Schlussläufer des ÖSV-Quartetts war im Finish des Teambewerbs im Sprint gegen deutsche Konkurrenz erneut der Schnellere und sichert sechstes Gold für Österreich
Oslo - Man muss kein Sherlock Holmes sein, ja nicht einmal ein Nick Knatterton, um herausgefunden zu haben, dass Österreichs Kombinierer in Oslo als Mannschaft am Zenit angelangt sind. Am Freitag gewannen die Normalschanzen-Weltmeister Bernhard Gruber, David Kreiner, Felix Gottwald und Mario Stecher auch den Bewerb mit je einem Sprung von der Großschanze und je fünf Kilometern in der Loipe.
Die Ausgangsposition nach dem Springen schien schon besser zu sein, als sie es vor dem ersten Triumph am vergangenen Montag gewesen war. Mit nur 39 Sekunden Rückstand auf das führende Quartett aus Frankreich und sieben Sekunden hinter den Deutschen nahmen die Olympiasieger von Vancouver die Verfolgung als Dritte auf. Gruber halbierte nahezu den Rückstand auf die Spitze, Kreiner übergab schon als Führender an Felix Gottwald, der seinen letzten verbliebenen Gegner, den Deutschen Eric Frenzel, zumindest nicht vorbeiziehen ließ. Taktiker Mario Stecher vollendete im Zielsprint erneut gegen Tino Edelmann, lag laut Zielfoto 0,1 Sekunden voran. Magnus Moan brachte für Gastgeber Norwegen viel später Bronze heim.
Österreichs sechste Goldmedaille dieser WM war die letzte für Gottwald, der sich den Traum von Einzelgold im Gegensatz zu Olympia nicht erfüllen konnte. Möglich, dass es auch für längere Zeit der letzte große Sieg für ein österreichisches Team war. Gottwald (35) tritt nach seiner 18. Medaille bei Großereignissen ab. Stecher (33) wird auch nicht mehr ewig dabei sein. Daran dachte am Freitag niemand. "Das Tolle am Spitzensport ist, dass es so in Wellen geht. Im Einzel hat es nicht geklappt, jetzt sind wir wieder ganz oben", sagte Gottwald.
Beweis: Es geht auch anders
Stecher wurde einmal mehr voll gefordert. "Die zweite Runde war
ein Kampf auf Biegen und Brechen. Ich wollte mir anscheinend selbst
beweisen, dass ich auch gewinnen kann, wenn ich in der letzten Kurve
Zweiter bin. Mit dem Windschatten aus der letzten Kurve ist es sich
ganz knapp ausgegangen. Das ist ein sehr schöner Tag", freute sich
der 33-jährige Steirer, der sich durchaus eine Fortsetzung seiner
Karriere vorstellen kann.
Sein Kontrahent Edelmann, der nun bei dreimal Silber hält, sprach
von einer Duplizität der Ereignisse. "Diesmal habe ich noch länger
gedacht, dass ich es schaffe. Ich habe wirklich alles probiert. In
der Schlussrunde habe ich dreimal attackiert, Mario hat dreimal
gekontert. Hut ab und Gratulation an Österreich", erklärte der
25-Jährige.
Felix Gottwald konnte beruhigt durchatmen. Ihm war es vergönnt,
seine großartige Laufbahn bei einem Großereignis mit dem Gold-Gewinn
abzuschließen. Der 35-Jährige Salzburger, der am 12. März nach dem
Weltcup-Finale in Lahti endgültig mit dem Spitzensport Schluss macht,
hat bei 12 Großereignissen seit 1994 (Olympia und WM) nicht weniger
als 18 Medaillen (6-3-9) gesammelt, davon dreimal Gold, zweimal
Silber und sechsmal Bronze bei Weltmeisterschaften.
Wettlachen
"Die Sonne lacht mit uns um die Wette. Es ist unglaublich", meinte
Gottwald, der in den vergangenen Tagen ein Wellenbad der Gefühle
durchlebt hatte. Zwei Tage zuvor hatte auch bei der finalen Chance
den ersten Einzel-WM-Titel eines ÖSV-Kombinierers verpasst . "Da
sprach man von der unvollendeten Karriere, jetzt ist sie mehr als
vollendet", erklärte der Salzburger. "Aber es geht um mehr, um die
Emotionen, die man miterlebt. Es ist und war genial, in so einem Team
mitwirken zu können. Es war ein Revival vom Montag, es ist auf den
letzten Moment angekommen. Jeder einzelne Athlet war unglaublich."
Die Österreicher waren als Weltmeister die Gejagten und sie waren
dieser Rolle vollauf gewachsen. Alle vier boten vom
Holmenkollenbakken sehr gute Sprünge, das ergab vor der
4x5-km-Langlaufstaffel den dritten Rang, 39 Sekunden hinter
Frankreich, aber nur knapp hinter Deutschland. Cheftrainer Baard
Jörgen Elden war optimistisch und er fand seine Hoffnungen bestätigt.
"Heute war es ein bisschen schwieriger, denn die anderen wollten
uns schlagen. Aber unsere Athleten sind als Mannschaft stark und auch
individuell gut. Ich fühle mich sehr wohl in dieser Mannschaft",
erklärte der 42-jährige Norweger, der in seiner Heimat zum
Erfolgscoach avancierte. "Die Norweger sagen, in diesem Sieg steckt
auch ein Teil Norwegens." Er hat Gruber und Stecher unter seinen
Fittichen, Gottwald und Kreiner trainieren mit ihrem langjährigen
Betreuer Günther Chromecek.
Guter Gruber-Start
Startläufer Gruber überholte auf seinem Abschnitt den Deutschen
Johannes Rydzek, musste aber den schnellen Norweger Mikko Kokslien
ziehen lassen. Er übergab als Dritter an Kreiner, der gemeinsam mit
dem Deutschen Björn Kircheisen die schwächsten Läufer der Norweger
und Franzosen, Haavard Klemetsen und Maxime Laheurte, um mehr als
sieben Sekunden distanzierte. Gottwald erwies sich einmal mehr als
bester Läufer, ließ Eric Frenzel hinter sich und fiel erschöpft in
den Schnee, nachdem er Stecher mit 1,5 Sekunden Vorsprung
losgeschickt hatte.
Gruber zählte zum dritten Mal zu den Gold-Gewinnern. "Ich habe
meinen Emotionen freien Lauf gelassen. Das Team hat so gut
gearbeitet, die Burschen waren so stark. Unglaublich, dass wir das
zweite Gold gewonnen haben. Das ist wie in einem Bilderbuch, schöner
geht es nicht", freute sich der Salzburger. "Wir haben Gold verdient
gewonnen."
Der Tiroler Kreiner verglich Stecher mit dem besten norwegischen
Sprinter. "Mario ist unser (Petter) Northug", sagte er. "Ich bin
froh, dass er zu uns gehört, auf der Zielgeraden mit ihm ist es immer
hart. Unser Team ist grandios, da helfen alle zusammen, es wächst
immer mehr zusammen, auch die Langläufer." (lü/red/APA)
Endstand des Teambewerbs der Nordischen Kombinierer
von der Großschanze bei den 48. Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in
Oslo nach dem Langlauf über 4 x 5 km am Freitagnachmittag: 1. Österreich (Bernhard Gruber, David Kreiner, Felix Gottwald, Mario
Stecher) 47:12,3 Minuten (3. Springen/1. Langlauf) - 2. Deutschland
(Johannes Rydzek, Björn Kircheisen, Eric Frenzel, Tino Edelmann) 0,1
Sekunden zurück (2./2.) - 3. Norwegen (Mikko Kokslien, Haavard
Klemetsen, Jan Schmid, Magnus Moan) 40,6 (4./3.) - 4. Frankreich
(Sebastien Lacroix, Maxime Laheurte, Francois Braud, Jason Lamy
Chappuis) 51,9 (1./6.) - 5. Japan (Akito Watabe, Taihai Kato, Yusuke
Minato, Daito Takahashi) 1:31,4 Min. (8./4.) - 6. USA (Bill Demong,
Bryan Fletcher, Johnny Spillane, Todd Lodwick) 1:44,0 (5./5.) - 7.
Italien (Guiseppe Michielli, Armin Bauer, Lukas Runggaldier,
Alessandro Pittin) 2:45,6 (10./7.) - 8. Schweiz (Ronny Heer, Seppi
Hurschler, Tim Hug, Tommy Schmid) 3:04,8 (12./8.) - 9. Tschechien
(Miroslav Dvorak, Tomas Slavik, Ales Vodsedalek, Pavel Churavy)
3:05,2 (7./9.) - 10. Slowenien (Mitja Oranic, Marjan Jelenko, Joze
Kamenik, Gasper Berlot) 4:01,8 (6./10.)