Täter-Opfer-Umkehr ...

8. März 2011, 18:40

... und die Angst vor einer feministischen Weltverschwörung: Replik auf Antifeministen-Beitrag

Der 8. März ist der Frauen-Mädchen-Lesben-Kampftag, an dem Feministinnen für eine radikale Veränderung ihrer Lebensrealitäten demonstrieren - es geht um eine Änderung einer Gesellschaft in der Frauen weniger verdienen und mehr arbeiten als Männer, in der Frauen in allen Bereichen der Gesellschaft entweder unterrepräsentiert oder schlechter gestellt sind. Und um den Kampf dagegen, dass Personen aufgrund der Zuschreibung zu einer Kategorie (also Frauen, Lesben, Schwule, Trans- und Intersexuelle) ein schlechteres Leben als andere fristen müssen.

Der 8. März ist aber offensichtlich auch ein heiß umkämpftes Medienevent - in dem Zeitungen und online-Medien um höhere Auflagen und mehr Clicks buhlen. Vollkommen aus den Augen gerät dabei ebenso offensichtlich das Ziel dieses Tages und es wird scheinbar davon ausgegangen, den 8. März nicht als Frauentag stehen lassen zu können, sondern sich in einer vermeintlich "kritischen" Art dem Thema in antifeministischer Manier nähern zu müssen.

Nicht anders kann frau sich erklären, dass in liberalen Zeitungen wie dem Standard, der sich rühmt eine "Qualitätszeitung" zu sein, Antifeministen wie Walter Hollstein so viel Platz und Aufmerksamkeit bekommen. Dieser fühlt sich offenbar als Opfer einer feministischen Weltverschwörung und sieht sich berufen, ausgerechnet am 8. März eine Woge an falschen Behauptungen und antifeministischen Unterstellungen zu publizieren.

Dabei geht er in klassischer Täter-Opfer-Umkehr vor und behauptet, Männer würden durch eine "kriminelle" "Frauenlobby", "feministischer Doktrin" und "ideologische Agenturen" diskriminiert.
Als Protagonist der Männerbewegung ist Hollstein beliebter Zitateonkel von Organisationen wie der "IG Antifeminismus" deren Ziel es ist, "gegen den Feminismus und dessen untragbare Folgen" vorzugehen und für Väterrechte zu kämpfen. Dabei geht es Väterrechtlern vordergründig darum, sich pauschal als Opfer zu begreifen und zu behaupten als "Trennungsopfer" ganz unschuldig von ihren "bösen" Frauen finanziell ausgebeutet zu werden und dabei keinerlei Rechte "am Kind" zu haben.

Kratzt eins an der Oberfläche der Väterrechtsbewegung, wird erkennbar, unter welchem Deckmantel Maskulisten arbeiten: Sexismus, Antifeminismus, Homophobie und Biologismus. Nicht zuletzt geht es dabei um enorme finanzielle Interessen. Im Namen einer vermeintlichen "Gleichberechtigung" wird hier weiter Druck auf Frauen ausgeübt und darum gekämpft, diese nicht aus dem Machtbereich der Männer zu entlassen.

Anstatt diese Debatte ihrer Rückschrittlichkeit und frauenverachtenden Basis zu überführen - was insbesondere am 8. März zu erwarten sein sollte - hypt der Standard diese noch.

Anstatt klar und angesichts der Realität die Fakten auf den Tisch zu legen - dass beispielsweise jede fünfte Frau in Österreich Opfer von Gewalt wird - wird Antifeministen Raum gegeben. Diesmal geht die antifeministische Zitrone also nicht nur an Männer wie Hollstein, sondern an den Standard selbst. (Flora Eder/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.3.2011)


Flora Eder ist Aktivistin der GRAS (Grüne & Alternative StudentInnen) und im Vorsitzteam der ÖH.

Links

Leserinnenstimmen zum Hollstein-Artikel

dieStandard.at-Kommentar zu selbigem

    Kommentar posten
    Posting 1 bis 25 von 351
    1 2 3 4 5 6 7 8
    macindd
    01
    25.3.2011, 11:16
    Wertloser Text voller moralischer Wertungen

    und ohne jegliche Substanz. Aber immerhin schön empört. War sonst noch was?

    bvQL
     
    01
    24.3.2011, 10:59
    Müßte es nicht heißen ...

    ... TäterInnen-OpferInnen-Umkehr?

    Mario Sedlak
    Mario Sedlak
     
    01
    12.3.2011, 18:52
    Liebe Frau Eder!

    Eine Zeitung muss ausgewogen berichten und gerade auch die Thesen, die Ihnen so überzeugend erscheinen, auf ihre Stichhaltigkeit abklopfen.

    Markus H.
     
    10
    10.3.2011, 08:43

    "Anstatt klar und angesichts der Realität die Fakten auf den Tisch zu legen - dass beispielsweise jede fünfte Frau in Österreich Opfer von Gewalt wird..."

    Ah ja, und wie sieht diese Statistik dann bei den Männern aus? Auch bei den Männern ist (mindestens) jeder fünfte Opfer von Gewalt wird. Nur macht Frau sich meist nicht mal die Mühe unter den gleichen Kriterien nach den Opfererfahrungen von Männern zu fragen!

    bin vom land
     
    01
    10.3.2011, 14:51
    Es gibt aber einen kleinen Unterschied:

    Frauen werden Opfer von Männergewalt, Männer auch. Eins werd ich nie verstehen: Warum sich Männer über Frauen aufregen, die nicht mehr Opfer sein wollen, anstatt solidarisch mit ihnen gegen die Täter anzutreten.

    Markus H.
     
    00
    11.3.2011, 00:38

    Wie soll ich gegen den jeweils individuellen einzelnen Taeter von den jeweiligen Opfern solidarisch antreten? Das klappt weder bei Delikten Bankraub, Mord und auch bei Gewalt nicht!

    Ich verstehe allerdings auch exemplarisch bei diesen Thema einiges nicht. Warum macht die feministische Seite nicht das offensichtliche, wenn es darum gehen soll wie man groesse Unterstuetzung bei ihren Anliegen zu finden. Es waere doch ein leichtes zu untersuchen und zu kommunizieren, dass sowohl jede 5. Frau als auch jeder 5. Mann Opfer von Gewalt wird, lasst uns zusammen schauen ob es etwas gibt was man gemeinsam dagegen unternehmen kann!

    Oder gehts gar nicht um Loesungen, sondern nur um die Pflege von stereotypischen Vorurteilen und Geschlechterspaltung?

    Timagoras
     
    01
    "Und um den Kampf dagegen, dass Personen aufgrund der Zuschreibung zu einer Kategorie (also Frauen, Lesben, Schwule, Trans- und Intersexuelle) ein schlechteres Leben als andere fristen müssen"

    .
    wie komm ich eigentlich dazu, mich von frau Eder für Ihre polemik vereinnahmen lassen zu müssen?

    wieso sollen wir schwulen angeblich "ein schlechteres Leben als andere fristen müssen"?

    abgesehen davon, dass ich nicht heiraten darf (ärgerlich) und nicht blutspenden darf (auch ärgerlich, aber nicht wirklich mein problem), muss ich keineswegs "ein schlechteres Leben als andere fristen".

    ganz im gegenteil! ;o)

    klappi
     
    00
    23.3.2011, 10:03
    wie wahr

    schön, wenn der vermeintlich verteidigte sagt, dass er das nicht will - erinnert mich an den witz, wo einer pensionisten über die straße geholfen wird (eigtl. gewird sie geschleift), die das gar nicht will.

    das mit dem blutspendeverbot verstehe ich nicht

    Von hinterm Mond
     
    00
    12.3.2011, 00:14

    freut mich zu hören :)

    Dr. Webbaer
    32

    Meine Güte, unter Dutzenden von feministischen Artikeln in den letzten Tagen hier ist einer von einem Antifeministen. Und nun so ein Theater...

    noirc80
    21
    10.3.2011, 04:01

    und demnächst dann wieder ein paar geschichtsrevisionistische artikelchen - warum nicht; derstandard machts möglich!

    q_e_d
    11
    10.3.2011, 11:21

    Hehe, sehr gut! Antifeminismus mit Geschichtsrevisionismus gleichsetzen und schon hat man den Gegner in der richtigen Ecke ...

    epep
    10
    11.3.2011, 15:49

    in den allermeisten fällen gibt es aber eine verbindung. so sind zb alle rechtsextreme auch antifeministisch.

    denke
    00
    26.4.2011, 16:38

    Taktische Lügen sind auch nicht die Wahrheit

    noirc80
    00
    10.3.2011, 13:54

    jap, denn den feminismus gibt es nicht, jeder der diese verkürzung vornimmt zeigt, dass er sich nicht wirklich mit der materie beschäftigt hat.
    von dem einen feminismus zu sprechen ist ungefähr so, wie wenn sie von der naturwissenschaft reden, das ist ein sehr allgemeiner begriff, der sehr viele unterströmungen beeinhaltet - wer das tut zeigt sicher seine unwissenheit.

    I Need Space
    10
    10.3.2011, 19:49
    dass sie den Mut zur Lücke nicht haben,

    zeigen ihre ellenlangen postings hier.
    Und PC wise; ich will das als nicht wertend verstanden wissen.

    Izzy Stradlin
    00

    Es wenn Gesellschaften nicht mehr als ökonomische Nullsummenspiele gestaltet werden, wird das beabsichtigte Ausspielen von alt gegen jung, mann gegen frau, ausländer gegen inländer, etc. hoffentlich überwunden werden.
    DAS ist der wahre kampf unserer zeit, männer und frauen zusammen.

    noirc80
    10
    10.3.2011, 04:02

    na dann, ab zur demo am 19. märz!

    die windfrau
     
    22
    es gibt zu denken

    wie deckungsgleich in dynamik und intention der hohlbein- und der eder kommentar doch sind....

    jeder der beiden auf einem aug blind... ist halt nur das jeweils gegenüberliegende aug...

    Janus Doppelkopf
    00
    10.3.2011, 14:28
    XD mehr als daß der Feminismus auf einem Auge blind ist

    sagt Hollstein doch garnicht?

    also warum die Anfeindungen?

    weil (Selbst-)Kritik und Feminismus nicht zusammenpassen...

    die windfrau
     
    01
    11.3.2011, 17:53
    "warum die anfeindungen?"

    warum überhaupt anfeindungen?
    anfreundungen wären viel zielführender... sofern sie beidseitig und ehrlich wären...

    ps: warum feinden Sie eigentlich in Ihrer antwort den "feminismus" an? (selbst)kritik findet sich auf beiden seiten, der männlichen und der weiblichen, bei den einen (beiderseitens) sehr wohl, bei den anderen (beiderseitens) erbärmlich wenig... so what...

    die windfrau
     
    00
    wie komm ich bloß auf

    hohlbein?!?...
    naja, hollstein wollt ich schreiben. pardon!

    I Need Space
    01

    attribution ...

    die windfrau
     
    00
    hollstein, pardon

    obibiber
    61
    next huge event after march 8: 19. märz 2011

    100 jahre frauendemo am date der demo vor 100 jahren:
    http://www.20000frauen.at/

    Kommentar posten
    Posting 1 bis 25 von 351
    1 2 3 4 5 6 7 8

    Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.