Konkurrenz bietet in einigen Bereichen Besseres - Apple hat größeres App-Angebot
Apple-Chef Steve Jobs, der vor einer Woche 56 wurde, hat sich gleich zweierlei zum Geburtstag geschenkt: erstens ein neues iPad und zweitens einen überraschenden Auftritt vor großem Publikum. Vor sieben Jahren überlebte Jobs Bauspeicheldrüsenkrebs, vor zwei Jahren erhielt er eine neue Leber, seit Jänner war er wieder offiziell im Krankenstand - dafür wirkte er bei seiner einstündigen Performance sehr agil. Dem Aktienkurs tat die Rückkehr Jobs ins Scheinwerferlicht jedenfalls gut, auch wenn die Geschäfte weiterhin von seinem Stellvertreter Tim Cook geleitet werden.
Mehr Konkurrenz
Und das iPad 2, nur Anwärter auf einen Preis für den besten Nebendarsteller bei Jobs Show? 2010 war das Jahr des iPads, mit über 90 Prozent Marktanteil und 14,7 Millionen Stück. 2011 wird es unzählige Konkurrenten geben, derzeit angeführt von Motorolas Xoom, das an Jobs' Geburtstag (24. Februar) in den USA in den Handel kam. Rund 100 Tablets zählen Marktbeobachter, erst zum kleineren Teil real existierend (allen voran das Samsung Galaxy Tab), zum größeren Teil noch Ankündigungen. Auch wenn Apple 40 Millionen iPads vorausgesagt werden, muss sein Anteil zwangsläufig sinken.
Clevere Schutzhülle
Das iPad 2 bringt keine umwerfenden Neuerungen - es ist schwer, einen fast perfekten ersten Akt zu überbieten. Am auffallendsten das neue Design: Nimmt man das Gerät in die Hand, beeindruckt die überaus dünne Form, schlanker als ein iPhone. Dazu hat sich Apple einen Schutzumschlag einfallen lassen, der die Liebe Apples zum Detail zeigt: Der Umschlag ist ein faltbarer "Deckel", der das Display bedeckt und mit Magneten am iPad festhält. Öffnen oder Schließen aktiviert oder deaktiviert das Display; die Faltung ermöglicht, das Gerät als Bildschirm aufzustellen oder als Tastatur schrägzulegen.
Mit Konkurrenz gleichgezogen
Die technische Ausstattung hat mit Ankündigungen der Konkurrenz gleichgezogen, sie teils überholt. Zwei Kameras für Videochat oder zum Fotografieren (was aufgrund der iPad-Größe lächerlich aussieht - interessant wird darum, was App-Entwickler daraus machen, etwa Dokumentenscanner); ein doppelt so schneller Chip und neunmal schnellere Grafik. Apple zeigte dazu seine sehr beeindruckende Videoschnitt-Software iMovie, sowie Garage-Band, mit dem man Musik machen und produzieren kann. Es gibt Bereiche, in denen die Konkurrenz Besseres bietet, etwa bei der (unveränderten) Bildschirmauflösung, die beim Xoom und anderen Android-Tablets besser ist. Ob dies ein entscheidender Unterschied ist, ist Ansichtssache - eher spielt Apples wesentlich größeres App-Angebot und sein Erfahrungsvorsprung eine Rolle.
Preisvorteil
Und Apple hat noch eine überraschende Trumpfkarte: Während ihm immer noch das exklusive Hochpreis-Image anhaftet, ist das iPad 2 billiger als die Konkurrenz (das iPad 1 derzeit noch zusätzlich 100 Euro billiger). Als Einkäufer von Komponenten für 40 Millionen Stück, Hersteller zentraler Bauteile und mit dem Vertrieb über eigene Shops hat Apple einen Kostenvorsprung, der nicht so leicht einzuholen ist. (helmut.spudich@derStandard.at/ DER STANDARD Printausgabe, 4. März 2011)
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