ATIB-Vorsitzender sieht keinen Einfluss der türkischen Regierung

5. März 2011, 09:14

Bau von Moscheen mit Minaretten verbrieftes Recht - Offensive gegen Vorurteile in Planung - Fekter "kennt uns nicht genau"

Wien - Der Vorsitzende der türkisch-muslimischen Union ATIB, Seyfi Bozkus, sieht keinen Einfluss der türkischen Regierung auf seine Organisation. "Das ist nur eine Behauptung", wehrt er sich im Interview mit der APA gegen Aussagen, ATIB könnte etwa durch die türkische Regierungspartei gelenkt werden. Den Bau von Moscheen samt Minaretten verteidigt Bozkus als verbrieftes Recht. Der ATIB-Vorsitzende, der nun ein halbes Jahr im Amt ist, will mit einer Offensive Vorurteile in der Bevölkerung abbauen.

Wenn der türkische Staat massiv in Österreich Einfluss nehme, könnte das zum Problem werden, hatte Innenministerin Maria Fekter (V) im vergangenen Jahr befürchtet. Hintergrund: Im Zuge der bis Mai laufenden Wahlen in der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) wird davon ausgegangen, dass türkische Vereine dominierenden Einfluss in der Glaubensgemeinschaft bekommen könnten (und damit auch die türkische Regierung). "Wir haben nicht das Ziel, ein Dominanzverein zu sein", entgegnet Bozkus, der von einer "gegenstandslosen Behauptung" spricht. Er wünscht sich hingegen, dass die IGGiÖ eine starke Vertretung für alle Muslime wird.

Dass die türkische Regierung großen Einfluss auf seinen Verein haben könnte - so werden nach wie vor die Religionsbeauftragten aus der Türkei entsandt - ist für Bozkus eine grundlose Behauptung. "Wir sind seit 20 Jahren hier in Österreich. In dieser Zeit sind in der Türkei unterschiedliche Regierungen gekommen und gegangen, von rechter und von linker Seite." In dieser Zeit habe sich auch die Mission von ATIB nicht geändert: "Wir arbeiten immer offen und transparent."

Bozkus wünscht sich auch den direkten Kontakt mit Fekter, denn: "Ich glaube, die Frau Ministerin kennt uns nicht genau. Vielleicht haben wir uns auch nicht gut genug vorgestellt." Allgemein hat sich der ATIB-Chef zum Ziel gesetzt, vermehrt mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Medien zu reden, weswegen man derzeit eine eigene Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit aufbaue. Auch Informationsveranstaltungen sind in Planung. Bis jetzt konnte ein Kontakt zu den Behörden nicht nach Wunsch erreicht werden: "Es ist etwas kompliziert, vielleicht sind beide Seiten gegenseitig etwas distanziert. Manche Vorurteile spielen eine Rolle für diese Distanz, aber wir versuchen, diese Barriere zu überwinden."

Ein "großes Problem", mit dem ATIB seit Jahren zu kämpfen hat, ist Widerstand aus der Bevölkerung etwa beim Bau von Moscheen. "Wir versuchen immer wieder, die Ängste und Besorgnisse zu verstehen", so Bozkus. Aber obwohl man "ganz offen" arbeite, werde man immer wieder mit falschen Informationen und grundlosen Vorurteile konfrontiert. "Ich appelliere immer wieder an die Bürgerinitiativen: Kommen Sie zu unseren Vereinen, ohne Termin oder Voranmeldung. Dann können Sie sehen, dass unsere Menschen ganz gastfreundlich sind."

"Es gibt keinen Grund für die Furcht vor dem Bau von Moscheen und Minaretten", so Bozkus, der auch anmerkt: "Wir bauen unsere Moscheen nur für die Muslime, nicht für die Österreicher." Im ganzen Land gebe es lediglich vier Minarette. "Die Zahl ist vielleicht wenig, aber die Behauptung von der Zwangsislamisierung Österreichs ist ganz pauschal und grundlos." Bozkus verweist auf die staatliche Anerkennung der Muslime. "Es ist paradox, dass auf der einen Seite die Glaubensgemeinschaft akzeptiert wird und auf der anderen Seite der Moschee- und Minarettbau abgelehnt wird." Dass man sich an die Bauordnung halte, sei aber selbstverständlich.

In der Integrationsdebatte sieht Bozkus alle Beteiligten gefordert, was aber nicht bis zur Aufgabe der eigenen Identität führen solle. So sollten Muslime zwar die Gesetze des Landes beachten und ihren Nachbarn Respekt gegenüberbringen, "aber auch ihre eigene Kultur bewahren". Und weiter: "Damit erwarten wir auch von Österreich Respekt gegenüber unseren kulturellen und religiösen Eigenschaften. Wenn jemand sagt, der Islam ist als Religion ok., aber gegen das Kopftuch ist, dann ist das auch ein Widerspruch. Für eine muslimische Frau ist das Kopftuch ein wichtiger Bestandteil." (APA)

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Posting 1 bis 25 von 87
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Hinguckerl
01
Es stört mich so einiges

Herr Seyfi Bozkus beruft sich auf die in Österreich gesetzlich verankerte freie religionsausübung. abgesehen davon, dass wir ein säkulares land sind und die religiöse überzeugung privatsache ist, in die sich der staat nicht einzumischen hat, ist freie religionsausübung für alle gleiches recht. nur wenn innerhalb dieses rechts die mehrheit eine der minderheit diametral entgegengesetzte meinung vertritt, dann gilt die meinung der mehrheit. so ist das einmal in der demokratie. und deshalb muss die islamisch- ethnische minderheit der türkInnen den entscheid der anders-oder nichtgläubigen mehrheit anerkennen.

joesixpack
12
Verbriefte Rechte

kann man auch überprüfen und ggfls. widerrufen. Etwa auf Basis des Reziprozitätsprinzips, das in der Zeit der Monarchie, also zum Zeitpunkt der staatlichen Anerkennung des hanefitischen Ritus, noch volle Geltung hatte: >>Auch müssen die Fremden, um gleiches Recht mit den Eingebornen zu genießen, in zweifelhaften Fällen beweisen, daß der Staat, dem sie angehören, die hierländigen Staatsbürger in Rücksicht des Rechtes, wovon die Frage ist, ebenfalls wie die seinigen behandle.<< (§ 33 ABGB in der Urfassung)

W123
23
Stimmungszmschwung im Standardforum?

Wenn ich mir die Posts hier so durchlese, zieht sich ein rechter Grundtenor durch die getätigten Aussagen. Ich begrüßte das natürlich.
Noch vor kurzem hatte hier die grünen politisch korrekten Realitätsverweigerer die Oberhand.
Findet in Ö ein weiterer Rechtsruck statt?

joesixpack
03
Nein, aber die Realität wird immer offenbarer

wie eben etwa in diesem Artikel, der - danke, lieber Standard - an Klarheit der Aussage nichts zu wünschen übrig lässt.

Hinguckerl
12
auch wenn sie den angeblichen rechtsruck begrüßen

er findet zumindest in diesem forum zum glück nur vereinzelt statt. es überwiegt die rationale einsicht, dass österreichs regierung nicht gut beraten ist, einem rechtsnationalen verein wie ATIB weiter zu folgen. Dieser verein verfolgt wie Erdogan in Deutschland oder unser botschafter eine weitere spaltung unserer bevölkerung, indem er die ethnizität der zugewanderten türkenInnen anhand der relgion festmacht. und das gerede vom "religiösen" kopftuch sollte man ihm nicht mehr abnehmen. das türkische kopftuch ist das symbol für eine ethnische zugehörigkeit, die trägerInnen desselben sind nicht in der österreichischen gesellschaft angekommen. spricht man sie darauf an, dann reagieren sie teilweise empört, weil sie das kopftuch als zeichen ihres

Hinguckerl
10
fortsetzung 07.03.2011 09:09

das türkische kopftuch ist das symbol für eine ethnische zugehörigkeit, die trägerInnen desselben sind nicht in der österreichischen gesellschaft angekommen. spricht man sie darauf an, dann reagieren sie grossteils empört, weil sie das kopftuch angeblich als zeichen ihres glaubens tragen. eines glaubens, der sie als menschen zweiter wahl diskriminiert. da fällt die wahl schwer, welche kopftuchbegründung besser ist: die nationale oder die religiöse?

W123
00

Ich teile im wesentlichen ihre Ausführungen. Nur verstehe ich nicht, warum sie
einerseits den Rechtsruck "zum Glück" nur vereinzelt sehen, auf der anderen Seite aber argumentieren wie ein FPÖ-Politiker.

Ich finde das ja gut und richtig, nur sollte man wissen, in welche politische Richtung die eigenen Aussagen gehen.

Die rationale Einsicht und das Anerkennen von Realitäten wird an ehesten durch die "böse" FPÖ verkörpert.
Das leugenen bzw. Schönreden von problematischen bis gefährlichen Entwicklungen wird hingegen meistens von den politisch Linksstehenden betrieben.

Eagleman
 
00
27.4.2011, 22:27
Auch die FPÖ (in der Regierung) wird sich den Zahn beim Thema Kopftuch ausbeissen und Zahnlos bleiben!

Grund ist, dass die FPÖ gegen eine der größten Religionen der Menschheit keine Chance hat, und schon gar nicht eine FPÖ als Partei, welche nur 1/1000´stel der Weltbevölkerung wahrnimmt.
2.ist das Kopftuchtragen ein Solidarisierungsbeweis zum Gott (Allah) und zu der Religion. Viele Menschen sind bereit eher zu Sterben als Gott aufzugeben, auch viele Christen!
3.Gerade Straches Angriff auf den Islam und der Kopftuch hat es geschafft, was die Imame in den Moscheen einfach nicht erreichen konnten. Viele junge Türkinnen haben zum Protest Kopftuch tragen angefangen, dank Straches Haltung.
Daher wird sich die FPÖ gerade an dieser heiklen Thema die Zähne ausbeissen, weil selbst die Menschenrechtsdeklaration auf der Seite der Kopftuchtragen ist.

Hinguckerl
00
die FPÖ hat dieses thema gepachtet und verwendet es in schändlicher weise zur ausgrenzung der türkischstämmigen mitbürgerInnen.

und darin unterscheide ich mich in meiner argumentation ganz entschieden, s.o. ich bin froh, dass Österreich wegkommt von der inzüchtlerischen monokultur, und ich bin absolut dafür, dass jeder seine religion leben kann, wie er/sie will, solange sie mit unserer säkularen gesellschaft und ihren werten vereinbar ist. frauendiskriminierung gehört nicht dazu. ich weiss auch keine lösung, vor allem weil es hier in den bereich der dogmatik geht. man müsste den koran und die sharia reformieren, aber das kann nicht unsere aufgabe sein.

W123
00

So berichten zumindest ein Großteil der Medien (ORF!), die alles andere als objektiv sind, über die FPÖ.

Wenn man z.B. die Neujahrsansprache von Strache persönlich gehört hat (Von der der ORF gerde mal die zwei radikalsten Aussagen singulär zitiert hat), weiß man, daß es nicht so ist.

Leider gibt es immer wieder traurige Ausnahmen, wie Susanne Winter vor ein paar Jahren in Graz.

Edain
012

"Wir bauen unsere Moscheen nur für die Muslime, nicht für die Österreicher."
Interessant.

Wie wären wohl die Reaktionen, würde ein Strache mit so einer Aussage daherkommen?

joesixpack
00
Türol

ich hör dich trapsen...

byron sully
00

ich ahne, was er mit diesem satz eigentlich sagen wollte, aber die formulierung ist da tatsächlich sehr mißglückt. in dieser form ist der satz natürlich völliger unsinn (weil er ausschließt, daß es österreichische angehörige des islam geben könnte).

Mathias
 
00
nicht versuchen etwas "schön zureden"!

Rassisten gibt es viele auf der Welt, nur wird medial gerne so getan, als gäbe es nur Rassisten in Ö oder D!!

VS.
01
"wir brauchen die moschee für jene, die sie auch benützen,

nicht für die grantelnden anrainer daneben" - das meinte er wohl.

ist immer noch eine fragwürdige einstellung und ATIB ist auch sonst ein verein, der sich bisher wenig darum geschert hat, in dialog mit der mehrheitsbevölkerung zu treten.

dennoch sollten wir uns immer vor augen halten: auch muslime sind in erster linie menschen wie wir, die einfach in ruhe leben wollen, und keine verkappten invasoren, die uns alle unterdrücken wollen.

weniger panisches gekreische würde der diskussion in jedem fall gut tun.

Edain
00

Natürlich sind die Muslime in Österreich (bzw die Teilgruppe mit "Integrationsproblemen") das, gar keine Frage. Das Kernproblem ist, dass ein Teil eben in einer Form leben möchte, mit der er zwangsläufig in Konflikt mit österreichischen Gesetzen kommt. Und die sind halt das "Maß aller Dinge", die darin zum Ausdruck kommden Grundprinzipien, Werte, dürfen in einem souveränen Staat halt nicht hinter andere Weltanschauungen, kulturelle Eigenheiten oder religiöse Vorstellungen zurücktreten.

VS.
00
unsere weltlichen gesetze stehen über jeder religion,

das ist klar. allerdings seh ich nicht, wo durchschnitts-muslime in ihrem alltagsleben gesetze brechen.

eine moschee bauen zu dürfen ist sogar verfassungsrechtlich garantiert. die meisten moscheebauer beziehen die anrainer sogar mehr ein, als sie rechtlich müssten - und verhandeln etwa über absurde dinge wie darüber, ob ein minarett 20 oder 15 meter hoch ist (und damit von einem fabriksschlot! in der umgebung überragt wird oder nicht) - so geschehen in telfs.

klar - dinge wie zwangsheirat darf unser rechtsstaat nicht zulassen. aber das gleich pauschal allen muslimen zu unterstellen? das ist nicht nur völlig absurd, sondern vergiftet auch das klima und schafft mehr abschottung statt weniger.

byron sully
00

ja, so in der art wird die aussage auch wohl gemeint gewesen sein.

Edain
00

Mag durchaus sein, dass der Satz nicht so gemeint war, wie er letztlich herausgekommen ist (wobei ich es durchaus für denkbar halte, gerade in so kleinen Halbsätzen schimmert oft die Gesinnung durch) - ich wollte nur den Vergleich mit HC und seinen Spießgesellen anstellen. Wenn die einen vergleichbaren Satz, der wahlweise harmlos oder böse-bedeutungsschwanger interpretiert werden kann, bringen, wird automatisch Zeter und Mordio geschrien und das dritte Reich heraufbeschworen. Wobei ich fairerweise dazusagen muss, dass der Herr Bozkus wenigstens hier im Forum sein Fett wegkriegt. Aber der mediale Aufschrei verglichen mit Halbsätzen von FPÖ-Vize-Ortsgruppenvorstehern bleibt aus - was ich für unangemessen halte.

W123
00

Genau das wollte ich auch grad schreiben ;-)

hatamatata
 
27
man hätte ihn fragen sollen

ob für ihn der attentäter von frankfurt auch ein heiliger ist
http://www.islambruederschaft.com/blog/?p=3023

joesixpack
00
Danke für den Hinweis!

Den letzten Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

"Möge Allah den Bruder aus Kosovo für seine wundervolle Tat segnen und beschützen und dem Terror der Kreuzfahrer ein Ende bereiten."

Wenn jeder Moselmbruder so denkt!? "Unser" Anas Schakfeh ist ja bekanntlich auch einer von denen (mit "Konsulentenvertrag" bei der saudiarabischen Botschaft, also bei den "strengreligiösen" Wahhabiten) und seine Homepage www.derislam.at hat den Anschlag in Frankfurt bisher NICHT verurteilt!

hatamatata
 
00
"Wenn jeder Moselmbruder so denkt!?"

genau das ist die frage, die mich interessierte. man darf ja nicht pauschalisieren und alle gleich setzen, aber der prozentsatz, der z.b. der meinung ist, der islam müsse mit gewalt verbreitet werden, oder die rassistisches gedankengut haben, hätte mich interessiert keinen ahnung, vielleicht 50%, ich habs echt nicht herausgefunden.

auf jedenfall will ich ab jetzt solche seiten oder berichte über die einstellung mancher mitbürger gar nicht mehr nachforschen. es geht mir echt auf den magen und ich kann ja eh nichts ändern. sonst werd ich noch depressiv

Dhimmi
213
Heuchler!

Wie stehen Sie denn zum Bauverbot von Kirchen in der ATIB-Zentrale Türkei, Herr Bozkus und Her Tezcan?

hatamatata
 
01
Wir bauen unsere Moscheen nur für die Muslime, nicht für die Österreicher

wie unten erwähnt, das geht nicht. keiner verlangt assimilation, man kann ja die herkunft bewahren, aber multikulti ist noch schlimmer, bedeutet es ja nur, dass kulturen nebeneinander wohnen (parallel), was in einem sozialstaat nicht geht (eher in usa oder TR, wo die familie das sozialsystem stellt)

es gibt ja auch eine intrakulturelle gesellschaft: eine gemeinsame leitkultur, die alle gemeinsam haben, auch gemeinsame ziele (sozialsystem fördern) und darunter/daneben mehrere subkulturen (religion). dann müssten wir mal diskutieren was unsere leitkulur ist (grundrechte, westliche ideale) wo schon das erste problem liegt (z.b. sagen die grünen kindergartenpflicht ist zwangsgermanisierung) auch müste jede subkultur über die anderen was wissen

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