Wikileaks: Lima betrog bei Tropenholzzertifikaten

4. März 2011, 12:56

70 bis 90 Prozent aller 2005 exportierten Mahagonihölzer aus illegalen Rodungen

Buenos Aires/Lima - Peru soll jahrelang bei der Ausstellung von Zertifikaten für Tropenhölzer aus nachhaltiger Forstwirtschaft massiv geschummelt haben. Die Regierung in Lima habe zugegeben, dass 70 bis 90 Prozent aller 2005 exportierten Mahagonihölzer aus illegalen Rodungen stammte, berichtete die internationale Menschenrechtsorganisation Survival am Donnerstag. Sie bezog sich auf US-Dokumente, die von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht wurden. Survival setzt sich für die Rechte von Ureinwohnern und deren Schutz ein.

Der damalige US-Botschafter in Peru, James Struble, habe sich in seiner Depesche von 2006 auf "inoffizielle Schätzungen des INRENA-Instituts", des peruanischen Instituts für natürliche Rohstoffe, bezogen. Aus den Dokumenten geht hervor, dass die US-Diplomaten die verbreitete Korruption und die schwachen staatlichen Strukturen in Peru für den anhaltenden Raubbau verantwortlich machten. Mahagoni steht auf der Liste bedrohter Pflanzenarten. Etwa 80 Prozent der peruanischen Mahagoni-Exporte gehen in die USA.

Folgenlose Ankündigungen

Die illegalen Holzfäller dringen immer weiter in Naturreservate und Schutzgebiete für Ureinwohner vor, in denen die Holzfällerei nach peruanischen Gesetzen eigentlich verboten ist. So gab es vor kurzem dramatische Berichte über Ureinwohner aus dem peruanischen Amazonasregenwald, die vor illegalen Holzfällern über die Grenze nach Brasilien flüchten mussten. Hier finden Sie ein Video über das bisher unkontakierte Volk.

Die peruanische Regierung kündigte daraufhin an, sie wolle künftig eng mit den brasilianischen Behörden zusammenarbeiten, um den illegalen Holzfällern das Handwerk zu legen. Allerdings blieben Ankündigungen über einen besseren Schutz von Menschen und Umwelt im Amazonas bisher oft folgenlos.

"Die Depesche des Botschafters zeigt den alarmierenden Umfang, in dem sich die Behörden der illegalen Aktivitäten bewusst waren, ohne es zuzugeben oder einzugreifen. Es ist unbegreiflich, dass wir fünf Jahre später immer noch systematische illegale Abholzung beobachten können", schrieb Survival-Direktor Stephen Corry in einer Mitteilung. Konsumenten in Europa und den USA könnten sich offensichtlich nicht auf die Dokumente verlassen, mit denen die Nachhaltigkeit gefällter peruanischer Mahagoni-Bäume bestätigt wird. Die Zertifikate seien das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt wurden. (red/APA)

Zermalmt die Niederträchtige!
00
WikilLeaks enthüllt: Bio ist gar nicht immer Bio!

Adolf Ogi
00
alles ein Schwindel

diese ganzen Zertifikate

Malkaye
00
unbedingt auch das video über das unkontaktierte volk schauen!

alles sehr traurig. klar, dass sowas bei einem der beiden US-verbündeten in der region passiert. verachtung von mensch und natur ist halt programm.

daydreamer07
00
daydreamer07
04
das ist so üblich...

die ganzen zertifizierungen sind ein schwindel, vor allem traue ich den leuten von fsc nicht über den weg...in holland wurde sogar ein gütesiegel für bangkirai böden aus indonesien vergeben, wobei dieses holz ausschließlich aus dem tropenwald kommt...wie das gegangen ist frage nicht, da hat wer tief ins geldbörsel gegriffen....

Igor Ximan
00
warum soll bzw. kann es kein Bangkirai

aus Indonesien mit Gütesiegel geben? Sorry, aber ich verstehe den Zusammenhang nicht. Ersuche um Aufklärung. Danke :-)

daydreamer07
01
regenwald

weil bangkirai im gegensatz zum teak nicht in plantagen angebaut wird, es ist ein tropenbaum, der auf borneo in massen gefällt wird, dann zur verarbeitung nach java verschifft wird und von dort aus weiter in die westlichen länder geht.....

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
00
Betrug

Da sieht man wieder einmal, was dieses ganze Zertifikats- und Gütesiegelwischiwaschi wert ist...

mandersischzeit
02

und wo bleibt das importverbot? na eben...

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.