Intelligenz bei Vögeln: die Evolution des "Spatzenhirns"

Christian Schloegl, 6. März 2011, 17:47
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    Raben sind Spezialisten im Auffinden von Futterverstecken.

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Versuche deuten darauf hin, dass Papageien und Rabenvögel eher "Einsteins" als "da Vincis" sind

Eine Neukaledonische Krähe sitzt in einem Baum und bricht einen Zweig ab. Aus diesem Zweig fertigt sie ein Werkzeug, mit dem sie eine Insektenlarve aus einem morschen Baumstamm heraus stochert. Raben fertigen keine Werkzeuge an, aber verbergen sich gerne in Bäumen, um ihre Artgenossen beim Verstecken von Futter zu beobachten und um ihnen danach diese Verstecke zu plündern. Im Gegenzug versuchen die anderen Raben ihre Mitstreiter auszutricksen und hereinzulegen, um ihre Verstecke zu schützen. Graupapageien hingegen stellen weder Werkzeuge her noch verstecken sie Futter. Sie können jedoch menschliche Worte und sogar unsere Sprache erlernen. Dies kann soweit gehen, dass sie Fragen beantworten und Futterwünsche äußern können. Am eindrucksvollsten demonstrierte dies Alex, der berühmte Graupapagei von Irene Pepperberg.

Vor nicht allzu langer Zeit galten Vögel als "Spatzenhirne" ohne die mentalen Fähigkeiten von Elefanten, Delphinen oder Menschenaffen. Diese Ansicht hat sich in den letzten zwanzig Jahren jedoch dramatisch geändert. Wir wissen nun, dass sich Intelligenz im Laufe der Evolution nicht nur einmal in unserer eigenen Abstammungsreihe entwickelt hat. Wie jedes andere Merkmal (wie beispielsweise Flügel oder Augen) entwickelt sich Intelligenz immer dann, wenn sie zum Überleben gebraucht wird, und Rabenvögel (Krähen, Raben und Häher) und Papageien sind inzwischen bekannt für ihre geistigen Fähigkeiten. Aber Intelligenz hat ihren Preis - ein großes Gehirn verbraucht viel Energie, und die meisten Arten kommen auch sehr gut ohne ein großes Gehirn zurecht. Deshalb interessiert sich die Wissenschaft sehr für die Frage, weshalb einige Tierarten, unter ihnen Rabenvögel, Papageien, Hundeartige (Hunde, Wölfe, Hyänen), Wale und Primaten eine höhere Intelligenzstufe erreicht haben.

Anscheinend erfordert ein sozial komplexer Lebensstil besondere Intelligenzleistungen, da man Freund von Feind unterscheiden und erkennen können muss, wann man wem vertrauen kann, etc. Aber auch die Art und Weise des Futtererwerbs spielt eine Rolle, vor allem wenn man Werkzeuge gebraucht oder sich Tausende von Versteckplätzen merken muss.

Wozu Tiere ihre Intelligenz brauchen ist aber nur eine Seite der Medaille. Ebenfalls wichtig, aber noch kaum untersucht, ist die Natur ihrer Intelligenz. Leonardo da Vinci gilt als eines der größten Genies der Menschheitsgeschichte und war bekannt als Maler, Bildhauer, Architekt und Erfinder. Albert Einstein hingegen war ein Physikgenie, aber bereits in Mathe unterdurchschnittlich begabt. Da Vinci besaß also eine "Universalintelligenz", wohingegen Einstein in einem begrenzten Feld herausragte.

Sind nun Schimpansen, Papageien, Rabenvögel und Wale tierische da Vincis oder Einsteins? Traditionell testete man jede Art in ihrem Spezialgebiet: bei Futterversteckern untersucht man beispielsweise, wie viele Verstecke sie sich merken können, und die Werkzeug gebrauchenden Arten testet man auf ihr physikalisches Verständnis, nicht jedoch anders herum. Infolge dessen wissen wir nicht, ob jede Art nur die spezifischen geistigen Fähigkeiten hat, die sie als Anpassung an ihren jeweiligen Lebensstil benötigt, oder ob sie eher eine "da Vinci"-mäßige Generalintelligenz besitzen.

Metaphorisch wird Intelligenz manchmal mit einer Werkzeugkiste verglichen und im Falle einer Generalintelligenz besäßen alle hochintelligenten Arten die gleichen Werkzeuge. Ist Intelligenz hingegen eine Anpassung an das artspezifische Leben, dann sollte jede Art unterschiedliche Werkzeuge besitzen. Beide Theorien haben ihre Befürworter, und um Licht in die Sache zu bringen, untersucht unsere Forschungsgruppe an der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau und den Departments für Verhaltensbiologie und Kognitive Biologie an der Universität Wien diese Frage an zwei Gruppen von Vögeln, die besonders für ihre Intelligenz bekannt sind: Rabenvögel und Papageien. Beide sind nur entfernt verwandt und haben unterschiedliche evolutionäre Vergangenheiten. Deshalb haben sie ihre geistigen Fähigkeiten auch unabhängig voneinander erworben, sei es als Werkzeuggebraucher, Futterverstecker oder Vokalakrobat.

In unseren Tests konfrontieren wir verschiedene Papageien und Rabenvögel mit einer Reihe von Standardtests. Beispielsweise ließen wir Raben und Keas, neuseeländische Papageien, verstecktes Futter suchen. Zuvor zeigten wir ihnen wo das Futter nicht sein kann, verrieten ihnen aber nicht, wo es ist. Raben, die Spezialisten im Auffinden von Futterverstecken, nutzten diese Information effektiver. Dies ist erst ein Anfang in unseren Bemühungen, die geistigen Fähigkeiten von Vögeln besser zu verstehen, jedoch deutet es bislang darauf hin, dass diese Vögel eher Einsteins als da Vincis sind. Endgültige Aussagen wären jedoch verfrüht - die Wissenschaft benötigte auch Jahrzehnte um zu erkennen, dass wir nicht die einzigen intelligenten Tiere sind. Die Zukunft wird zeigen, wie sehr wir uns unterscheiden oder ob wir nicht doch alle gleich sind. (Christian Schloegl, Konrad Lorenz Forschungsstelle, Grünau im Almtal, Department für Verhaltensbiologie und Department für Kognitionsbiologie, Universität Wien,  www.atomiumculture.eu)

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Sternchen100
00

Die Katzen wurden vergessen. Schweine - vor allem Wildschweine - sind genauso intelligent wie Hunde (Wölfe). Bären wurden auch vergessen oder ganz einfach Tintenfische...

Der Mensch sollte endlich mal aufhören damit, alles in Mensch und Nichtmensch (=Tier, Slaven, verachtete Menschengruppen) zu unterscheiden, wobei "nichtmenschen" prinzipiell eingesperrt, missbraucht, versklavt, gequält, getötet und aufgefressen werden darf. Die Kategorie "Tier" unterscheidet nicht mal zwischen Wurm, Motte, Seestern oder Säugetier.

Korrekt wäre es zu sagen: es gibt unterschiedliche Arten (Lebensformen) mit unterschiedlichen Begabungen, der Mensch ist nur eine davon (!), dessen Spezialbegabung eben seine höhere abstrakte Intelligenz ist.

Cthulluh
00
Volle Zustimmung. Von wegen Krone der Schöpfung...

Thomas Felder1
01
11.3.2011, 20:45

es gibt keine "schöpfung" und daher auch keine krone

Wechselländer
00

Hyänen sind Schleichkatzen, keine Hunde!

Wechselländer
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Entschuldigung, wurde bereits von Kenneth Arrow bemerkt ;)

Reedbeat
02
sehr sympatisch der da

auf dem foto. schaut echt intelligent aus das kerlchen.

Kenneth Arrow
02
Wenn Wiki nicht lügt...

...dann sind Hyänen katzenartig.

Zitronenbaum
00
Lol, sind sie.

Leider wissen das viele Leute einfach nicht. :') Schade eigentlich.

Dave Windorf
 
00

soweit zur intelligenz der autoren

no way01
00
haben wohl selbst einen vogel

mosaic9
00

ja das stimmt

GAGA3
10

Wozu brauchen Wale eigentlich Intelligenz?

Sternchen100
00

Wale waren mal Säugetiere. Intelligenz entwickelt sich auch aus dem sozialen komplizierten Zusammenleben mit Artgenossen, aus der Kommunikation. Delfine und Walen haben nun mal eine komplexe Kommunikation und ein Sozialleben in Verbänden. Und sie jagen auch zusammen.

j!
01

waren säugetiere? hab ich was versäumt?

kamelchen ist auch da
15

werkzeuge gebrauchen und futterwuensche aeussern? das kann sogar meine frau.

LCD
00

Dafür können die Tiere nicht die Regierung wählen, Ihre Frau dagegen schon, falls die Kette lang genug ist.

pox vobiscum
03

Für Kamele eine außerordentliche Leistung, das muss einem der Neid lassen.

curry chicken
70
Wissenschaft?

Es sollte so was ähnliches wie Strafmandate für Wissenschaftler geben, die 100% unwissenschaftlich argumentieren und Spekulationen als Tatsachen verkaufen. Dass Alex Graupapagei nach 19 Jahren 200 Worte sehr eingechränkt verwenden konnte, bedeutet überhaupt nicht, dass er "menschliche Worte und sogar unsere Sprache erlernen" konnte. Er konnte ein für ihn "komplexes Kommunikationsschema" benutzen, alles andere ist Spekulation. Das gleiche gilt für die Verwendung von des Begriffs "Intelligenz" in diesem Artikel -- absolut spatzenhirniges Wischiwaschi

Sternchen100
01

Die menschliche Sprache ist für Tiere eine komplett andere FREMDSPRACHE, entsprechend schwer auch zu erlernen, trotzdem wird das bei Tieren erwartet. Hingegen sind die meisten Menschen zu blöd, Tiersprachen zu verstehen und zu sprechen. Viele schaffen es nicht mal mit ihrem eigenen Hund, ihrer Katze oder ihrem Pferd, und das will was heißen.

samuel vimes
03
alex (seinen) graupapagei kenne ich nicht...

... wir sprechen hier allerdings von dem graupapagei (namens) alex der PhD Pepperberg, der 31 jahre alt wurde und aufgabenstellungen wie die anzahl der dargebotenen quadrate und kugeln zu lösen, die auch noch unterschiedlich gefärbt waren - auch die anzahl der unterschiedlich gefärbten konnte er richtig beantworten...
sie haben bestimmt recht, dass dazu absolut keine intelligenz von nöten ist...
http://www.youtube.com/watch?v=sYk-wE18BTo

Nick Tameer
00
10.3.2011, 02:00

Poor Alex, he's expired and gone to meet his maker!

curry chicken
20

Ja, das ist irre faszinierend, wenn Wissenschaftler sowas erforschen, aber in diesem Artikel kann man vor lauter Geschwurbel über "geistige Fähigkeiten" kaum feststellen, was da eigentlich erforscht wird. Wenn erwiesen ist, dass etwa Delfine sich im Spiegel erkennen, dann ist das eine bedeutende Entdeckung. Aber hier wird ja nur suggeriert -- ja was eigentlich? Nach lauter geheimnisvollen Verweisen auf die Arbeit anderer stellt sich am Ende heraus, dass das tolle "Kognitionsbiologie" Institut am Anfang seiner Bemühungen ist. Ich würd mal sagen, dass ein Artikel zu diesem Thema garnicht schlechter geschrieben sein kann.

Sternchen100
02

Sprache hat jedes Tier, Mikrobe, Zelle und Pflanze (elektro-chemisch). Es geht wohl eher um die Fähigkeit, abstrakt + in Symbolen zu denken. Das Wort z.B. "Durst" in Laut oder Schrift ist das abstrakte Symbol (!) für das Gefühl, durstig zu sein.

"Wir können den Durst löschen mit Bier und Wein, Limonade oder Mineralwasser" ist eine abstrakte Aussage. Ein Hund würde einfach die Zunge raushängen lassen (es ist heiß, ich habe Durst) oder auf Wasser deuten, nicht weiter länger debattieren u. sich den Kopf zerbrechen.

Wenn er aber den Wassernapf holt und vor uns hinstellt, verwendet er den Napf als Symbol für "ich habe Durst, ich will mit dir kommunizieren und ich weiß du verstehst es nicht anders". D.H. einfaches symbolisches Denken!

Pe Sa
05

ok, dann hab ich jetzt eine Aufgabe für sie:

definieren sie Intelligenz. Und um ihr Weltbild zu treffen dann auch noch bitte so, das unsere Tiergattung Mensch sich deutlich von anderen Intelligenzformen unterscheidet.

viel Spaß.

(aber ich geb ihnen recht das manche Forscher überzogene Schlussfolgerungen machen, hier aber auf den Intelligenzbegriff an sich loszugehn, und dessen Verwendung für Tiere auszuschließen ist ... "absolut spatzenhirniges Wischiwaschi")

curry chicken
30

Ich wollte nur sagen, dass ich von Wissenschaflern erwarte, dass sie wissenschaftlich arbeiten. Bevor der Herr Schloegl "Sprache" sagt, sollte er einfach in der nächsten Einführung in die Linguistik nachschlagen, was die, die sich damit beschäftigen, damit meinen. Ich hab keine Ambitionen zu definieren, was Sprache oder Intelligenz ist, ich sehe nur, wo er sich auf das Glatteis begibt und fühl mich nur von Wissenschaftern verschaukelt, die Folklore produzieren. Es ist erstens einfach unglaublich unprofessionell, und es gibt leider immer mehr Wissenschaftler, die mit solch absurd überzogenen Schlußfolgerungen an die Öffentlichkeit gehen ohne zu bemerken, dass sie damit die Wissenschaft blamieren.

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