Doku-Soaps im ORF

"Dieses Du und Du im Alltag"

7. März 2011, 17:32
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    Öffentlich-rechtliche Partnersuche: Alle Laiendarsteller, auch wie hier in "Single mit Kind sucht", werden von einer Psychologin betreut.

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    Stefanie Groiss: "Vorführen würde voraussetzen, dass jemand gar nicht weiß, wie ihm geschieht. Das können wir ausschließen."

Der ORF legt ab 15. März in "Single mit Kind sucht" eine neue Doku-Soap nach - Programmentwicklerin Stefanie Groiss spricht über Wir-Gefühle, getäuschte Zuschauer und Vorführeffekte

STANDARD: Die Grundidee von "Single mit Kind sucht" klingt wie "Dismissed" auf öffentlich-rechtlich. Die Kuppelshow wollte der ORF vor Jahren - damals vergeblich - von MTV übernehmen. Ein Neustart?

Groiss: Single mit Kind sucht ist eine Sendung, die Partnersuche dokumentiert, also etwas völlig anderes.

STANDARD:  Einer wählt aus zweien, bei "Dismissed" saßen sie im Pool, hier wird die Wohnung geteilt.

Groiss: Dann ist Partnersuche im Leben weltweites Dismissed. Man sucht sich seine Partner nun einmal aus.

STANDARD:  Aber wohl eher selten in dieser konzentrierten Form?

Groiss: Fernsehen ist ein Brennglas und verstärkt vieles. In dieser Erzählart braucht es Regeln, damit der Zuschauer die Geschichten leichter einordnen kann.

STANDARD: Die Regeln waren einer Kandidatin offenbar zu streng. Sie quartierte ihre Bewerber kurzerhand aus?

Groiss: Das muss das gute Recht der Protagonisten sein. Die Regeln sind ein Gerüst, um die Geschichte dramaturgisch richtig zu erzählen. Wenn nun ein Kandidat sagt, diese Regeln sind ihm zu eng, dann erzählen wir das als Teil dieser Geschichte.

STANDARD: Die Nerven scheinen eher gespannt. Eine Kandidatin hilft sich mehrmals mit der Schnapsflache. Wo liegt die Verantwortung des ORF?

Groiss: Wir können auf keinen Fall so weit gehen, dass wir einem Kandidaten sagen dürfen, was er machen darf und was nicht. Der dokumentarische Anspruch besteht darin, die Menschen möglichst wenig zu einer Darstellung zu verleiten. Der Witz in dieser konkreten Szene ist, dass ein Bewerber absoluter Antialkoholiker ist, für die Kandidatin ist das ein Thema. Das spielt für die Profilbildung eine Rolle, deshalb haben wir den Punkt herausgearbeitet.

STANDARD:  In jeder Konstellation gibt es einen Sonderling. Der Vorwurf könnte fallen, dass Leute vorgeführt werden?

Groiss: Vorführen würde voraussetzen, dass jemand gar nicht weiß, wie ihm geschieht. Das können wir ausschließen. Wir haben, wie bei allen Unterhaltungssendungen, in denen keine Profis vorkommen, eine Psychologin. Das Kamerateam ist überdies sehr präsent. Jeder weiß, dass er aufgenommen wird.

STANDARD: Wo es doch immer heißt, Protagonisten vergessen die Kamera irgendwann?

Groiss: Das passiert, wenn ein Kamerateam nicht mit großem Licht anrückt und im Wohnzimmer Schienen legt, sondern "fly on the wall", also sehr viel unauffälliger arbeitet. Wie bei jeder Reportage. Dann vergessen viele die Kamera. Das heißt aber nicht, dass sie sich vergessen.

STANDARD: Ziel ist maximale Authentizität. Warum ist die wichtig?

Groiss: Es geht darum, dieses Du und Du im Alltag darzustellen. Die Tatsache, dass Menschen ihre Geschichten teilen wollen, ist es oft wert, eine Sendung zu machen.

STANDARD: Warum hat der Zuschauer ein Bedürfnis nach Authentizität?

Groiss: Je authentischer eine Geschichte ist, umso leichter kann sie der Zuschauer nachvollziehen, erst dann ist sie gut und wird auch angenommen

STANDARD: Die Zuschauer wissen, dass das Gebotene Regeln folgt. Gibt es die Bereitschaft zur Täuschung?

Groiss: Die Zuschauer wollen gut unterhalten werden. Das Doku-Soap-Publikum ist inhomogen. Ein wichtiger Faktor ist das Gefühl zu haben: So geht es mir auch.

STANDARD: Plötzlich ist der ORF der Meinung, dass er Doku-Soaps machen muss. Wie kam es dazu?

Groiss: Doku-Soaps sind für den ORF nicht neu. Das Besondere an der jetzigen Situation ist, dass das Genre in ORF 1 einen fixen Sendeplatz bekommen hat.

STANDARD: Konkurrenten machen das schon seit Jahren. Ist der Zug nicht abgefahren?

Groiss: Nein. Doku-Soaps sind keine Zeitgeisterscheinung. Das Format hat sich in den vergangenen Jahren als fixes Genre entwickelt, das in jedem modernen Vollprogramm Platz haben muss.

STANDARD: "Der Laden läuft" blieb für Beobachter unter den Erwartungen. Für Sie auch?

Groiss: Wir haben eine steigende Tendenz, das ist für uns im Moment das Wichtigste. Es dauert einfach, einen Sendeplatz umzubranden. Das haben wir auch gewusst. Das genre-affine Publikum braucht eine Weile um das neue Programm dort zu finden.

STANDARD: Wie lang darf sich das Publikum Zeit lassen?

Groiss: Anfang Juni, nach Single mit Kind sucht überlegen wir, wie wir uns weiterentwickeln. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 8.3.2011)

STEFANIE GROISS (34) arbeitet in der ORF-Programmplanung und verantwortet mit Dodo Roscic Doku-Soaps.

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Camilla Vanilla
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"Eine Szene, die Barbara Reichard mit tiefen Augenringen zeigt, unterbricht ihren Redefluss. „Um Gottes willen, dieses Bild geht gar nicht“, sagt sie und erklärt: „Vor so ungünstigen Aufnahmen muss ich unsere Moderatoren schützen, das ist Verantwortung des ORF.“
Ja, ja, die moderatorInnen muss man schützen und die anderen, die da so ahnungsvoll mitmachen, die werden nicht vorgeführt, sicher nicht.

pleamle
04
Bildungsauftrag?

und wo bleibt bei solchen Sendeformaten der Bildungsauftrag des ORF? Diese Formate sind nicht neu sondern nur vom ORF bei den Privaten teuer abgekupfert und fad aufgewärmt. Gibt es eine Steigerung zu MEGAGROTTTENSCHLECHT? Und ich Depp zahl die GIS.

Grumble
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Der ORF sollte (was das Programm angeht) am Vorbild der amerikanischen NPR-Stationen bzw. PBS umgebaut werden. Viel Informationsprogramm hoher Qualität. Dafür könnte die GIS dann auch deutlich gesenkt werden.

Jedenfalls gehören Wettbieten um Fußballrechte sowie eingekaufte Mainstream-Filme und Serien sicherlich zu dem, was mit einer Steuer (und genau das ist die GIS letztendlich) um so viel Geld gefördert werden sollte.

Wer Fußball oder Serien sehen will kriegt um 20 EUR/Monat auch ein Pay TV-Abo oder DVDs in der Videothek.

CrangerMan
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Ein ungeordneter Haufen von Fakten, die eine solche Umstellung aus meiner Sicht sehr schwer möglich machen: So einfach wie in den USA ist es nicht. Der ORF müsste, wenn er sich tatsächlich inhaltlich so beschränken würde, irgendwann aufgelöst oder privatisiert werden. Der ORF darf schon rein rechtlich nicht für alles Gebühren verlangen. Die Gebühren müssten ohnehin sehr hoch sein, um den ORF zu erhalten. Daher nimmt man auch Werbegelder ein. Und um diese weiter zu kriegen, muss man zu einem Teil auf Massenunterhaltung setzen.

Grumble
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Auflösen

Ein neues ORF-Gesetz zu schaffen dürfte problemlos machbar sein (wenn natürlich auch der politische Wille fehlt, einen Haussender hat jede Regierung gerne).

Ein reines Informationsprogramm ist meines Erachtens der einzige Weg, die Erhaltung der GIS überhaupt zu rechtfertigen: Eine umfassendes "Grundversorgung" die alles mögliche abdeckt jedem aufzuzwingen ist in der heutigen, sehr diversen Medienlandschaft, nicht mehr zeitgemäß. Insbesondere nicht wenn dieses (oft überhaupt nicht genutzte oder gewollte) Programm 12x23,06EUR (für Wien) kostet.

Der ORF ist in seiner jetzigen Form unnötig teuer - und wertlos. Die Informationsprogramme sind meist sehr schlecht, Dokumentationen ohnehin alle eingekauft.

CrangerMan
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Ja, ich bin auch für mehr und vor allem bessere Information im ORF, aber so leicht wird das in Österreich einfach nicht laufen, dass man einen reinen Infosender macht.
Der ORF hat auch einen Kulturauftrag, der auch sehr sehr wichtig ist. Beispiel: Ohne den ORF hätten es Filmemacher in Österreich viel schwerer, als sie es jetzt schon haben, weil sie eben zum Teil vom ORF finanziert werden.
Ich bin der Meinung, dieser Auftrag muss ernster genommen werden, nur dafür braucht es nun mal Geld. Die Lösung für mich wäre: GIS-Gebühren senken, dafür Programm straffen und ein besseres Angebot für Werbekunden machen.

Rueda De Fuego
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"ORF legt eine neue Doku - Soap nach"

von neu kann da wohl keine Rede sein. Erschreckend, wie nach und nach der RTL2 Standard Einzug hält. Noch erschreckender: RTL2 hatte den ganzen Sch... schon vor 3 Jahren.

Rueda De Fuego
00
"ORF legt eine neue Doku - Soap nach"....

nebenerwerbsposter
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wenn die dame

so weitermacht, ist sie in ca. 10-15 jahren kandidatin für einen chefposten. ganz oben.

zwischendurch eingenickt
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was muß man gelernt haben, um orf-programmentwickler zu werden ?

mitterechts
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...um orf-programmentwickler zu werden ?..

die richtigen kontakte haben!!

hockshank
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"irgendwas mit medien"

zwischendurch eingenickt
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harter Job

"Anfang Juni .... überlegen wir, wie wir uns weiterentwickeln" .....
wird sicher gut entlohnt !
wann werden endlich die Gehälter dieser geschützten Werkstätte offengelegt !!!!

TSMOE
01

Ihre Frage liegt die unzulässige Annahme zugrunde, dass man als ORF-Programmentwickler überhaupt etwas gelernt haben muss. Dem ist aber - offensichtlich - nicht so.

New Hampshire
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Dodo Roscic.....

....dieser Name verursacht bei mir seit jeher Schüttelfrost.

Brrrrrr - Dodo Roscic - es fröstelt mich schon wieder bei dem Gedanken unbeabsichtigt auf die Dame und ihre Machwerke zu stoßen, wenn ich arglos vor dem Fernsehkastl sitze und an nichts böses denke.

Fronius von Feynbein
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Frau Magistra Dodo R., soviel Zeit muss sein :)

http://derneue.orf.at/orfstars/... oscic.html

mr. kawumman
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"um an der Uni Wien vergleichende Literaturwissenschaften und Germanistik zu studieren."

Manche Fachrichtungen gehören sankiotniert, sprich vergebührt damit nicht alle dorthinrennen - da kommen nur Politiker (beihaltet automatisch den Zusatz schlecht) und (schlechte) Journalisten

Medizinstudien und anderes nützliches aber nicht

standardised
 
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Vera Russwurm hat Medizin studiert ...

Handsome Bob
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Wegen Quote

Anstatt RTL oder ATV zu kopieren sollte sich der ORF überlegen ob er es im ewigen Kampf um die Quote nicht RAI gleich tun sollte.

Wies einmal ein Italiener formulierte:"Früher war RAI scheiße, und keiner hats geschaut. Dann haben sie lauter geile Frauen reingepackt, jetzt schauts jeder."

Wirklich sexistisch ist das Argument ja auch nicht - Man erhöht dadurch die Frauenquote. Viele Frauen sagen selbst, dass sie lieber wen attraktiven, als wen schirchen sehen möchten.

double standard
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existente formate mit eigengeruch zu parfümieren ist sich dem hegemann guttenberg weltbild unterwerfen. sich dann auch noch als entwicklerIn zu verstehen ist der i-punkt im wort dreist

pole sana ("|")
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ich versteh glaub ich etwas diametral anderes unter authentizität als die fr groiss

Fronius von Feynbein
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Ohne ORF gehts auch!

ich bedaure alle die für diesen (geplanten) Schrott vom ORF gebühren zahlen müssen.
Als Alternative zur ORF Satelitenkarte gibts auch noch History/Discovery Channel, National Geographic über Pay-TV und gratis: Bayern-Alpha,Phönix,ARTE & 3sat.

Der Österreicher
71

Es soll jetzt nicht überheblich rüberkommen.

Aber diese ganzen Dokus veranschaulichen mir persönlich sehr schön, warum ich kein Single bin, keine Schulden habe und auch im Job etwas zusammenbringe. ;-)

politflüchtling
01

ich find dich geil, super & überdrüber! Ich will ein Kind von Dir!

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