Teuerung trifft Arme härter

28. Februar 2011, 17:50
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Notenbanken gehen einen schmalen Grat

Sie ist wieder da, die Inflation. Der Ölpreis ist deutlich über 100 Dollar je Barrel gestiegen und dürfte damit in den kommenden Monaten die Brieftaschen der Konsumenten deutlich belasten. In Europa verteuern sich die Güter des täglichen Gebrauchs wieder mit über zwei Prozent im Jahr, also über der Zielrate der Europäischen Zentralbank (EZB), gemessen an den offiziellen Statistiken.

Doch Sorgen bereitet zahlreichen Ökonomen eine ganz andere Kennzahl. Das Wachstum der Geldmenge, also die in der Volkswirtschaft im Umlauf befindlichen Finanzmittel. Als Reaktion auf die Krise haben Notenbanken Wertpapiere gekauft und hohe Summen direkt in den Geldmarkt gepumpt. In Europa etwa ist die Bilanz der EZB noch immer knapp 500 Milliarden Euro größer als noch vor der Krise. Dieses Geld haben Bankinstitute als kurzfristige Kredite erhalten, um sich zu refinanzieren. Doch das Geld floss auch in Schwellenländer, die seit 2008 rekordhohe Kapitalzuflüsse verzeichneten.

Dabei kennt die EZB die Gefahren. Geldmengenwachstum sei der Vorbote von Vermögenspreisblasen, heißt es in einem jüngsten Forschungspapier der Zentralbanker in Frankfurt. Auf 480 Seiten erläutern sie darin die wichtige Bedeutung der Geldmenge. "Inflation ist ultimativ ein monetäres Phänomen", lautet der erste Satz des Textes. Der Vater des Monetarismus, Nobelpreisträger Milton Friedman, drückte sich ähnlich aus: "Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen." Friedman war es, der die positiven Effekte der Inflation, die von Ökonomen wie Alban Williams Phillips beschrieben wurde, widerlegt hatte (siehe Kasten links). Er forderte, die Geldmenge im Griff zu haben, um inflationären Tendenzen Vorschub zu leisten. Das ist die Strategie der Monetaristen.

Die Effekte monetärer Inflation sind gut dokumentiert. Dabei geht es nicht nur um die kurzfristigen, negativen Effekte für Sparer. Inflation schadet auch den armen Bevölkerungsschichten. Studien zu lateinamerikanischen Staaten und ihren Erfahrungen in den 1970er- und 1980er-Jahren belegen das. Hohe Inflationsraten führen zu hohen "Shoe-lace"-Kosten, denn die Konsumenten müssen immer gleich in die Geschäfte laufen, um ihr Bargeld auszugeben. Dazu kommt laut Studien eines Ökonomenteams des Internationalen Währungsfonds, dass gerade ärmere Schichten ihr Erspartes in Form von Bargeld halten, das direkt durch die Teuerung entwertet wird. Währenddessen würden wohlhabendere Schichten Wertpapiere halten, die von der Inflation verschont bleiben können, wie etwa Aktien.

Doch Friedmans Erben sind außerhalb Europas rar geworden. In den USA etwa ist die Geldmenge für die Federal Reserve, die US-Notenbank, offiziell keine relevante Größe. Im Gegenteil: Seit dem Jahre 2006 wird die breit gefasste Menge des im Umlauf befindlichen Geldes (M3) gar nicht mehr ausgewiesen. (sulu, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.3.2011)

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