Bummelzug

Reisen wie vor zwanzig Jahren

8. März 2011, 19:14

Wiewohl mit Milliarden an Steuergeld ertüchtigt, brauchen ICE & Co von Wien nach Salzburg gleich lang wie 1991

Wien - Jahrzehnte langer Bahnausbau führt nicht notwendigerweise zu einer Verkürzung der Fahrzeiten der Züge. Das zeigt ein Vergleich mit dem Fahrplan von 1964. Damals dauerte eine Fahrt mit einem „Expresszug" vom Wiener Westbahnhof nach St. Pölten um neun Uhr eine Dreiviertelstunde und zur Mittagszeit 46 Minuten. Laut aktuellem Fahrplan schafft es der ÖBB-Parade-Schnellzug „Railjet" gerade einmal in 41 Minuten.

An den Triebfahrzeugen, liegt die heutige Langsamkeit nicht, ebenso wenig an den erlaubten Geschwindigkeiten, denn die aktuell eingesetzten Lokomotiven verfügen über deutlich mehr Leistung als die damals eingesetzten Elektroloks mit 1600 kW, die gerade einmal mit 80 km/h auf Schiene waren.

Nach Salzburg brauchen die meisten ICE, Eurocity & Co jene 2,45 Stunden, die sie bereits 1991 auf Schiene brachten. Nur eine Minderheit schafft es bei nur zwei Bahnhofsstopps in 2,30 Stunden. Gebummelt wird auch bei Regionalzügen: Die Fahrt von Wien nach Eichgraben dauerte vor 47 Jahren eine halbe Stunde, heute 31 Minuten.

Das gemächliche Tempo auf der Westbahn liege vor allem daran, dass der Wienerwaldtunnel noch nicht fertig sei, halten Eisenbahner dagegen. Zudem zwingen Baustellen zum Langsamfahren. 2013 soll es besser werden, der Tunnel wird 20 Minuten Fahrzeit sparen.

Hinzu kommt, dass auf den Westbahn-Neubaustrecken das Zugsicherungssystem ETCS noch nicht durchgängig eingebaut wurde. Selbiges ersetzt herkömmliche Signalanlagen und steuert, vereinfacht ausgedrückt, den Abstand zwischen Zügen elektronisch. Deshalb seien die Zug-Abstände derzeit größer als nötig.

Laut Recherchen der grünen Verkehrssprecherin Gabriela Moser gibt es freilich noch einen gewichtigen Grund für das Bummeln: die Pünktlichkeitsstatistik. Sie verbessert sich Monat für Monat, wie die ÖBB nicht müde wird zu betonen. 2009 betrug sie laut ÖBB-Personenverkehr im Nahverkehr 91,8 Prozent und im Fernverkehr 67,8. 2010 habe sie sich auf 75,6 Prozent im Fernverkehr und 95 Prozent im Nahverkehr verbessert. Die Wiener Schnellbahn sei mit 98 Prozent Musterschüler.

Was nicht dazu gesagt wird, Lokführer aber bestätigen: Um die Pünktlichkeitsrate zu erhöhen, wurden in den Fahrplänen Zeitreserven eingebaut, die Pünktlichkeit auch bei unvorhergesehenen Ereignissen ermöglichen. Halbwegs pünktliche Züge haben noch einen angenehmen Nebeneffekt: Die Chancen des Managements auf Bonuszahlungen steigen. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD, Printausgabe, 9. März 2011)

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morty
00
16.7.2011, 09:02
Ich war im letzten Jahr viel in Russland

mit den Zügen unterwegs - laut Betreiber sind 98% der Züge pünktlich, und dass selbst im sibirischen Winter! Dafür bleiben die Fernverkehrszüge aber auch alle paar Stunden in den größeren Städten für 20-40 Minuten stehen - da ich hin und wieder mehrere Tage im Zug saß, fand ich diese Pausen aber sehr angenehm ;)

johann steiner
00
13.3.2011, 14:51

in den sechziger Jahren fuhr der Transalpin noch 2h50, zumindest laut Fahrplan, das fährt heute kein Zug mehr

Karl Valentin3
 
01
14.3.2011, 13:33

Alle Railjet und ein paar EC Züge fahren Wien-Salzburg in 2:45.
Zum Unterscheid von den 60er-90er Jahren fahren sie das auch wirklich weil genug Fahrzeitreserve vorhanden ist.

tschufftschuff
04
11.3.2011, 15:38

Hab gestern früh für eine Strecke von 5km sage und schreibe 35 Minuten gebraucht, nur weil all die Sp***er zur selben Zeit wie ich mit dem Auto unterwegs sein müssen. Zu Kaisers Zeiten konnte man die Strecke mit der Kutsche locker in 15 Minuten bewältigen. Helfen Sie mir Frau Ungerböck, ihre kompetente Feder ist gefragt, schreiben Sie an gegen diese Zustände, also wirklich...

Karl Valentin3
 
01
10.3.2011, 19:59

Also wenn die Fr. Ungerböck auch noch erzählt welcher Zug 1991 Wien-Salzburg in 2:45 fuhr. Und ich meine wirklich fuhr und nicht nur 'laut Fahrplan'. Soweit ich mich erinnere waren damals Fahrzeiten von 3 Stunden kaum zu halten. Bei IC-Zügen waren es 3:20.
Nur zur Info, ICE Züge fahren nicht mehr Salzburg, ETCS gibt es in ganz Österreich nicht.
Nur eine Teststrecke, die aber im Moment ausser Betrieb ist.

Apocalypse
02
11.3.2011, 15:31

wahrscheinlich in Linz ausgestiegen und festgestellt das die Salzach doch halbwegs a Fluss is.

MissNaughty
20
Adios Öbb - Hello JR

Bei dem Artikel freu ich mich ja richtig bald ins Vorzeigeland der Öffis zu ziehen (gerade ein neuer shinkansen rausgekommen: http://www.jreast.co.jp/e/index.html). Ärger mich andauernd über die ÖBB- vor allem: Westbahnstrecke ist ja noch ok. Wenn man von der Steiermark redet dann kommen einen die Tränen- wie kann so ein 'lahmes' Unternehmen existieren? Wer einmal in Japan mit der Bahn unterwegs war (da zahl ich gern den Preis den das Ticket kostet) kann die ÖBB einfach nur mehr auslachen.

magic sunset
00
16.3.2011, 20:35
you sure???

.. momentan bin ich sehr, sehr froh, mit den oebb von feldkirch nach wien fahren zu können und NICHT in japan zu leben, egal wie schnell die züge dort sind ...

MissNaughty
00
16.3.2011, 20:46
maybe

mal sehen wie sich die lage in den nächsten 14 tagen entwickelt. dramatisch was passiert ist - aber von apocalypse berichten lass ich mich nicht verrückt machen...

der letzte leser
01
10.3.2011, 13:15

Sagen sie Danke zur ÖVP.

vox clamantis
02
Pünktlichkeit vor Schnelligkeit

ist mir allemal lieber als ein paar Minuten eher in Salzburg oder in Wien. Wenn man so schnell wie planmäßig möglich sein will und dieses Plansoll dann doch regelmäßig nicht schafft, zeigen die Verhältnisse in Deutschland. Da gehört es mittlerweile zum normalen Bahnsinn, dass die Züge nicht pünktlich sind und deshalb Anschlüsse platzen, auch wenn mal nicht gestreikt wird.
Da sind mir die österreichischen Verhältnisse schon liebe!

Ibinsnedgwesn1
00
1991 - damals wurde der NAT eingeführt

So ich mich richtig erinnere, waren die ÖBB unter Verkehrsminister Streicher angehalten, auf Teufel-komm-raus zu fahren.
Wenn schon über die Westbahn gelästert wird, dann vergleiche man das damalige Szenario mit heute auf anderen Strecken: Wien-Graz, Wien Villach, Graz-Bregenz, Graz-Linz, Salzburg-Graz.
Letztere 2 Verbindungen empfehle ich den Kritikern ganz besonders mit vor 20 Jahren zu vergleichen.
1991, das war das Jahr, in dem die Zugsfahrten einer Schleuderpartie glichen, Kaffee und Suppe schleuderten damals flott durch die damals noch vorhandenen Speisewagen.
Der Verschleiß der Schienen und Radkränze war dementsprechend hoch. Streicher meinte wohl: wir fahren schneller und ersparen uns den Ausbau.
Wenn ich mich richtig erinnere, dan

hinterwäldler
06
Scheuklappen

Es gäbe im Bereich öffentlicher Verkehr ein breites Spektrum an interessanten Themen (innovative Ansätze aus anderen Ländern, Ideen von Experten,was auch immer) über die ich gerne lesen und über die zu schreiben sich sicherlich lohnen würde.
Stattdessen bekommen der Leser leider nur (teilweise schlecht recherchierte) Polemiken vorgesetzt. Schade.

Reinprechtsdorf
00
5.11.2011, 22:05
Können wir die "Schleuderpartien" bitte wieder zurückhaben?

Der Verschleiß an Schienen und Radkränzen wäre mir gar nicht so wichtig.

hinterwäldler
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die Leser

sleepyc
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fragt sich nur, wo denn "salburg" liegen mag...

Horstl Schorschl
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Vielleicht..

... an der Salach ? ;D

sleepyc
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kann nicht sein, die heißt "saal-ach"

FS4 - the science channel
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Sehr geehrte Fr. Ungerböck!

Recherchieren Sie bitte nächstes Mal besser. Auf den Neubauabschnitten der Westbahnstrecke kommt bereits jetzt flächendeckend LZB zum Einsatz (und nicht ETCS). Das erlaubt natürlich ebenso das Fahren ohne Signaldeckung und dichtere Zugabstände. Der Neubauabschnitt Wien-St. Pölten wird dann mit ETCS ausgestattet.

Def. Izit
40
Die Reihe 1012 wurde einfach "abbestellt"

die Übernahme der 3 Stück Prototyp erfolgte um ca. € 5 Mio/Stück und sind inzwischen nach Schweden verkauft.

Jetzt fahr ma halt mit einer als Güterzugslok bestellten Type 1116 (Taurus)

FS4 - the science channel
04

Sowohl die Reihe 1012 als auch die 1x16 sind Universallokomotiven.

Ergo: Bullshit.

hel_di
04
das hätte ich nicht erwartet

Also dieser Artikel is wirklich entbehrlich. Dass die Wienerwaldstrecke ein Nadelöhr im Westen und die Ghegastrecke das gleiche im Süden darstellen weiss wirklich schon jeder.
Es ist lobenswert dass die OeBB endlich Fahrpläne mit Realismus zu erstellen versuchen. Ich erinnere mich an Zeiten wo man auf gewissen Bahnhöfen auf der Südbahn incl. Gepäck ausladen 1/2 min Zeit hat.
Österreich ist eine Berglanfschaft und jeder der sich mal mit Spielen wie Railroad-Tycoon o.ä. beschäftigt hat weiss dass strecken im nördlichen Österreich wegen der Berge verlustreich sind. also liebe Redaktuerin - versuchen sie mal mit dem Auto der Bahnstrecke entlang (!!!) schneller zu sein. Zumindest zw W und P ist das ein Kunststück.....

sleepyc
00
"P" - ???

meinen sie st.pölten?
mit dem auto schneller als der zu?
kein problem, da muss man nicht mal allzusehr "rasen".

Robert Sinzinger
00

von bahnhof zu bahnhof ?

hel_di
00
10.3.2011, 12:17
nicht über die autobahn

sondern über die Bundesstrasse (also genau der Strecke entlang) weil sonst der Vergleich hinkt (Kurven und Hügel).

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