AOL kündigt Personalabbau an, Blogger streiken: Die Fusion mit dem Webportal "Huffington Post" gestaltet sich schwierig - Entsprechend ruhiger verläuft die Zusammenführung von Print und Online bei "Newsweek"
Washington - Es sollte die Medienhochzeit des Jahres werden. Vor einem Monat übernahm der Internetriese AOL das Nachrichtenportal "Huffington Post". AOL zahlte 225 Millionen Euro. Die Fusion ist bereits abgeschlossen, die Ehe - das zeigt sich schon jetzt - dürfte zumindest vorerst alles andere als reibungslos verlaufen.
Zuerst kündigte der neue Eigentümer Kündigungen an. "Das ist unvermeidlich, man muss es nur mit Rücksicht tun", sagte AOL-Konzernchef Tim Armstrong. Gleichzeitig wurden sechs neue Journalisten angeheuert, darunter Jon Ward, Bürochef von Rupert Murdochs kostenpflichtiger Onlinezeitung "The Daily".
Blogger fordern Bezahlschema
Gar nicht einverstanden mit dem Vorgehen von "Huffington Post"-Chefin Arianna Huffington sind Blogger des Portals. Sie belieferten das Portal bisher gratis und fordern ein fixes Bezahlschema für alle schreibenden Mitarbeiter und ein Ende der Vermischung von Werbung und redaktionellen Inhalten. Huffington, jetzt Chefin der neuen Mediengruppe bei AOL, drückte unmissverständlich aus, was sie davon hält: Bloggen sei gleich hoch zu werten wie der Besuch einer Talkshow. Es gebe eine Menge anderer Blogger, die sofort einspringen würden: "Macht weiter, streikt", rief sie per Konferenz zu. Niemand werde es bemerken.
Eine zumindest nach außen hin sanfte Zusammenführung von Print und Online ist "Newsweek" geglückt. 2010 kaufte US-Multimillionär Sidney Harman (92) das defizitäre Wochenmagazin. Sein Partner Barry Diller führte das Onlineportal "The Daily Beast" mit "Newsweek" zusammen. Inhaltlich findet eine enge Verknüpfung mit der Internetplattform statt.
150 Frauen auf dem Cover
Chefredakteurin von "The Daily Beast" ist die 57-jährige Britin Tina Brown. Sie übernahm nach "New Yorker", "Tatler", "Vanity Fair" auch die Chefredaktion von "Newsweek", das "dringend modernisiert", werden musste, wie sie sagt. Montag erschien das Magazin zum ersten Mal nach dem Relaunch.
Vom Cover lächelt eine staatstragend wirkende Hillary Clinton. Das Innere bringt zum 100. Frauentag "150 Frauen, die die Welt erschüttern". Stärkeres Papier, mehr Fotos und Grafiken, die Themen reichen von Politik bis Mode: Eine ähnliche Behandlung ließ sie bereits dem New Yorker zukommen. Damit sei man "nahe am Zeitgeist", sagt Brown. Ein erster Schritt, denn: "Newsweek wird eine Zeit brauchen, um sich zu erneuern", kündigt sie an. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 9.3.2011)