"Bringe mehr, als ich koste": Voigt zu Fellner

28. Februar 2011, 17:59
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Oliver Voigt wechselt die Fronten: Als Abwehrwaffe gegen Wolfgang Fellners "Österreich" wurde er 2006 News-Chef. Nach dem Abgang dort holt ihn Fellner an Bord - mit Aussicht auf Beteiligung

Wien - Den Termin vor dem Personalausschuss der Mediaprint vorigen Donnerstag sagte Oliver Voigt ab. Kurz kursierte ein angeblich lukratives Angebot aus Deutschland - das Voigt wohl schon um der Ablenkung vom tatsächlichen Ziel nicht groß dementierte. Montag informierten Fellner und Voigt die "Österreich"-Mitarbeiter von seinem Engagement im Akademiehof.

Pikant: News-Mehrheitseigentümer Gruner+Jahr holte denselben Voigt 2006 als Abwehrwaffe gegen Wolfgang Fellners Österreich und dessen tägliche Magazine an die Spitze der Verlagsgruppe News. Voigt bestand auf eine ansehnliche Erfolgsbeteiligung und trieb die Rendite des marktbeherrschenden Magazinkonzerns auf zuletzt kolportierte 17 Prozent, gut 20 Millionen Euro Ergebnis kursieren im Media Tower.

Die Erfolgsbeteiligung machte den 44jährigen zum wohl bestbezahlten Medienmanager Österreichs - in der Branche wurde er, unbestätigt, auf 600.000 bis 700.000 Euro geschätzt.

"Jenseits der zehn Prozent Rendite"

Muss Voigt nun den Gürtel merklich enger schnallen? "Wir übernehmen prinzipiell zu keinen erhöhten, auch keinen gedumpten, sondern zu gleichen Bedingungen", sagt Fellner. "Dem Ganzen liegt natürlich ein möglichst rascher Turnaround ins Plus zugrunde. Jenseits der zehn Prozent Rendite klingelt auch bei ihm die Kasse" Voigt sei am Unternehmenserfolg beteiligt, und er habe erfolgsabhängig eine Option auf eine Beteiligung am Firmengeflecht hinter Österreich. Details lassen sie offen.

Kann sich Österreich Voigt leisten? "Ich bin noch keiner Unternehmung monetär zur Last gefallen", sagt Voigt, "ich habe immer genügend hinterlassen". Und: "Ich bringe mehr, als ich koste."

"Der finanziert sich selber", sagt Fellner, "es wäre peinlich, wenn nur das hereinkommt, was er verdient. Da kommt zumindest das Zwanzigfache herein".

Immofinanz

Fellner konzentriert sich nach eigenen Angaben auf die Funktionen Herausgeber und Verleger, das Verlagsmanagement gibt er Voigt ab. Dass das mit Ermittlungen und Hausdurchsuchungen über einen Immobiliendeal einer Firma der Familie mit der Immofinanz zu tun haben könnte, verneint Fellner und sagt, er erwarte, dass "das in den nächsten Tagen eingestellt wird". Fellner: "Ich hoffe, dass alle Beteiligten zur Erkenntnis gelangen, dass mir Unrecht geschehen ist und ich nichts damit zu tun habe". Das Branchenmagazin Der österreichische Journalist berichtet neue Details zur Causa.

Gemeinsames vor Trennendes

Voigt verantworte Budget, Marketing, neue Medien und "Verlegerisches" für die Zeitung und die Gruppe, ließen beide verlauten. Er arbeitete schon 1991 bis 2001 mit Wolfgang Fellner als Marketingvorstand der Verlagsgruppe News zusammen.

Bei Fellner-Medien greifen Inseratenakquise und Berichterstattung traditionell ineinander. "Die Personalunion wird aufgedröselt", die "Doppelfunktion" sei ja auch für ihn "anstrengend" gewesen, "das sollte man trennen", sagt Fellner. Und zischt ab mit Voigt (einen Tag vor dessen Dienstantritt) zum gemeinsamen Termin beim potenten Werber L'Oreal. (Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 1.3.2011)

Voigts Nachfolger bei der Verlagsgruppe News, Matthias Schönwandt, antwortete Montag nicht auf die Mailanfrage des Standard, was er von Voigts neuem Job hält.

Von Absenger bis Zekert

Und was tun die langjährigen Fellner-Mitstreiter Conny Absenger und Wolfgang Zekert künftig? Laut Fellners Aussendung: Wolfgang Zekert betreut weiterhin eigenständig als Geschäftsführer die Bereiche Druck, Vertrieb und Verlagsmanagement. Er wird zusätzlich die Vertretung von "Österreich" in allen relevanten Gremien vornehmen. Conny Absenger leitet weiterhin als eigenständige Geschäftsführerin Anzeigen- und Verlagsmanagement und die Fellner Media AG. Sie wird zusätzlich als neue Vorsitzende der Wolfgang Fellner Privatstiftung gemeinsam mit Wolfgang Fellner die Eigentümerinteressen in der Mediengruppe Österreich vertreten.

ZITIERT: "Problem Gratis-Welle" - und ein "Gratis-Drama"

"Ich glaube, wir werden da ein Problem bekommen:Wir werden eine Perzeption beim Leser erzeugen, dass gedruckte Information nichts kosten darf. Die Gratis-Welle ist nicht aufhaltbar."
Oliver Voigt 2006 als News-Manager in der Presse

"Wenn Sie sich die Länder ansehen, in denen Gratismedien nachhaltig verankert sind, wird sich Ihnen das Drama offenbaren. In London werden Passanten die Gratiszeitungen nahezu aufgedrängt. Und keiner nimmt sie mehr. England ist das beste Beispiel für dieses Gratisdrama: Gratis kommt, erschließt sich seine Zielgruppe, macht sich gegenseitig immer mehr Konkurrenz, und irgendwann nehmen es die Leute nicht mehr."
Oliver Voigt 2007 als News-Manager im Branchenblatt Horizont.

"Gratisblätter werden sich selbst kannibalisieren? Auch in Österreich?"
"Horizont" fragt nach.

"Wie das Amen im Gebet. Da werden noch viele viel Geld verlieren ..."
Voigt

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    Die Vorher-Nachher-Show: Oliver Voigt (links) und Wolfgang Fellner (re.): Als News-Chef war Voigt Abwehrkämpfer gegen "Österreich".

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    Nun heuert er bei Fellners Zeitung an.

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