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Seit einiger Zeit wird nun schon die Diskussion geführt, ob echte Revolutionen in Zukunft in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter stattfinden oder zumindest durch diese befördert werden. Bei aller Euphorie gibt es immer noch eine ganze Reihe kritischer Stimmen. Denn auch wenn man heutzutage selbst den Partner im Netz finden kann, scheinen die sonstigen Beziehungen doch eher lose. Wird die Macht des Netzes also überschätzt? Die letzten Wochen haben denjenigen, die diese These vertreten, merklich den Wind aus den Segeln genommen. Afrikanische Diktatoren und auch Lichtgestalten wie zu Guttenberg mussten nicht zuletzt wegen der geballten Macht des Netzes ihren Abschied nehmen. Aber was steckt eigentlich dahinter?
Gruppentrieb
Vielleicht macht es Sinn, einmal einen Blick zurück zu werfen. Das Internet gab es nicht immer, Proteste und Umstürze fanden aber trotzdem statt. Was revolutionäre Bewegungen regelmäßig brauchen, ist ein harter Kern an Menschen, der vorangeht. Letztlich geht es darum, dass dieser Nukleus, gewissermaßen die „kritische Masse" an Revolutionären sich zunächst einmal finden und versammeln kann. Bestenfalls geschieht dies in einem Bereich, der auch in einem feindlichen Regime frei ist von staatlicher Kontrolle. Das kann das private Umfeld sein, wo natürlich die Bindungen zwischen den Menschen am engsten sind und damit auch die Neigung, in Krisensituation füreinander einzustehen, steigt. Das können aber auch Hochschulen (Ungarn 1956 /China 1989), Gewerkschaften (Polen 1989) oder Gotteshäuser (DDR 1989/ Birma 2007) sein. Auch die Demonstrationen in Ägypten waren nicht zufällig freitags am besten besucht: Mit dem Gebet gab es eine Möglichkeit, sich zu versammeln, ohne dass die Staatsmacht dies verhindern konnte und die Proteste dann schon in einer großen Menschenmenge zu beginnen, als erst mit einer kleinen, relativ leicht angreifbaren Gruppe um Unterstützung der Anwohner zu bitten. Je größer die Gruppe, desto geringer ist der benötigte Mut des Einzelnen, sich anzuschließen.
Es gilt also: Am Anfang einer Bewegung gibt es die Möglichkeit, einen Nukleus zentral und über persönliche Bindungen zu organisieren. In diesem ist die Wahrscheinlichkeit von Ausfällen gering, die Geschwindigkeit des Anwachsens ist allerdings auch limitiert und eine Bewegung ist länger und leichter verletzlich. Mit den sozialen Netzwerken hingegen besteht die Möglichkeit, eine große Zahl von Menschen einzubeziehen. Zwar wird nicht jeder selbst gleich den Weg auf die Straße mitgehen, aber die Verbreitung der Information durch einen Klick ist mit geringen Transaktionskosten verbunden und sorgt schnell für eine größere Öffentlichkeit, ein Wir-Gefühl, eine Kommunikationsplattform und eine große Zahl von dezentralen Unterstützern und Beobachtern. Diese Struktur macht es sehr viel schwerer, sie zu zerschlagen.
Soziale Netzwerke sind kein Allheilmittel
Droht die Gefahr einer Zerschlagung nicht, wie etwa bei rechtsstaatlich abgesicherten und regionalen Bürgerbegehren, wo oftmals enge persönliche Bindungen zwischen den Engagierten bestehen und der Zeitfaktor nicht so entscheidend ist, werden Facebook und Co. auch zukünftig kaum eine Rolle spielen. Das hat die Revolte gegen die Hamburger Schulreform beispielhaft gezeigt. Dann aber, wenn es um regional verteilte Interessen, um Leib und Leben oder um Geschwindigkeit geht, was es ungleich schwieriger macht, ein Momentum zu generieren, erweitern die sozialen Netzwerke das Instrumentarium der Bewegungen enorm. Wir dürfen also gespannt sein. (derStandard.at, 6.3. 2011)
Autor
Christoph Giesa, The European, Unternehmensberater, 2010 erschien sein Sachbuch "Elite im Hamsterrad - Manifest für einen Neuanfang der kreativen Klasse"
ich find, das ganze wird zu sehr auf soziale netzwerke (v.a. facebook) reduziert. ich glaube zwar durchaus, daß das internet eine rolle gespielt hat, aber das internet in seiner gesamtheit (also als quelle, über die man sich über vieles informieren kann) und nicht bloß das duo facebook/twitter.
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