Lehrer wollen eine Stunde weniger unterrichten

7. März 2011, 14:13

BHS-Lehrergewerkschafter Rainer: Wochenarbeitszeit soll "ausgeglichen" werden - Heinisch-Hosek: "Kommt nicht in Frage"

"Wir wollen eine Verringerung der Arbeitszeit um eine Stunde in der Klasse, damit die Gesamtwochenarbeitszeit wieder gleich ist", fordert Jürgen Rainer, Gewerkschaftsvertreter der Lehrer an den Berufsbildenden Höheren Schulen im Ö1-Mittagsjournal. Denn: Früher konnte man davon ausgehen, dass eine Unterrichtsstunde auch eine Stunde Vor- und Nachbereitung nach sich zieht, jetzt sei dieses Verhältnis auf 1 zu 1,2 gestiegen. Deshalb soll ein Ausgleich geschaffen werden.

Heinisch-Hosek erteilt Abfuhr

Auf die Frage, ob er es für realistisch hält, dass Unterrichtsministerin Claudia Schmied auf seine Forderung eingeht, sagt Rainer: "Das ist Verhandlungssache. Wenn die Bundesregierung meint, hier eine Kostenneutralität als Ausgangssituation vorzuschreiben, dann ist es legitim, dass wir die Veränderung der Belastung der Arbeitszeit ebenfalls auf den Tisch legen und das zum Gegenstand der Verhandlungen machen."

Angesichts anstehender Verhandlungen wollte Schmied diesen Vorstoß bis dato nicht kommentieren. Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek: "Das halte ich in Zeiten wie diesen für etwas provokant." Das sei keine Vorbildwirkung für andere Gruppen im öffentlichen Dienst, und "kommt überhaupt nicht in Frage für mich", so Heinisch-Hosek. 

Grüne: "Absolut kein Verständnis"

Ablehnend hat sich auch die Opposition geäußert: Er habe "absolut kein Verständnis" für diese Forderung, lautet der Kommentar von Grünen-Bildungssprecher Harald Walser. Die Gewerkschaft argumentiere an den wahren Problemen vorbei, nötig sei nämlich eine Verbesserung der Rahmenbedingungen durch Teamteaching, Unterstützungspersonal oder ganztägige Schulformen. "Undifferenziertes Lehrer-Bashing" wie von Heinisch-Hosek sei aber auch die falsche Antwort.

Das BZÖ ortet überhaupt einen "halblustigen Faschingsscherz": "Da kann man nur gespannt sein, mit welchem Vorschlag die schwarzen Arbeitsverweigerer als nächstes aufhorchen lassen, vielleicht mit dem Wunsch nach einer eigenen Unterrichtszulage", so BZÖ-Obmann Josef Bucher. Er forderte stattdessen, dass Lehrer von der Früh bis zum Nachmittag an der Schule sein müssen, dafür bräuchten sie aber auch geeignete Arbeitsplätze. "Daher mehr Arbeit und Einsatz, aber dafür auch höhere Einstiegsgehälter für Lehrer", betont Bucher. (red, apa/derStandard.at, 7. März 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 710
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Barney S.
04
11.3.2011, 20:30
Freie Berufswahl

Ich bin seit kurzer Zeit Lehrer und wollte zu dieser geistreichen Diskussion nur sagen: In Österreich herrscht freie Berufswahl und alle die ja anscheinend so unglaublich viel vom Unterrichten verstehen sollen sich einfach bewerben und können alle diese vermeintlichen Vorteile nutzen und sich auch auf die "faule Haut" legen.... Jeder der meint wir Lehrer habens ja eh so fein braucht nur eine Bewerbung ausfüllen....

Dr_Olaf
 
01
12.3.2011, 12:42
Sie vergessen…

neben der Bewerbung sind auch ein (mindestens) 5- Jähriges Universitätsstudium in 3 Fächern incl. ca 80- seitiger wissenschaftlicher Abschlussarbeit sowie ein 1-jähriges Unterrichtspraktikum zu absolvieren.
Aber dann kanns ja gleich losgehen mit "la dolce vita"! - Also ihr Neider - auf, auf, die Inskriptionsfrist läuft bald aus, schnell noch einen Studienplatz erhaschen, und sooo schwierig kann das Studium ja nicht sein, schließlich kann "eh jeder" unterichten. Viel Erfolg!

m rams
02
12.3.2011, 14:10
Ach, das ist gar nicht notwendig.

Sofern man mit ein paar Jahren Berufserfahrung und Meisterbrief/Matura/Studium oder so aufwarten kann, reicht das völlig. Der Lehrberuf ist wirklich nur unqualifizierten Arbeitslosen und Bildungsverweigerern verschlossen.

Maresa
23
12.3.2011, 08:49

...Die Bevölkerung glaubt viel über den Beruf des Lehrers zu wissen - jeder besuchte eine Schule, jeder kennt Lehrer und auch ihre Arbeitsweisen, somit kann jeder zur aktuellen Lehrerdiskussion beitragen. Was jedoch nur wenige wissen:
- Lehrer bekommen die beiden Ferienmonate nicht bezahlt, sie erhalten 10 Monatsgehälter aufgeteilt auf 12 Monatsgehälter
- Das Lehrergehalt mit einem Gehalt eines Angestellten ohne Hochschulabschluss zu vergleichen macht keinen Sinn - der Abschluss einer Hochschule muss gerechtfertigterweise besser vergütet werden
- Die Anwesenheitszeit in der Klasse ist doch nicht alles, es muss und wird ständig neu vorbereit, Korrekturzeiten fallen an...40 Stunden sind da schnell erreicht,Arbeitszeiten am WE sind die Regel

Halber Brathahn
12
10.3.2011, 11:42

und wieder einmal: ich gehe jetzt und erkläre meinem hausarzt seinen job. ich bin da nämlich experte, weil ich schon ein paar mal bei ihm in behandlung war. der faule hund tut NIX den ganzen tag. außerdem behandelt er seit 125 jahren die leute mit den gleichen heilmitteln. der hat z.b. ein großes einmachglas mit blutegeln und wenn ich nervenfieber habe, dann lässt er mich zur ader. wenn ich eine schusswunde habe, dann brennt er sie mir aus, nachdem er mich mit rum betäubt hat.

TOM WESTEND
00

wenn man sich die Beiträge so durchliest schimpfen wohl alle Krone-Leser auf die blöden Krone-Leser ;) Und alle Krone-Leser sind anscheinend auch Standard-Leser. Ulkig irgendwie, denn das gibts ja gar nicht ;-)

Martin Blechbichl
 
75
Von wegen vorbereitungszeit

Wann hört dieser humbug endlich auf? Nach spätestens dem 3. jahr möchte ich sehen, was für eine vorbereitungszeit real noch nötig ist. Beim vergleich des lehrstoffes von vor 30 jahren mit dem jetzt präsentierten sind die neuerungen minimal.
Wann wird endlich eine lehrerberwertung mit der konsequenz, unfähige zu entfernene, eingeführt?

F.A.H.
30
13.3.2011, 10:08
....

Im Bezug auf die sogenannten 'Vorbereitungszeiten' gebe ich Ihnen vollkommen recht.

Verstehe eigentlich nicht, warum Ihre Argumentation auf so viel Gegenwehr stoßt - ist ja ein richtiges Lehrer-Forum hier.

Sche
00
13.3.2011, 10:34
Welche Argumentation?

Vorbereitung besteht doch nicht nur darin, ein paar Arbeitsblätter zu erstellen und sich auf ein Blatt Papier zu schreiben, wie die Stunde ablaufen sollte.

Nur ein Beispiel: Unsere Schule hat eine Lernplattform, auf der die SchülerInnen die Möglichkeit haben, die Inhalte der verschiedenen Fächer zu Hause im Eigenstudium zu wiederholen und zu vertiefen. Da ich einige technische Fächer unterrichte, versuche ich möglichst viele Inhalte in Form von Animationen und Lernvideos zu erstellen.
Das fertige Ergebnis mag vielleicht nur einige Sekunden bis Minuten dauern, aber jeder, der nur ein wenig Ahnung von Flash und Screencasts hat, weiß, welcher Zeitaufwand dahintersteckt.

Wir leben nicht mehr in den 80ern, wird Zeit, das zu erkennen!

drwestbahn
00
10.3.2011, 15:24
Schon mal was von BMHS gehört?

Da gibt's Fächer wie Buchhaltung, Informatik, Programmieren, Medienkunde, Netzwerke, Telekommunikation, ...

Und da hat sich in den letzten 30 Jahren nichts verändert?

96%
01
10.3.2011, 10:45

bitte ein paar kriterien ihrer geforderten lehrerbewertung, ich wurde heute noch nicht genug gebasht.

vikto1313
02
Es würde mich brennend interessieren, welchen Beruf sie ausüben. Sie glauben wirklich, dass einmal vorbereitetes immer wieder verwendet werden kann. Sie stehen ja sowas von daneben.

Meine Freundin ist seit 15 Jahren Volksschullehrerin. Die Vorbereitungszeit liebt bei ca. 10 Stunden in der Woche.
Haben sie schon einmal von individueller Förderung der Schüler gehört? Tlw. sind für einen Tag vier verschiedene Vorbereitungen zu machen, damit alle abgedeckt sind.

Wenn sie im Gymnasium z.B.: Deutsch unterrichten und fünf verschieden Schulstufen haben, dann möchte ich sie sehen.

Im Endeffekt würde ich ihnen empfehlen einmal 1 Woche zu unterrichten. Damit sie sehen mit was sie es zu tun haben.

Unfähige Leute gibt es in allen Berufen. In absehbarer Zeit ist die Regierung aber froh, auch diese zu haben. Besser unfähige als gar keine. Traurig aber wahr.

marie berg
20
11.3.2011, 07:53
dass heisst

ihre freundin arbeitet 32 wochenstunden pro schulwoche. wie kommt sie dann bitte auf 1800 stunden pro jahr?

Hinter dem Berg
01
13.3.2011, 20:04
Vorbereitung

Mit der Vorbereitung allein ist die außerunterrichtliche Zeit ja auch noch nicht abgedeckt! Schon einmal etwas von Projekten gehört? Usw. usw......

La Balance
11
10.3.2011, 17:37

Ha, ha, ha! Nach einigen Jahren reduziert sich wohl die Vorbereitungszeit - weil vieles einfach nur modifiziert wird. Und jeder Pädagoge hat einen Materialfundus, ein Netzwerk wo getauscht oder zumindest Ideen getauscht werden. Mimi bleibt Mimi und 2+3 wird immer 5 bleiben. Und die ganzen Gschichtlen rund herum, herrlich, wenn ich dafür 10 bezahlte Stunden bekomme! 22 Stunden Vollzeit in der Schule, nach ihrer Rechnung 10 STunden REcherche/Vorbereitung und 8 Stunden zur Korrektur! Zeigen Sie mir bitte eine VS Lehrperson, die dieses Stundenausmaß wirklich für die Schule und die Kids investiert!

Ann Dido
00
ein Beispiel

Ich habe eben die Hausübung einer Klasse (ich unterrichte 10 Klassen) "korrigiert". Es handelte sich um eine Lesehausübung - ca. 10 Minuten x 20 SchülerInnen. Dazu musste ich die Audiodateien von der Lernplattform herunterladen (auf meinen Privat_PC, mit meinem privaten Internetzugang), anhören und einen kurzen Kommentar dazu verfassen. Ich habe um 17:00 Uhr begonnen, mir 2 Tassen Tee gemacht. Jetzt bin ich fertig damit. es ist 21:40.

Nun werde ich noch die BBC-Nachrichten aufnehmen, schwierige Vokabel und ca. 10 Fragen dazu aufschreiben, auf meinem privaten Drucker ausdrucken. Dazu werde ich eine knappe Stunde brauchen.

Gestern habe ich einen Film (privat DVD gekauft) zum Thema Ernährung angesehen und zwei Arbeitsblätter erstellt. (Dauer:

F.A.H.
11
13.3.2011, 10:13
....

Ein kleines Beispiel:

Ein kleine Volksschule im ländlichen Bereich der Oststeiermark.
Seit Jahren leidet die besagte Ortschaft unter der permanenten Abwanderung der Bevölkerung - daraus folgt, dass auch die Anzahl der Volksschüler im Ort im geringer wird.

Genau betrachtet so:
1. Klasse: 1 Schüler
2. Klasse: 1 Schüler
3. Klasse 3 Schüler
4. Klasse 8 Schüler

Also 13 Schüler. Der Lehrer ist zugleich auch der Direktor der Schule.

Nun meine Frage: Wer glaubt, dass in diesem Fall, der in Österreich sehr sehr oft zutrifft, dass der jeweilige Lehrer sein 40std pensum erfüllt?

Einfach nur lächerlich.

Hinter dem Berg
01
13.3.2011, 20:10
Kleine Klasse

Schon einmal in jahrgangsübergreifenden Klassen unterrichtet und gleichzeitig auch die bürokratische Arbeit an der Schule gemacht?
Warum nur werden immer wieder Postings geschrieben von Leuten, die vom Schulbetrieb keine Ahnung haben? Warum wissen immer so viele über Schule Bescheid, ohne jemals einen solchen Betrieb kennengelernt zu haben?

Sche
00
13.3.2011, 10:37
Lächerlich ist...

...zu glauben, dass ein/e VS-LehrerIn, die 4 Schulstufen in einer Klasse zu unterrichten hat, weniger Arbeit hätte, nur weil die Schülerzahl klein ist.
So etwas kann wirklich nur jemand annehmen, der nicht die geringste Ahnung hat.

marie berg
10
13.3.2011, 19:43
sie behaupten also

allen ernstes, dass ein vs lehrer mit 13 schülern seine ca. 45 stunden in der schulwoche arbeitet? ja, sowas kann wirklich nur jemand annehmen, der kein ahnung hat.

Sche
00
14.3.2011, 13:36
Ich behaupte, dass...

...die schlimmsten Kamele jene ohne Höcker sind.

asinus
01
13.3.2011, 23:44

Das ist ja wohl das Letzte, dass Sie, die bei jedem Posting ihre Ahnungslosigkeit beweist, das anderen vorwirft. Sie bleiben unverbesserlich....armselig.

marie berg
11
14.3.2011, 08:27
soso

sie behaupten also auch, dass ein vs lehrer, der 13 (!) kinder unterrichtet eine arbeitswoche von durchschnittlich 45 stunden unter dem schuljahr hat? und sie wundern sich, WARUM das image der "lehrer" hierzulande ein schlechtes ist?

post ing
00
Jeder kann!

jeder kann Lehrer werden! Sie also auch...
wenn's angeblich so toll ist, warum gibt's dann zu wenig Lehrer...

Halber Brathahn
01
14.3.2011, 21:03

oje, sie armutschgerl, haben sie noch immer keinen gatsch gefunden, in den sie hupfen können?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 710
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.