Musikrundschau: Ohne eine Note zuviel

3. März 2011, 17:33
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Neue Alben von Andy Manndorff, dem Fritz Pauer Trio mit Chico Freeman und dem Quartetto di Roma mit Klaus Hampl

ANDY MANNDORFF
Dirt & Soil
(cracked anegg records)
Lebenszeichen eines der subtilen Gitarristen Europas: Andy Manndorff agiert hier auf vielfach malerisch angelegter Themen- und Harmoniebasis, entwickelt mit Clemens Wenger (Piano), Stomu Takeishi (b) und Ted Poor (dr) sanft dahinschwebende nonverbale Erzählungen, die sich nach und nach zu hoher Intensität aufbäumen. Dabei zeigt sich, dass Manndorff mit seiner unkonventionellen, mit weiten Intervallen arbeitenden Improvisationskunst zu starken situativen Verdichtungen befähigt ist. Reizvoll auch, wie er als Komponist entspannte und dynamische Strukturen übereinanderschichtet, um eine reizvolle Ambivalenz der Musik zu erzeugen. Gelassene, aber immer "angriffslustige", reife Musik. (Live: 9. 3. im Porgy & Bess, 20.30 Uhr)

CHICO FREEMAN / FRITZ PAUER TRIO
The Essence of Silence
(JIVE)
Das hier ist Traditionspflege der gediegenen, lebendigen Art: Das Fritz Pauer Trio (mit Bassist Johannes Strasser und Schlagzeuger Joris Dudli) begibt sich mit Sopran- und Tenorsaxofonist Chico Freeman auf eine 2-CD-Reise durch Eigenbaukompositionen und vermittelt einen inspirierten, kompakten Eindruck. Freeman verfügt auf beiden Instrumenten über hohe (oft weiche, poetische) Ausstrahlung; Fritz Pauers unaufdringliche Eloquenz ist immer zugegen, wenn es darum geht, Kommentare abzugeben. Bei Intros hört man zudem, wie viel Gestaltungskraft er auf knappem Raum zur Entfaltung bringen kann. Dazu sorgt die Rhythmusgruppe konstant für Intensität. Am Schluss noch der Klassiker Angel Eyes einmal in einer souljazzigen Version. Auch hier viel Musikhitze und keine Note zu viel.

KLAUS HAMPL / QUARTETTO DI ROMA
Reger/Marteau

(Naxos)
Kammermusik zu entdecken: Der deutsche Klarinettist Klaus Hampl und das Quartetto di Roma stellen Max Regers spätes Klarinettenquintett A-Dur, op. 146 und Henri Marteaus (1874-1934) Klarinettenquintett op. 13 einander gegenüber. Hampls unaufdringliche Spielklarheit schwebt eindringlich über dem filigranen, differenzierten und bei Bedarf romantisch aufgeladenen Spiel des Quartetts. Beide Quintette werden mit hoher Innenspannung versehen, auch die kleinsten Details finden sich charaktervoll zum Leben erweckt. In Summe also: beeindruckende Schattierungskunst, die nie den Überblick über die Gesamtdramaturgie der Werke verliert. Wäre schön, das einmal auch in Wien live zu hören. (tos/ DER STANDARD, Printausgabe, 4.3.2011)

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    foto: cracked anegg records
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