Prêt à Porter-Mode in Paris

Modeauftakt mit Pauken und Trompeten

6. März 2011, 16:42
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    foto: epa/maxppp

    Die Lady ist Gaga und Star bei Mugler. Nicola Formichetti (l.) and Sebastien Peigne (r.) schneiderten ihr alles auf den Leib.

Lady Gaga tritt auf, John Galliano tritt ab - Peter Bäldle und Stephan Hilpold berichten aus Paris

Natürlich ist der Auftakt der Pariser Designerschauen für Herbst/Winter 2011/12 überschattet vom Wirbel um John Galliano. Es gibt allerdings noch eine zweite Angelegenheit, die alle in ihren Bann schlägt. Wird sie auftreten oder wird sie nicht?

Gemeint ist Lady Gaga, deren Stylist Nicola Formichetti das 1980er-Jahre-Label Mugler auf Vordermann bringen soll.

Bei den Modeschauen der Männer im Jänner war die Lady nur in Gestalt eines neuen Song-Remixes anwesend. Und jetzt kam sie leibhaftig. Und beinahe als Leibhaftiger. In sechzig Zentimeter hohen Schuhen und viel Latex führt sie eine Heerschar von weiblichen Versionen eines Doktor No an.

"Ich will Spaß haben"

Nicola Formichetti hat bei seiner ersten Show für Mugler voll auf Inszenierung gesetzt. Um die spitzschultrigen Kleider mit den durchsichtigen Einsätzen geht es nur an zweiter Stelle. "Ich will Spaß haben," erklärt er den Journalisten nach der Modeschau. Mit dieser Ansage ist er gar nicht so weit von jener des Rabauken Thierry Mugler in den 1980er-Jahren entfernt.

Nicolas Ghesquière, dem Designer von Balenciaga, käme ein solcher Spruch nie über die Lippen. Er hat eine Handvoll erlesener Besucher wieder in die cremefarbenen Salons des Hotel Crillon geladen, deren Fußböden diesmal, zur Überraschung aller, mit schwimmbadweißen Kacheln, verfliest und schwarz verfugt sind. Darüber schreiten später exakt 35 Outfits, alle genauso kontrovers und zukunftsweisend interpretiert wie das Ambiente.

Schweigen und staunen

Die martialischen Blousons sind aus dicken Lederkabeln gestrickt und begleiten frontdrapierte, wadenlange Seidenröcke mit hingewischten Coutureblumen im Stil der 1940er-Jahre. Und knielange Tunikakleider sind kunstvoll aus den verschiedensten Materialien zusammengesetzt, im Rücken oftmals drapiert.

Womöglich gelingt Ghesquière mit diesen Kleidern das, wofür Cristobal Balenciaga zu seiner Zeit so berühmt war: Wenn eine Frau mit einem Balenciaga-Kleid den Raum betrat, hörten alle auf zu reden und verharrten in Staunen.

Auf diesen Effekt arbeitet auch Balmain-Designer Christophe Decarnin hin, aber mit ganz einfachen Mitteln: Er zeigt Jeans, die einen schlanker machen, als man ist. Dazu einen perfekt geschnittenen Blazer mit betont breiter Schulterlinie, für die er auf Kragen und Revers verzichtet. Das könnte auch Lady Gaga tragen. Doch deren Kleiderschrank ist erstmal voll. Sie hat nämlich gleich die gesamte Mugler-Kollektion gekauft.(Peter Bäldle/Stephan Hilpold, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 05.03.2011)

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