Erfreuliche Ergebnisse

Dem Aidsvirus die Türe versperren

Sascha Karberg, 2. März 2011, 12:03
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    foto: visual science company / aaas

    Dieser seltsam bewachsene Ball mit viel Innenleben ist die zurzeit genaueste Abbildung des HI-Virus. Eine Jury von "Science" hat sie kürzlich zur besten wissenschaftlichen Illustration des Jahres erklärt.

Weniger als ein Prozent der Europäer sind gegen das HI-Virus immun - Forscher wollen diese Resistenz per Gentherapie nachahmen

Das Aidsvirus aus einem HIV-Patienten vertreiben - nur ein einziges Mal ist Ärzten dieses Kunststück bislang gelungen. 2007 wurden dem US-Amerikaner Timothy Brown an der Berliner Charité Blutstammzellen eines fremden Spenders transplantiert, der eine Besonderheit aufweist: Er gehört nämlich zu etwa einem Prozent jener Europäer, bei denen erblich bedingt in den Zellmembranen ein Protein namens CCR5 fehlt. Und das wiederum ist eine Art Tor, ohne das Aidsviren nicht in die wichtigsten Immunzellen des Blutes eindringen können, die T-Zellen.

Brown, inzwischen berühmt geworden als der "Berliner Patient" , lebt heute gesund und ohne HIV in San Francisco. Der US-Amerikaner hatte großes Glück, unter 200 möglichen Stammzellspendern einen HIV-resistenten zu finden. Bisher gelang dies für keinen zweiten der weltweit 33 Millionen HIV-Infizierten.

Doch nun könnte die kalifornische Biotech-Firma Sangamo den einmaligen Behandlungserfolg für viele Aidspatienten ermöglichen - indem nämlich das Erbgut der eigenen T-Zellen eines HIV-Infizierten mithilfe spezieller Gen-Scheren verändert und resistent gegen HIV gemacht werden. Am Montagabend stellten die Forscher der Firma auf einer Konferenz in Boston erste Ergebnisse der seit 2009 laufenden Studien vor.

Das Prinzip klingt simpel: Man entnimmt dem Patienten Blutzellen, zerschneidet in deren Erbgut das CCR5-Gen mittels spezieller Gen-Scheren und transplantiert sie dann zurück. Von den circa 20 Milliarden T-Zellen, die den Patienten einmalig gespritzt werden, können die Forscher mit dieser Prozedur zwar nur 25 Prozent tatsächlich HIV-resistent machen, doch da die Viren die unveränderten Zellen selbst beseitigen, werden die resistenten T-Zellen angereichert.

Aidsaktivist als Proband

Matthew Sharp war einer der Ersten, die sich die modifizierten T-Zellen spritzen ließen. Schon drei Monate danach berichtete der Aidsaktivist aus San Francisco der Presse euphorisch, dass sich seine T-Zellen-Zahl verdoppelt habe und "alles in die richtige Richtung" gehe. Allerdings können und sollen die Studien noch gar nicht beweisen, ob Sangamos Therapieansatz tatsächlich wirkt, sondern ob das Verfahren mit den Gen-Scheren überhaupt sicher ist.

Bei den ersten sechs von insgesamt rund 20 Aidspatienten verhielten sich die genveränderten T-Zellen offenbar ganz normal, wuchsen an, überdauerten und vermehrten sich sogar. Die Anzahl der T-Zellen im Blut, ein Maß für das Voranschreiten der Erkrankung, verbesserte sich bei fünf der sechs Patienten, sagt Sangamo-Sprecherin Elizabeth Wolffe.

Auch die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA stuft den Therapieansatz als sicher genug ein, um einer dritten Studie zuzustimmen - mit Patienten, welche die üblichen Medikamente gegen Aids noch nicht bekommen haben.

Trotzdem muss Sangamo jeden der gentherapierten Patienten zehn Jahre lang beobachten. Denn in Paris hatten Forscher schlechte Erfahrungen mit Gentherapien gemacht. Kinder mit einer angeborenen Genmutation wurden von ihrer angeborenen Immunschwächekrankheit zwar geheilt, weil ins Erbgut ihrer Blutzellen ein intaktes Gen eingesetzt wurde. Doch kurz darauf entwickelten einige Blutkrebs, weil beim Einbau des intakten Gens das Erbgut geschädigt wurde.

Bei Sangamos Methode ist dieses Szenario jedoch eher unwahrscheinlich, sagt Cathomen. Denn die Gen-Scheren sind so konstruiert, dass sie fast ausschließlich im gewünschten Gen schneiden.

Sie bestehen aus einem sogenannten Zinkfingerprotein, das so konstruiert werden kann, dass es eine bestimmte einzigartige Abfolge von DNA-Bausteinen im 3,3 Milliarden Bausteine großen Erbgut findet. Erst dann wird das Gen mit einer molekularen Schere zerschnitten, die Sangamo an den Zinkfinger gehängt hat.

Modifizierte Stammzellen

"Eine einmalige Dosis CCR5-freier Zellen kann bei den Patienten noch keine großen Effekte auslösen, geschweige denn bewirken, dass das Virus verschwindet" , sagt Cathomen. Um die Aids-Viren wie bei Timothy Brown vollständig aus dem Körper zu vertreiben, müsste Sangamo die blutbildenden Stammzellen im Knochenmark resistent machen, aus denen sich alle Zellen des Blutes ständig neu bilden.

Bei Mäusen hat das schon funktioniert, und ein 14,5-Millionen-Dollar Projekt soll bald Tests mit genmodifizierten Blutstammzellen an Aidspatienten ermöglichen. Allerdings sei die Gefahr, dass ein falscher Schnitt der Gen-Scheren Blutkrebs auslöst, mit Stammzellen viel größer, betont Cathomen.

Die etwa 12.000 HIV-Infizierten in Österreich auf diese Weise dauerhaft vom Virus zu befreien würde sich auch für die Krankenkassen lohnen. Rund 20.000 Euro pro Jahr kosten die diversen Pillen, welche die Infizierten täglich schlucken müssen, um den Ausbruch von Aids zu verhindern. Konventionelle Stammzelltransplantationen schlagen mit etwa 100.000 Euro zu Buche, sodass sich das Verfahren nach ein paar Jahren amortisiert hätte.

Für Millionen Aidskranke in den Entwicklungsländern dürfte die extrem aufwändige Therapie jedoch kaum realisierbar sein. (Sascha Karberg/DER STANDARD, Printausgabe, 02.03.2011)

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Johannes Benn
00
16.3.2011, 12:20
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dem hiv virus die türe verschließen? dann sollte man frontex freie hand lassen!

rudolf schladming
 
05

ich finde rechnungen (wie die im vorletzten absatz) die feststellen sollen, ob lebensnotwendige behandlungen bei kranken wirtschaftlich sind widerlich.

M L3
00
Prinzipiell ja. Aber hier geht es um den Vergleich zweier Behandlungsmethoden

Die eine ist etabliert und erprobt, erfordert aber dauernde Medikamente um das Überleben zu sichern. Die andere ist eben neu, einmalig sehr teuer, könnte aber zur vollständigen Heilung führen. Die Kosten sind doch hier nur ein Nebenaspekt, sie würden hier doch eindeutig für die neue Methode sprechen, welche dauerhafte Heilung verspricht. Aber diese neue Methode ist eben noch nicht erprobt, es könnten gefährliche Nebenwirkungen auftreten.

rudolf schladming
 
00

das stimmt natürlich. aber auch hier steht der nutzen für den patienten im vordergrund. selbst wenn diese methode teurer wäre, wäre sie zu bevorzugen weil sie die lebensqualität der kranken verbessert und bessere aussichten auf tatsächliche heilung bietet.

Nick Tameer
00

Schön, dass die gute alte Handarbeit in der Mikrobiologie wieder zu Ehren kommt und Viren als textile Gestalten ein fassliches Aussehen erhalten. Immer nur Topflappen, Schals und Socken ist doch recht öde.

peter schmidt
 
00
Nachdem ja auch einige Ärzte und wissenschaftlich beschlagene hier sind

hätte ich eine Frage:

Ich habe (vor ca. 20 jahren) einen Artikel gelesen, dass der HIV VIrus dazu tendiert in Richtung eines weniger tödlichen und eher langsameren Krankheitsverlaufs zu mutieren (was natürlich für die bereits oder in naher zukunft infizierten nicht viel bringt). war allerdings nur in "medizin popular".

Ist grundsätzlich an diesem gedanken etwas dran?

er erscheint mir prinzipiell nicht unlogisch, da ja der weniger tödliche langfristiger überleben kann.

NuttyFanboy
 
01

das ist nicht nur beim HI-Virus so, es ist generell so.
Die tödlichsten Viren - also diese, die ihren Wirt schnell töten - tendieren aufgrund der natürlichen Selektion dazu, weniger virulent oder weniger tödlich zu werden.

Wieso? Ganz einfach: tötest du deinen Wirt zu schnell, kann er diesen Virenstamm nicht weitergeben, und du eliminierst dich selbst. Stämme die nicht ganz so schnell töten, oder gar einen vergleichsweise harmlosen Verlauf haben, überleben damit eher.
Mit HIV wird es ähnlich sein, auch wenn es vermutlich länger dauert (da das Virus zwar 100% der Opfer letztendlich tötet, aber es mitunter dauert)

D.S.1
00
29.6.2011, 11:23

Richtig, was Sie sagen!
Aber warum mutiert das Virus dann nicht auch in Richtung einer ansteckenderen Variante, das würde doch ebenso das Überleben des Virus fördern?

peter schmidt
 
00
Danke.

klingt nachvollziehbar.

Wolfgang Keim
11
junk food, junkpharma, malnutrition

from junkproduction science, wieder ein Artikel der Volksverdummung!

Leser1010
 
01

Na zum Glück heisst die Firma Sangamo und nicht Umbrella.

NotUsed
163

kein azt kein aids, so einfach ist das.
vielleicht liest ihr mal den beipackzettel oder seht euch die originalverpackung an. oder lest wie der aids test funktioniert, dann sollten alle aufgetischten klarheiten beseitigt sein.

NotUsed
30

oh die pharmaindustrie auch da, hallo und willkommen im forum.

dazu gibts eigentlich eine menge zu sagen, aber 750 zeichen reichen nicht aus. das thema kann man mit der mediengesteuerten schwarz-weiß mentalität auch nicht vernünftig erfassen.

jeder der kampfposter sollte vielleicht mal das internet zu rate ziehen und sich über die entstehung und die unzuverlässigkeit des hiv testes informieren.
zudem wären auch einige "spontanheilungen" zu finden als die besagten patienten, aufgrund von hefitgsten nebenwirkungen des azt's das medikament einfach abgesetzt haben. azt zerstört das immunsystem, keiner stirbt an aids, man stirbt aufgrund von krankheiten mit denen man normalerweise locker fertig wird.

investiert mal ein paar minuten recherche

Bernd U.
00
Mann darf nicht jeden Blödsinn glauben, den man liest!

Wer den tödlichen Ausgang ohne Medikamente sowie die Wiederherstellung ehemals Sterbenskranker, welche mittlerweile seit 20 Jahren mit erträglichen Nebenwirkungen weitgehend normal leben, kennt, der weiss das die AIDS-Leugner falsch liegen. Der Rückgang der Sterbeziffer in Ländern, in welchen die Therapie zur Verfügung steht, spricht ebenfalls eine klare Sprache. Bitte recherschieren Sie das nächste Mal mehr als ein paar Minuten bevor Sie sich eine Meinung bilden.

Timagoras
 
06
"kein azt kein aids, so einfach ist das"

.
sagen Sie das bitte meinen freunden, die ohne AZT (weil das damals noch nicht zur behandlung zugelassen war) an AIDS gestorben sind!

Nick Tameer
04

Deine Bewerbung als südafrikanischer Gesundheitsminister?

Bernd U.
04

Infizier' Dich und probier's aus.

jodaflo
 
03
brainNotUsed

M L3
01
Vermutlich aus Mangel desselben

C R3
16
Was für ein Quatsch.

Meine Güte, ich hätte nicht gedacht, dass dieser Aids/HIV Leugnungsschwachsinn noch immer von irgendwelchen Leuten geglaubt wird.

anti follower nick 03
01
das Virusbällchen

schaut aus wie ein Modell unseres Planeten. Zufall?!

Der junge Jim Kirk
00

Nein eher wie der Mars, denn ich hab früher die Maus auf dem Mars gesehen.

das jüngste Gerücht
00

Sie haben natürlich Recht. Mikro- und Makrokosmos sind sich tatsächlich ähnlich....auch was die psychologische Komponente betrifft...

HenningTresckow
03
....

Hurra ... ich lerne grade für die Prüfung "Zellfabriken" auf der BOKU und solche Artikel helfen einem dabei die Sahelzone der Lernmotivation erfolgreich zu durchschreiten :D

Interessanter Artikel!

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