Attacken der Armee auf mehrere Städte - Rebellenrat erklärt sich zu Alleinvertreter
Kurzzusammenfassung der Ereignisse vom Sonntag: Mit einer massiven Offensive haben libysche Regierungstruppen
am Wochenende versucht, von Rebellen gehaltene Gebiete zurückzuerobern.
Dabei lieferten sie sich mit den Aufständischen in mehreren Städten
heftige Kämpfe, bei denen laut Augenzeugen zahlreiche Menschen ums Leben
kamen.
Die Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi griffen am Sonntag mit
Panzern, Artillerie und Kampfflugzeugen die Städte Al-Sawija und Misrata
im Westen des Landes an, ebenso die Ölhafenstadt Ras Lanuf im Osten, die
in der Nacht auf Samstag von den Rebellen erobert worden war. Über den
Verlauf gab es widersprüchliche Angaben. Ein Regierungssprecher sprach
von Erfolgen der Gaddafi-Armee, in Tripolis feierten Anhänger des
Herrschers. Einem Bewohner von Misrata zufolge gelang es den Rebellen,
den Angriff auf die Stadt zurückzuschlagen. Auch Ras Lanuf war am
Sonntag in Rebellenhand. (red, DERSTANDARD-Printausgabe, 07.03.2011)
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Wir haben auch am Sonntag wieder im derStandard.at-Live-Ticker berichtet. Die Nachlese zu den Ereignissen:
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22.00 Uhr: Wir beenden für heute unseren Live-Ticker.
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20.57 Uhr: Die beste Übersicht über den momentan Status der Kämpfe gibt es auf dieser Karte des britischen Guardian.
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20.36 Uhr: Die Kollegen von Al Jazeera haben soeben eine Botschaft des Nationalrats der Libyer erhalten und einen Scan dieses Faxes online gestellt. Wir verweisen deshalb auf ihren außerordentlich lesenswerten Live-Blog.
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20.31 Uhr: Der "Nationalrat" der libyschen Freiheitskämpfer soll unter dem Nick @LibyanTNC twittern. Eine offizielle Bestätigung gibt es nicht.
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20.07 Uhr: In Libyen tobt ein Bürgerkrieg, heißt es immer öfter. "Ganz falsch ist das nicht", schreibt Gudrun Harrer, die Nahost-Expertin und Leitende Redakteurin des STANDARD. Sie spricht bzw. schreibt sich dennoch für die technischer klingende Bezeichnung "nichtinternationaler bewaffneter Konflikt" aus. In ihrem Kommentar "Werte, Wunsch und Wirklichkeit" schreibt sie: "Die Kluft zwischen moralischem Wunsch und politischer Wirklichkeit klafft wieder einmal besonders schmerzlich. Dabei wäre es gerade jetzt so wichtig zu untermauern, dass Freiheit und Würde keine dem Westen vorbehaltenen Menschenrechte sind. Sonst könnte sich in Libyen und anderswo ein Vakuum für jene öffnen, die ihre eigenen 'Werte' anbieten."
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20.02 Uhr: In Ras Lanuf hat Michael Möseneder auch einen Arzt aus dem dortigen Krankenhaus interviewt. "Wir werden glücklich und frei sein", sagte er unserem Redakteur. Seinen Namen wollte er freilich nicht nennen.
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19.45 Uhr: STANDARD-Redakteur Michael Möseneder befindet sich in Libyen. Für die morgige Printausgabe hat er die Reportage "Gaddafi, Gaddafi - we kill Gaddafi" aus der Ölstadt Ras Lanuf geschrieben. Die Anti-Gaddafi-Rebellen haben die Stadt nach Kämpfen am Freitag und am Samstag gewonnen, ein strategisch wichtiger Erfolg.
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19.31 Uhr: In der US-Regierung mehren sich die
skeptischen Stimmen über die Einrichtung einer Flugverbotszone über
Libyen. Nach Verteidigungsminister Robert Gates äußerte sich am
Sonntag auch der neue Stabschef im Weißen Haus, Bill Daley, eher
zurückhaltend. "Eine Menge Leute reden über eine Flugverbotszone, als
wäre es (...) ein Videospiel oder so etwas", sagte Daley dem
US-Sender NBC. "Wer darüber auf diese Weise redet, hat keine Ahnung,
wovon er spricht."
Pentagon-Chef Gates hatte unlängst ebenfalls Erwartungen gedämpft
und auf die Komplexität einer solchen Operation hingewiesen. "Lasst
uns die Sache beim Namen nennen", sagte er vor einem
Kongressausschuss. "Eine Flugverbotszone beginnt mit einem Angriff
auf Libyen, um die Flugabwehr zu zerstören." Es gebe "eine Menge
loses Gerede über einige dieser militärischen Optionen", sagte er vor
allem mit Blick auf die Flugverbotszone.
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19.26 Uhr: Der Plan von Hugo Chávez hatte für Aufsehen gesorgt, eine internationale Friedensmission in Libyen einzusetzen. Nun äußerten sich die Rebellen dazu: "Wir sind bis jetzt nicht offiziell kontaktiert worden." Ob man diese Mission akzeptieren wolle, "hängt davon ab, was sie uns präsentieren werden. Wir handeln im Interesse der Menschen, deshalb können wir dem nicht vorgreifen (Anm: und vorschnell eine Entscheidung treffen)."
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19.00 Uhr: Ein kleines Team bestehend aus einem britischen Diplomaten Elitesoldaten der SAS versuchte in Bengasi, mit den Freiheitskämpfern zu verhandeln. "Sie haben das Land wieder verlassen", wie Großbritanniens Außenminister William Hague mitteilte. Es wäre zu Differenzen gekommen, hieß es. "Wir planen, nach Rücksprache mit der Opposition, ein neues Team nach Libyen zu schicken, um den Dialog zu stärken. Dieser diplomatischer Versuch ist neben unserer humanitären Unterstützung ein Teil unserer Arbeit in Libyen", sagte er in diesem Statement. Die Truppen sollen auf einem Schiff unterwegs nach Malta sein.
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18.54 Uhr: Ein Blick nach Ägypten, wo heute zwei Minister ausgewechselt wurden: In Kairo wurde heute vor dem Innenministerium demonstriert, Reformen wurden gefordert. Dort soll die Armee mit scharfer Munition in die Luft geschossen haben, erstmals seit dem Höhepunkt der Proteste waren auch wieder Polizisten in Zivilkleidung vor Ort, die Demonstranten mit Messern bedroht haben sollen.
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18.45 Uhr: "Alle Städte im Osten Libyens sind und bleiben frei", sagte ein Sprecher der Rebellen bei einer Pressekonferenz in Bengasi.
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18.28 Uhr: Dem "Nationalrat" der Rebellen zufolge ist neben Misrata auch Zawiya "befreit". Die Gaddafi-Truppen konnten besiegt werden, glaubt man den Angaben der Rebellen.
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17.59 Uhr: Der SPD-Europaparlamentarier Martin Schulz hat das Verhalten einzelner EU-Staaten in der Libyen-Krise scharf kritisiert. "Ich habe es satt, dass immer 'die EU' angegriffen wird. Der Skandal ist doch die ewige Taktiererei der Mitgliedstaaten", sagte Schulz Spiegel Online. Die Haltung des offiziellen Deutschlands kritisierte Schulz ebenfalls. "Unser Spiel ist auch nicht besser: Der deutsche Außenminister feiert die Revolution und die Bundeskanzlerin erklärt: Bitte keine Flüchtlinge. Glaubwürdig ist daran gar nichts", sagte der Fraktionschef der Europäischen Sozialisten.
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17.43 Uhr: Unbestätigten Berichten zufolge soll im Staatsfernsehen verkündet worden sein, zur Feier der Erfolge der Regierungstruppen bestimmte Zölle abzuschaffen - etwa auf Grundnahrungsmittel, die ja zu einem Gutteil eingeführt werden müssen.
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17.38 Uhr: Bei den Kämpfen um Misrata sind heute mindestens 18 Menschen getötet worden. Die Rebellen haben die Regierungstruppen dort allem Anschein nach zurückgeschlagen.
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17.19 Uhr: Die Kämpfe in Sirte, der Heimatstadt Gaddafis, gehen ebenso weiter wie in Bin Jawad.
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17.00 Uhr: "Die Revolutionäre haben 20 Soldaten festgenommen und einen Panzer in ihre Gewalt gebracht. Die Stadt ist nun völlig unter Kontrolle der Jugend", sagte ein Bewohner von Misrata.
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16.42 Uhr: In Zawiya gehen die Kämpfe freilich weiter. Internet, Strom und Telefon funktionieren weiterhin nicht.
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16.38 Uhr: Aus der ebenfalls umkämpften Stadt Misrata (210 Kilometer östlich von Tripolis) gibt es für die Rebellen gute Nachrichten: Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf Bewohner, dass die Rebellen die Gaddafi-Truppen zurückgeschlagen hätten.
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16.11 Uhr: In Zawiya, im Westen Libyens, sollen allein heute 70 Menschen getötet und 300 verletzt worden sein, heißt es. Das Zentrum soll ständig von Panzern beschossen werden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.
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16.06 Uhr: Der momentane Stand der Dinge in Libyen, zusammengefasst:
In Libyen haben sich
Aufständische und Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi erneut
heftige Kämpfe um die Kontrolle mehrerer Städte geliefert. In
Al-Zawiya schlugen die Rebellen offenbar eine Offensive
regierungstreuer Truppen zurück, auch die durch Luftangriffe
attackierte Stadt Ras Lanuf (Lanouf) war weiter in Hand der
Aufständischen. Gaddafi warnte in einem Interview den Westen vor
Chaos im Fall seines Sturzes.
In der libyschen Hauptstadt Tripolis war am Sonntag heftiges
Gewehrfeuer zu hören. Nach offiziellen Angaben feierten Hunderte von
Anhängern Gaddafis mit Freudenschüssen und Feuerwerken angebliche
Siege im Kampf gegen die Aufständischen. Nach Berichten des libyschen
Staatsfernsehens hatten regierungstreue Truppen gleich mehrere Städte
zurückerobert, darunter auch die zuletzt schwer umkämpfte Ortschaft
Al-Zawiya, knapp 50 Kilometer westlich von Tripolis. Auch Ras Lanuf,
Misrata und Tobruk seien wieder unter der Kontrolle der
Milizen von Gaddafi, hieß es. In Tripolis, Sirte und Sebha fänden
daher Freudenfeste statt, berichtete ein TV-Sender, der Gaddafis Sohn
Saif al-Islam nahesteht. Demnach rückten ihre Truppen nun auf die
Rebellen-Hochburg Bengasi vor.
Ein Augenzeuge in Misrata wies gegenüber dem arabischen TV-Sender
Al-Jazeera diese Behauptungen zurück. Auch für Ras Lanuf
widersprachen Rebellen und Journalisten dieser Darstellung. Sonntag
früh flog die libysche Luftwaffe mehrere Angriffe auf Ras Lanuf. Nach
Angaben der Aufständischen gab es keine Verletzte. Aufständische
rückten derweil weiter westwärts in Richtung von Gaddafis Heimatstadt
Sirte bis zu dem kleinen Ort Bin Jawad vor.
Alle Zeiten beziehen sich auf die Mitteleuropäische Zeitzone (MEZ). In Libyen ist es eine Stunde später als in Österreich.
Nicht alle Informationen in diesem Livebericht können aufgrund der
Lage in Libyen mit der gewohnten Gründlichkeit überprüft werden. Dies
gilt speziell für Informationen, die uns über Twitter, Facebook und
Augenzeugenberichten zugetragen wurden.
Links:
Live-Blog von Al Jazeera
Live-Blog des Guardian