Österreichs Tennisteam könnte nach 16 Jahren wieder das Daviscup-Viertelfinale erreichen. Frankreich steht im Weg. Jürgen Melzer startet im Hangar 3 den Versuch. Stefan Koubek setzt ihn fort.
Wien/Schwechat - Es soll unerwähnt bleiben, dass Österreich im Tennis
gegen Frankreich noch nie gewonnen hat. Es steht 0:7. Fieslinge unter
den Fußballern würden über so eine Bilanz schmunzeln, angesichts des
Gesamtpunkteverhältnisses von 3:31 lachen. Jürgen Melzer, der in den
vergangenen Tagen als Fan von Bayern München die Schattenseiten des
Lebens kennengelernt hat, verschwendet keinerlei Gedanken an die
Vergangenheit. Wohlwissend, dass Statistik zwar nicht lügt, aber völlig
überbewertet ist.
Und wieder ist Österreich gegen Frankreich. Ein Problem des konkreten
Daviscups ist, ihn zu finden. Der Hangar 3 am Flughafen Wien-Schwechat
ist nur mit vollster Konzentration zu erreichen, wer die
Autobahnausfahrt Flughafen wählt, hat schon verloren. Knoten Schwechat
wäre ratsam. Man soll/muss das Auto auf dem Mazur-Parkplatz abstellen,
Shuttle-Busse führen einen zur Halle. Als Alternative bietet sich die
Schnellbahn oder der City Airport Train (CAT) an. Plus Bus-Shuttle.
Absagewelle
Nach 16 Jahren hat Österreich die realistische Chance, eine Runde in
der
Weltgruppe zu überstehen, 1995 wurde Spanien 4:1 geschlagen. Die
Franzosen treten ersatzgeschwächt an, kein Gaël Monfils, kein
Jo-Wilfried Tsonga, kein Richard Gasquet. Guy Forget musste zwölf Jahre
Captain sein, "um so eine Absagewelle zu erleben". Trotzdem traut er den
Seinen den Sieg zu, er lehnt es ab, den Weltranglistenzehnten Melzer als
Schlüsselspieler zu bezeichnen. "Im Daviscup ist jeder ein
Schlüsselspieler. Jeder will das Optimum." Forget nominierte Gilles
Simon (ATP 30) und Jérémy Chardy (55) als Solisten. Chardy eröffnet
gegen Melzer. Und er sagte, was Außenseiter in allen Sportarten sagen:
"Ich habe nichts zu verlieren." Das Doppel bilden Michel Llodra und
Julien Benneteau.
Aus dem österreichischen Aufgebot ist Julian Knowle gefallen, Captain
Gilbert Schaller setzt auf Oliver Marach als zweiten Doppelspieler. Der
erste ist Melzer, dem ein intensives Wochenende bevorsteht. Schaller:
"Eine Bauchentscheidung, Knowle hat kaum Matchpraxis." Im Einzel wurde
Stefan Koubek berücksichtigt, das hat sich abgezeichnet. Martin Fischer
hat quasi den Knowle, er gehört allerdings dem Team an.
Der 34-jährige Koubek, mittlerweile nicht mehr zu den Top 200
gehörig,
ist vor rund drei Wochen davon ausgegangen, sich eine Freikarte zu
besorgen. Der Tennisverband hätte ihm einen VIP-Pass geschenkt. Und nun
spielt er tatsächlich gegen Simon. Koubek gibt zu, nervös zu sein. "Auch
für mich alten Hund ist das eine neue Erfahrung. Ich bin Außenseiter und
kann nicht behaupten, dass ich die Welt niederreißen werde. Aber ich
will ihn ärgern. Normalerweise funktioniere ich unter Druck ganz gut.
Durch das Training mit Melzer konnte ich mich an das internationale
Tempo gewöhnen." Dass Melzer beginnt und im Idealfall auf 1:0 stellt,
sei ein Vorteil. "Weil Simon noch mehr Nerven braucht."
Melzer sagte nach der Auslosungzeremonie im Rittersaal des Wiener
Palais
Niederösterreich, dass er sich noch nie auf ein Tennismatch derart
gefreut habe. Immerhin gab es das Halbfinale bei den French Open. Chardy
sei gefährlich. "Trifft er die Bälle, kann man ihnen nur nachschauen.
Aber ich werde das verhindern." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 04.03.2011)