Steuererhöhungen treiben die Preise

28. Februar 2011, 17:38
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Mit 2,4 Prozent ist die Inflation im Jänner auf den höchsten Wert seit Ausbruch der Finanzkrise gestiegen

 Die Anhebung der Mineralöl- und Tabaksteuer hat die Teuerung im Jänner auf 2,4 Prozent getrieben, den höchsten Wert seit Oktober 2008. Österreich liegt damit über dem Euro-Durchschnitt, auch in den beiden Untergruppen Verkehr und Tabak ist der höhere Preisanstieg augenscheinlich. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) schätzt den durch gestiegene Abgaben hausgemachten Anteil der Inflation auf 0,4 Prozent, wie Preisexperte Josef Baumgartner dem Standard erläuterte.

In den Fokus gerückt sind Schwachstellen bei der Inflationsmessung: Die Mieten sind im Warenkorb nur mit vier Prozent vertreten und liegen damit weit unter den Ausgaben normaler Verbraucher. Nun wird der Warenkorb angepasst.

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Vieltelefonierende Damen, die häufig neue Blusen kaufen, haben es gut. Sie sind die aktuellen Inflationsgewinnerinnen. Handy-Gesprächsgebühren waren nämlich im Jänner um 15 Prozent niedriger als noch vor einem Jahr. Damenblusen sind um zwölf Prozent günstiger zu haben als im Jänner 2010. Ansonsten liefern die neuen Inflationswerte aber wenig erfreuliche Werte. Insgesamt lag die Teuerung zu Jahresbeginn in Österreich bei 2,4 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Oktober 2008. Ein großer Teil der Inflation ist laut dem Generaldirektor der Statistik Austria, Konrad Pesendorfer, importiert. Der hohe Rohölpreis, der seit Ausbruch der Krise in Nordafrika weiter angezogen hat, schlug sich in höheren Treibstoffpreisen nieder. Diesel war um 22 Prozent teurer als vor einem Jahr, Superbenzin um 15 Prozent.

Ein guter Anteil der Teuerung ist hausgemacht, wurden doch mit Jahreswechsel die Mineralöl- und Tabaksteuer empfindlich erhöht. Das lässt sich auch recht gut an den entsprechenden Untergruppen im Warenkorb der Statistik Austria ablesen. Treibstoffe trugen ein Drittel zur Inflation bei. Die Teuerung von alkoholischen Getränken und Tabakwaren machte im Jänner 4,9 Prozent nach 2,2 Prozent im Dezember aus. In beiden Bereichen liegt der Preisanstieg über jenem in der Eurozone. Die Statistik lässt sich mit der genauen Berechnung der Steuerwirkung noch Zeit, Wifo-Experte Josef Baumgartner schätzt diesen Effekt auf 0,4 Prozent. Ohne Steuererhöhungen wäre somit die Inflation zu Jahresbeginn bei zwei Prozent gelegen.

Ein weiterer Teil der Inflation wurde über Nahrungsmittel importiert, Obst verteuerte sich um zehn Prozent, Kaffee um 13 Prozent, Gemüse um fünf Prozent.

Die österreichische Inflation lag im Jänner auch leicht über jener der Eurozone, die bei 2,3 Prozent lag. Die Preisentwicklung ist dabei sehr uneinheitlich. Die größte Schere gibt es zwischen dem Irland (0,2 Prozent) und Estland (5,1), was die Europäische Zentralbank vor ziemliche Herausforderungen stellt.

Am stärksten fiel der Preisauftrieb im Jänner in den Nicht-Euroländern Rumänien (sieben Prozent), Bulgarien (4,3) sowie Großbritannien und Ungarn (beide vier Prozent) aus. (go, as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.3.2011)

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