Korruption in der Justiz

23 Beamte unter Verdacht

Günther Oswald, 3. März 2011, 18:30

Die Justiz prüft, ob Beamte geschmiert wurden, damit sie Daten über gepfändete Bürger an Auskunftsdienste weitergeben

Wien - Für Firmen sind es hochinteressante Informationen: Zahlt ein Kunde immer pünktlich oder gab es bei ihm bereits Pfändungen und Zwangsvollstreckungen? Zu bekommen sind diese Infos allerdings nicht leicht. Bescheid weiß nur die Justiz, die Betroffenen selbst und jene Firmen, die in der Vergangenheit bereits mit Zahlungsproblemen dieser Kunden zu kämpfen hatten.

Der Wiener Wirtschaftsauskunftsdienst Kreditinform steht nun im Verdacht, sich Daten unrechtmäßig beschafft zu haben, indem Justizbeamte bestochen wurden. In der Korruptionsstaatsanwaltschaft bestätigte man am Donnerstag auf Anfrage des Standard einen Bericht der Schweizer Zeitung Tagesanzeiger, wonach seit Herbst 2010, nach einer Anzeige, Ermittlungen laufen. Man prüfe, ob Amtsmissbrauch begangen wurde, erklärte ein Sprecher. Auch Hausdurchsuchungen hätten bereits stattgefunden, Beweismittel seien sichergestellt worden.

"Nichts Illegales getan"

Bei Kreditinform war am Donnerstag niemand zu erreichen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Geprüft wird laut Staatsanwaltschaft aber auch, ob das Verfahren auf Verantwortliche einer zweiten Auskunftei, der Deltavista GmbH, ausgeweitet wird. Sie ist ein Ableger des Zürcher Mutterunternehmens Deltavista. Auch bei der Österreich-Tochter wurden bereits Beweismittel sichergestellt. Bei Deltavista betont man, "nichts Illegales" getan zu haben. Die Kreditinform sei lediglich ein Geschäftspartner, von dem man Daten zugekauft habe. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe habe man sich "ausdrücklich vom Vorgehen des Unternehmens Kreditinform distanziert", die Geschäftsbeziehungen seien eingestellt worden. Mit den Behörden werden voll kooperiert.

Bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft heißt es, man stehe "mitten im Erhebungsstadium". Im Justizministerium hat man allerdings bereits die ersten Konsequenzen gezogen. Gegen 23 Beamte wurden Disziplinarverfahren eingeleitet, der Großteil der Betroffenen wurde suspendiert, sagte ein Sprecher von Ministerin Claudia Bandion-Ortner zum Standard. "Wir dulden keine schwarzen Schafe." Richter oder Staatsanwälte sollen nicht unter den Beschuldigten sein.

Wegen der laufenden Ermittlungen wird nun auch der Zugang zum Exekutionsregister überarbeitet. Bisher konnten alle Justizbediensteten frei darauf zugreifen, es mussten keine näheren Informationen angegeben werden, warum man Daten abfragen wollte. Aufzeichnungen über Abfragen gab es zwar schon bisher, nähere Auswertungen, welcher Beamte wann und wie viele Daten abrief, wurden aber nicht durchgeführt. Vor 2009 hatten auch Anwälte und Notare Zugriff auf das System.

Nun soll das Computersystem dahingehend umgestellt werden, dass vor jeder Abfrage schriftlich eingegeben werden muss, warum eine Abfrage stattfindet und für welches Verfahren sie verwendet werden soll. "Damit soll sichergestellt werden, dass solche Dinge nicht mehr passieren", heißt es im Büro von Bandion-Ortner. Die Neuregelung soll "demnächst in Kraft treten".

Zwei Millionen Datensätze

Gerüchte über Datenmissbrauch im Justizbereich gab es seit Jahren, wie der Datenschutzexperte Hans Zeger sagt. "Seit zehn Jahren weisen wir darauf hin, dass Wirtschaftsauskunftsdienste Daten verwenden, die sie eigentlich nicht rechtmäßig beschafft haben können." Er geht davon aus, dass in diesem Zeitraum rund zwei Millionen Datensätze "abgezweigt wurden". "Wir wissen auch, dass es Beamte gab, die an bestimmten Tagen alle Exekutionen von A bis Z abgerufen haben." Der grüne Justizsprecher Albert Steinhauser hat zur Causa bereits eine parlamentarische Anfrage an Bandion-Ortner eingebracht.

Laut Zeger habe man auch die Bandion-Vorgängerin Maria Berger (SPÖ) von der Praxis informiert und damals Strafanzeige eingebracht. Herausgekommen ist allerdings nichts. Das Verfahren wurde eingestellt.(Günther Oswald, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 4.3.2011)

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Theo56
00
29.9.2011, 11:52
Wirtschaftsauskunftsdienste = organisierte Wirtschaftskriminalität !!!

eklaTANT
00
25.3.2011, 13:48
Die Deltavista gehört mitvergeklagt

"...Bei Deltavista betont man, "nichts Illegales" getan zu haben..."

Seit Jahren weigert sich Deltavista falsche Daten zu löschen und beruft sich auf die Kreditreform. Ich freue mich schon auf die Gerichtsverhandlung. Justice come to those who can wait.

Selbständiger
02
19.3.2011, 08:18
Nein.

Korrupte Beamte und korrupte Justiz. Gibt es in Österreich doch nicht. Die Pragmatisierung und die gute Bezahlung der Beamten sollen doch genau das Verhindern.

Tut es nicht? Dann kann man die Privilegien und die Pragmatisierung ja ruhig abschaffen. Oder?

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
01
Und die schweizer mussten -

unsere ö. medien erst auf den justizskandal aufmerksam machen....??

Cayenne69
01

"... es mussten keine näheren Informationen angegeben werden, warum man Daten abfragen wollte."

lol

nandi1
01
Daten- Delta Vista und Co.

Ich hoffe sehr, dass Firmen wie Delta Vista in Österreich bald nicht mehr existieren können und hoffe auch, dass Sie für die Machenschaften und den Schaden den Sie verursacht haben, zur Rechenschafft gezogen werden!!

Die Behauptungen des Herrn Recsey, von alldem nichts gewusst zu haben, ist eine Unverschämtheit !!!

Es ist für mich unbegreiflich, wie Menschen in Österreich ohne schlechtes Gewissen bei Firmen arbeiten können, welche mit illegalen Daten und falschen Informationen bewußt andere Menschen schädigen.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
?

Wieso sollte die nummer 23 denn keine lachnummer sein können??

also dann ...
10
w a s ? nur 23 ...

"WILLKOMMEN" - im Sumpf der Verblödung!
 
01
von 23 wollen sie wissen, aber die dunkelziffer wird etwas

höher sein.

für alle gilt die unschuldsvermutung.

Birger Jarl II
40

Um Gottes Willen, ist ja auch völlig verwerflich, sich über potentielle Klienten/Kunden und deren Wirtschaftslage vor Geschäftsabschluß informieren zu können.

Daß es keine Einsicht in die Exektutionsregister mehr gibt, ist der eigentliche Skandal. In diesem Land Schuldner zu sein, ist eine sehr bequeme Lage.

Exbeamter
00
10.3.2011, 11:52
bist wohl ein totaler vollde..!

jfs
00

Stimmt bedingt.

Staat/Nationalbanken/Geschäftsbanken (die unheiligste Allianz, die es gibt) manipulieren ständig am Geldwert. Momentan sehr gut ersichtlich an der de facto Teuerung, welche nichts anderes als die Folge der willkürlichen Ausweitung der ungedeckten Geldmenge ist (z.B. um Griechenland zu "helfen"). Diese Ausweitung nennt man richtigerweise auch 'Inflation'.

Nicht nur, dass die dadurch andauernde Konkursverschleppung des Staates einfach nur hinausgezögert wird und über die Tatsache von Staatspleiten hinweggetäuscht wird - die die Bürger brav zahlen dürfen.

Dass viele Menschen heutzutage mit dem Gelde nicht mehr richtig umzugehen wissen, liegt auch daran, dass Ihnen top down ein falsches, illusionäres Spiel vorgespielt wird.

jfs
01

Ergänzung: mit ___echtem___ Geld (gedeckt) wäre die private Verschuldung nie, nie, nie in jenen Ausmaßen möglich, wie wir es heutzutage unter dem Spielzeuggeld "€uro" und dgl. sehen. Das hieße ___natürlich___ auch, dass es vieles nicht so aufgeblasen gäbe - wie zum Beispiel sich an im Schlepptau besagter Umstände bedienender, denkfauler, uninnovativer "Kreditauskunfteien". Weil deren "Kunden", also z.B. Mobilfunkbetreiber und Banken, ebenfalls nicht so aufgebläht (=Inflation) wären - weil es dafür simpel keinen Markt gäbe (wobei dieses heute auch per definitionem kein Markt ist; sondern eine Pyramidenspielen gleichende Planwirtschaft).

Meklon von Andromeda
 
00

Kreditauskunfteien sind nicht per se böse. Ihre Aufgabe liegt darin, Firmen und Dienstleistern die nötigen Informationen zu vermitteln, die bei der Entscheidung, ob und wie eine Geschäftsverbindung mit Personen und anderen Firmen zustande kommen kann, unterstützen.

Man möchte Betrüger rechtzeitig erkennen (ja, es gibt Leute, die quer durch Österreich ziehen und mit unterschiedlichen Namensschreibweisen, vertauschten Geburtsdaten etc. Gratisstrom, Gas, etc beziehen) und zum überwiegenden Bevölkerungsanteil vernünftige Geschäftsbeziehungen aufbauen.

Worum es aktuell geht ist die Frage, wie ein kleiner Teil an Bonitätsinformationen an die Auskunfteien gelangt ist und ob wer wie gegen Gesetze verstoßen hat.

Exbeamter
00
10.3.2011, 11:55
da gebe ich dir schon recht nur darf es hier nur eine organisation geben die solche daten verwaltet, es kann und darf nicht vorkommen, dass

hier mehre org mit solchen sensiblen daten arbeiten deren herkunft fragwürdig ist und die auch keiner gesetzlichen kontrolle unterliegen!

pago1
00
wäre interessant

wieviele davon fpövp sind

john pell
00

Massen klage gegen Deltavista und Kreditinform
das mafia paragrapg wäre wüschenwert!
die opfer sollte verstendig gemacht werden und die banke sollte immer offen legen was von bönität daten hat

Dolores Thadeus Stallinger
21
Danke an Herrn Stadler und dem BZÖ. Meine Stimme ist euch sicher

mitrovic dejan
21

Stadler nimmt aber Justizministerin im Schutz.
Stehe im ORF.
Aber egal,hauptsache sie wählen nicht dem Blauen Bubeln mit schönen zähnen.

Michael Rahner
01
Anleitung zur Korruption - fuer "unerfahrene" Anwälte

ein Anwalt gibt öffentlich eine Anleitung, wie man Justizorgane besticht

nachzulesen

http://www.wikilegia.org/wiki/inde... Nobelmeile

Reginald Bull1
00
hirnschall?

ist das vielleicht ein verwandter (cousin? bruder?) vom ehemaligen wiener fpö-politiker erwin hirnschall?

chinaman_a1
02
Übersicht verloren

welche Skandale nicht aller aufgedeckt wurden. Aber von der Justiz nicht aufgearbeitet sind. Ehrlich gesagt, ich habe die Übersicht verloren. Nur in den letzten Tagen: Sozialbetrüger von der Polizei ausgeforscht. Ein Mann der Arbeitslose bezog, 7k übers ganze Jahr UND seine Mutter im Geschäft aushalf. Wow. Aber die Anklage gegen den Venetia-GF, (AMS-Schädiger) der unschuldsvermutet natürlich auf freiem Fuß ist und einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe verursacht hat, tja, da gibts nach mehr als einem Jahr noch nicht mal eine Anklage. Und durch Verschiebung der Zuständigkeit muss sich der neue Richter erst mal (in aller Ruhe und Gemütlichkeit) einleeeeesen....
Vertrauen in Justiz? Nein, sorry, so nicht.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00

Eine Kassierin behält einen liegengelassenen flaschenbon über 1,30 euro u. wird entlassen - aber banker verursachen milliardenschäden u. kassieren boni! Solche regeln sind letztlich eine zerstörerische anarchie (der grossabzockenden wirtschafts- u. staatselite)!

Werdet Follower von mir und ge...
01

haha
vorratsdatenspeicherung
haha

sind politiker von der vds ausgeommen? ganz sicher!

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