Vertriebene im eigenen Land

Georgiens mehr als 250.000 Binnenflüchtlinge fallen Regierung zunehmend zur Last

Verena Diethelm, 7. März 2011, 17:22

Tiflis/Moskau - Potskho-Etseri ist nicht gerade eine Metropole: Es gibt nur ein paar Baracken, die zur Sowjetzeiten als Unterkünfte für die Bauarbeiter des Enguri-Staudamms dienten. Die nächste Bäckerei ist fünf Kilometer entfernt. Die meisten der rund 500 Einwohner der georgischen Barackensiedlung, rund 300 Kilometer von Tiflis entfernt, leben hier nicht ganz freiwillig. Sie sind nun schon zum zweiten Mal entwurzelt worden.

Im August 2010 beschloss die georgische Regierung, dutzende Flüchtlingsunterkünfte in Tiflis räumen zu lassen. Die Besitzer der Gebäude, die eigentlich nur als Übergangslösung gedacht waren, forderten ihr Eigentum zurück. Bis Jänner 2011 wurden deshalb rund 1200 Familien delogiert.

Etwa zwei Drittel von ihnen haben ihr Zuhause bereits vor fast 20 Jahren während des ersten Unabhängigkeitkrieges der abtrünnigen Kaukasusrepublik Abchasien verloren. Weitere Binnenflüchtlinge folgten nach dem russisch-georgischen Krieg im August 2008. Nach Schätzungen der NGO Transparency International leben in Georgien derzeit 251.000 Binnenflüchtlinge.

"Das größte Problem ist, dass die Flüchtlinge in Regionen geschickt werden, in denen es nichts gibt: keine medizinische Versorgung, Schulen, Kindergärten, keine Arbeit. Es ist nicht möglich, dort zu leben", sagt Tamar Tschugoschwili, Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation Vereinigung Junger Anwälte Georgiens.

Sie und andere Organisationen beklagen, dass die Zwangsräumungen chaotisch verlaufen und die Gesetze nicht immer eingehalten werden. "Binnenflüchtlinge dürfen nur umgesiedelt werden, wenn sich ihre Lebensumstände dadurch nicht verschlechtern", sagt Eka Gigauri, Direktorin von Transparency International. Bei der Umsiedlung nach Potskho-Etseri und in andere abgelegene Dörfer ist dies nach Ansicht der Menschenrechtler nicht der Fall.

Die Chancen auf eine Rückkehr der Flüchtlinge in ihre eigenen Häuser schätzt Tschugoschwili als gering ein. Wie sehr die Positionen im Konflikt um Abchasien und Südossetien noch auseinanderliegen, zeigte eine Diskussion im Moskauer Carnegiezentrum. Während nach Einschätzung von Samuel Charap vom US-Thinktank American Progress eine Annäherung in kleinen Schritten möglich sei, waren die russischen Teilnehmer weit pessimistischer. Als größte Hürde wird das schwierige Verhältnis zwischen dem russischen Premier Wladimir Putin und dem georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili angesehen. (Verena Diethelm, STANDARD-Printausgabe, 08.03.2011)

i bin's, da gerhard berger!
00
10.3.2011, 01:47

machen wir doch genauso

Jo eh...
50

Man sollte Russland dafür zu 100% zahlen lassen, denn dort sitzen die Verursacher dieses Verbrechen.

Adolf Ogi
21
Delogierung

wenn man in Österreich vom Besitzer eines Hause rausgeklagt und anschließend delogiert wird, fragt niemand wo man dann hingehen soll. Nicht einmal einen Platz in einer Barackensiedlung bekommt man angeboten.

Joseph EU
20
Oh die russische Okkupation....

dieser Gebiete ist sozusagen keine ethnische Säuberung und Vertreibung, sondern eine Wiederherstellung der alten Besitzrechte....ich wünsch mir das auch für die Schweiz, bzw. natürlich nur für sie, und da ist es mir eigentlich egal wer sie aus ihrem angestammten Umfeld in ein Barackenlager treibt, einfach weil er der Stärkere ist...ogi, ogi o.....

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