Substitutionstherapie

"Drogensucht ist wie Diabetes 1"

7. März 2011, 16:03
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    foto: apa/georg hochmuth

    "Wenn Drogenkranke unter Substitutionstherapie zusätzlich andere Drogen konsumieren, bedroht man sie oft mit dem Rausschmiss aus der Substitutionstherapie. Aber wenn ein Diabetiker Probleme mit seiner Blutzuckereinstellung hat, dann ändert man etwas an der Verschreibung von Insulin", so Robert Newman.

Robert Newman: "Nichts kann schlimmer sein, als jemanden aus der Therapie rauszuwerfen"

Graz - Obwohl seit Jahrzehnten erprobt und wirksam, ist die Substitutionstherapie bei Opiatabhängigkeit immer wieder umstritten.

Völlig zu Unrecht, meint Robert Newman, unter anderem Professor für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften am Albert Einstein College of Medicine in New York. "Drogensucht ist wie Diabetes. Die Hauptsache ist, die Abhängigen kommen in eine Behandlung und bleiben auch dort", meinte der Experte im Rahmen eines Fachseminars zur Therapie von Drogenabhängigen am vergangenen Wochenende im steirischen Grundlsee.

Mischkonsum am gefährlichsten

In Österreich gibt es laut Schätzungen zwischen 25.000 und 37.000 Menschen mit problematischem Suchtgiftkonsum. Am gefährdetsten sind Menschen, die sich Opiate injizieren und Mischkonsum verschiedenster Substanzen betreiben.

2009 waren bereits rund 13.500 Opiatabhängige in Substitutionstherapie. Sie bekamen vom Arzt Substanzen die Methadon, Buprenorphin oder retardierte Morphine verschrieben. Das stabilisiert die Patienten, bringt sie weg vom Drogen-Schwarzmarkt. In Wien dürften bereits an die 70 Prozent der infrage kommenden Personen in Therapie sein, für Österreich ist liegt dieser Anteil aber offenbar darunter.

Robert Newman, der schon in den 1970er-Jahren in New York ein Drogensubstitutionsprogramm aufbaute, in dem mehr als 33.000 Patienten registriert waren: "In Europa sind schon eine Million Suchtkranke in Substitutionsbehandlung. Doch noch immer ist die 'Methadon-Behandlung' oder Substitution mit anderen Substanzen sehr stark stigmatisiert. Das ist falsch."

Drohungen

Oft würden Abhängige unter Drohungen gesetzt. Der Arzt, ehemals Chef einer Krankenhauskette mit 2,2 Mrd. US-Dollar Umsatz in New York: "Wenn zum Beispiel Drogenkranke unter Substitutionstherapie noch zusätzlich andere Drogen konsumieren, bedroht man sie oft mit dem Rausschmiss aus der Substitutionstherapie. Aber wenn ein Diabetiker Probleme mit seiner Blutzuckereinstellung hat, dann ändert man eben etwas an der Verschreibung von Insulin. Die tatsächliche Gefahr ist, dass den Drogenkranken die Behandlung einfach 'abgedreht' werden soll. Nichts kann eigentlich schlimmer sein, als jemanden aus der Therapie rauszuwerfen."

Möglichst viele verschiedene Opiat-Substitutionsmittel

Für Newman ist die Therapie von Drogenabhängigen die einzige Möglichkeit, diese chronische Erkrankung in den Griff zu bekommen. "Es ist immer nur die Frage, was die Alternative zu einer Behandlung ist. Und die ist immer die schlimmere. Wir brauchen möglichst viele verschiedene Opiat-Substitutionsmittel. Wir sind ja auch froh, dass wir für verschiedene Patienten unterschiedliche Mittel zur Behandlung des Diabetes haben. Die Entscheidung für die eine oder die andere Therapie muss der Arzt gemeinsam mit dem Patienten treffen. Man kann in der Drogenersatzbehandlung auch nicht von oben herab bestimmte Medikamente einfach vorschreiben."

85 Prozent in den USA ohne Therapie

Obwohl zum Beispiel in New York schon in den 1970er-Jahren mit einem "Methadon-Programm" begonnen wurde, ist dieses Therapiefeld für Abhängige in den USA noch sehr lückenhaft. Newman: "Wir haben da in den USA nicht genügend Fortschritte gemacht. Nach wie vor sind in den Vereinigten Staaten nur 15 Prozent dieser Schwerkranken in Behandlung. 85 Prozent bekommen keine Therapie. Das ist nicht zu rechtfertigen."

Die Aus- und Fortbildung von niedergelassenen Ärzten in Belangen der Opiat-Substitutionstherapie in Österreich ist von großer Bedeutung, da sie einen Großteil der Patienten betreuen. Doch dieses Netzwerk ist in den vergangenen Jahren offenbar in zahlreichen Regionen - zum Beispiel in Niederösterreich und in Oberösterreich - löchrig geworden.

Viele Beruhigungsmittel

Gabriele Fischer, Chefin der Drogenambulanz an der Universitätsklinik für Psychiatrie der MedUni Wien (AKH), verwies auf Charakteristika für die Situation in Österreich: "Noch immer werden vielen Patienten zusätzlich viel an Beruhigungsmitteln verschrieben. Das sollte nicht sein. Da kann es dann durch den Mischkonsum zu Todesfällen kommen."

In Österreich sind rund 70 Prozent der Opiatabhängigen in der Substitutionsbehandlung mit retardierten Morphinen. Auch das sei international ein Spezifikum, sagte die Expertin. Daneben gibt es vor allem Buprenorphin und das Uralt-Substitutionsmittel Methadon.

Letzteres wird jedoch von manchen Patienten nicht gut vertragen. Fischer: "Wir bekommen jetzt in Österreich ein 'purifiziertes' Methadon (Polamidon, Anm.). In Deutschland gibt es das schon länger. Das hat weniger Nebenwirkungen." Herkömmliches Methadon kann zu Herzrhythmusstörungen führen, das neue Medikament soll dieses Risiko nicht aufweisen. Fischer: "Das ist besonders wichtig für die zunehmende Zahl der Opiatabhängigen im höheren Alter." Auch das beweist den hohen Wert dieser Behandlung: Die Betroffenen überleben Jahrzehnte mit ihrer chronischen Erkrankung.

Zunehmende Zahl der Opiatabhängigen im höheren Alter

Bei dem Seminar verwies der Grazer Strafrechtler Richard Soyer in seinem Vortrag auch auf die Problematik der Abhängigkeit im Strafvollzug. Von rund 8.500 Gefängnisinsassen in Österreich seien 30 bis 60 Prozent drogenabhängig. Mit Stichtag 1. Oktober 2009 hätten sich 811 Häftlinge oder 9,6 Prozent in Substitutionsbehandlung befunden.

Die Kosten sind gering. 2007 - so der Experte - gab es pro Inhaftierten und Jahr Kosten von rund 32.500 Euro (2010: rund 37.000 Euro). Im Durchschnitt betrugen die Aufwendungen für die Substitutionstherapie während der Haft im Jahr 2007 im Durchschnitt 1.950 Euro für ein Jahr. (red/APA)

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19 Postings
Schemieschenie
120
ahh

ahh Drogenabhängigkeit ist also eine "Krankheit" und der arme Junkie kann natürlich gar nichts dafür, er hatte ja nie eine Chance !

Wirklich toll das man hier Zuckerkranke und Drogenabhängige auf die gleiche Ebene stellt !

Drecksartikel !

Wortjongleur
10
11.5.2011, 08:41
Jetzt mal ehrlich..

Jede Situation im Leben hat ein gewisses Lernpotential, das einfach notwendig für den Rest des Lebend ist. Manche Menschen "müssen" dann auch mal durch diese Hölle gehen, um dann etwas daraus zu machen, das weiterhilft.
Jeder einzelne Mensch muss sozusagen das Beste aus seiner Situation machen - soweit die Theorie als Außenstehender.

In der Praxis sieht es aber dann so aus, dass der/die Betroffene gar nicht sehen kann, welches Potential in dieser Situation steckt.

Die Frage wäre dann "einfach": Was brauchen diese Menschen, damit sie in und mit dieser verkorksten Gesellschaft zurechtkommen? Diese Menschen wollen uns ja auch etwas mitteilen. Wir haben aber bislang nicht gelernt ihre Sprache zu verstehen...

Schemieschenie
01
11.5.2011, 09:22
ahh

die gesellschaft ist verkorkst und diese Menschen wollen uns was mitteilen, aber wir verstehen sie nicht !

ist es nicht eher so, dass sich diese Leute ihr Leben versauen, dass aber nicht nur auf ihre Kosten sondern auf Kosten der Allgemeinheit machen - Zusammenfassend unterstützt die Gesellschaft also jemand der durch seine eigene Entscheidungen in die Scheiße geraten ist, gibt ihm eine Chance zum Neubeginn, die die wenigsten ergreifen, unterstützt diesen weiter, obwohl dieser selbst jedoch nie einen produktiven Beitrag zur Gesellschaft geleistet hat weiter und am Ende ist dann die Gesellschaft verkorkst ! ?

Ich glaub sie leben auch auf ihrere rosa Zuckerwattewolke und jeden tage regnet es warmes Erdbeereis vom Himmel !

Wortjongleur
10
11.5.2011, 09:32
Naja...

...wir brauchen nur einmal die Welt mit anderen Augen zu betrachten. Manches mal kommt man schon an dem Punkt an, an dem man sich fragt, warum es eigentlich solche Problemfälle gibt. Hier, in unserer Höchstleistungsgesellschaft hat man oftmals keine andere Chance zwischendurch abzuschalten und in gewisser Weise Mensch zu sein. Gut, wir hören und lesen immer wieder von Härtefällen in den Sozialen Randbezirken, aber diese Zustände reichen nun mal von der Klofrau bis zum Vorstandsvorsitzenden eines Großkonzerns.

Wer hier dann krank, oder gesund ist, das ist die Frage. Wir sind doch alle von irgendwelchen Süchten geplagt. Diese Menschen sind eben Drogenabhängig.

Schemieschenie
00
11.5.2011, 12:18
blödsinn,

man ist seines eigenen Schicksals Schmied - und mit einer Rhetorik aller "ach der is so arm, der leidet an einer Krankheit, ....", wird niemanden weitergeholfen, denn dadurch stellen sie den Verantwortlichen als Opfer da und er kann sich aus der Veranwortung stehlen - in Wirklichkeit ist derjeniges zu einem Großteil selbst Schuld an seinem Schicksal, und dass muß man ihm klar machen, aber daraus folgt ja konsequenterweise auch das ER in der Lage das zu ändern, natürlich braucht er Hilfe und die muß man ihm zur Verfügung stellen, 90 % der Arbeit muss jedoch von ihm geleistet werden und wenn er das nicht macht, kann er noch so viel Unterstützung bekommen, dann wird er nie einen erfolgreichen Ausstieg schaffen !

Wortjongleur
00
11.5.2011, 12:39
Selbst...

...ein Opfer kann sich nicht aus seiner Verantwortung stehlen. Das geht einfach nicht. Ich will es mal wirklich auf den Punkt bringen - ohne Samthandschuhe und Wattebällchen.

Jeder Mensch, aber auch ausnahmslos Jeder ist zu 100% für sein eigenes Leben verantwortlich. Es kann kein Mensch Andere zur Verantwortung ziehen, wenn im eigenen Leben etwas passiert. Völlig egal, ob positiv, oder negativ.

Das soll jetzt aber nicht heißen, dass Menschen geholfen werden soll wieder auf die eigenen Beine zu kommen. Fest steht, dass aber der Betroffene, wie der Vorredner schon schreibt, sein Bestes tun soll, damit das Ganze klappt.

In diesem Sinne: Gutes Gelingen.

Arbeitsviecherl
03
Es ist sehr einfach ....

...zu sagen der Süchtige hätte die Wahl gehabt keine Drogen zu nehmen, der Diabetiker hätte nicht so viele Süßigkeiten in sich reinstopfen sollen,
der Alkoholiker hätte sich keinen Whiskey kaufen müssen und der Spielsüchtige hätte ja auch Mau- Mau spielen können, etc.
Aber diese Leute sind eben mal in diese Sch****** hineingeraten, und nun geht es eigentlich nur um die Beseitigung des Problems.
Drogen- und Zuckerkranke werden hier also nicht auf eine Stufe gestellt, sondern es wird nur verdeutlicht dass es wichtig ist, solche Menschen entsprechend zu behandeln.

Kapitalismus Luege
00
Kalter Entzug fuer die Kennedys, Methadon fuer die Proles

ist das noch immer so?

manto bamminger
00
also ich halte davon nicht viel

substitol ist ein derart heftiger wirkstoff, opium ist nichts dagegen.
therapie ist gut, aber nicht von nutzen wenn der patient nicht selber den entschluss gefasst hat aufzuhöhren...lange rede kurzer sinn
die therapie hat noch keinen von drogen weggeholt der es nicht wollte
jemanden von drogen wegzuholen der nicht will geht tatsächlich über kalten entzug,...zumindest begrenzt
aber diese ganze drogenpolitik,probleme gefasel langweilt mich ist alles hausgemacht, es gibt leute die wissen wie was geht entweder man lässt sie machen oder man hält den mund.

NUAZO
10

wenns dich langweilt dann lies es nicht.

Dr. 2Much
00

wenns dich nicht interessiert dann kommentier es nicht.

benha45
01

sucht kann man besiegen. diabetes I nicht. seh da schon unterschiede, aber ich bin auch kein psychiater und gegen Substitutionstherapien hab ich sowieso nichts.

geheimer blogger
 
00
naja

Die Kosten sind gering. 2007 - so der Experte - gab es pro Inhaftierten und Jahr Kosten von rund 32.500 Euro

1 jahresgehalt 2010 - echt billig

NUAZO
12

du kannst ja nicht mal sinn erfassend lesen. die 32.500 kostet der häftling insgesamt. die kosten für substis betragen 1.950 im jahr.

Schemieschenie
10
is

auch nicht wirklich verständlich geschrieben, der satzbau is nämlich zum speiben ! Ich würd hier nicht dem Leser sondern dem Autor die Schuld zuschreiben !

Shylock
03
Danke für den Vergleich von Stoffwechselkranken mit Suchtkranken...

"Die tatsächliche Gefahr ist, dass den Drogenkranken die Behandlung einfach 'abgedreht' werden soll. "

Nur, dass dies bei Typ1-Diabetikern relativ rasch letal endet.

Blöder Vergleich!

Dr. 2Much
01

ich habe auch z.B. nicht kapiert, wo der Typ-1-Diabetiker eine Wahl gehabt hätte, die der (spätere) Drogenkranke sehr wohl hatte

Wortjongleur
00
11.5.2011, 09:36
Ich sag mal so...

...wir haben immer die Wahl, nur - und das ist "normal" und menschlich - vergessen, und/oder verdrängen wir, wo und wann wir diese Wahl getroffen haben.

Das Ganze, das wir dann Wahrnehmen und erleben nennen wir dann "Schicksal"

U-Bahn Steuer
10

ein psychiater ist halt kein internist, und schon gar kein diabetologe

eigentlich erschütternd, so eine aussage von einem arzt, egal welcher geschmacksrichtung, zu hören

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