Immofinanz und Fellner: Staatsanwaltschaft ermittelt weiter

28. Februar 2011, 23:31
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"Journalist" berichtet über Details zu Geschäften mit Immofinanz/Constantia

Die Staatsanwaltschaft erfüllt Wolfgang Fellners Erwartungen vorerst nicht. Der Österreich-Chef rechnete im Standard-Gespräch damit, dass die Ermittlungen - auch gegen ihn - zu einem Immobiliendeal einer Fellner-Firma mit der Constantia/ Immofinanz „in den nächsten Tagen eingestellt" würden.

Die Staatsanwaltschaft sichtet derzeit das umfangreiche Material und hat mit Einvernahmen dazu begonnen. Nach rascher Einstellung klingt das nicht. Der Verdacht laut Behörde: Beihilfe zur Untreue. Fellner wies das entschieden zurück wie seine Beteiligung an Geschäften mit der Immofinanz.

Die neuen Infos zu Geschäften zwischen der Familie Fellner und der Immofinanz beziehungsweise der Constantia Privatbank, die die Staatsanwaltschaft Wien wie berichtet untersucht: Kid Möchel berichtet im Branchenmagazin Der österreichische Journalist über ihm nach seinen Angaben vorliegende Details aus den Akten, Titel "Akte Fellner: Brisante Vorgänge im Immofinanz-Strafverfahren".

Im Gespräch mit dem Standard sagte Fellner am Montag, er erwarte, dass "das in den nächsten Tagen eingestellt wird". Fellner: "Ich hoffe, dass alle Beteiligten zur Erkenntnis gelangen, dass mir Unrecht geschehen ist und ich nichts damit zu tun habe".

Das Magazin Journalist berichtet, Fellner-Anwälte hätten ihre Rolle bei dem Immobiliendeal als Treuhänder für Bruder Helmuth und Wolfgang Fellner offengelegt. Auch Immofinanz-Wertpapiere soll die Constantia Privatbank von Fellner Familie, auch Wolfgang, geliehen haben, da sie mehr dieser Wertpapiere verkaufte als sie hatte. Fellner erklärt dem Magazin indes, er komme im Akt "nicht vor". Der Journalist veröffentlicht ein Faksimile, laut Magazin eine Liste aus dem Akt über die Verleiher von Immofinanz-Aktien, die Mitglieder der Familie Fellner, auch Wolfgang, enthalte.

Das Magazin zu dem Immobiliendeal in der Geiselbergstraße (Der Standard berichtete): Zwei Zeugen aus der Immofinanz - einer bis November 2008 zuständig für Beteiligungsmanagement und Controlling, einer in "leitender Funktion" bei der Constantia Privatbank - wollen bei ihrem Vorstand (der in gemeinsamen Firmen mit Helmuth Fellner Funktionen hatte) laut Protokoll Aufklärung "über die Differenz zwischen Bewertung und des tatsächlichen Kaufpreises" verlangt, aber nicht erhalten haben. Sie berichten auch über ein Immobilienprojekt in St. Moritz, das laut Wolfgang Fellner nicht zustande kam. Einen der Zeugen zitiert Möchel mit "Fellner war einer der größten Kunden der Bank, der Hintergrund war vermutlich nicht nur seine Zeitungsmacht" - da dürfte es um Helmuth Fellner gehen, der sich insbesondere um die Finanzen der Familie kümmert.

Das Branchenmagazin berichtet außerdem von eigenwilligen Abläufen in der Staatsanwaltschaft bei den Aussagen dieser beiden Zeugen: "Auffällig an beiden Zeugenaussagen ist, dass sie eineinhalb Jahre nicht im Strafakt aufschienen. Auffällig ist aber auch, dass beide Zeugen vom Staatsanwalt zweimal an einem Tag vernommen worden sind. Die Vernehmung von G., der am 15. Jänner 2009 von 9 bis 17 Uhr befragt worden war, wurde unter der Ordnungsnummer 176 in den Akt aufgenommen. Seine Aussage über die ,Fellners', Bezeichnung 2. Zeugeneinvernehmung, wurde laut Aktenlage in der Mittagspause der Haupteinvernahme, zwischen 11.35 und 12.20 protokolliert. Doch dieses Protokoll wurde erst im Sommer 2009 unter der Ordnungsnummer 1048 in den Strafakt ,einjournalisiert'." Ähnlich die Einvernahme des zweiten Zeugen laut Journalist: Die ersten Einvernahme "endete laut Aktenlage um 14 Uhr und wurde unter der Ordnungsnummer 208 einjournalisiert. Im Anschluss wurde gleich seine zweite Einvernahme gestartet", dieses Protokoll trage die Ordnungsnummer 1047 und sei erst im August 2010 in den Strafakt gelangt.

Der einvernehmende Staatsanwalt hat die Justiz inzwischen auf eigenen Wunsch verlassen. Er habe sich auf andere Schwerpunkte konzentriert, die nach ihm mit der Causa befassten Beamten hätten das Material erst nach und nach aufgearbeitet, hieß es intern zu den Verzögerungen. Innerhalb der Staatsanwaltschaft schließt man nicht aus, dass im Zuge der Untersuchugnen noch weitere Aspekte wie der Immobiliendeal der Fellners auftauchten.

derStandard.at gibt die Darstellung Fellners und des "Journalist" wieder. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung. (fid)

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