Techniker sitzen nicht mehr im stillen Kämmerlein - Wer zu den Besten der Besten gehören will, muss sich bei der Bewerbung ins Zeug legen
Techniker sitzen heute nicht mehr still im Kämmerlein und tragen karierte Flanellhemden oder T-Shirts mit Werbeaufdrucken. "Das Bild von Technikern in der Arbeitswelt wandelt sich stark, sie haben vermehrt Kundenkontakt, präsentieren Projekte bis in die Vorstandsebene und fungieren als Schnittstelle", weiß Daniela Haiden, Leiterin des Recruting-Bereichs im Career Center der TU Wien. Absolventen technischer Studien müssten sich daran gewöhnen, dass die Anforderungen an sie nicht nur sachlicher sondern immer mehr auch persönlicher Natur sind.
Mit Soft Skills punkten
Keine Frage, Techniker haben ausgezeichnete Arbeitsmarktchancen, es heißt, die Jobs werden ihnen nur so "nachgeworfen". Zuerst zählt nach wie vor die fachliche Qualifikation, bei anderen Details wird schon mal ein Auge zugedrückt. Aber wer betreffend der Soft Skills nicht ganz neben sich steht, kann mit Sicherheit punkten. "Wir setzen möglichst früh damit an, denn was man einmal gelernt hat, automatisiert man. Man stellt sich dann selbst kein Bein im Bewerbungsgespräch", so Haiden.
Das Career Center der TU Wien bietet neben Einzelberatungen auch Gruppentraining an. "In der Einzelberatung werden auch individuelle Themen besprochen, zum Beispiel wenn es jemandem an Selbstbewusstsein mangelt oder wenn jemand Angst vor speziellen Fragen hat." In der Gruppe stehen Herausforderungen wie Anschreiben, Assessment-Center, Gehaltsverhandlung und simulierte Bewerbungsgespräche inklusive Feedback am Programm.
Firmen sagen, was sie wollen
An der TU Graz ist das Karrierecenter noch relativ jung: Das Career Info-Service wurde 2009 eingerichtet, angeboten werden derzeit vor allem Beratungsmodule für Assessment-Center. Hervorzuheben ist die in Zusammenarbeit mit dem Studierendenverein AIESEC jährlich stattfindende BEST beWanted ("Best" steht für Board of European Students of Technology) Veranstaltung. "Dabei erfährt man aus erster Hand von Industrieunternehmen, wie Personalentscheider Bewerbungsunterlagen gestaltet haben wollen", erklärt Christoph Adametz vom Career Info-Service.
Kleider machen Leute
Zurück nach Wien: Studierende und Absolventen werden an der TU sogar hinsichtlich der richtigen Kleidung für das Bewerbungsgespräch beraten. "Im Studium ist nicht wirklich wichtig, was man anhat, einen Anzug tragen die Wenigsten. Das ist gerade bei Technikern ein Thema", so Haiden. Im Berufsleben gebe es aber eine breite Bandbreite von Karrieretypen, vom Job in einem Produktionsbetrieb bis zur Unternehmensberatung. "Für eine Stelle in der Produktion reicht ein Outfit, das semi-casual ist, also dunkle Jeans, Sakko und Hemd. In der Unternehmensberatung dagegen ist ein schwarzer Anzug mit Krawatte erforderlich", erklärt Haiden.
Unterschiedliche Karrieretypen
Grundsätzlich falle die Entscheidung, ob man nach dem Studium eine Spezialisten- oder Managementkarriere anstrebe, schon sehr früh. "Auf Managementebene ist es natürlich wichtig, dass man von Beginn an am Auftreten, an den Soft Skills arbeitet", so Haiden. In den vergangenen Jahren falle vor allem die zunehmende Nachfrage aus dem Bereich Unternehmensberatung auf. "Es werden dezidiert Techniker gesucht, weil diese ein logisch-analytisches Herangehen an Probleme haben und Lösungen gut ausarbeiten können." Gute Kommunikation und sicheres Auftreten würden in solchen Positionen auch von Technikern erwartet. Im Bereich der Spezialisten hingegen, dazu gehören etwa Konstrukteure, Produktentwickler oder IT-Programmierer, werde überwiegend auf die fachliche Qualifikation geachtet.
Bewerbung verständlich formulieren
Einige Bewerbungs-Regeln gilt es für alle Techniker zu beachten: Beim Schreiben des Lebenslaufes sollte man immer die Perspektive wechseln und sich fragen, ob die Inhalte auch von Laien verstanden werden. "Der Personalist ist in der Regel kein Technik-Spezialist, für ihn ist es vielleicht sogar schwierig, die Studienrichtung gut zuzuordnen", so Haiden. Absolventen sollten daher ihre Qualifikationen verständlich beschreiben.
Falsche Bescheidenheit ist fehl am Platz
Auch falsche Bescheidenheit liegt in der Natur von Technik-Absolventen. "Viele neigen dazu, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen und wichtige Punkte wie Auslandsaufenthalte oder Sprachkenntnisse gar nicht erst zu erwähnen. Auch, weil sie denken, dass solche Qualifikationen ohnehin üblich sind", weiß Haiden aus Erfahrung. Von falscher Bescheidenheit zeugt auch, wenn jemand angibt, Grundkenntnisse im Maschinenbau zu haben, obwohl er in diese Fachrichtung ein Masterstudium abgeschlossen hat. "Viele wollen nicht zu sehr auftrumpfen oder arrogant wirken", so Haiden.
Techniker sind stark fachlich orientiert, mit Fragen die die Persönlichkeit betreffen, können sie oft wenig anfangen. "Das fängt schon bei 08/15-Fragen wie jene nach Stärken, Schwächen, persönlichen Zielen oder verhaltensbasieren Fragen an", so Haiden. Bewerber würden dann schnell ins fachliche gehen und die persönliche Seite vergessen. Für Unternehmen sei aber wichtig zu eruieren, ob jemand ins Team passe und die gewünschte Persönlichkeit habe. (Maria Kapeller, derStandard.at, 23.3.2011)