Braune Flecken rund um die Wuchtel

8. März 2011, 12:55
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    foto: apa/ rapid archiv

    Rapid-Spieler vor dem Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegen Schalke 1941 in Berlin.

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    Rapid-Stürmer Franz Binder gibt Autogramme: Auch der junge Ernst Happel (3. von li.), später selbst eine Fußball-Legende, stellt sich an.

Viele Mythen ranken sich um die Geschichte des SC Rapid während des Nationalsozialismus. Die Grün-Weißen arrangierten sich nach dem "Anschluss" geschickt mit den Nazis, wie Politikwissenschafter nun aufgearbeitet haben.

Wien - Drei zu null hinten gelegen und dann noch vier zu drei gewonnen. Drei Tore von Stürmerlegende Franz "Bimbo" Binder! Das Berliner Finale der "Großdeutschen Meisterschaft" am 22. Juni 1941 gegen Schalke 04 ist tief verankert im kollektiven Gedächtnis des SC Rapid. Um diesen Sieg in den Zeiten des Krieges - am Morgen des Finalsonntags überfiel Nazideutschland die Sowjetunion - ranken sich allerlei Geschichten. Der Triumph gegen einen Klub aus dem "Altreich" wird mitunter gar zu einem Akt des politischen Widerstands gegen den "Anschluss" verklärt. Zur "Bestrafung" seien viele Rapidspieler an die Ostfront geschickt worden. Stimmt das? Wie hielten es die Grün-Weißen mit den Nazis?

Kritische Nachfragen anlässlich des Freundschaftsspiels gegen Schalke 04 im Juli 2009 veranlassten den Rapid-Vorstand, die Klubgeschichte der Jahre 1938-1945 untersuchen zu lassen. Am Dienstag wurde das Buch Grün-Weiß unterm Hakenkreuz. Der Sportklub Rapid im Nationalsozialismus (1938-1945) in Wien vorgestellt.

Die beiden Politikwissenschafter Jakob Rosenberg und Georg Spitaler, ihres Zeichens langjährige Mitarbeiter des Fußballmagazins Ballesterer, haben eine sehr ausgewogene, im besten Sinne nüchterne und historisch informierte Arbeit vorgelegt. Zu ihren wichtigsten Ergebnissen zählt, dass es vor allem in der Frühphase des 1899 gegründeten Klubs eine ganze Reihe von jüdischen Spielern und Funktionären gab. Dazu zählten etwa der Namensgeber von Rapid, Wilhelm Goldschmidt und der linke Flügelstürmer Fritz Dünmann. Beide wurden später von den Nazis ermordet.

Dass sich Rapid, zumal nach dem "Anschluss" von 1938, gerne als "bodenständiger" Arbeiterklub gerierte, ist wohl nicht zuletzt politischem Opportunismus zuzuschreiben. Das "Kämpferische" passte ja genau zur NS-Volksideologie. Die Grün-Weißen betonten nun, "immer arisch" gewesen zu sein, wohl auch, um sich von anderen Wiener Klubs abzugrenzen, wie etwa der Austria, die oft als "großbürgerlich" oder "jüdisch" bezeichnet wurde.

Neun von 18 Rapid-Funktionären wurden zwischen 1938 und 1940 NSDAP-Mitglieder oder stellten zumindest einen Aufnahmeantrag - eine vergleichsweise hohe Quote. Hingegen war wohl kein aktiver Rapid-Spieler Parteimitglied. Der Verein agierte politisch sehr geschickt und verschaffte sich Fürsprecher im nun braunen Rathaus von Wien, wie etwa Thomas Kozich, Vizebürgermeister und Sportgauführer Wiens. Bereits 1938 machte man den SS-Oberführer und Polizeipräsidenten von Wien, Otto Steinhäusl, zum Ehrenmitglied.

Angesichts dieses direkten politischen Drahtes verwundert es nicht, dass Rosenberg und Spitaler keinerlei Belege für die "Bestrafungsthese" nach dem Sieg gegen Schalke fanden, im Gegenteil. Anders als andere Wiener Vereine waren viele Rapid-Spieler bis im Frühjahr 1941 noch gar nicht eingezogen worden, was in Berlin für Unmut sorgte. Dass nach dem Gewinn der "Großdeutschen Meisterschaft" im Juni 1941 viele Rapidler die Uniform anziehen mussten, ist richtig, trifft aber auch für viele andere Vereine gerade im "Altreich" zu. Und dank bester Kontakte zur NS-Politik gelang es zunächst, für viele Spieler eine Stationierung in Wiener Kasernen oder zumindest häufige Heimaturlaube zu erwirken, zumindest bis zur zunehmenden Verschlechterung der Kriegssituation 1943.

Lokalpatriotismus 

Zwar gab es Spannungen zwischen "Altreich" und "Ostmark" auch auf dem grünen Rasen, aber die Situation war weit komplexer als die simple Opposition von "deutsch" und "österreichisch", wie Rosenberg und Spitaler zeigen. So sind viele Artikel der Wiener Presse von "Lokalpatriotismus" geprägt, wenn über Spiele zwischen Rapid und Mannschaften aus dem "Altreich" berichtet wird. Immer wieder wurde auch über das richtige Spielsystem debattiert: Deutsche Vereinsmannschaften spielten mittlerweile das defensivere "WM-System", während Wiener Teams nach wie vor auf das offensivere sogenannte "Mittelläufer-System" setzten. Dabei drehten die österreichischen Medien den Spieß gewissermaßen um: Das aus England stammende "WM-System" wurde als "undeutsch" denunziert, das eigene "Mittelläufer-System" hingegen als genuin "nationalsozialistisch" etikettiert. Somit wird deutlich, dass der Rapid-Sieg vom Juni 1941 erst im Nachhinein in einen Triumph des "kleinen" Österreichs gegen den vermeintlich übermächtigen deutschen Gegner umgeschrieben wurde, in ein Córdoba avant la lettre.

Der Sport, das zeigt auch diese Fallstudie, wurde von den Nazis benutzt, etwa um im Kriege den Schein der Normalität zu wahren. Der Verein - und Rapid ist da nur ein Beispiel - nutzte dies wiederum, um etwa Vergünstigungen für die Spieler zu erwirken, etwa Pseudoarbeitsstellen (mit dem "Anschluss" wurde der Professionalismus abgeschafft). Nach 1945 verdrängte man, beschönigte und stilisierte sich zum Opfer oder gar zum geheimen Hort des Widerstands.

Einen Fall wie jenen des damaligen Austria-Stars Matthias Sindelar, also die Verwicklung von Spielern in "Arisierungen" jüdischen Eigentums, gab es bei Rapid übrigens nicht. Dafür trug ein 1948 als Kriegsverbrecher verurteilter Spieler grün-weiß. Fritz Durlach hatte andere Fußballspieler brutal gefoltert, um ihnen das Geständnis abzupressen, sich selbst verstümmelt zu haben, um dem Fronteinsatz zu entgehen. (Oliver Hochadel; DER STANDARD Printausgabe 9. März 2011)

Buchtipp:

"Grün-Weiß unterm Hakenkreuz - Der Sportklub Rapid im Nationalsozialismus", Jakob Rosenberg/Georg Spitaler, Wien, 2011, 304 Seiten, ISBN 978-3-901142-58-1.

Das Buch ist erhältlich bei: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), Wipplingerstraße 6-8, 1010 Wien, Email: office@doew.at und beim SK Rapid, Keisslergasse 3, 1140 Wien, Email: info@skrapid.com

Kommentar posten
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tomy ar...
22
16.3.2011, 10:20

Das Foto von 1941 ist vielleicht geil - ich hab´s schon immer gewusst: Adolf Hitler war Rapidler ;)

WilWil
00
10.3.2011, 10:29
es wurde im zuge der diskussion hier eingebracht, daß die austria eine zeit lang als sc ostmark auftreten musste.

nach meinen quellen war dies jedoch der fc brigittenau, der 2 saisonen unter diesen namen spielte. und zwar schon 21/22 und 23/24.

hat irgendjemand genauere quellen oder info dazu?

gratis trinken
00
11.3.2011, 14:12

was hätte das mit den nazis zu tun (1921?)

ern3st
00
25.3.2011, 13:10

naja, die partei gab es ja schon seit 1920, so ganz unrecht hat er ja ned

WilWil
00
11.3.2011, 15:01
na genau das frag ich mich auch...

nuremba
30
10.3.2011, 02:52
war eigentlich als mein kamfplied für´s derby gedacht

doch passt jetzt gut hier her:

http://www.youtube.com/watch?v=W... dded#at=11

viola per sempre

Schreck
02
10.3.2011, 09:38

wie dumm kann man aus dieser Thematik ein Kampflied abzuleiten?

Mr XY
00
10.3.2011, 02:24

Rapid ist die einzige MANNSCHAFT die die Faschismuszeit aufgearbeitet hat.
Quelle Facebook.

nuremba
02
10.3.2011, 02:47

meine güte.

die austria hat das zwar nicht so plakativ aber doch gemacht. nichtsdestotrotz finde ich diese aufarbeitung wichtig, auch wenn andere menschen gar nicht die chance hatten, sich etwas zu "arrangieren".

Schabbesgoi
00
Der Ernstl in der 'obissanan Lederhosen.........

Psycho87
02
Dressen

Ich habe mir heute in der Printausgabe das S/W Foto von vor dem Spiel genau angesehen. Nach einer Zeit ist mir aufgefallen das dieser Schräge Schatten auf den Dressen nur der Schatten vom ausgestreckten Arm ist.

Das hat mich dann an die aktuellen Auswärtsdressen erinnert:
http://tinyurl.com/6gxa372

Der Streifen geht in die andere Richtung und das wird auch nichts zu bedeuten haben. Aber irgendwie kurios finde ich das trotzdem.

Oberon
00
10.3.2011, 16:01
oh mann,

echt witzige überlegung. gefällt mir....

~~~xOx~~~
00

respekt für so ein posting! sowas muss man sich wirklich einmal schreiben traun.... top!!

Lorenzo von Matterhorn
 
12

eine geschichte, auf die man nicht stolz sein kann,... trotzdem vergangenheit...

viel lächerlicher ist, dass sie immer noch stolz auf ihre geschobenen NS-Meisterschaften sind,...

gratis trinken
00
11.3.2011, 14:07

drauf gschxxxen.
was verlangst da von den altvorderen? es war halt so.und sonst garnichts.völlig wertfrei.

Der Uridil
02

Ohne Sinn und Zweck, geschweige mit irgendeinem nachvollziehbaren Beleg für die aufgestellten Behauptungen, wird munter drauf los gepostet. Offensichtlich macht man sich nicht einmal die Mühe den Artikel zu lesen.

Philipp B.
22
natürlich

kann rapid auf die historischen erfolge und ihre geschichte stolz sein.

bzgl. schieben, fällt mir irgendwie was anderes ein, wenn ich dein kommentar lese.

gwg

Hr. Vorragend
01

In welchem Kapitel des Buches kann ich das mit den geschobenen Meisterschaften nachlesen ?

anders and
 
21

es ist unwahrscheinlich, dass in einem totalitären Staat eine Meisterschaft nicht geschoben ist.

Hr. Vorragend
01

Wenn es so wäre, warum wurde Schalke dann '34, '35, '37, '39, '40 und '42 zum Titel geschoben und ausgerechnet '41 nicht ?

anders and
 
30
die Antwort ist einfach:

um den Anschluss gebührend zu würdigen!

Karl Graus
01
10.3.2011, 12:00
lernen sie geschichte, junger mann!

aber ich fürchte, du weißt weder, wann der anschluß war, noch von wem dieses zitat stammt............

anders and
 
00
10.3.2011, 14:10

Ich hab doch selber die ZiB gesehen, in dem Kreisky seinen absurden Vorwurf (das ist heute wie in den 30ern) mit einem mehrfach gekreischten "Lernen Sie Geschichte" zu verteidigen versuchte.

Dieses Zitat wird bis heute vor allem dazu verwendet von der eigenen Geschichtsblindheit abzulenken.

Karl Graus
01
10.3.2011, 15:44
dann erklären sie mir doch bitte, wieso

ein anschluß im jahre 1938 im jahre 1941 "gewürdigt" werden soll! grundsätzlich ist es mir ja wurscht, und ob die grünen mal dt meister waren oder nicht, ist mir VÖLLIG egal, aber welche absurden "argumente" gebracht werden, um auf die rapidler hinzutreten, ist schon absolut lächerlich! die sind bisher der einzige verein, der diese zeit wissenschaftlich aufgearbeitet hat und dann wird wieder nur schwachsinn dahergefaselt!

Pom Fritz
00

Ich bin kein Rapid-Fan aber aber ich finde es lächerlich diese Sache wieder aufzuwärmen. Da wollte sich wohl wieder einmal jemand profilieren.

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