Allerdings darf dabei auch nicht übersehen werden, dass es immer noch cirka 35 Prozent von Klein- und Mittelunternehmen gibt, die gar kein Eigenkapital besitzen, rund sechs Prozent schlagen sich mit einem negativen Eigenkapital herum.

Viele befürchten nun, dass Basel III eine Verschärfung in Sachen Kreditvergabe an Unternehmen mit sich bringen könnte. Schließlich werden die Eigenkapitalanforderungen für Banken mit dem neuen Regelwerk strenger. "Leichter wird's nicht", ist sich auch Erich Kühnelt von der Abteilung Finanz- und Handelspolitik der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) sicher. Aber, schränkt er ein, eine Kreditklemme habe es nicht wirklich gegeben, der Zugang zu Finanzierungen über Kredite sei nach Auskunft der Unternehmen jedoch erschwert gewesen.

Mit Basel III werde laut Kühnelt die Kreditwürdigkeit der Unternehmen noch stärker in den Fokus des Banken-Interesses rücken. Bei mieser Kapitalausstattung müssen nämlich die Banken mehr Eigenkapital für den Kredit unterlegen. Das verschärfe einerseits nur die Konditionen, könne aber auch zu Einschränkungen bei der Kreditvergabe führen. Ein gutes Rating und das Thema Sicherheiten sei also das Um und Auf.

Schwierigere Finanzierung

Auch Johann Moser, Geschäftsführer der Förderbank Austria Wirtschaftsservice (aws), sieht das ähnlich. "Eine Kreditklemme wird es nicht geben, aber die Finanzierungen werden schwieriger." Die Banken dürften restriktiver vorgehen. Moser weist außerdem darauf hin, dass sich schon in den vergangenen Jahren die Großbanken vor allem bei Kleinkrediten geziert hätten, weil kleine Summen relativ teurer sind als große Kredite. Bei den Regionalbanken sieht Moser das Problem nicht: "Die schauen darauf, dass sie sich ihren Kundenstock erhalten und diesen mit Krediten versorgen, auch wenn es sich um kleine Summen handelt."

Die KMU hätten allerdings rasch aus der Krise gelernt und die "Innenfinanzierung angekurbelt". Moser meint damit, dass die Unternehmen sparsam agiert hätten, "lieber auf ein neues Auto verzichtet" und dafür das Geld im Betrieb gelassen hätten. Damit konnten sie - wie oben erwähnt - ihre Eigenkapitalbasis ausbauen, was sich wiederum gut auf das Rating bei der Bank auswirkte. Ein Punkt, der auch im Zuge von Basel III nicht zu vernachlässigen sein wird, ist sich Moser sicher. Bürgschaften und Garantien der öffentlichen Hand federn zudem auf wirtschaftspolitischer Ebene die Probleme in der Finanzierung über Kredite ab. Insgesamt gebe es Garantien von 2,9 Milliarden Euro, derzeit würden laut Moser nur 1,1 Milliarden Euro ausgenutzt.

Neben Krediten und Garantien können KMU grundsätzlich auch auf Projektförderungen, Eigenkapital-Instrumente wie Mezzaninkapital, Beteiligungs- und Risikokapital (Venture Capital, Business Angels) zugreifen oder auch den Kapitalmarkt über Börsegänge oder Unternehmensanleihen anzapfen. Gerade bei den letzten beiden sieht Moser aber nur wenig Chancen für KMU, da es teuer und recht kompliziert sei. Auch was das Venture Capital angeht, ist in Österreich nicht viel los, sagt Moser: "Mit einem Risikokapital werde ich mich wohl nicht bei einer Friseurin beteiligen." Außerdem sei der Venture-Capital-Markt international in den vergangenen Jahren ziemlich ausgetrocknet.

EU-Anstrengungen für KMU

Auch seitens der EU hat man sich die Unterstützung von KMU schon seit längerem auf die Fahnen geheftet, sind doch europaweit mehr als 99 Prozent der Betriebe kleine und mittlere. Mit dem "Small Business Act" (SBA) aus dem Jahr 2008, einem Maßnahmen-Bündel auf nationaler und Gemeinschafts-Ebene, soll den gut 23 Millionen KMU in der EU der Alltag erleichtert werden. Im Wesentlichen beinhaltet er Anregungen und Forderungen in Bezug auf den Zugang zu Finanzmitteln, der uneingeschränkten Nutzung des Binnenmarktes und der Regulierung. Allerdings sind da noch einige Baustellen offen. So forderte auch EU-Industriekommissar Antonio Tajani unlängst nicht nur die vollständige Umsetzung des SBA durch die EU-Staaten, sondern auch die Ausweitung beim Kapitalzugang. Künftig sollen auch alle Banken in der Lage sein, Kredite der Europäischen Investitionsbank und die Vergabe von EU-Fördergeld in einem einfachen Verfahren für die Klein- und Mittelbetriebe abzuwickeln.

Bei der WKO begrüßt man den SBA, wenn auch nicht ganz uneingeschränkt. WKO-Chef Christoph Leitl mahnte Verbesserungen vor allem bei den Garantieinstrumenten ein. Das jüngste Kommissions-Papier zur Fortentwicklung des SBA sei beim "Commitment zur weiteren Unterstützung von Garantieinstrumenten für KMU" deutlich abgeschwächt worden, kritisiert Andreas Henkel von der Stabsabteilung Wirtschaftspolitik bei der WKO. "Da haben sich die Venture Capital-Befürworter durchgesetzt. Da wäre eine Korrektur anzubringen", so Henkel. Moser vom aws hält den SBA ebenfalls für vernünftig und gut, man dürfe die Erwartungen aber nicht zu hoch schrauben. Schließlich agierten die KMU vorwiegend im regionalen Umfeld. Die von der WKO kritisierte Abschwächung in Punkto Garantien sieht Moser gelassen, auf das österreichische Instrumentarium werde das kaum Auswirkungen haben. Das Schreckgespenst Kreditklemme wird somit wohl in der Kiste bleiben. (Daniela Rom, derStandard.at, 9.3.2011)

WISSEN

Nach der Finanzmarktkrise sollen Kreditinstitute ihre Geschäfte mit mehr eigenem Kapital unterfüttern als bisher. Diese neuen Regeln werden unter dem Begriff "Basel III" zusammengefasst. Damit soll zum einen das Risiko der Bankengeschäfte eingedämmt werden, zum anderen will man die Institute für Kosten neuer Krisen stärker in die Pflicht nehmen.

Die Empfehlungen hat der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht erarbeitet. Dem Gremium gehören Zentralbanker und Bankenaufseher aus 27 Ländern an - es wurde 1974 nach dem Zusammenbruch des deutschen Bankhauses Herstatt gegründet. Der Ausschuss ist bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel angesiedelt. Deren Aktionäre sind ausschließlich Zentralbanken, daher versteht sich die BIZ als "Bank für Zentralbanken".

1988 empfahl der Basler Ausschuss erstmals Mindestanforderungen für die Kapitalausstattung von Banken. Demnach sollten Kreditinstitute im Verhältnis zu ihren Forderungen mindestens acht Prozent Eigenkapital vorhalten, um Ausfallrisiken abzudecken. Der Fachbegriff für die Kreditforderungen lautet "risikogewichtete Aktiva". Denn Kredite sind in Bankenbilanzen unter den Aktiva gefasst, und gemäß "Basel I" müssen Kredite nach ihrem Risiko gewichtet werden. Von den acht Prozent Eigenkapital muss bisher die Hälfte aus sogenanntem Kernkapital bestehen, dazu zählen das Stammkapital der Bank wie zum Beispiel Aktien sowie Gewinnrücklagen.

Im Jahr 2004 verabschiedete der Ausschuss für Bankenaufsicht die "Basel II"-Regeln. Sie sollten die Risiken besser erfassen und so für mehr Gerechtigkeit sorgen. Die Eigenkapitalquote variiert seitdem: Bei Kunden mit wenig Kreditwürdigkeit müssen Banken mehr Eigenkapital vorhalten als bei Kunden mit besserer Bonität. Ausschlaggebend ist ein Rating, bei dem die Kreditnehmer anhand ihrer Geschäftszahlen Noten erhalten. In Deutschland und anderen europäischen Ländern gilt "Basel II" seit 2007, die USA hinken allerdings hinterher. (APA)

Loirao
00
10.3.2011, 17:02
Es wird keine Kreditklemme geben.

genauso wie sie keine während der Great Recession gab.

Warum: Banken müssen ja auch irgendwie a G'schäft machen u können nit von heit auf morgen kein (oder extrem viel weniger) Geld vergeben. Rezession hin oder Basel III her.

the other side
10
10.3.2011, 12:34
hahahahaha!

Neben Krediten und Garantien können KMU grundsätzlich auch auf Projektförderungen, Eigenkapital-Instrumente wie Mezzaninkapital, Beteiligungs- und Risikokapital (Venture Capital, Business Angels) zugreifen oder auch den Kapitalmarkt über Börsegänge oder Unternehmensanleihen anzapfen.

0,2% der KMU wenn sie gute ÖVP-Buberln und Giebelkreuler-Kenner sind!

Nutze den Tag
00
10.3.2011, 11:58
Kredite nur mehr an Staaten.

Da ist das Geld ja viel besser aufgehoben als bei erfolgreichen KMUs, oder?

Roter Baron
30
10.3.2011, 09:20
>Viele befürchten nun, dass Basel III eine Verschärfung in Sachen Kreditvergabe an Unternehmen mit sich bringen könnte<

hucH
die sollen mit eigenem geld/kapital arbeiten ?
ja wieso denn ?
warum machen das eigentlich nicht auch die privaten haushalte..... ?

roter baron

cash cow1
01
10.3.2011, 13:28

ich glaube sie wissen nicht was das für kleine selbständige bedeutet?
abgesehen davon daß man für banken sowieso das letzte ist (privatkonto konditionen gibts keine, man muß ein teures geschäftskonto machen) wird einem neuerdings auch noch der überziehungsrahmen gestrichen. der spielraum ist da praktisch null und für alles was man extra brauchst kann man blechen.

milko
00
10.3.2011, 11:31

machen sie ja ua.

Mike Silver
02
10.3.2011, 07:40
Test

Es gibt keine Kreditklemme.

Mike Silver
00
10.3.2011, 07:37
KMU haben keine Kreditklemme

Ich habe diesen Artikel mit Verwunderung zur Kenntnis genommen. Sicher ist eines. Aus der Logik heraus müsste es eine Kreditklemme geben. Aber befragt man die KMU im Tagesgeschäft, so sind in der Regel viele Unternehmen liquiditätsmäßig gut ausgestattet. Werden nur mehr Artikel verfasst ohne wirkliches Hintergrundwissen? Wenn Quellen zur Informationsbeschaffung genutzt werden die politisch motiviert sind, wird es schwer mit der Seriosität und Objektivität.

Josef Obermaier
01
An zuviel Eigenkapital ist noch keine Firma, geschweige denn eine Bank, zugrunde gegangen.

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