Fallstricke für KMU

Österreich braucht Insolvenzen

Sigrid Schamall, 2. März 2011, 17:06
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    foto: apa/florian schuh

    So manchen erwischt es kalt, und er geht mit seiner Geschäftsidee baden.

Die Zahl der Unternehmens­gründungen von Klein- und Mittelbetrieben steigt, die der Pleiten auch - zum Glück

Beginnen wir bei den Galliern. Der Druide Miraculix verstand es prächtig, seinen Zaubertrank zu mixen. Doch nicht nur das Rezept, auch das richtige Händchen, die richtige Dosierung, eine ordentliche Portion Augenmaß und Weitsicht führten zum gewünschten Ergebnis. Nicht ganz unähnlich verhält es sich mit Unternehmensgründern: Man nehme: Eine Idee, ausreichend Mut, ein kräftiges Maß an Barmitteln und einige Ressourcen, auch ein Businessplan kann nicht schaden - exakt 29.221 Unternehmen wurden so oder so ähnlich im Jahr 2010 gegründet, um 1,1 Prozent mehr als im Jahr davor.

Klein- und Mittelunternehmen (KMU) machen in Österreich fast 98 Prozent aller Betriebe aus. Grund dafür sind unter anderem Umwälzungen und Veränderungen in der Wirtschaft in den letzten ein, zwei Jahrzehnten. Staatsbetriebe lagerten Bereiche aus, Konglomerate wurden zerschlagen, die Technologien veränderten sich enorm, der Wettbewerb nahm spätestens mit dem EU-Beitritt zu. Doch nichts ist so rosig wie es klingt, denn im langjährigen Schnitt überleben nach Angaben der Wirtschaftskammer (WKÖ) nur 76 Prozent die ersten drei Jahre, nach fünf Jahren sind bereits ein knappes Drittel wieder verschwunden.

Peter Voithofer, Geschäftsführer der KMU Forschung Austria, relativiert auf Anfrage und will lieber von "Bestandsquote" sprechen. "Besteht ein Unternehmen nicht mehr, heißt das nicht zwangsläufig, dass es tot ist." Ein Firmengründer könne beispielsweise eine Zeitlang auf Projektbasis bei einem anderen Unternehmen angestellt sein, selbstständige und unselbstständige Tätigkeit wechselten dann einander ab. Tatsache bleibt allerdings, dass die Zahl der Insolvenzen zunimmt, Fallstricke für Unternehmen lauern überall.

Zeit, Plan und Markt

Prinzipiell sei Gründen in Österreich keine große Affäre, gehe sehr rasch und relativ unkompliziert, so ein WKÖ-Sprecher zu derStandard.at. Doch Ruck-Zuck-Aktionen erweisen sich mitunter als tödlich. Banal, aber oft nicht ausreichend beachtet, wird in der Gründungsphase der Zeit- und Planungsfaktor. Wichtig dabei: sich keinesfalls in eine Unternehmensgründung hineindrängen zu lassen. Voithofer: "Die erste brennende Frage muss sein: In welcher Branche möchte ich mich selbstständig machen? Wo ist der Markt?" Die persönlichen Voraussetzungen in fachlicher und branchenseitiger Hinsicht müssen abgeklopft werden, sowie die eigenen wirtschaftlichen und kaufmännischen Kenntnisse, ebenso die optimale Rechtsform - Stichwort: Besicherung und Kapitalaufbringung. Da das Startkapital zu Anfang meist überschaubar ist, ist ein Business-Plan für die weitere Zukunft unerlässlich. Bei der Erstellung helfen gesetzliche wie auch freiwillige Interessensvertretungen oder Förderbanken.

Die meisten finden sich in der Gewerbe-Branche, in der Hauptsache für persönliche Dienstleistungen, wie Energetik- oder Einrichtungsberater. Danach folgen Unternehmensberater und EDV-Dienstleister. Werbung und Marktkommunikation schließen gleich an, dann der Direktvertrieb (Handelsagent, Warenpräsentator und dergleichen). Schließlich die Finanzdienstleister, die Gastronomie, der Reinigungsbereich und das Bauhilfsgewerbe. Auch unter den Top-Ten: der Handel, zumeist der im Internet.

Durststrecke

Bleibt noch der Mut zum Risiko. Hans-Georg Kantner, Insolvenzexperte beim Kreditschutzverband 1870 (KSV): "Wenn Sie Glasknochen haben, werden Sie wahrscheinlich aufs Schifahren verzichten. Bei normaler Gesundheit nicht. Aber Sie könnten ein paar blaue Flecken riskieren." Nach der Durststrecke des Jahres 2009, als rund 7.000 Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit schlitterten, machte sich laut einer aktuellen globalen Insolvenzanalyse der zum Allianz-Konzern gehörenden Euler-Hermes-Gruppe in Österreich der Konjunkturaufschwung bemerkbar. 2010 gingen die Insolvenzen laut Studie um 7,6 Prozent auf 6.376 Fälle zurück.

2011 soll sich dieser Trend mit minus 7,3 Prozent weiter fortsetzen, so die Prognose. Kantner dagegen rechnet damit, dass die Insolvenzzahlen der Konjunkturerholung zumindest 2011 noch hinterherhinken werden. Einen Zusammenhang zwischen Wirtschaftskrise und Anstieg an Insolvenzen bei den KMUs sieht er nicht. Im Gegenteil: "KMUs sind risikoärmer, krisenfester, und wenn sie einmal ins Trudeln geraten, sind sie auch bereit, einiges ins Unternehmen zu stecken - manchmal auch zu viel, was wohl mit dem sanierungsfreudigen Insolvenzrecht in Österreich zu tun hat."

Hauptursachen der Insolvenz

80 Prozent der Insolvenzen sind laut KSV auf persönliches Versagen zurückzuführen, 42 Prozent davon auf betriebsinterne Fehler, 15 Prozent auf Fahrlässigkeit, 14 Prozent auf Kapitalmangel und neun Prozent auf persönliches Verschulden. Letzteres betrifft überhöhte Entnahmen, Spekulationen, Vernachlässigung und betrügerische Handlungen - Dinge also, die dem Unternehmer selbst vorzuwerfen sind. Fahrlässigkeit und Blauäugigkeit stehen außerhalb des straf- oder schadensersatzrechlichen Rahmens, vielmehr versteht man darunter unternehmerischen Leichtsinn; "Einlassungsfahrlässigkeit" beispielsweise, sprich: Jemand gründet ein Unternehmen ohne oder mit zu wenig Erfahrung. Kantner: "Chef sein hat Vorteile, beinhaltet aber auch eine Menge an Verantwortung und Obligenheiten, die einzuhalten sind."

Kantner greift zu einem bildhaften Vergleich: "Der Chef eines Unternehmens ist wie ein Kapitän auf einem Schiff: Er ist für alles verantwortlich, was passiert, und - ebenso wichtig - was nicht passiert. Er trägt die Verantwortung, hat die Organisationshoheit. Er ist es, der entscheidet, wer eingestellt wird, wie viele Leute für ihn arbeiten, welche Ausbildung diese haben, er setzt die Regeln fest. Ein Unternehmen ist keine demokratische Veranstaltung, sondern eine hierarchische Organisation. Für betriebsinternen Schiffbruch müssen Unternehmer und Management gerade stehen."

Im Turbo gegen den Eisberg

Die Achillesferse der KMU ist nach Angaben Kantners der häufig fehlende Weitblick. KMU befassen sich zu wenig mit den großen, langfristigen Entwicklungen. "Man kann Manager grob in drei Kategorien einteilen: Diejenigen, die hinter den Horizont blicken und aktiv an der Zukunft arbeiten, jene, die sich zumindest überlegen, wie die Zukunft sein könnte, und jene - leider sehr zahlreich - , die weder das eine noch das andere tun. Somit sind viele Insolvenzen zwar extern verursacht, kommen aber nicht unerwartet." Ein gutes Beispiel dafür ist der Weg Österreichs in die EU: Das Beitrittsansuchen wurde Mitte der 1980er-Jahre eingereicht, nach Abarbeitung der Fünf-Jahres-Agenda und dem Eintritt zum Europäischen Wirtschaftsraum gab es eine veritable Insolvenzwelle in den Bereichen Spedition (unter anderem Grenzabfertigung), Frächter, Nahrungsmittelgrunderzeugung oder Bäckereien. Viele Betriebe waren schlicht nicht ausreichend vorbereitet auf die neue Wettbewerbssituation. "Es gab sozusagen eine Eisbergwarnung, und der Kapitän traf die Entscheidung, mit voller Geschwindigkeit zu fahren. Eine grobe Fahrlässigkeit, die Geschwindigkeit nicht zu drosseln, sondern zu erhöhen", so Kantner.

Dynamik, Wettbewerb und Entwicklung nehmen weiter rasant zu. "Unternehmen werden künftig immer mehr an ihre betriebswirtschaftlichen Grenzen 'fahren' müssen. Der Wettbewerb wird schärfer und somit steigt die Zahl der Insolvenzen", so Kantner weiter. Österreichs Insolvenzentwicklung ist bereits auf dritthöchstem Niveau in Europa. Ein Faktum, dem Kantner aber auch durchaus Positives abgewinnen kann: "Die Zahl der Insolvenzen ist ein Spiegel der Dynamik in der Wirtschaft. In einem Land ohne Pleiten gibt es auch keine Entwicklung. Je mehr Pleiten, desto dynamischer die Wirtschaft." (Sigrid Schamall, derStandard.at, 2.3.2011)

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Kapitalismus Luege
00
10.3.2011, 11:49
das Risiko-Gewinn Verhaeltnis

stimmt halt nicht.

Geht was schief, so ist der Einzelunternehmer 7 Jahre im Konkurs (Zwangsarbeit).
Waehrend des Konkurs-verfahrens muss der Masseverwalter KEINE Abgaben (GSVG + Steuer) abfuehren.

Einigt man sich auf einen Zahlungsplan, kommen nach 2 Jahren die GSVG und Steuer-Nachforderungen.

Da man ja nichts hat, kann man ja auch nichts zahlen.
Man kann 5 Jahre warten, um wieder in Konkurs gehen zu koennen.

Und dann erklaert ein Heini - dass Oesterreich Insolvenzen brauche !

Wolfgang Pimminger
 
00
10.3.2011, 16:50

Sie haben meiner Ansicht nach eine etwas eigenartige Einstellung zu einem Konkurs, so wie übrigens eine Menge sogenannter "Geschäftsleute".

Konkurs heißt überwiegend - in deutlichen Worten ausgedrückt: "Unternehmerische Verantwortung nicht ausreichend wahrgenommen."

Der EINZIGE Grund unverschuldet in einen Konkurs zu rascheln sind Zahlungsausfälle in großem Rahmen. Genau genommen gilt das allerdings auch das nur, wenn es nicht nur um die betragliche Höhe, sondern auch um eine entsprechende Anzahl an Zahlungsausfällen geht.

aculus populus
 
00
17.3.2011, 09:30
Einzige Grund?

Sehr oberflächlich analysiert ... es kann ja so vieles passieren...nur Zahlungsausfälle sind nicht immer der Grund

Dignus
03
Also, beim Lesen dieses Artikels kriege ich einen Wutanfall nach dem anderen.

Ich musste mich selbstständig machen, weil ich in einem Alter war, wo mich keine Firma mehr nahm. Mein Einzelunternehmen lief halbwegs gut. Bis ich ein schlechtes Jahr hatte und ein wenig mit der USt. jonglierte ... nicht aus Jux und Tollerei, sondern um zu überleben. Ich hab halt die USt. am Ende des Jahres nachgezahlt. Die Folge: Eine Betriebsprüfung. Was wiederum höhere Kosten und Strafzahlungen verursachte .. zu einem Zeitpunkt, wo du eh keine Kohle hast. Diese Kammerfuzzis & Co. haben keine Ahnung, wie es im wirklichen Leben zugeht. Krank sein? Darf ich nicht. Urlaub? Kann ich mir nicht leisten. 40 Std? Ein Scherz. Und Unterstützung vom Staat ... gleich null.

Wolfgang Pimminger
 
01
10.3.2011, 16:38
Ich musste mich selbstständig machen, weil ich in einem Alter war, wo mich keine Firma mehr nahm.

Also diese Situation kenn ich aus eigener Erfahrung. Auch das mit dem "halbwegs gut laufen" bis hin zum "schlechten Jahr". Das war für mich das Jahr 2009.

Zwei Dinge jedoch kenne ich nicht: Jongliererei mit der Steuer und Strafzahlungen. Meine Buchhaltung kann nach wie vor jederzeit geprüft werden. Ich hab damit keinerlei Probleme, weil ich eben nicht jongliert und auch keinerlei sonstigen Umgehungstricks versucht habe. Lassen Sie mich mal raten: Die KFZ-Nutzung war sicher ein Thema.

Daneben sei noch bemerkt: Ich hab zwar auch zudrehen müssen, musste aber keineswegs Konkurs anmelden. Es ist auch eine Frage unternehmerischer Verantwortung rechtzeitig die Bremse zu ziehen.

aculus populus
 
00
17.3.2011, 09:32
Gut

aber mehrere 2009 Jahre könnten immer ein Problem darstellen, unternehmerischer Verantwortung hin oder her.

RS69
 
21

"Was wiederum höhere Kosten und Strafzahlungen verursachte"

Dann haben's nicht nur "jongliert".

sotho talker
 
03
wissen sie was das amüsante ist?

nämlich wenn dann "große" manager von "verantwortung" faslen!

jeder kleine selbstständige weiß was das ist, aber die mit dem golden handshake haben keine ahnung davon.

die nächstlustigen sind dann die, die wähnen, nur weil sie unternehmer von irgendeinem würschtlunternehmen sind, spielen sie in derselben liga wie die großen oder sich betroffen fühlen wenn von den "ausbeutern" und "raubtierkapitalisten" die rede ist.

alles was nicht global agiert, "die kleinen", sitzen alle im selben boot, ob selbstständig oder angestellt!

die gadaffis dieser welt und ihre helfer in politik und wirtschaft sind fein raus während der pöbel sich gegenseitig beschimpft...

sotho talker
 
00
"Prinzipiell sei Gründen in Österreich keine große Affäre, gehe sehr rasch und relativ unkompliziert"

da hab ich aufgehört zu lesen und ich denke ich hab nichts versäumt...

RS69
 
00

Der amtliche Teil geht auch sehr schnell (Wenn Sie alles zusammen haben). Bei mir waren es so ca 2 Formulare, und 30min dort. Zusätzlich 1h bei der WKO vorher.

Wenn's natürlich erst dort anfangen, sich zu informieren, welche Voraussetzungen das Gewerbe hat, und zu überlegen wo Ihr Meldezettel ist - dann kann's langwierig werden.

xxx...yyy...
00
was stört sie daran?

wenn sie nicht gerade eine stahlgießerei in ein wohngebiet reinbauen wollen, ist die unternehmensgründung in den meisten branchen kein großes ding (vorausgesetzt sie informieren sich rechtzeitig)

sotho talker
 
00
weil es suggeriert man könne einfach so

ein unternehmen gründen. wenn sie daran denken sowas zu tun werden sie in 90% aller fälle nach monatelanger (vernünftiger!) vorbereitungsarbeit draufkommen: es lohnt sich nicht, risiko ist zu groß, keine langfristige perpektive weil x) y) z)

für die restlichen 10% der fälle werden ihnen prügel zwischen die füße geworfen, bzw. werden sie nicht die geldmittel haben um es zu verwirklichen.

eine unternehmensgründung als etwas darzustellen was man "leichten herzens und ganz simpel", also voll easy mal zwischen kaffee und kipferl macht halte ich für unverantwortlich.

RS69
 
00

Die Gründung ist leicht.

Dass SIe ein Konzept haben müssen, um Erfolgreich zu sein, ist eine andere Sache.

Niederösterreicher
10
<<Ein Unternehmen ist keine demokratische Veranstaltung, sondern eine hierarchische Organisation. <<

Wenn wir eine solche Koffer-Mentalität als zeitgemäß akzeptieren, dann wird es weiterhin radikal abwärts gehen.

SOlange nicht ein gemeinsames, sinnstiftendes Motiv in einem Betrieb die Mitte wird, werden Mitarbeiter immer (bewusst oder unbewusst, das Ergebnis ist das Gleiche) subversiv gegen eine solche Organisation arbeiten.

Denn Undemokratisches und Hierarchisches ist dem menschen von heute etwas zutiefst Unerträgliches.

Wolfgang Pimminger
 
00

Das Problem der sinnstiftenden Tätigkeit hat aber nur wenig mit der hierachischen Organisation von Unternehmen zu tun, sondern mit fehlenden Alternativen in der Wahl des Arbeitsplatzes.

Das ist einer der Hauptgründe, warum ich ein BGE befürworte. Unter BGE-Bedingungen kann jeder Mitarbeiter, der an seinem Arbeitsplatz unglücklich ist, seinem Chef kurzerhand den Rücken zukehren. Über dieses wirtschaftliche Druckmittel verfügt derzeit allerdings nur eine Seite.

Niederösterreicher
00
Absolut, da bin ich ganz bei Ihnen. Ein BGE wäre eine zeitgemäße Forderung.

Noch hätten wir die Kapazität, es einzuführen.
Wenn wir so weiterwirtschaften wie bisher und gesellschaftlich alles den Bach runter gegangen ist, wird es schwer werden.

Wolfgang Pimminger
 
00
Falsch.

Ein BGE lässt sich praktisch immer und unter allen Bedingungen realisieren, vorausgesetzt die Finanzierungsquelle ist stimmig. Für's BGE gilt derselbe Ansatz wie für eine umlagefinanzierte Pension. Im Gegensatz zum Kapitaldeckung, die sich schlagartig verflüchtigen kann, hat eine Umlage nämlich immer eine Leistungsgrundlage in der realen Wirtschaft.

Der praktisch einzige Fall an dem auch ein BGE kapitulieren muss ist ein Massensterben weil nichts mehr erwirtschaftet werden kann.

Peter aus Wien
01
So, und jetzt gehen wir alle hinaus an das Biotop, trinken einen Tee aus selbst geernteten Kräutern und knabbern am Rübchen..

Natürlich ist ein Unternehmen KEINE Plattform für basisdemokratisches Chaos.

Niederösterreicher
00
Tja, wir können die gängige Haltung auch ruhig weiter so praktizieren wie bisher, nur müssen wir dann auch das Elend in Kauf nehmen, das daraus resultiert.

"Alle Irrtümer, die ein Mensch begehen kann, sind bei weitem nicht so schlimm wie Verhältnisse, in denen andere ihn zu etwas zwingen können, das sie für gut halten." John Stuart Mill

Seiner Meinung zufolge würde solche Konformität "nur beschränkte und bornierte, verkrampfte und verkrümmte Menschen hervorbringen."

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin selbst ein Freund der Ordnung und befürworte sicher kein Chaos (und wenn die Motive der Geschäftsführung zumindest einigermaßen einen sinnstiftenden und humanen Hoizont besitzen, dann sind Dienstanweisungen ja voll in Ordnung und auch zu befolgen), das Problem ist eher, dass eine Mehrzahl der Arbeitnehmer heute das Gefühl hat, vollkommen sinnlos, da rein profitorient zu arbeiten.

RS69
 
03

Am Ende des Tages treffe ich in meinem Unternehmen die Entscheidungen.

Aber tatsächlich ist ein Unternehmen nicht demokratisch: DIe Mitarbeiter werden dafür bezahlt, die Strategien des Eigentümers Umzusetzen.

Im Tagesgeschäft ist natürlich einiges an Entscheidungsgewalt delegiert.

Demokratisch war die österr. Volksbefragung über den EU-Beitritt.
Im Unternehmen gilt: Natürlich höre ich gerne auf die Inputs der Mitarbeiter - Aber am Ende des Tages gibt's keine Abstimmungen, wenn ich strategische Entscheidungen treffe, und festlege, ob manche Themen gemacht werden oder nicht.

Niederösterreicher
00

s.o. (Kommentar @Peter)

MfG

RS69
 
01
10.3.2011, 12:02

Tatsächlich arbeiten auch viele Arbeitnehmer vor Allem profitorientiert - die wollen vor Allem mal Geld von mir als Arbeitgeber, und das ist ihnen sehr, sehr wichtig.

Aber ich nehm ihnen das nicht übel. ;-)

Die Sinnstiftung eines Unternehmens besteht aus zwei Aspekten: Den Zweck eines Unternehmens zu erfüllen und damit Gewinne zu machen.

Und vor Allem bezahle ich Mitarbeiter natürlich dafür, dass Sie Tätigkeiten erbringen, diedirekt oder indirekt diese beiden Ziele unterstützen - Dass es den MA Spass macht, ist manchmal ein angenehmer Nebeneffekt. Im Grunde kann ich aber auch gut damit leben, wenn der zB Mechaniker mein Auto ohne Vergnügen und nur des Geldes wegen repariert.

4321
01

so was einfaches wie krankheit kommt als mögliche ursache von insolvenz einfach nicht vor bei den herren experten. dass ausgerechnet jene die den freien wettbewerb nach aussen hin für so wertvoll erachten, gleichzeitig jene sind, die solchen von den arbeitenden gut bezahlt in ihren kammern und bünden, seilschaften und netzwerken um verzerrend subvention eigentlich verunmöglichen, kommt leider auch nirgends vor. es wäre schon mal subventionshöhen/ steuerleistungen vergleichen zu können.

freeye
00
ich hab aus dem film titanic

gelernt, dass es vielleicht sogar besser gwesen wär, hätten sie mit voller geschwindigkeit den eisberg frontal erwischt.

MoltoBene
06
ein echter Unternehmer

Schön wenn ein quasi pragmatisierter WK Angestellter über die Fehler und Unzulänglichkeiten von Unternehmern spricht. Was für Deppen diese Spediteure, daß sie nicht alle vor dem EU beitritt zu internationalen Playern aufgestiegen sind, wo doch die Zukunft so klar war! Sicher hat der Autor auch mit einem messerscharfen Blick über den Zukunftshorizont festgestellt, daß für Ihn am besten das ruhige Leben in der Wk sei.

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