Herrschersohn bestellt Jacht um 280 Millionen Euro

28. Februar 2011, 22:03
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Bei deutscher Werft - NGO "Global Witness": "Empörende Extravaganz"

London/Wewelsfleth - Der Sohn des Alleinherrschers von Äquatorialguinea lässt sich nach Recherchen der Nichtregierungsorganisation (NGO) "Global Witness" in Deutschland eine Luxusjacht für 280 Millionen Euro bauen. Den geheimen Auftrag habe Teodoro Nguema Obiang Mangue der Spezialwerft Kusch im schleswig-holsteinischen Wefelsfleth erteilt, berichtete die auf Misswirtschaft und Korruption im Zusammenhang mit der Ausbeutung von Bodenschätzen spezialisierte Initiative am Montag in London. Der Kampagnenchef von "Global Witness", Gavin Hayman, bezeichnete die Bestellung des Schiffs als "empörende Extravaganz".

Äquatorial-Guinea in Zentralafrika wird seit 31 Jahren von Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo regiert. Sein 41-jähriger Sohn - genannt Teodorin - ist Landwirtschafts- und Forstminister des ölreichen afrikanischen Staates und Vizepräsident der Präsidentenpartei seines Vaters, die das Land faktisch allein regiert. Nach Angaben von "Global Witness" ist er für einen ausschweifenden Lebenswandel bekannt und besitzt eine Luxuswohnung in den USA, teure Autos und Privatflugzeuge. Die Organisation bringt ihn in Verbindung mit Korruption und Veruntreuung von Staatsgeldern.

Ein Kino, ein Restaurant

Die von Teodorin bestellte Jacht wäre die zweitteuerste je gebaute, teilte "Global Witness" mit. Das rund 118 Meter lange Luxusschiff, das unter anderem ein Kino und ein Restaurant beherbergen soll, würde nur noch von der Jacht des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch übertroffen. Das Schiff des Präsidentensohns sollte planmäßig bis 2012 fertiggestellt sein. Nach Informationen der Organisation hat der Bau bisher aber noch nicht begonnen.

Die Werft wollte die Recherchen nicht bestätigen. Sein Unternehmen äußere sich prinzipiell "weder zu Projekten noch zu Kunden", sagte der Geschäftsführer von Kusch, Mark Dethlefs. Die Luxusjacht-Baubranche ist generell extrem verschwiegen.

"Global Witness" kritisierte das Verhalten Deutschlands und anderer westlicher Länder. Teodoro Nguema Obiang Mangue könnte Korruption in einem solchen Ausmaß nicht betreiben, wenn diese keine "sicheren Häfen" für seine Durchreise und die seines "auf fragwürdige Weise erlangten privaten Reichtum" wären, erklärte Hayman.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin sind die Lebensbedingungen der Menschen in Äquatoriaguinea "schwierig", obwohl das Land wegen seiner Erdöleinnahmen pro Kopf der Bevölkerung zu den reichsten Afrikas gehört. Wasser- und Stromversorgung seien unzureichend, die Menschenrechtslage "problematisch", heißt es auf der Internetseite des deutschen Außenministeriums. (APA/AFP)

  • "Eclipse", die Jacht von Roman Abramowitsch. Nur die "Eclipse" ist größer, wenn das Schiff des Landwirtschafts- und Forstministers von Äquatorialguinea fertig ist.
    foto: epa/marcus brandt

    "Eclipse", die Jacht von Roman Abramowitsch. Nur die "Eclipse" ist größer, wenn das Schiff des Landwirtschafts- und Forstministers von Äquatorialguinea fertig ist.

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