"Die Zitierweise war 1987 eine andere als jetzt"

8. März 2011, 16:34

Studienpräses Brigitte Kopp über die Dissertation von Johannes Hahn und die grundsätzliche Schwierigkeit der Auffindung von Plagiaten

Brigitte Kopp ist als Studienpräses an der Universität Wien auch für die Auffindung von Plagiaten zuständig. Im Video-Interview mit Hans Rauscher bespricht sie die umstrittene Dissertation von Johannes Hahn, die noch einmal geprüft werden soll, sollte sich durch den neuerlichen Check durch Stefan Weber ein Plagiatsvorwurf ergeben (derStandard.at berichtete). "Wenn der Doktorvater die Arbeit genehmigt", könne auch eine schlechte Arbeit als Dissertation durchgehen, meint Kopp zu Hahns Text. Bei einer Prüfung müsse auch festgestellt werden, dass die Arbeit mit Absicht plagiiert wurde. "Wenn Textpassagen zitiert sind, hat er diese nicht als sein geistiges Eigentum präsentiert." Dies habe auch eine Prüfung von Hahns Arbeit durch die Universität Zürich ergeben. Bei einer neuerlichen Prüfung müsse man auch bedenken, dass die Zitierweise 1987 eine andere war als heute.

Sie räumt im Gespräch jedoch grundsätzlich ein, dass man bei der Plagiatsprüfung an der Universität Wien "wahrscheinlich nur die Spitze des Eisberges erfasst". Ein Problem sieht Kopp bei Arbeiten, die noch nicht approbiert wurden. Hier gebe es in Österreich keine Möglichkeit der Sanktion, wie zum Beispiel den Ausschluss des jeweiligen Studierenden von der Uni. (rasch; derStandard.at, 8.3.2011)

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Polemar
00
24.5.2011, 12:17
Wunder Punkt

Dann wären aber wohl 75% der Dissertationen und Diplomarbeiten abzuerkennen. Und weiters wäre 90% der Professoren ihre Gnade, Dissertationen abzunehmen, zu entziehen.

Immer auf die kleinen Studenten wird hingehaut!

Wenn ein Berufstätiger, Minister, das zur Hebung des persönlichen Ansehens, wo er es nicht mehr nötig hat, macht, also zB ein Guttenberg, in seinem Amt und zwar "nebenbei" eine Arbeit verfasst, dann ist das anders zu sehen, als wenn ein kleiner, unbedeutender Student das macht.

Uncle Sam4
00
11.3.2011, 17:00
Für Weber ist die Causa nur die Spitze des Eisbergs: "Landesweit dürfte es Tausende ,falsche' Akademiker geben, da anzunehmen ist, dass jede dritte Arbeit Plagiate enthält."

http://www.news.at/articles/... eich-titel

01052004
00
10.3.2011, 12:53
"dass die Zitierweise 1987 eine andere war als heute"

anders - vielleicht...aber abschreiben war immer abschreiben...

in den allerseltesten fällen wurde eine derartige gekupferte diss "zurückgezogen", das doktorat "aufgegeben" (ich einen solchen fall einer archäologin; das ging aber nur, weil da die deutschen sehr dahinter waren und es das abgeschriebene elaborat zu kaufen gab)

dem herrn hahn und allen anderen diss-erschleichern jetzt die räuberleiter zu halten, find ich eine ungeheure frechheit...

es ist ein schlag ins gesicht all derer, die sich ehrlich ihren grad erarbeitet haben...

und es zeigt einmal mehr: verbrechen lohnt sich hierzulande extrem...

astemp79
01
10.3.2011, 11:02
Zitierregeln sind egal!

Es muss aus dem Geschriebenen eindeutig hervorgehen, dass es sich um den Text einer anderen Person handelt, der zitiert oder anderweitig besprochen wird. Aus. Nicht mehr, nicht weniger. Ist das Zitat in einem Text nicht als solches erkennbar, hat der Autor ein Plagiat begangen.

regen bringt segen
00
10.3.2011, 10:55
Bei einer neuerlichen Prüfung müsse man auch bedenken, dass die Zitierweise 1987 eine andere war als heute

meaning?
1987 konnte man gemuetlich abschreiben weil die chance, dass jemand dahinterkam gegen null war?
und heute muss jedem/jeder klar sein, dass eine ueberpruefung keine grosse sache mehr ist und sich daher an die regeln des wissenschaftilchen arbeitens halten?

was genau will uns diese frau damit sagen?

glorious basterd
04
10.3.2011, 09:35
zum xten-male

in diesen forum - aber man kann es nicht genug oft betonen:
es geht nicht um das WIE es geht beim um das OB.
zitierregeln gibt es tausende......
und wer wissentlich nicht zitiert, der stiehlt geistiges eigentum.

Sabine Emerson da Sousa
00
10.3.2011, 10:58
und Sie glauben, die Phrase "es geht nicht ums wie sondern ums ob"

oder die Aussage "wer wissentlich nicht zitiert, der stiehlt geistiges eigentum" verwenden jetzt heute Sie zum ersten Mal als erster Mensch?

Weil wenn nicht, haben Sie gerade nicht korrekt zitiert und damit mindestens geistiges Eigentum geklaut, wenn nicht noch schwerere Verbrechen begangen.

Naivität ist zum Glück nicht strafbar

skyrock
00
10.3.2011, 08:21
warum Plagiate bei Politikern besonders starke Emotionen hervorrufen

ist ganz einfach zu beantworten. Wir wollen uns nicht von Betrügern regieren lassen.

el butre
00
10.3.2011, 09:43
...die deutsche Rechtschreibung...

...na die war doch auch ganz anders früher, und davor haben Akademiker sowieso nur Latein gesprochen...

skyrock
00
10.3.2011, 08:25
sollte natürlich heissen "Plagiate von Politikern

Spinndoktor
00
10.3.2011, 11:41
Nein, nein, passt eh...

BEI Politikern, weil sie ja einiges zu verlieren haben, wie mal beim deutschen Wonderboy sehen kann.

witherabbitt
 
20

Habe Anfang der 90er eine Betrachtungsweise des Raumes bei Kant entwickelt, bei der sich später herausgestellt hat, daß diese Argumentation bereits sieben Jahre vorher von Buroker verwendet worden ist. Sie hat zwar daraus andere Schlußfolgerungen hinsichtlich Kants Transzendentalphilsophie gezogen, aber es war eindeutig das gleiche Argument. Habe diese Arbeit schlicht nicht gekannt.

Beim Gegenteil, den augedünnten Paraphrasierungen eines anderen Textes, dessen Autor zwar eher unverbindlich am Anfang genannt wird, aber unklar bleibt, wann der eigene Text wieder beginnt, ist es schwer, dgl. definitiv als Plagiat festzumachen.

Hahns Arbeit, soweit bislang gesehen, hat ein interessantes Thema, das i. a. eher dürftig abgehandelt worden ist.

Nope
01
10.3.2011, 08:50
"Habe diese Arbeit schlicht nicht gekannt."

Streng genommen gehört es auch dazu, sich in den Stand der Wissenschaft in einem bestimmten Fach umfassend einzulesen, bevor man selbst zu arbeiten beginnt. Zumindest einem Politiker würde man Ihre Aussage nicht durchgehen lassen, und wenn es noch so wahr ist.

witherabbitt
 
00
10.3.2011, 12:41

Alles zu kennen ist in einem umfangreichen Thema zumeist nicht möglich, außer man will nur eine reine Literaturarbeit machen. Zumal ich andere Literatur, deren Kritik mich nachvollziehbar auf die Idee gebracht hat, ja zitiert habe. Wenn man Transzendentalphilosophie aus den Verständnis des 17. u. 18. Jhdts. kritisch bearbeitet, sind Arbeiten aus der Perspektive der analyt. Philosophie nur dann interessant, wenn man sich auf einen bestimmten Fragekreis beschränkt. Die vollständige Kenntnis der Literatur gibt es, wenn überhaupt, nur bei Arbeiten, die ein einzelnes, scharf umrissenes Thema haben, ansonsten muß eine Auswahl getroffen werden. Die Vorspiegelung vollständiger Kenntnis der Literatur verführt zumeist zu einen abstrakten Standpunkt,

witherabbitt
 
00
11.3.2011, 00:04

aber nicht zu einer Orientierung im Denken

Archi
07
die änderung einer zitierweise ist im prinzip vollkommen irrelevant,

den das sind nur foramalismen (es gibt hunderte zitierstile)! das prinzip dahinter ist:
1) eigene gedankengänge nachvollziehbar zu machen
und
2) nicht eigene gedankengänge als auch genau solche auszuweisen...

um nicht mehr und nicht weniger geht es bei der ganzen geschichte! eigentlich ist das dahinterstehende prinzip so simpel, dass jeder, der nicht einmal das versteht, gar kein anrecht auf einen akademischen grad hat...

ichbinsofrei.net/
02

früher hat man "deutsch" zitiert, heute zitiert man in der regel nach harvard - aber man HAT zitiert, wenn man seriös arbeitete!

Conrad Meyer
08
"Die Zitierweise war eine andere!"

Mit Verlaub: Das ist völliger Schwachsinn!

TheMarti
05
"Die Zitierweise war 1987 eine andere als jetzt"

Oje, und die Dame ist dafür zuständig, Plagiate aufzudecken? Das meint sie doch nicht ernst (nicht, dass das falsch wäre; aber irrelevant. Wichtig ist in erster Linie, *ob*, und nicht *wie* zitiert wurde).

pike bishop
00

Na ja, das ist schon falsch. Es gibt gewisse Ziterimoden, die aus den USA übernommen werden. Aber vile Philiosophen, Geisteswissenschaftler usw. zitirene heute noch genauso wie immer. Und ausserdem ist es wie Sie he sagen irrelevant, die Ziterweiesen musste und müssen eindeutig sein und der Regel sind sie das auch.

der - die - oder das?
01
Neueste Erkenntnisse?

Tatsächlich hat sich die Zitierweise in manchen Wissenschaften in den letzten Jahren geändert. Dadurch hat sich aber nicht die Art und Weise geändert, wie Zitate verwendet werden.
Früher galt: Autor, Werk, Erscheinungsort, Auflage, Jahr, Seite ...

Heute kann man das eleganter machen:

Autor/en (Erscheinungsjahr/Publikationsnr.) Seite ...

Noch einfacher: Nr. im Literaturverzeichnis, Seitenzahl xxx

Egal, wie ich zitiere, jeder Wissenschaftler kann das nachvollziehen. Das sollte auch für die Disseration von Herrn Hahn geleten. Allerdings frage ich mich, ob man mit Internet-Textvergleichen so etwas aus der Zeit seiner Dissertation aufdecken kann. Die meisten Texte auf die er sich bezieht, sind offline. Da heißt es dann für die Plagiatjäger:

der - die - oder das?
00
Geklauter Text in meinem Kommentar

Nach dem Doppelpunkt hieß es in meiner Originalversoion - "lesen, lesen, lesen - ob die das alle wollen?

derhundvonsinope
21
Nicht-Pinkler-Zonen im Schwimmbecken

In diesem Fall kann sich Rau vermutlich sehr gut in die missliche Rolle des Plagiators Hahn einfühlen. Es ist schon einige Zeit her, als er zur Nichtraucherlokal-Diskussion im Einser-Kastl einen originellen Vergleich brachte: In Lokalen Nichtraucherzonen einzuführen sei ähnlich effizient wie in öffentlichen Schwimmbädern Nicht-Pinkler-Zonen auszurufen. Ich habe damals herzlich gelacht.
Wenige Tage danach stellte sich heraus, dass er den Vergleich aus der Süddeutschen gestohlen hatte.
Wenn es daraufhin eine aufgeregte Debatte gegeben haben sollte, ob er seinen hochdotierten Job beim Standard weiter behalten kann, muss ich das schlicht und einfach überlesen haben.

derhundvonsinope
00
10.3.2011, 19:48
@ rigglerobber

"erruieren" hat was !

derhundvonsinope
00
10.3.2011, 19:46
"die Zitierweise war damals eine andere" - Nicht-Pinkler

Mein angeführtes Beispiel für ein Plagiat von Rau ("Nicht-Pinkler") sollte bloß die Argumentation all jener Blogger unterstützen, dass es nicht auf akademisch hochstilisierte Differentialdiagnostik ankommt, welche Zitierregeln 1987 gegolten haben, sondern darauf, dass es sowohl dem moralischen Anstand wie übrigens auch dem Urheberrecht widerspricht, Gedanken, Ideen, Entwürfe etc. von jemand anderem als seine eigenen auszugeben.
Ad "Witze weitererzählen": Versuchen Sie mal in einer Gesellschaft Ihre Reputation zu steigern, indem Sie Witze als Ihre eigenen ausgeben, für die sich nachher herausstellt, dass diese wenige Tage vorher in der Zeitung gestanden sind.

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