Lernen im KMU

Fortbildung als Jungbrunnen

Maria Kapeller, 16. März 2011, 16:09
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    Kuncic: Die Weiterbildung der Mitarbeiter erhält die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens.

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    Susannah Kuncic ist Fachbereichsleiterin bei der ÖSB Consulting GmbH. Das Unternehmen berät im Auftrag öffentlicher Einrichtungen wie dem AMS rund 1.000 Unternehmen pro Jahr.

Die Schulung von Mitarbeitern kostet Geld, ist für viele KMU schwer zu organisieren und trotzdem unumgänglich

80 bis 90 Prozent der KMU (Kleinere und mittlere Unternehmen) setzen regelmäßig auf die Weiterbildung und Qualifizierung ihrer Mitarbeiter. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie der KMU Forschung Austria aus dem Jahr 2008.

Studien und Umfragen sind die eine Seite der Medaille. Die Praxis zeigt, dass das Thema Weiterbildung gerade für KMU, und hier insbesondere für kleinere Betriebe, mit Hürden versehen ist. Mit diesen hat das 40-köpfige Berater-Team rund um Susannah Kuncic, Fachbereichsleiterin bei der ÖSB Consulting GmbH, täglich zu kämpfen. ÖSB berät im Auftrag öffentlicher Einrichtungen wie dem AMS rund 1.000 Unternehmen pro Jahr, davon sind 95 Prozent KMU, ein großer Teil davon hat weniger als 50 Mitarbeiter.

Unternehmerpersönlichkeit ist entscheidend

Kuncic betont vorweg, dass sich KMU in ihrer Personalarbeit je nach Anzahl der Mitarbeiter fundamental unterscheiden. Mittelgroße Betriebe haben zwischen 50 und 250, kleine Betriebe bis zu 50 und Kleinstbetriebe unter zehn Mitarbeiter. Bei kleineren Betrieben hänge es sehr stark von der Unternehmerpersönlichkeit ab, in welchem Ausmaß auf Weiterbildung gesetzt wird. Wer im eigenen Lebenszyklus denkt, selbst schon 55 Jahre alt ist und vorhat, in fünf Jahren in Pension zu gehen, mag anders über Fortbildung denken als ein junger, innovativer Unternehmergeist.

Schwaches strategisches Management

Vor allem kleinere Betriebe müssen im Vorfeld einige Hürden meistern, um ihren Mitarbeitern Weiterbildung anzubieten. Erstens ist selbst bei größeren KMU meist keine eigenständige Personalabteilung anzutreffen, Kleinstbetriebe haben gar keine organisatorischen Ressourcen im Haus. Zweitens ist das strategische Management sehr schwach ausgeprägt, Entscheidungen werden daher häufig kurzfristig getroffen. "Dadurch ist vorausschauende Weiterbildung oft kein Thema, diesbezügliche Wünsche von Mitarbeitern kommen nur ans Tageslicht, wenn sie laut geäußert werden", weiß Kuncic. Fortbildung sei in den allermeisten Fällen kein strukturell verankertes Thema.

Organisation als größte Hürde

Anders als vielleicht vermutet, ist der finanzielle Aspekt in der Regel nicht die größte Herausforderung, so Kuncic. Die große Einschränkung liege vielmehr darin, die Fortbildung zeitlich zu organisieren, gleichzeitig aber den Betrieb aufrecht zu erhalten. Für kleine Firmen, die jeden Mitarbeiter brauchen um das Geschäft am Laufen zu halten, eine Hemmschwelle.

Um das Problem zu umgehen, können Fortbildungen außerhalb der Betriebszeiten, zum Beispiel am Abend oder Wochenende, durchgeführt werden. Im ländlichen Raum sind die Möglichkeiten aber beschränkt. "Eine gute Lösung sind hier Qualifizierungsverbünde, bei denen sich mehrere Unternehmen zusammentun oder kleinere mit größeren Betrieben kooperieren, um sich vor Ort Weiterbildungen zu organisieren", so Kuncic. Kleinbetrieben, die sich dahingehend informieren lassen, wird die Beratung vom AMS zu 100 Prozent gefördert.

Weiterbildung erhält Leistungsfähigkeit

Die Schulung von Mitarbeitern kostet also nicht nur Geld, sondern ist für viele KMU auch organisatorisch schwer auf die Reihe zu bekommen. Warum sollen Firmen trotzdem in Bildung investieren? "Kleinere Betriebe sind sehr oft personal- und nicht kapitalintensiv. Die Mitarbeiter sind der einzig entscheidende Produktionsfaktor, Weiterbildung ist also eine Sache von Aufrechterhalten der Leistungsfähigkeit eines Unternehmens", so Kuncic. Durch den demografischen Wandel sind Firmen in Zukunft gezwungen, wieder verstärkt auf ältere Mitarbeiter zurückzugreifen. "Das was 20 Jahre funktioniert hat, nämlich Personal mit 50 in Pension zu schicken und am Arbeitsmarkt jüngere Nachfolger zu suchen, verschwindet zunehmend."

Externe Schulungen sind beliebt

Sind die Hürden erst einmal gemeistert, entscheiden sich die Betriebe laut KMU-Studie vor allem für externe Schulungen, 60 bis 70 Prozent der KMU greifen regelmäßig darauf zurück. Ähnlich häufig werden Mitarbeiter zu Messen, Tagungen und Seminaren geschickt, um den beruflichen Horizont zu erweitern. 

Der Studie zufolge erfolgt Weiterbildung vor allem auf fachlich-technischer Ebene, gefolgt von kaufmännischen Kenntnissen wie Verkauf, Marketing oder Rechnungswesen, die in Kleinstbetrieben allerdings weniger nachgefragt sind. Darüber hinaus bilden rund 40 Prozent der KMU ihre Mitarbeiter im Bereich EDV weiter, wobei dieser Zweig in den vergangenen Jahren abgenommen hat.

Bildung ist meist defizitorientiert

Ein steigendes Interesse ist bei der Vermittlung von "Soft Skills" zu erkennen, rund ein Drittel der KMU ist hier laut KMU-Studie bereits aktiv. Bei gewerblichem Personal wie etwa Montagearbeitern im Baugewerbe werden etwa Bildungsangebote zum Thema Kundenorientierung immer mehr nachgefragt. Diese Erfahrung macht zumindest Kuncic. Sie nimmt aber auch wahr, dass Weiterbildung in KMU größtenteils defizitorientiert stattfindet: Ein Excel-Kurs für die Buchhaltung, technische Weiterbildungen aufgrund der Einführung neuer PC-Programme.

Jüngere und höher Qualifizierte haben Vorteile

Wie stehen die Mitarbeiter selbst zur beruflichen Weiterbildung? Der KMU-Studie zufolge steigt die Bereitschaft zur Fortbildung mit der Größe des Betriebes. Erhebungen zeigen, dass mehr als 90 Prozent der Beschäftigten in mittleren Unternehmen (50 bis 249 Mitarbeiter) positiv dazu stehen, so die Studienautoren.

Deutlich wird, dass in bestimmte Mitarbeitergruppen bevorzugt investiert wird: jüngere und höher qualifizierte Mitarbeiter. Ältere Arbeitnehmer ab 55 Jahren sind seltener in Weiterbildungsmaßnahmen eingebunden als jünger Kollegen. Auch Arbeitskräfte wie Handwerker oder Arbeiter profitieren am wenigsten, Geld wird lieber in die Weiterbildung qualifizierter Techniker oder des mittleren Managements gepumpt. Je höher deren Funktionsebene, desto wahrscheinlicher die Chance auf externe Fortbildungen.

Den Wunsch nach Bildung laut äußern

Diese Erfahrung macht auch Kuncic. "Besonders in kleineren Betrieben ist die Chance auf Weiterbildung sehr gering, wenn der Wunsch danach nicht vom Mitarbeiter selbst laut ausgesprochen wird", so Kuncic. Weiterbildungsgewohnte wie Jüngere und höher Qualifizierte äußern diesen Bedarf eher als Arbeiter oder ältere Arbeitnehmer. "Wer 25 Jahre lang im selben Betrieb ist und bisher wenig Fortbildungen gemacht hat, wird auch in Zukunft nicht von sich aus auf die Idee kommen." Auch wer sich bereits in ein paar Jahren im Ruhestand sieht, habe geringere Ambitionen, etwas Neues zu lernen. (Maria Kapeller, derStandard.at, 16.3.2011)

Kommentar posten
15 Postings
sirnicha
00
17.3.2011, 13:20
wenn beratung

zur keilerei ausartet, wird sich das jedes kleinunternehmen wohlweislich überlegen. es ist sicher kein bonus für das ams zu arbeiten, denn darin sehe ich eher schon schlampiges herangehen. den hauptteil der ams services teilen sich ohne hin BFI (rot) und WIFI (schwarz). darum wird sich dort die qualität der ausbildung auch langfristig nicht erhöhen.

nigeria-connection
 
01
17.3.2011, 12:21

Prinzipiell gebe ich der Dame in der Theorie ja recht, aber ich habe mein ganzes Leben in KMUs (30 - 100 Mitarbeiter) gearbeitet und kann der Einleitung daher klar widersprechen. Nämlich, dass 80-90% der KMUs auf regelmäßige Weiterbildung setzen. Ich habe bislang kein KMU kennengelernt, in dem Weiterbildung der Mitarbeiter zur Firmenphilosophie gehört, geschweige denn, dass hierfür Arbeitszeit zur Verfügung gestellt wird. Wahrscheinlich habe ich in den 10-20% anderen KMUs gearbeitet. (es waren ja nur 3 verschiedene Unternehmen)

Blick Winkel
02
17.3.2011, 13:22
Dem kann ich mich nur anschließen

Ein leicht paradoxes System haben wir.

Alle Unternehmen wollen den 18 jährigen HTL (bzw. HAK) Absolventen mit 25 Jahren Berufserfahrung für maximal 1.300 Euro Brutto.

Beim Thema Weiterbildung schalten die meisten Ohren auf taub, weil das kostet Geld und Zeit. Und obendrein besteht die Gefahr, dass der Mitarbeiter dann noch auf die Idee kommen könnte woanders mehr Geld zu verdienen.

So presst man ihn aus wie ein Zitrone und rechtzeitig vor der Pension entsorgt man den schweren (teuren) Ballast.

Ich kämpfe seit Jahren für berufliche Weiterbildung in unserer Abteilung und habe genau 0 (Null) Weiterbildungsseminare besuchen dürfen. Habe mir dann meine Weiterbildung selbst bezahlt und stehe kurz vor dem Absprung aus der Firma....

flatline
00
...

Ich persönlich wurde nur in eine Frima aufgenommen weil ich mich bereitwillig in eine Stiftung geben hab lassen.
AMS hat brav für mich Gezahlt und ich habe dem Unternehmen wenig gekostet :-P
So sieht man gerne Weiterbildung in der Wirtschaft.
Wenns jemand andere bezahlt :-)

Peter_23
00
17.3.2011, 12:54
Ihre Beobachtung stimmt wohl

Einzig haben Sie verdrängt, dass es in dem Artikel nur um eine (bezahlte?) und nicht gekennzeichnete Werbeeinschaltung der "ÖSB Consulting GmbH" geht.

Diese "ÖSB Consulting GmbH" will halt ihre teuren Kurse verkaufen. Dann ist die Erklärung der Dame im Zusammenhang schlüssig.

der schalldämpfer
00
17.3.2011, 09:40
Dies war eine Belangsendung der ÖSB Consulting GmbH

Sowas sollte doch als Anzeige gekennzeichnet sein, odr?

blomquist
 
00
17.3.2011, 01:48

so ein Blödsinn.... "...Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit eines Unternehmens"... wer glaubt sowas? Bildung wird der Wirtschaft untergeordnet, und keiner tut was dagegen. Wifi&Co - so ein sinnloser Schwachsinn. Warum dann nicht gleich in der Erziehung auf freie Geister hinsteuern, die muss man nachher nicht zur Bildung drängen, die tun dann eh was für sie passt (und nicht den Firmen).

Johann Schmidt
03
16.3.2011, 17:05
Ist natürlich Topfen

Ausbildung am Abend würde den Unternehmern gefallen (am besten zahlt sie der MA auch selbst).

Weiterbildung führt zu "Überqualifikation", Mehraufwand bei den Lohnkosten und erhöht das Risiko des Arbeitgeberwechsels.

Welcher Arbeitgeber der nur halbwegs bei Trost ist, sollte das auch nur ansatzweise wollen?

Ist sowieso nur eine rhethorische Frage, da die Realität die Antwort gibt.

Wer will das wissen?
01
16.3.2011, 20:14

Dass es ältere Arbeitssuchende in Österreich nicht leicht haben ist leider eine Tatsache. Aber noch schwieriger als "nur" alt zu sein wirds wenn sie mit ihrem Wissen nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind. Würden Sie als Unternehmer jemanden einstellen der ihre Aufgaben nicht erledigen kann?
Also: Weiterbildung erhöht die Wahrscheinlichkeit einen Job zu finden. Langfristig wird sich meiner Meinung nach die Entlohnung weg vom Senioritätsprinzip, hin zur Leistung für den Arbeitgeber hinbewegen müssen. Älter zu sein ALLEINE ist keine logische Begründung für höhere Gehaltsansprüche. Aber das ist eine heilige Kuh in Österreich...

r2pi
00
17.3.2011, 14:45
Achso, deswegen haben wir so viele junge High Performer in Top-Management Positionen, oder sind es doch lauter "seni-ore/-le" Sesselkleber mit längst überholtem "Uraltwissen" ?

Fredl Wurbala
01
17.3.2011, 10:09
Aber noch schwieriger als "nur" alt zu sein wirds wenn sie mit ihrem Wissen nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind.

Oft liegt es aber auch nur daran, dass die Jungen billiger sind.

Firmen nicht in die Weiterbildung investieren möchten, bzw. wenn die Weiterbildung von den MA selbst erledigt wird - diese nicht bonieren möchten.

Wir "Fachkräfte" aus dem Ausland benötigen. (weil billiger )

@Fachkräfte - In diesem Fall halten viele Firmen nichts vom Prinzip - Angebot und Nachfrage regelt den Preis.

Fritz Meyer
00
17.3.2011, 00:56
Ja, "wer will das wissen".

Sie sind offensichtlich noch nicht alt genug, um selber die Abwertung Ihres eigenen Wissenstandes und Erfahrung erlebt zu haben.

Und das besonders faule Märchen mit dem "Veralten des Wissenstandes" können's gleich wieder einpacken - bis auf den IT-Bereich ist das anderswo nämlich NICHT der Fall.

Wer will das wissen?
00
17.3.2011, 08:41

Zur Info: ich bin zur Zeit selbst auf Arbeitssuche (aber noch für ein Unternehmen tätig) und war erst vor einem Monat mit dem Problem konfrontiert von einem potenziellen Arbeitgeber als zu alt eingestuft zu werden, DIESES Problem kenne ich erste Reihe fussfrei. Sie haben recht, das ist gelebter Alltag in Österreich.

Trotzdem: sie glauben es sei nur IT? Wie steht es um Fremdsprachen? Um Softskills wie Kommunikationstechniken, Selbstmanagement? Alles bedeutungslos? Was ist mit den im Text beschriebenen fachlich technischen Fähigkeiten? Was relevant ist hängt immer von der Tätigkeit ab...

verinus
00
17.3.2011, 08:24

auch im IT bereich isses bei weitem nicht so tragisch wie fachfremde annehmen.

frunzi002
00
16.3.2011, 18:39

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