Gaddafi-Vertrauter setzte sich nach Wien ab - Mustafa Zarti ist Vizechef des libyschen Staatsfonds und hat österreichischen Pass
Wien - Ein Vertrauter des Clans des libyschen Machthabers Muammar
al-Gaddafi und hochrangiger Manager soll sich vor rund eineinhalb Wochen nach
Wien abgesetzt haben. Mustafa Zarti, der Vizechef des libyschen Staatsfonds
"Libyan Investment Authority", besitze einen österreichischen Pass, berichtet
die "Presse" vorab unter Berufung auf einen ehemaligen
Vertrauten des "Revolutionsführers".
Der Diktator Gaddafi und sein Clan hätten allein in Österreich rund 30 Mrd.
Dollar (21,7 Mrd. Euro) veranlagt, schätzt der von der "Presse" zitierte
Insider.
Damit betreffe die am Dienstag durch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB)
erfolgte Sperrung von möglichen österreichischen Konten von Gaddafi, seinen
Familienmitgliedern und Vertrauten (auf der "Sanktionsliste" stehen 26 Namen)
nur einen Bruchteil des tatsächlichen Vermögens des Gaddafi-Clans hierzulande.
In Österreich liege der Großteil des Gaddafi-Geldes offenbar in Stiftungen,
heißt es. Auf Bankkonten hat die OeNB insgesamt 1,2 Mrd. Euro an libyschen
Geldern ausgemacht.
Der "Presse"-Informant vermutet, dass Zarti am 21. Februar nach Wien gereist
sein könnte, "um Gaddafi-Gelder flüssig zu machen". Hilfreich sei ihm dabei ein
österreichischer Reisepass, den er seit ein paar Jahren besitze. Warum Zarti den
Pass erhielt, konnte das Blatt nicht in Erfahrung bringen.
Zarti gilt als enger Freund des Gaddafi-Sohnes Saif al-Islam, der in
Österreich vor allem durch seine Freundschaft mit dem verstorbenen Kärntner
Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ) bekannt ist und auch hier studiert hat. Er gilt
nach "Presse"-Informationen als einer der Top-Wirtschaftsmanager in seinem Land:
Er ist nicht nur Vizegeschäftsführer der "Libyan Investment Authority" - im
Übrigen zusammen mit der Central Bank of Libya größter ausländischer Aktionär
der Mailänder Bank-Austria-Mutter Unicredit -, sondern auch Vorstand der
National Oil Corporation, Chef des Öl- und Tankstellenkonzerns Tamoil,
Vizevorsitzender der First Energy Bank in Bahrain und nebenbei auch noch für den
Thunfischfang vor der libyschen Küste zuständig. (APA)