Österreichs EU-Abgeordnete für Libyen-Einsatz

"Flugverbotszone ist eine militärische Aktion"

Thomas Mayer aus Straßburg, 8. März 2011, 18:00

Am besten mit UN-Mandat

Mit seiner Erklärung, dass die Staatengemeinschaft den "systematischen Angriffen auf die Zivilbevölkerung" durch libysche Truppen nicht tatenlos zusehen könne, hat Nato-Generalsekretär Anders Vogh Rasmussen auch bei den Abgeordneten im Europaparlament in Straßburg einige Bewegung ausgelöst. Insbesondere bei seiner Bemerkung, dass das Vorgehen von Staatschef Muammar al-Gaddafi als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" gewertet werden könnte, wurden manche an das Frühjahr 1999 erinnert.

Damals griff die Nato in ihrem ersten Militäreinsatz in der Geschichte Serbien an wegen der systematischen Vertreibung von Albanern aus dem Kosovo: zunächst mit massiven Luftschlägen gegen militärische Einrichtungen; und ohne Mandat der UN, nachdem alle Versuche zum Beschluss eines Mandates am Veto Chinas und Russlands im Sicherheitsrat gescheitert waren. Die UN-Charta erlaubt Staaten ausdrücklich ein militärisches Eingreifen, wenn damit Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhindert werden können, wie der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärt hatte - auch ohne formelles Mandat.

Anders als damals sprechen sich heute prominente österreichische EU-Abgeordnete relativ offen für eine Militäraktion gegen Libyen aus - aber unter der Bedingung, dass es einen UN-Auftrag gibt und die libysche Bevölkerung ebenso wie die Arabische Liga oder die Afrikanische Union das befürworten, erklärten unisono die Grüne Ulrike Lunacek und SP-Mandatar Hannes Swoboda.

Militärbasen bombardieren

In diesem Fall "soll Österreich zustimmen - dann ist auch die Neutralität kein Problem", fuhr Lunacek fort. VP-Delegationschef Ernst Strasser wäre auch für eine Beteiligung Österreichs an einer internationalen Aktion von UN, Nato und EU. Allerdings sollten die Österreicher sich auf das konzentrieren, was sie können: Wiederaufbau, Evakuierung, Wasseraufbereitung, nicht Kampfhandlungen. Swoboda sieht vor allem den Einsatz österreichischer Polizisten in einer späteren Phase für sinnvoll an. Sollte die Nato ohne UN-Mandat tätig werden (was laut Strasser "nicht ganz auszuschließen ist", obwohl er auf eine UN-Aktion hofft), dann könne Österreich sich nicht beteiligen, stellt Swoboda klar. Er räumt aber ein, dass auch eine Flugverbotszone, wie sie geplant wird, "eine militärische Aktion ist".

Die EU solle jetzt einmal "die Möglichkeit einer solchen Zone über Libyen prüfen", verlangt Lunacek. Von einer isolierten Aktion der Nato hält die Grüne nichts.

Aber auch sie räumt ein, dass Militärschläge des Westens nötig werden könnten: "Wenn es möglich ist, dann sollte man die militärischen (libyschen) Basen an der Nordküste bombardieren. Das braucht ein UN-Mandat. Das müssen sich die Militärs anschauen, die sollen das sagen", erklärte die Abgeordnete Lunacek. (Thomas Mayer aus Straßburg, STANDARD-Printausgabe, 09.03.2011)

Wissen: Vom Mandat zum Einsatzbefehl

Für eine Beteiligung an einem Militäreinsatz ist auch nach der neuen Sicherheitsstrategie eine nationale Prüfung, ob das Vorhaben österreichischen Interessen und Möglichkeiten entspricht, vorgesehen. Grundsätzlich wird Österreich nicht von selber aktiv, sondern wartet, ob es zu einer Truppenbeteiligung eingeladen wird.

Im Falle der Battlegroups, zu denen Österreich Truppenteile eingemeldet hat, ist die Einladung vorab erfolgt. Aber auch hier hat sich Österreich eine nationale Entscheidung über konkrete Einsätze vorbehalten.

Geprüft wird in so einem Fall zunächst, ob es ein ausreichendes Mandat zur Friedenssicherung oder Friedensschaffung durch die Vereinten Nationen gibt. Die konkrete Truppe kann unter Kommando der UN (am Golan), der EU (wie 2008 im Tschad) oder der Nato (wie im Kosovo) stehen. (cs, STANDARD-Printausgabe, 09.03.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 141
1 2 3 4
Zuckerlilly Zuckerlilly
00
Die haben sie wohl nicht alle!

Ist denen eigentlich klar, worauf sie sich da einlassen? Wie inkompetent muß man eigentlich noch sein um EU-Abgeordnete(r) der Grünen zu werden?

Nicht nur haben die Libyer jede Menge russischer Boden-Luft-Rakten UND SAMs, sondern auch Kampfhubschrauber. Die zu zersstören würde aber eine Menge "collateral damage" bringen.

Hatten wir (USA + NATO) nicht über dem Kosovo auch ein Flugverbot gegen die Serben verhängt? Hat nicht viel gebracht, oder? Einmischung in einen Bürgerkrieg?

Markus KA
00
10.3.2011, 13:06

Die Trolllilly ist wieder da.

Harald Krumböck
00

das beste wär wir machen eine VOLKSABSTIMMUNG!!!
da kommt zwar auch nichts raus aber bei der EU,NATO,UN auch nicht?

Mostbluzza
00
das kann ja heiter werden

die saudis klären das gleich mal präventiv auf:

Der Außenminister von Saudi-Arabien Saud al-Feisal hat vor einer Einmischung in die Angelegenheiten seines Staates gewarnt: Wer dies versuche, riskiere seine Finger.

Wir lehnen auch jedes Feilschen um die Interessen unserer Heimat ab“, sagte Saud al-Feisal

http://de.rian.ru/politics/... 23458.html

Hannah870
01

In Sonntagsreden die Neutralität beschwören und dann als EU-Mandatare Kriegseinsätzen das Wort reden. Nicht sehr sauber!

Enrico Furioso
03
die Grünen

waren mal die Friedenspartei. Aber seit Joschka Fischer die deutschen Grünen zur Kriegspartei machte, übrigens mit den Argumenten des "bellum iustum", des guten und gerechten Krieges, sind ja fast alle europäische Grünen ganz heiß darauf Truppen über die halbe Welt zu schicken. Gott will es so. Oder was man halt bei den Grünen an Stelle der Variablen "Gott" setzt.

Tom93
02
krieg heißt jetzt "flugverbotszone"

hört sich auch besser an und irgendwie auch...ökologischer.

kein wunder dass die grünen dafür sind! hurra! auf in den krieg!

Tom93
02
kriegsgeile grüne

lunacek findet also die militärs " sollen das sagen" was passieren sol, na bestens!

was sie bombardieren will weiß sie allerdings schon, nämlich "Militärbasen". großartig!

uno-charta? gewaltverzicht? neutralität? darauf pfeifen die grünen! brav!

Mostbluzza
02
man tut alles wenn man am fressnapf sitzt

vor 30,40 jahren haben sie noch steine geworfen und protestiert gegen die pershings und dies und das.
gegen die alten konservativen säcke in den regierungen mit ihrem polizei-militärstaat. manchmal zu recht.

heute sitzen sie an der macht, die militärs machen das schon. ich bin ja sicher kein pazifist, aber verrat, kriegstreiberei und betrug riech ich locker auf die entfernung öst.-brüssel.

wellnisch
01

zustimmung.
ohne diese generelle einschätzung an personen festzumachen -

dass lunacek nicht zu trauen ist, war schon klar als man voggenhuber um ihretwillen abgesägt hat.

zurück treten
00
Ein Kommentar zum aus der Haut fahren

"Allerdings sollten die Österreicher sich auf das konzentrieren, was sie können: Wiederaufbau, Evakuierung, Wasseraufbereitung, nicht Kampfhandlungen"

Schickt eure Soldaten vor, wir knöpfen uns das Wasser vor! .......

Peda
11
"...wir knöpfen uns das Wasser vor!"

Nicht 'mal das könnten wir noch. Dank BM Darabos sind weder AFDRU noch KPE-Teile in der Lage tatsächlich vernünftige Hilfe zu leisten. Es mangelt an Ausrüstung, Übung, tlw. Manschaft...

AUT hat nicht einmal Soldaten nach Haiti geschickt, obwohl dort Menschen an Seuchen verreckt sind, weil sie kein sauberes wasser hatten, und Darabos (und die Bundesregierung) doch sonst auf PR dieser Art größten Wert legen. Der Grund ist einfach der, dass wir dazu nicht mehr in der Lage sind - eine Schande für AUT und das ÖBH, das sich gerade im Bereich internationaler Katastrophenhilfe in den 80er und 90er-Jahren einen gewissen Ruf erworben hat.

Proconsul
00

Darabosch will LH von Burgenland werden, und nicht sich um irgendwelche Katastrophen bzw. das Heer kümmern müssen...

Markus KA
11

Ein Militärschlag um einen irren Diktator der sich gerade noch an der Macht halten kann, davon abzuhalten, die Zivilbevölkerung des Landes von der Luft aus zu ermorden ist durchaus sinnvoll und hat eher nichts mit Kriegstreiberei zu tun.

DThl
01
Krieg ist eine ernste Sache

Man sollte sich schon sehr sicher sein, auf Seiten der "Guten" zu stehen, wenn man Luftangriffe ( das ist dann Krieg!) befiehlt. Die derzeitige Informationslage, und insbesondere mein Versuch zwischen den Argenturmeldungen zu lesen, lässt mich zweifeln. Manches erinnert an die irakischen "Greueltaten" im ersten amerikanischen Golfkrieg (Babies aus dem Inkubator heraus ermorden) und die mediale Aufbereitung auch an den zweiten amerikanischen Golfkrieg (Sadam ist im Besitz von "weapons of mass destruction" und im Endstadium des Atombombenbaus). Unabhängige Informationen sind nicht verfügbar. Das sollte für einen Neutralen wie Österreich Grund genug sein, sich zurück zu halten. Die Grünen verennen sich hier in Kriegshysterie, ich hielt' sie fü

Franz Kohlegger
10
Wenn die Zeitungen falsch berichten ...

Wenn alles fehlschlaegt kann man ja immer noch die Geschichte umschreiben! Welche Luege schreibt der Standard heute?

"Damals griff die Nato in ihrem ersten Militäreinsatz in der Geschichte Serbien an wegen der systematischen Vertreibung von Albanern aus dem Kosovo ..."

Es war umgekehrt: Die Amis haben mit dem Bombardieren begonnen obwohl es an und fuer sich wenig Gruende gab. Sie sahen in Thaci jemand der ihnen mehr helfen kann und das war genug.

Als REAKTION auf die Kriegserklaerung und Tage NACH der grossen Bombardierung durch die Amis hat Serbien begonnen die Albaner zu vertreiben.

Die Vertreibung kam NACHHER und war vorher nicht geplant; wie kann also das ein Grund gewesen sein?

Man luegt gerne ueber vergangene Fehler.

eolith421
05

Politik, Politik, das übelste was es nur gibt. Die Grünen sind für einen Militärschlag, aber machen sollen ihn die Anderen wir tun das was wir können, Aufbauen, Wasseraufbereitung aber ja keine Kampfhandlungen das sollen die anderen machen, die kann man dann auch dafür kritisieren.
Weswegen überhaupt so ein Militärschlag nicht gegen die Neutralität verstößt muss mir jemand erklären:
1. Es wird ein souveränes Land angegriffen
2. Die Regierung ist offiziell nach wie vor anerkannt
3. Es wird kein EU Mitglied angegriffen.
Meiner Meinung nach gibt es kein Argument wie das mit der so heiß geliebten Neutralität zusammen passt. Ach ja doch, wird kämpfen ja nicht selber sondern wir sind nur dafür, die Anderen sollen die eigentliche Arbeit tun.

kauf nix
01
bin mal gespannt wann der peter pilz jetzt gegen die lunacek zu ermitteln beginnt.

alirani
00
10.3.2011, 01:10
Pilz gegen Lunacek ?

Er kann nicht , denn vergessen wir nicht dass er selbst in 90er Jahren den Einsatz der NATO gegen Belgrad gefordert hat !

das täntchen wieder
13
Lunacek an die Front!

gehe mit gutem beispiel voran, ulrike!

Martin Rosenkranz, airpower.at
310
....verlangt Lunacek

Mir treibts die KOTZE HOCH !!!!

http://www.wienerzeitung.at/DesktopDe... Cob=254840

Wenn Fr. Lunacek sich ums die Libyer sorgt, dann sollte man sie ausgestattet mit einem 77er an der Libysche Küste absetzen.

Das hat zwei Vorteile.
a) Kann sie ihre Vorstellungen von Konflikprävention dort prakisch in die Tat umsetzen und
b) ersparen wir uns hinkünftig ihr Gewäsch.

ipatov_19
 
00
10.3.2011, 11:54
mir verbirgt sich der zusammenhang

die anschaffung der eurofighter zur verteidigung des ö.luftraumes (wozu sonst, als neutraler staat auf den wir uns immer gerne berufen wenn's brenzlig wird) ist bei der aktuellen (und absehbaren) "bedrohungslage" fürn hugo. da helfen keine rationalen argumente.

wenn hingegen über ein gemeinsames vorgehen der staatengemeinschaft (in welcher form das sein mag) geredet wird, bringen die punktuellen investitionen ohne "globalen" plan nix. da muss schon weiter gedacht werden als a handvoll einsatztauglicher flieger:
was für eine art von streitkraft braucht die staatengemeinschaft?
was sollen die aufgaben sein?
woraus rekrutiert?
wie bezahlt?

die verbindung mit einer aussage aus dem jahre schnee zu einem komplett anderen thema ist p/kleinlich.

trollvottel
00

WTF hat der sinnlose Teurofighter jetzt mit der Flugverbotszone über Libyen zu tun?

Martin Rosenkranz, airpower.at
12
Werter trollvottel

Was das miteinander zu tun hat? Weil das einer der definierten Zusatznutzen der ursprünglichen Beschaffung war. Vielleicht deswegen?

Das ÖBH hat viele Jahre Ausbildung, Zeit und Geld investiert - international geübt mit Flugzeugen, mit mobilen Tiefflug- und Mittelbereichs-Radargeräten - in Zusammenarbeit mit AWACS und anderen Systemen, mit Schweden, Tschechen, Schweizern, Italienern, Deutschen, Briten, Franzosen - in Ö, Deutschland, Italien, England, etc...sich eine mobile LRÜ-Kommandozentrale gebaut.
Und am Schluss gibts das letzte Element - das neue Flugzeug - nicht...bzw. nicht wie definiert und ausgeschrieben - und man kann 15 Jahre in die Tonne treten.

Und jetzt "verlangt" Fr. Lunacek? Die gehört doch.....

nachtflug71
11
ist doch klar

die grünen leben in der welt der gutmenschen und die sind nie für etwas verantwortlich. sie dürfen sich nach dem (von den anderen) alles getan ist immer aussuchen was richtig war.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 141
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.