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Wien - Michel Houellebecq legt wenig wert darauf, es allen recht zu machen. Fast jedes seiner Bücher ist von einem Skandal begleitet, er wechselte für Summen, die normalerweise für Fußballertransfers fließen, den Verlag (um später wieder zurückzuwechseln), stritt sich mit einem unautorisierten Biografen herum und stand, weil er in einem Interview sagte, der Islam sei die "dümmste Religion der Welt", wegen Aufrufs zu "antiislamischem Rassenhass" vor Gericht - wo er als Beruf "Fußgänger" angab, brillant argumentierte und freigesprochen wurde.
All das hat ihm viel schlechte Presse und zahlreiche Leser eingebracht. Als "sexdegenerierter Mundgeruchler", der die "abscheulichste Prosa" schreibe, wurde er bezeichnet, von Frauenverachtung war die Rede und von einem, der das Abendland als eine mit willigen Weibchen bevölkerte Sexfarm darstelle.
Eines konnte und kann man dem Autor, der als Zyniker gilt, viel eher aber ein kühler Lakoniker mit ethnologischem Blick auf die (westliche) Gesellschaft ist - und einmal in einem Interview sagte, die einzige Überlegenheit, die er anerkenne, sei die der Güte -, nicht vorwerfen: nämlich nicht am Puls der Zeit zu sein.
Im Roman Plattform (2001) schrieb Houellebecq kurz vor 9/11 über einen Anschlag islamischer Fundamentalisten auf einen Sexclub in Thailand, in Elementarteilchen (1998) behandelte er die Themen Stammzellen und Präimplantationsdiagnostik, bevor Feuilletonseiten darüber vollgeschrieben wurden, und in seinem letzten, misslungenen Roman Die Möglichkeit einer Insel (2005) skizzierte er eine Zukunft, in der unsere geklonten Nachfahren nur mehr elektronisch miteinander kommunizieren und verkehren.
Zwei Pole, jene der erotischen Attraktivität und des Geldes, sind es, zwischen denen die moderne Existenz in den Büchern des 1958 auf La Réunion geborenen Autors, der von seinen Großeltern in Algerien und Nordfrankreich aufgezogen wurde, seit seiner Ausweitung der Kamfpzone (1994) aufgespannt ist. Das größte Handicap in der sexualliberalen Gesellschaft heißt Hässlichkeit, und die Welt ist in Houellebecqs Romanen ein Supermarkt bzw. Selbstbedienungsladen, in dem derjenige, der zahlt, befiehlt und die meisten ihren Mitmenschen außer der Kreditkarte nichts anzubieten haben.
Karte und Gebiet
Das ist in Houellebecqs neuem Roman Karte und Gebiet (Dumont), der in einigen Tagen in deutscher Übersetzung erscheinen wird, nicht viel anders. Sieben Jahre hat sich der an der Westküste Irlands und in Andalusien lebende Autor für dieses Buch Zeit gelassen, mit entsprechendem Getöse erschien es vergangenen Herbst in Frankreich. Obwohl Plagiatsvorwürfe (Wikipedia!) erhoben wurden, die sich als lächerlich erwiesen, und der bekannte Autor Tahar Ben Jelloun spottete, es handle sich um das "Gefuchtel eines ausgelaugten Stars", gewann Houellebecq den renommierten Prix Goncourt - und das mehr oder weniger skandallos.
Karte und Gebiet, um es gleich vorwegzunehmen, ist Houellebecqs bester Roman. Souverän, gelassen, ohne Effekthascherei und Sexszenen von einem Autor erzählt, der zum ersten Mal auf Struktur Wert legt. Vor allem aber besticht der Roman durch die eingebauten Spiegelungen, seine Referenzen und die Wucht, mit der man als Leser in diesen Text geschickt, nein: getrieben wird.
Worum also geht es: Hauptfigur ist der Künstler Jed Martin, den der Leser in den drei Teilen des Buches (und einem Prolog und Epilog) durch sein beinahe gesamtes Leben, vom Studium an der Pariser École des Beaux-Arts bis zu seinem einsamen Tod in der Provinz, begleitet. Früh schon kommt Jed, Sohn eines Architekten und einer Mutter, die sich kurz vor seinem siebten Geburtstag umbringt, durch fotografische Arbeiten von Gebrauchsgegenständen und digital verfremdete Aufnahmen von Michelin-Straßenkarten zu Ansehen und Geld.
Einfache Berufe
Der endgültige Durchbruch wird ihm, mittlerweile zum realistischen Maler geworden, mit einer "Serie einfacher Berufe" (vom Pferdemetzger bis zur Fernwartungsassistentin) gelingen. Dies auch durch das Ausstellungskatalog-Vorwort eines bekannten Schriftstellers. Sein Name: Michel Houellebecq. Drei Male wird Jed Houellebecq treffen, um ihn zum Vorwort zu überreden. Der Kunstgriff der Einführung der eigenen Person in das Buch erlaubt es Houellebecq, in den Gesprächen der beiden viel über Kunstbetrieb und Markt, das Schreiben und eine poetische Weltsicht zu sagen, was passagenweise etwas im besten Sinne Essayistisches hat. Jed zahlt den Schriftsteller mit einem Bild (natürlich sein letztes, und natürlich vom Schriftsteller selbst), das schließlich zwölf Millionen Euro wert ist und zu zwei Morden führt. Unter anderem an Houellebecq, der im Roman enthauptet und zerstückelt wird. Diese Wendung macht das Buch im dritten Teil zu einem veritablen Kriminalroman.
Das klingt alles recht linear, und das ist es auf den ersten Blick auch, doch subtil und ironisch hat Houellebecq in Karte und Gebiet ein selbstreferenzielles Spiegelkabinett errichtet, in dem alles, selbst wenn die einzelnen Elemente disparat erscheinen, miteinander zusammenhängt.
Auch die oft gegen ihn vorgebrachte Realismusschelte nimmt der Autor auf und verhandelt jede Menge Markennamen: Audi und Mercedes (A- und C-Klasse), Michelin, Nikon, Samsung etc. Enden lässt Houellebecq das Buch allerdings in der Zukunft der 2030er-Jahre, in der Frankreichs Industrie längst verschwunden und das Land zu einem touristischen Musikantenstadl für Inder, Chinesen, Russen verkommen ist.
Karte und Gebiet ist ein großer Roman, der nicht nur von "unserer" Epoche und dem Verhältnis zwischen Ich und Du, Vater (der in eine Schweizer Sterbeklinik geht) und Sohn, Herr und Hund, Mann und Frau, Ware und Geld, Kunst und Leben erzählt, sondern das Vergehen der Zeit im Allgemeinen verhandelt. Somit geht es auch um Erinnerung: um das Verschwinden von Dingen und Menschen - und die Pflicht der Kunst, davon Zeugnis abzulegen. Jed ist die meiste Zeit seines Lebens allein, zwei große Lieben und zwei starke Frauenfiguren - Geneviève und Olga - gibt es immerhin.
Halten wird er sie nicht können, oder sie ihn nicht. Im Roman Plattform heißt es: "Wenn ich die Liebe nicht begreife, was nützt es mir, den Rest begriffen zu haben?" (Stefan Gmünder, DER STANDARD - Printausgabe, 9. März 2011)
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glaubt einfach keiner mehr an religionen - und das ist auch gut so. es gibt eine, nennen wir es "unendliche kreativität" , zumindest glaube ich das. wenn man die augen schließt, seine gedanken zur ruhe kommen lässt und sich fragt, woher der nächste gedanke kommt und dann den zwischenraum zwischen fragesatz und dem ersten x-beliebigen gedanken "beobachtet" spürt man diese kraft sogar.
ich glaube allerdings nicht daran, dass von menschen geschaffene religionen ihre berechtigung haben. meine gedanken, die tastatur, die vorstellung, dass sich das jemand durchliest und den kopf schüttelst... das alles ist teil eines unendlichen und unerschöpflichen schaffensprozesses - ohne anfang und ende.
http://de.wikipedia.org/wiki/Daod... Dao_und_De
zweiter Absatz: >> Der Mensch könne die Wirkung des Dao auf zweierlei Weise erfahren: Zum einen, indem er die Erscheinungen der Welt beobachte und das Dao am Werke sehe; zum anderen, indem er seine Sinne abkehre und sich der Stille zuwende. Damit könne er sein Wesen sensibilisieren und das Dao geschehenlassen. <<
ich spreche vom "zum anderen". wann haben sie das letzte mal ECHTE stille wahrgenommen? kein radio, tv, handy, news, gedanken? sondern einfach NICHTS? das geht - es ist einfach übungssache, die anleitung habe ich schon gegeben.
entweder man lässt sich drauf ein - oder eben nicht, mir hat es eine innere zufriedenheit verschafft :-)
ich sehs nicht ein.
Der Kampf um "Vaginas junger Frauen" ist doch ein genetisch verwurzelter, per Selektionsprozess herausgeschaehlter Kampf. er ist eigentlich in der technologisierten Umwelt die wir uns geschaffen haben nicht mehr funktionstuechtig. D.h. der evolutionaere Selektor funktioniert nimmer, auch eine 40 jaehrige gebiert gesunde Kinder. Heisst: irgendwann muesst der Trieb nach jungen Frauen sterben, denn er wird von der Natur nicht mehr selektiert.
Interessant! Kann man irgendwo mehr über diese Causa nachlesen? Und nachdem Houellebecq im nachfolgenden Gerichtsverfahren freigesprochen wurde, darf man sich seiner Meinung anschließen? Ist das jetzt auch für österreichische Verhältnisse ausjudiziert?
elementarteilchen und ausweitung der kampfzone sind relativ fad und bieten, neben einigen stinklangweiligen sexszenen, rein gar nichts. keine botschaft, keine aussage, keine erkenntnisse - nichts. der mann ist vollkommen überbewertet, das lodern der skandale gibt den schatten houlebecqs unverdiente größe. apollinaire und seinen 11000 ruten kann er nicht einmal bis zu den zehen das wasser reichen.
... ist paulo coelho zuständig. der bietet so zeugs als duzendware an.
wer in houellebecqs werk keine aussagen findet, brauchts wohl ein bisserl plastischer. von wegen "krieger des lichts" und so. sie könnten sich aber auch an frau helga von der krone wenden. (gibts die noch?)
der alchimist war großartig, der krieger des lichts inferior. mehr habe ich von Coelho nicht gelesen. im übrigen sind persönliche angriffe auf bildung und intelligenz schon in einem posterforum nur mäßig geeignet, dem eigenen standpunkt glaubwürdigkeit zu verleihen. im direkten gespräch hätte ich genußvoll abgetestet, wie es denn um Ihre belesenheit steht. schade, dass mir das entgeht : )
so ein forum eignet sich für so was gar nicht - und mein posting war auch überheblich. ich mag die bücher coelhos eben wegen der "botschaften" nicht, schätze houellebecqs bücher hingegen sehr. der "angriff" war unüberlegt und sinnlos und genau ein posting von der art, warum ich foren im grunde nicht mag: man versteckt sich hinter seinem nick und protzt herum. allerdings: ihr antwortposting wirkt auch recht arrogant auf mich. diskutieren würde ich danach nicht gern mit ihnen wollen -und "abtesten", du meine güte! wo sind wir denn? im wettstreit wer die meisten bücher gelesen hat? lassen wirs gut sein. der punkt geht an sie.
... belassen wir es beim 0:0. aber wissen sie, was ich jetzt mache? ich lösche meinen fake-account. und wenn ich was zu sagen habe, dann mache ich mir einen neuen, mit meinem richtigen namen.
machens sie es gut und noch viel spaß beim lesen.
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