Copyrights

Filesharing in Zeiten der Vorratsdatenspeicherung

Michael Matzenberger, 3. März 2011, 12:51

Hat die kürzlich beschlossene Vorratsdatenspeicherung auch Auswirkungen für Tauschbörsennutzer?

Vergangene Woche beschloss die Regierung die Vorratsdatenspeicherung. Bis Anfang nächsten Jahres sollen die Provider die nötige Infrastruktur eingerichtet haben, um die seit 2006 bestehende EU-Richtlinie umzusetzen: Dann werden jeweils sechs Monate lang die Daten aller Internet- und Telefonverbindungen von 8,4 Millionen Österreichern gespeichert. Argumentiert wurde die Maßnahme mit der Bekämpfung des internationalen Terrorismus. Doch bereits seit Jahren liebäugeln auch Vertreter von Musik- und Filmindustrie mit dem Zugriff auf die Daten von "Raubkopierern". Eine Ausnahme könnte ihnen das ermöglichen.

Von der Regel …

Denn grundsätzlich dürfen die Verbindungssdaten nur herausgegeben werden, wenn damit ein Verbrechen mit einer Strafandrohung von mindestens einem Jahr Freiheitsentzug aufgeklärt werden könnte. Dieser Strafrahmen wurde als Untergrenze für den Zugriff auf alle E-Mail- und Telefondaten festgelegt. IP-Adressen aber, die beim restlichen Internetverkehr und so auch beim Filesharing gespeichert werden, müssen die Provider auch herausgeben, wenn kein Verbrechen mit Mindeststrafe vorliegt. Dann genügt die begründete Anordnung eines Staatsanwalts.

… die Ausnahme

Bei welchen Delikten die Staatsanwälte diesen Handlungsbedarf verspüren werden, ist freilich noch unklar. Offiziell soll die Ausnahmeregelung im Kampf gegen Kinderpornografie greifen. Möglicherweise werden aber auch Rechteinhaber aus Film-, Musik- oder Softwarewirtschaft an die Staatsanwälte herantreten und Auskunft erbitten, um Serienbriefe mit Abmahnungen und Schadenersatzforderungen an die österreichischen Tauschbörsennutzer heranzutragen. Das Geschäft wäre ohne Zweifel lukrativ: 23,76 % des weltweiten Datenvolumens sollen laut einer aktuellen Studie mit illegalen, weil copyrightgeschützten Inhalten bestritten werden.

Dementsprechend appelierte der Verein für Antipiraterie der Film- und Videobranche (VAP) bereits 2007, als ein erster Entwurf für die Vorratsdatenspeicherung vorgelegt wurde, an den Gesetzgeber: "Wir ersuchen dringend, den Entwurf so abzuändern, dass zumindest keine Verschlechterung in den Möglichkeiten der Rechtsverfolgung und des Schutzes von geistigem Eigentum eintritt."

Im Gespräch mit derStandard.at erklärt Andreas Manak, Rechtsanwalt des VAP, die Rechteinhaber würden gegen private Filesharer nicht anders vorgehen als bisher: "Die Filmindustrie hat immer die Politik verfolgt, Filesharing nicht bei den Endusern zu bekämpfen, sondern bei den kommerziellen Anbietern, sprich bei Filehostern, Plattformen oder Newsgroups, die Inhalte illegal anbieten."

Keine hunderttausende Mahnschreiben

Womit Manak dabei hadert: Rechteinhaber hätten weder vor noch mit der Vorratsdatenspeicherung eine konkrete Handhabe gegen kommerzielle und systematische Rechtsverletzungen – es sei schlicht keine Behörde zuständig, die die Daten anfragen könnte. "Einzelne Downloader waren aber nie in unserem Fokus und mit der Vorratsdatenspeicherung wird das zivil- oder strafrechtlich weiterhin nicht möglich sein. Selbst wenn die Filmwirtschaft diese Daten bekommt, würden wir nicht hunderttausende Mahnschreiben aussenden", bekräftigt der Rechtsanwalt.

Wie das Vorgehen der Copyright-Lobby letztendlich aussieht, hängt natürlich auch von den endgültigen Gesetzesformulierungen ab. Ganz auszuschließen wird es nicht sein, dass die Rechteinhaber dem Datenhunger erliegen und mit weiterem Druck auf den Gesetzgeber versuchen, den oft zitierten Schaden in Millionenhöhe, den die Filesharer der Filmwirtschaft jährlich kosten würden, über den Weg der Vorratsdaten zu kompensieren.

2010 war mit 1,18 Milliarden verkauften Tickets europaweit übrigens das erfolgreichste Jahr der Kinogeschichte. In Österreich ging die Besucherzahl allerdings um 6 Prozent zurück. Womöglich liegt das daran, dass es hierzulande relativ viele illegale Filesharer gibt, die den BitTorrent-Client einem Kinoprojektor vorziehen. Womöglich liegt es aber auch daran, dass der durchschnittliche Preis für ein Kinoticket innerhalb eines Jahres von 7,09 Euro auf 7,52 Euro stieg. (mm, 2.3.2011, derStandard.at)

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le_n00b
00
23.3.2011, 21:48
Hat der Ausschuss gar etwas zu verbergen?

… dann hat er auch etwas zu befürchten.

le_n00b
00
23.3.2011, 21:35
Die Content-Industrie sollte sich mal überlegen …

… warum es etwas gleichwertiges zu Netflix noch nicht gibt. Dann wäre ich kein potenzieller Pirat mehr. Aber in der Provinz fernab von Programmkinos etwas für meinen Filmgeschmack zu finden ist auf legalem weg entweder sehr unbequem (weite Distanzen), sehr teuer (BluRay bestellen) oder technisch überholt (DVD bestellen).

Ich zahle dafür, dass ich unterhalten werde, gerne sogar. Ca. 700 CDs in meinem Regal und ca. gleich viele legal erworbene Musikstücke von Amazon, iTunes & Co. sind mein Beweis. Bei Filmen derzeit leider absolut unmöglich. Ich bin mehr Musik- als Filmliebhaber. Filme schaue ich selten mehr als 1x, CDs höre ich zig mal an, daher lohnt sich da der Kauf für mich weit mehr, als bei Filmen. Filme würde ich gern leihen. Wie?

Bit Bürger
40
Safer Saugen!

Wer seine echte IP zeigt ist doch selbst schuld! Hotspotshield aktivieren und gut ist. Also liebe Leute: Geht nicht nackt ins Internet. Man kann sich so leicht schützen!

csedlaczek
01
AGBs lesen hilft! IP Adresse nicht so geheim wie sie glauben

Das ist dann aber ein ziemlicher Schildbürgerstreich. Hotspotshield geht über US Server. Das fällt dann unter den DMCA (Digital Millennium Copyright Act).

So schnell können sie gar nicht schaun, da haben die auch schon Ihre wahre IP Adresse offengelegt sollten sie gegen den DMCA verstoßen.

Aber wenn sie die Nutzungsbedingungen gelesen hätten, sollten sie das eigentlich wissen. § 5 der "Terms of Service"

opryde
01

gerade us-vpn's und dergleichen sollte man nicht fürs filesharen nutzen.

gogosch der Grosse
00
"Filesharer sind Terroristen"

hat mal zumindest ein gewisser G. W. Bush behauptet!

Dr.mumunator
02
Und alle

unserer Politverbrecher haben dieser Überwachungsmaßnahme jedes einzelnen still und leise zugestimmt. Veranlasst von der EU Diktatur!

Benu
04
Diese Kinderpornos sind scheinbar vorteilhaft für die Filmindustrie.

Gäbe es keine Kinderpornos, wäre nicht nur eine Grauslichkeit weniger auf dieser Welt.
Die Filmindustrie täte sich auch ungleich härter Gesetze zu bekommen, die Filesharer behindern.

M0ru
01
17.3.2011, 13:18

"Child pornography is great," the speaker at the podium [Johan Schluter] declared enthusiastically. "It is great because politicians understand child pornography. By playing that card, we can get them to act, and start blocking sites. And once they have done that, we can get them to start blocking file sharing sites".
source: http://www.techdirt.com/articles/... 9198.shtml

Grandscherben Rassmucki
41
es werden nur e-mail verbindungsdaten in zukunft gespeichert...

... ergo: vollkommen wurscht für file-sharing.

k. ot
21
quellen oder du lügst

Grandscherben Rassmucki
12
Nachzulesen auf EurLex...

... "Richtline 2006/24/EG" vom 15. März 2006 über die Vorratsspeicher von Daten - Artikel 5 listet die Kategorien der Daten recht gut auf.

Zusammenfassend:
.) Verbindungsdaten (daß heisst, welche IP mit welcher IP kommuniziert hat) im Zusammenhang mit E-Mail und Internet-Telefonie
.) Identifikation des IP-Adressen Nutzers (also wer hat wann welche IP-Adresse verwendet).

Letzteres is nix neues, manch ein Provider hält die Daten nur ein paar Tage, manch einer einige Woche. Jetzt wirds halt generell halt für 6 Monate gespeichert.

Insofern ändert sich net wirklich was für file-sharer...

Erwin Brandstetter
01
Fehlinformation. Es ist der Einstieg in die totale Überwachung.

Dein anfangs behauptetes "nur e-mail Verbindungsdaten" ist schlicht falsch. Selbst in deiner Berichtigung schaffst du nur den halben Weg zur Wahrheit.

Schon jetzt kann aufgezeichnet werden, welche IP-Adressen am Filesharing beteiligt sind. Da die meisten IP-Adressen aber dynamisch vergeben werden, lässt sich im Nachhinein nicht zuverlässig feststellen, welcher physische Anschluss dahinter steckt. Mit der Aufzeichnung der dynamischen IPs fällt diese "plausible deniability" weg.

Eine Kriegserklärung an Filesharer, aber nicht nur Filesharer. Es ist der Einstieg in die totale Überwachung. Deckmantel ist einmal mehr "gegen Terror" und "gegen Kinderpornographie". Die üblichen Lügen halt.

Erwin Brandstetter
05
Welcher Terror?

Wenn es "gegen Terror" (welcher Terror?) oder "gegen Kinderpornographie" geht, stehen in 9 von 10 Fällen ganz andere Absichten dahinter.

cuniculus
00

Kollateralschaden, würde ich sagen. Oder unterstellen Sie dem Staat bzw. der EU ernsthaft unter hehren Aufhängern Lobbyisten Platz zu geben für deren Anliegen?
(c;

Voronwe
00
11.3.2011, 17:54
Jip

Pin Guy
00
wenn sich alle user zusammenschliessen

und den datenverkehr derart ankurbeln, dass die mit dem speicherplatz nicht mehr nachkommen, dann hört sich das ganze bald von selbst auf.

wer soll die unmengen von daten je auswerten. am besten den computer tag und nach mit downloads durchlaufen lassen. es gibt ja viele freewareprogramme welche kostenlos heruntergeladen werden können.

am besten diese verschlüsselt vorher im internet ablegen. damit die nicht wissen, was heruntergeladen wird.

der aufwand zum entschlüsseln sollte die datensammler zermürben.

wenns mal gelingt - kein problem --waren ja legale daten.

J4ReD
00

Die Daten werden nicht gespeichert, sondern die Start-und Ziel-adressen (und ev. paar andere sachen)...

Damnit!

ChesneyB
00

"sondern die Start-und Ziel-adressen"

Glaub ich nicht. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Vorr... peicherung
In Deutschland wurden auch nur die vom Provider zugeteilten IP-Adressen gespeichert. Warum sollte das in Österreich anders sein?

anlumo
00

Das dürfte gerade bei Bittorrent wohl ein Problem sein, nachdem da leicht tausende Verbindungen gleichzeitig offen sein können. Die Kosten für das entsprechende Equipment tragen natürlich die Kunden, also wir.

cyber ferkel
10

Gestattet sämtlichen Wlans öffentlichen Zugriff und niemand kann euch etwas nachweisen.

linkslinker gutmensch
01

Der Aufruf grenzt ja schon an gefährliche Dummheit.

le_n00b
00
23.3.2011, 21:25

Nein, gutes Social Engineering würde ich sagen. ;)

Fritz Meyer
021
Sobald Daten gesammelt werden...

findet der Missbrauch damit auch statt.

Bisher hat es noch keine Ausnahme von dieser Regel gegeben.

Und die Regierung hat schon dafür gesorgt, dass möglichst wenig für die Sicherheit gemacht wird. Oder ob das Gesetz nach seiner Etablierung überhaupt jemals hinterfragt werden soll.

Fest steht aber schon jetzt: "Terroristen" werden's damit in Hundert Jahren nicht erwischen. Nur kosten wird's den Steuerzahler und schaden der Demokratie.

Mathias
 
03
Nur kosten wird's den Steuerzahler und schaden der Demokratie.

Wer seine Stimme dagegen erheben möchte:

"Die Piratenpartei"

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