STANDARD-Interview

Wie Mythen Frauen diskriminieren

4. März 2011, 17:00
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    foto: standard/urban

    Ja - mehr Frauen werden inkludiert, sagt WU-Professorin Edeltraud Hanappi-Egger. "Aber immer durch den Filter der Maskulinitätskonstruktion." Hunderte Mythen stützen die alten Machtverhältnisse, durch ihre versteckten Botschaften sind sie zu unreflektiertem Alltagswissen geworden.

WU-Professorin Hanappi-Egger wirft einen Blick auf hartnäckige maskuline Stereotype und die Systematik der Diskriminierung

STANDARD: Sie haben in Ihrem aktuellen Buch "Man, Management, Myth" mit empirischen Studien und mathematischen Modellen nach Mythen gesucht. Was haben Sie gefunden?

Hanappi-Egger: Hunderte Mythen, die sich darum ranken, warum Frauen manche Dinge können oder nicht. Es ist auch in den Einzelinterviews gut sichtbar geworden, dass etwa Frauen in der Technik - jene, die dieselbe Faszination für Technisches haben wie Männer - als "die anderen" wahrgenommen werden, wegen anhaltender Sexismen die Branche verlassen - mitsamt ihrer besten Qualifikation. Männliche Aufsichtsräte können beispielsweise schwer erklären, was genau die Qualifikationen für ein solches Mandat seien, "man hat es oder eben nicht, man braucht Erfahrung, man sollte auch eine Bilanz lesen können", heißt es da sehr nebulos. Aber zur Anschlussfrage, ob wir mehr Frauen in den Aufsichtsgremien brauchten, kam die ganz konkrete Antwort: Ja sicher, aber da dürfe nur und ausschließlich die Qualifikation entscheiden.

STANDARD: Helfen da nicht die Sichtweisen der versachlichteren Humankapitaltheorien?

Hanappi-Egger: Die sind nicht versachlicht, die unterstellen geschlechtsspezifische Sichtweisen. Sie unterstellen, dass Frauen, weil sie sich für Familie zuständig fühlen, aus rationalen Überlegungen und aus freier Entscheidung eher Ausbildungen und Jobs mit weniger hohem Commitment suchen - das reproduziert die immer gleichen Machtverhältnisse.

STANDARD: Wieso sind es die Mythen, die diese Machtverhältnisse weiter festigen?

Hanappi-Egger: Mythen sind intendierte Geschichten, sie haben eine Botschaft, die aber versteckt ist. Dadurch werden Mythen zu Alltagswissen und nicht mehr hinterfragt, ihr Inhalt ist normalisiert. Das führt zum Ausschluss von Menschen, die Gender-Bildern nicht entsprechen, respektive zum Selbstausschluss, wenn man sich nicht entsprechend sieht.

STANDARD: Aber es gibt Fortschritte in Gleichbehandlungsfragen ...

Hanappi-Egger: Es wird zunehmend von Frauen dasselbe verlangt wie von Männern - oder mehr. Das führt zu keiner Systemänderung, das ist in Wahrheit ein Mainstreaming. Nichts Privates soll die Leistungsfähigkeit in der Funktion stören. Ich höre in Frauenrunden oft, dass diskutiert wird, möglichst nicht zu erwähnen, dass man Kinder hat. Das würde ein Mann doch nicht machen, oder?

STANDARD: Sehr ernüchternd ...

Hanappi-Egger: Na ja, derzeit ist der Druck auf das Thema groß. Von innen ist das System aber offensichtlich nicht zu ändern, da Mythen trickreich und anpassungsfähig sind. Ja, oberflächlich betrachtet läuft alles gar nicht so übel: Wir inkludieren Frauen jetzt stärker - aber, und das ist der Punkt: immer durch den Filter der Maskulinitätskonstruktion. Das bedeutet nicht Diversität.

STANDARD: Quoten von außen helfen?

Hanappi-Egger: Lassen Sie mich mit dem Zitat eines im Buch befragten Aufsichtsrates antworten: Quoten sind der effizienteste Weg, die Beschickung von Aufsichtsräten auf eine sachliche Basis zu stellen. Man muss sich die gewünschten Kompetenzen im Gremium überlegen und kann nicht mehr selbstverständlich auf Freundeszirkel zurückgreifen. (Karin Bauer/DER STANDARD; Printausgabe, 5./6.3.2011)

EDELTRAUD HANAPPI-EGGER ist Informatikerin und Professorin an der Abteilung für Gender und Diversitätsmanagement an der WU Wien. Dieser Tage ist ihr Buch "The Triple M of Organizations: Man, Management, Myth" im Springer Verlag New York erschienen.

Kommentar posten
22 Postings
Nachdenklich 2011
21
Sie wirkt ja auch selbst recht aktiv an der "Mythenbildung" mit...

Wie heißt's so schön: auf einem Auge blind.

The Chaos Path
10

argument? hast du eines?

Quer denker1
33
WU-Professorin Hanappi-Egger veröffentlicht spekulative Aussagen.

Wir sollen Ihre akademische Arbeit überprüfen.

sanjoaquin
 
21
Filter der Maskulinitätskonstruktion

Genauso isses. Bei der Bestellung von Aufsichtsräten wird zwar heutzutage schon öfter darüber diskutiert, ob es der Gewinn oder die Gewinn ist, das erzielt werden soll, aber im Endeffekt sind es dann wieder diese Mythen, die das Maskuline präferrieren, absolut genderinkompatibel und eine Riesensauerei.

Mowgly@Home
00

Es müßte DAS Gewinn heissen.
Alles andere ist genau genommen Schwachsinn, aber sogenannte Sprachwissenschaftler werden schon wissen was Sache ist.
Siehe Rechtschreibreform.

Vertrauen Sie dem Testsieger
72
Müsste sie nicht

Hannapi-Eggerin heißen?

mitterechts
96
...an den haaren herbeigezogen..

na toll, wie man zwanghaft Gründe sucht, das Frauen natürlich generell diskriminiert werden und in ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen völlig mit männern ident sein sollen
und unpassende Realität einfach zu "Mythen" erklärt werden..
sind ja alles nur "Mythen"...
..das Frauen grossteils ein völlig anderes Wunschbild für ihr Leben haben..
...das Frauen eine andere Physis haben..
in wirklichkeit sind die Frauen ja viel gescheiter, kräftiger, geschickter, fähiger, intelligenter, gebildeter und werden nur mit allen Möglichkeiten von der macht abgehalten, weil es ja mit Frauen keine Kriege mehr gäbe, keine Korruption, Misswirtschaft, Terror und keinen Hunger natürlich und und und

Sowas nennt man gehirnwäsche

1787569
23

Also daran, DASS Frauen diskriminiert werden, besteht eigentlich kein Zweifel. An den Gründen bzw. Mechanismen evtl. schon, deshalb wird auch danach gesucht, sonst kann man es ja schwer ändern. Dass das auch nicht allen recht ist, ist irgendwie keine Überraschung, ist aber auch gar nicht so wichtig.

Anscheinend haben Sie bereits alle Frauen gefragt, was ihre Wunschbilder sind. Was ist denn dabei sonst noch herausgekommen?

Die andere Physis der Frauen soll ein Grund dafür sein, dass sie weniger gezahlt kriegen und in den oberen Etagen nicht so gern gesehen werden? Oder waren das die Wunschbilder?

Und ob es mit mehr Frauen an der Macht mehr oder weniger Kriege geben würde, das würde ich als Mann gerne einmal ausprobiert haben.

Rita Matsuko
54
:-)))

offensichtlicher als in ihrem posting kann mann gar nicht zugeben, wie er sich davor fürchtet, dass mit dem erkennen der mythen als mythen auch die priviligierte position der männer, die dem tradierten männerbild entsprechen, zum teufel geht, jetzt wirds langsam heiß unterm wohlplazierten hintern, hehehe

Neuer Nick neues Glück
20

Quote statt Leistung.
Ihr Frauen seid echt die Besten.

Thomas Felder1
01

ja, wir zittern schon...^^

-e!-
25

Na sie vernachlässigen dabei aber einige Fakten:

- es gibt beispielsweise sehr maskuline Frauen und sehr feminine Männer bis hin zu Hermaphroditen, die "Physis" ist also nicht so klar abgegrenzt

- Frauen werden bzw. wurden nachweislich in der Geschichtsschreibung vernachlässigt (va. Forscherinnen Bsp.: Émilie du Châtelet)

- Jobbeschreibungen ändern sich je nach angesprochenem Geschlecht, obwohl sich Aufgabengebiet und Anforderungen nicht ändern

Und Mythen sind nur ein weiteres Beispiel - da wird dann oft die maskuline Seite bedeutend dargestellt, die weibliche vernachlässigt.

Beispiel: "Männerdomäne" Computertechnik - wo Frauen im 2 WK auch eine Rolle spielten - http://www.imdb.com/title/tt1587359/

chg4711
00
Jeder weiss doch

daß Mann und Frau, ausser dem kleinem Unterschied absolut gleich sind.

gasland the movie
00

Jeder weiß doch, dass Mann und Mann absolut gleich sind.

Johannes Benn
21
.

an welchem neuen mythos arbeitet frau hanappi-egger?

dreamweaver74
14
Kann dem Inhalt des Artikels nur beipflichten

Mir erscheint die Auseinandersetzung mit dieser Problematik nur wieder einmal etwas einseitig. Von Männern keine Spur und von den Mythen welche Frauen gelegentlich auf einen Sockel heben ist auch keine Rede.

Wenn schon so ordentlich gearbeitete wird dann fände ich es super wenn der Focus nicht allzu eng wäre.

shaki1
00

Frauen können nicht navigieren und Männer können das Ziel nicht halten...

Thomas Felder1
28
Hunderte Mythen, die sich darum ranken, warum Frauen manche Dinge können oder nicht

sind wir alle froh, dass es diese dummen mythen gegenüber männern nicht gibt...

The Chaos Path
00
diese dummen mythen gegenüber männern nicht gibt

natürlich gibt es die. warum sich männer nicht damit beschäftigen... keine ahnung. weil sie noch mehr konservativen stereotypen nachhängen als frauen?

4simo
00
warum beschäftigt sich niemannd damit?

warum meinen Sie, dass es die frauen tun müssen?

Aguirre74
 
20

Männer haben vermutlich was besseres zu tun, als dauernd peinlich rumzusudern und Windmühlen zu bekämpfen.

super1
32
stimmt!

das denke ich mir aber auch immer genauso, wenn mal wieder eine der (nie wiedersprochenen) behauptungen kommen, dass frauen aus diesen oder jenen "natürlichen" gründen dies oder jenes besser können als "die männer". der ganze diskurs ist auf entweder dem einen oder dem anderen auge blind (und dumm)!

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